Die böseste Frau der Schweiz: Kabarettistin Hazel Brugger

Wortkünstlerin Hazel Brugger ist der Shootingstar der Kaberettszene. In DONNA spricht die 23-jährige über verbale Verhütung, ihren Wunsch nach mehr Vorderfotzigkeit und öffentliche Toiletten.

Hazel Brugger

„Hazel Brugger passiert” heißt das Soloprogramm der Schweizer Kabarettistin, die nichts Weiches zum Anlehnen braucht.

Es lebt sich ganz gut als „böseste Frau der Schweiz“ – jedenfalls findet das die, die so genannt wird: Kabarettistin Hazel Brugger. „Wenn ich mich daneben benehme, erfülle ich die Erwartungen. Bin ich höflicher als angenommen, heißt es: Ach, die ist ja doch viel netter.“ Eine Win-win-Situation sei das, erklärt die 23-Jährige.

Die Frau aus Zürich ist ein kabarettistischer Shootingstar. Gerade erst hat sie in Hamburg den „Best of Poetry Slam“-Preis bekommen. 2016 wurde sie für ihre Texte zur Schweizer Kolumnistin des Jahres gewählt. Sie ist Gewinnerin des Deutschen Kleinkunstpreises und ein beliebter Gast in Satiresendungen wie „Die Anstalt“ oder „Nuhr im Ersten“.

Sie hat mehr zu erzählen als gute Witze: Anke Engelke im Interview.

Hazel Brugger ist ein Unikat; eine Frau, die mit so viel Understatement auftritt, gab es noch nie. Meist trägt die Tochter eines Neuropsychologen einfach Jeans und Shirt, wenig Make-up. Das ist auch deshalb gut, weil nichts von ihrem trockenen Humor ablenkt. Als Außenreporterin der „heute-show“ war sie kürzlich auf Veranstaltungen verschiedener Parteien. „Sie wirken extrem gut gelaunt trotz dieses desaströsen letzten Jahres für Ihre Partei“, sagte sie zu einem Mitglied auf dem CDU-Parteitag. „Ist das Optimismus oder Naivität?“ Bei der SPD fragt sie: „Wie fanden Sie den Umgang mit Sigmar Gabriel auf einer Skala von null?“

In ihrem Soloprogramm gibt sie Tipps für „verbale Verhütung“ oder wünscht sich mehr „Vorderfotzigkeit, weil Hinterfotzigkeit auch anatomisch extrem verwirrend ist“. Sie zerlegt die Welt in Einzelteile, demontiert vermeintliche Tatsachen. Kürzlich hat sie auf der Bühne erzählt, dass man sie nun öfter fragen würde, was sich durch ihre Berühmtheit geändert habe. „Ich putze nun jeden Tag zwanzig Minuten lang in öffentlichen Toiletten die Reste anderer Menschen weg.“ Viel zu groß sei ihre Angst, dass nach ihr jemand käme und dann denken würde, „das war doch die Hazel Brugger“. Dann macht sie vor, wie sie die Schüssel putzt. „Das im Kern ist für mich Erfolg.“

Autorin: Julia Meyer-Herrmann

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