6 Richtige: DONNA-Buchtipps im Mai

Im Frühling lesen wir in den Buch-Neuerscheinungen von Kunstfälschung, Vätern und Söhnen und Sex im Alter: Sechs Lese-Empfehlungen der DONNA-Redaktion im Mai.

Eine Frau liegt in der Hängematte und liest ein Buch, in das man als Betrachter hineinblickt.

1. Von ganz eigener Farbe

Eine einsame Kunstfälscherin, ein reicher, desillusionierter Anwalt aus Manhattan, dem ein kostbares Bild gestohlen wird, und die unglückliche Künstlerin, die das Gemälde um 1630 geschaffen hat – daraus webt Dominic Smith eine so wehmütige wie malerische „Dreiecksgeschichte”, dass man das Gefühl hat, beim Lesen bleibt die Zeit stehen.

„Das letzte Bild der Sara de Vos“ von Dominic Smith, Ullstein, 20 Euro
 

2. Haarscharf

Autorin Sofi Oksanen bezeichnet ihr Schreiben als Autofiktion – eine Mischung aus Autobiografischem und Fantasie. Tatsächlich könnte die Feministin mit dem Puppengesicht und der lila Mähne mit ihrer Hauptfigur Norma verwandt sein: Die wunderliche junge Frau mit unnatürlich schnell wachsendem Haar versucht, den Tod ihrer Mutter aufzuklären, und stößt dabei auf einen Verbrecherring rund um Haarverlängerung und Leihmutterschaft. Klingt abstrus, liest sich aber glasklar.

„Die Sache mit Norma“ von Sofi Oksanen, KiWi, 22 Euro

3. Rhythm, Baby!

Wann haben Sie zum letzten Mal Gedichte gelesen? Egal, ob es gestern oder in der Oberstufe war: Nico Bleutge, 44, sollten Sie sich mal angucken. Oder besser noch: seine Gedichte laut vorlesen. So viel mitreißenden Rhythmus gab’s lange nicht mehr in der deutschen Lyrik.

„Nachts leuchten die Schiffe“ von Nico Bleutge, C.H.Beck, 16,95 Euro

10 Literaturklassiker, die Sie unbedingt lesen sollten!

4. Irre Liebhaben

„Kommst du aus Beckomberga, oder was?” – das pflegten sich Stockholmer Kinder früher nachzurufen. Beckomberga, das ist die „Irrenanstalt”, in die die 14-jährige Jackie oft geht, um ihren psychisch kranken Vater zu besuchen. Aber anders als man annehmen möchte, ist die psychiatrische Klinik für das Mädchen kein düsterer Ort: weil die Liebe Menschen eben doch retten kann.

„Das große Herz“ von Sara Stridsberg, Hanser, 23 Euro

5. Papa ante portas

Hartmut Wilke ist ein Entscheider – eigentlich. Denn gerade läuft es nicht so richtig gut für den alternden Anwalt. Als sein Sohn Erik, der ihm nie gut genug war, ihn in sein neues, exotisches Leben einlädt, greift Hartmut zu: Vielleicht kann er wenigstens hier etwas richtig machen. Aber die Sache läuft mächtig aus dem Ruder. Spannende Vater-Sohn-Geschichte vom Münchner Autor (und Anwalt) Georg M. Oswald.

„Alle, die du liebst“ von Georg M. Oswald, Piper, 18 Euro

6. Später flirten

Nach der Lektüre dieses Buchs hat man, was das Alter angeht, ein paar Befürchtungen weniger: Die 70-jährige Addie fragt ihren Nachbarn Louis, verwitwet wie sie, ob er nicht abends ab und zu rüberkommen möchte – und vielleicht auch die Nacht bleiben wolle...? Erst zögert er, schließlich leben die beiden in einer amerikanischen Kleinstadt, in der man „solche Dinge” eigentlich nicht tut. Aber dann! Kent Haruf macht aus diesem leisen Flirt zwischen zwei alten Menschen eine große Lovestory. Man möchte weinen, so gerührt ist man.

„Unsere Seelen bei Nacht“ von Kent Haruf, Diogenes, 20 Euro