Gründerin im Porträt: Heidrun Keim, „FOLDART“

Heidrun Keim faszinierte die Idee, aus Materialien wie Kupfer, Papier, Alu und Gold einzigartige Designobjekte zu gestalten. Aus dieser Inspiration heraus entstand ihr Start-up FOLDART. Die Gründerin des Objektdesign-Unternehmens im DONNA-Porträt.

Porträtbild von Heidun Keim, Gründerin des Unternehmens FOLDART für gefaltete Designobjekte

Heidrun Keims Unternehmen FOLDART macht aus Papier, Alu oder Gold einzigartige Designobjekte – mit Faltungen, die in der Luftfahrt angewendet werden.

DONNA Online: Was haben Sie vor Ihrer Selbstständigkeit gemacht?
Heidrun Keim: Irgendwie habe ich das Gefühl, schon immer selbständig gewesen zu sein – auch wenn ich in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt war. Es ist das selbstständige Handeln und Entscheiden, aber auch das Tragen von Verantwortung, das die Selbstständigkeit für mich so reizvoll macht. Glücklicherweise haben die meisten meiner Arbeitgeber mir diese Freiheit ermöglicht und mich schon früh mit leitenden Funktionen betraut. So war ich unter anderem als Vertriebsleiterin für die D-A-CH-Region eines Luxus-Mineralwasserproduzentens, als Marketing- und Vertriebsleiterin bei einer Unternehmensberatung oder als Gebietsverkaufsleiterin bei einer namhaften Glas-, Porzellan- und Keramik-Manufaktur beschäftigt. Zudem bin ich gelernte Einzelhandelskauffrau, IHK Handelsfachwirtin, Fachfrau für Versicherungen, Bausparen und Investmentanlagen sowie geprüfte Vermögensberaterin.

Wie kam Ihnen die Idee zu FOLDART?
Das war 2016. Ich bin auch Geschäftsführerin von XC CONSULTANTS, einer Unternehmensberatung, die weltweit in der Automobil- und Luftfahrtindustrie rund um das Thema „Leichtbau“ berät. So auch FOLDCORE – ein Unternehmen, das Faltungen für die Luftfahrt entwickelt, die rein auf Funktionalität ausgerichtet sind. Als ich diese Strukturen zum ersten Mal sah, war ich von der Optik der einzigartigen, exakten Faltungen begeistert und hatte sofort den Gedanken, sie für ein innovatives Designobjekt zu nutzen.

Rückblickend hatte ich jedoch keine Vorstellung davon, wie viele unzählige Versuche, Prototypings und Ausdauer es bis zum ersten FOLDART brauchen würde. Getragen und fasziniert von der Idee, die Ästhetik dieser Faltungen unter Verwendung edler Materialien wie Kupfer, Aluminium, Gold – aber auch Papier – zu beeindruckenden Designobjekten werden zu lassen, gründeten Prof. Dr. Drechsler und Dr. Yves Klett zusammen mit mir im Dezember 2016 das Unternehmen und die Marke FOLDART. Bereits im Juni 2017 wurde dann die „COLLECTION ONE“ der Öffentlichkeit präsentiert – ein Meilenstein unter den Designobjekten, wie sich bald herausstellen sollte, denn schon drei Wochen später wurde der FOLDART „PAPERFOLD YELLOW-BLACK“ auf der internationalen Konsumgütermesse „tendence“ in Frankfurt mit dem Award „FORM 2017“ ausgezeichnet.

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Welche Tipps würden Sie Frauen geben, die von einem eigenen Start-up träumen, aber sich bisher nicht getraut haben, sich selbstständig zu machen?
Zum einen muss das Umfeld stimmen. Ganz gleich, ob Familie, Freunde oder Bekannte – die Unterstützung auf mentaler Ebene ist wichtig. Dabei sollte man sich jedoch nicht auf andere verlassen, sondern dafür sorgen, dass es einem selbst gut geht und man über das notwendige Selbstbewusstsein verfügt. Das ist enorm wichtig. Neben diesen Soft Skills sind aber natürlich auch wirtschaftliches Basis-Wissen und ein schlüssiges Konzept wichtig. Vor allem den finanziellen Bereich sollte man im Griff haben und kein zu hohes Risiko ohne eigenes Kapital eingehen.

Speziell was die Soft Skills angeht, so sind Frauen doch eigentlich für die Selbstständigkeit wie geschaffen, managen wir doch schon seit Menschengedenken ein Unternehmen namens „Familie“ – eine Aufgabe, mit der viele Männer schlicht überfordert sind. Entschieden, schnell und mit allen Konsequenzen. Das zeigen wir in unserem Familienunternehmen doch jeden Tag. Ich habe drei Jungs erzogen und weiß, wovon ich spreche…

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Was waren die größten Hürden bei der Umsetzung Ihrer Idee?
Die Einhaltung meines mir gesetzten Zeitplans und meine Ungeduld. Hinzu kam die Doppelbelastung bestehend aus Beruf und Familie. Hier verweise ich noch einmal auf die notwendige Unterstützung seitens des Umfelds.

Was war für Sie bisher der größte Erfolg, den Sie mit Ihrem Unternehmen hatten?
Schwierige Frage... Vor allem natürlich, dass wir das Unternehmen überhaupt zum Laufen gebracht haben. Aber auch die Verleihung des Awards „Form 2017“ drei Wochen nach unserem Vertriebsstart im Juni 2017, die Eröffnung unseres Showrooms in Kolbermoor sowie unserer dortigen Manufaktur.

Wie geht es weiter mit FOLDART?
Bisher sind die FOLDARTS nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich. Das wird sich ab 2018 ändern: Schon bald werden wir uns dem ganzen europäischen Markt und in weiterer Folge auch weltweit öffnen. Dazu werden wir umfangreich in unseren Vertrieb investieren, weiter wachsen und auch unser Produktportfolio mit neuen FOLDART-Varianten, aber auch überraschenden Neuentwicklungen erweitern.