Gründerin im Porträt: Meike Neitz, „Die Zukunftsmanufaktur“

Für den ehemaligen „Höhle der Löwen"-Juror Vural Öger koordinierte Meike Neitz die Teilnahme an der TV-Show. Heute unterstützt die gebürtige Bremerin mit ihrer Agentur „Die Zukunftsmanufaktur“ selbst Start-ups und Mittelständler in der Gründungsphase. Die Kommunkations- und Strategieberaterin im DONNA-Porträt.

Meike Neitz, Gründerin des Start-ups „Die Zukunftsmanukfaktur“

Nachdem Meike Neitz zwei Jahren lang die Hauptverantwortliche für die Teilnahme von Jury-Mitglied Vural Öger bei der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ war, machte sie sich mit ihrer Agentur „Die Zukunftsmanufaktur“ selbstständig.

DONNA Online: Was haben Sie vor Ihrer Selbstständigkeit gemacht?
Meike Neitz: Mein erster Job nach dem Masterstudium in London hat mich quer durch die Welt geführt: Ich war als Länderdirektorin bei der Oxford Business Group für die Erstellung von umfassenden Jahreswirtschaftsberichten über Entwicklungsländer zuständig. Ich habe unter anderem Projekte in Algerien, Indonesien, Thailand und der Türkei geleitet und dafür mehrere Monate in diesen Ländern gelebt. Nachdem ich insgesamt fünf Jahre im Ausland verbracht hatte, war es Zeit, zurück nach Deutschland zu kommen. Ich fing als Direktorin Business Development & Kommunikation bei Vural Öger an – dies war kurz bevor wir die Anfrage erhielten, ob er bei der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen" dabei sein wollte.

Bekannt aus „Die Höhle der Löwen“: Die Gründerinnen von Veluvia im DONNA-Porträt

In den folgenden zwei Jahren war ich Hauptverantwortliche für alles, was mit der Gründershow zu tun hatte: Von der Koordination der Dreharbeiten, über Pressearbeit bis hin zu den Investitionsverhandlungen mit den Start-ups. Das war eine spannende Zeit! Leider machte ich dann jedoch auch die Achterbahnfahrt des Unternehmertums mit: Die Insolvenz der ganzen Öger-Firmengruppe war mein letztes Projekt…Nach dieser harten Lehrstunde beschloss ich, mich selbstständig zu machen und die „Seiten zu wechseln“: Seitdem berate ich Start-ups und mittelständische Unternehmen in der Kommunikation, mache Pitchtraining und unterstütze bei Innovationsmanagement und digitaler Transformation – genau letzteres Themen hat Vural Öger in der Touristik leider verpasst anzugehen.

Wie kam Ihnen die Idee zu „Die Zukunftsmanufaktur“?
Tatsächlich durch die ersten Anfragen. Ich ging, nachdem die Insolvenz durch war, erst einmal mit meinem Freund sechs Wochen auf Rundreise durch Zentralamerika. Schon während dieses Trips sprachen mich die ersten Start-ups an, die für die folgende Staffel von „Die Höhle der Löwen" genommen worden waren und sich gerade auf ihren Pitch vor den Löwen vorbereiteten. Sie fragten mich, ob ich ihnen dabei helfen könne – so kam eins zum anderen. Ich half bei der Vorbereitung und dann bei der Öffentlichkeitsarbeit für die Ausstrahlung, die circa ein halbes Jahr nach den Dreharbeiten ist. Da ich ein gutes Netzwerk hatte, ging es so weiter: Ich wurde weiterempfohlen und bekam immer neue Projekte – mal kleiner, mal größer, mal von mittelständischen Unternehmen, mal von Agenturen, mal von Start-ups.

Welche Tipps würden Sie Frauen geben, die von einem eigenen Start-up träumen, aber sich bisher nicht getraut haben, sich selbstständig zu machen?
Ich würde ihnen zuerst Mut zusprechen, es zu versuchen – aber natürlich nicht unkalkuliert. Man sollte ganz zu Beginn so vielen Menschen wie möglich von der Idee erzählen und sich erstes Feedback einholen. Dann sollte man einen Prototypen oder – je nach Art des Unternehmens – ein Probeformat erstellen, um das Konzept mit ersten Testkunden zu testen. Dann heißt es: so lange anpassen, bis es ausgereift ist! Stehen dann immer noch alle Ampeln auf grün, hat man eventuell schon erste Unterstützer oder sogar Partner bzw. Cofounder gefunden – also ready, set, go!

Selbstständig mit Cookies & Co.: „Mein Keksdesign“-Gründerin Stefanie Rinner im Interview

Ich weiß, dass in Deutschland immer noch viel Sorge vor dem Scheitern besteht, aber es wäre zu schade, eine gute Idee unversucht zu lassen. Gerade, weil es noch so wenige Gründerinnen in Deutschland gibt, hat man einen nicht unerheblichen strategischen Vorteil: Man fällt als „female founder“ definitiv auf! Allein das kann schon ungemein helfen, um erfolgreich zu sein. Wenn man die Gründungsentscheidung getroffen hat, sollte man sich ein starkes Netzwerk aufbauen, sich früh um Monetarisierung, beziehungsweise Finanzierung kümmern und einen guten Businessplan erstellen, bei dem Marketing und Vertrieb nicht zu kurz kommen. Viele vergessen vor lauter Produktentwicklung, früh daran zu denken, wie sie ihr Konzept am Markt etablieren und bekannt machen können!

Was waren die größten Hürden bei der Umsetzung Ihrer Idee?
Bei mir persönlich war es die Schwierigkeit, nicht Nein sagen zu können und die Preisgestaltung meiner Dienstleistung. Dies sind definitiv Luxusprobleme, denn ich hatte zum Beispiel nie Startschwierigkeiten was neue Kunden und meine Auftragslage anging – was ja bei den meisten gerade am Anfang nicht einfach ist. Bei mir war es so, dass ich supergern alle Projekte machen wollte, mich aber entscheiden musste, um nicht auf einmal zu viel anzunehmen. Und zweitens, da ich viel mit Gründerinnen und Gründern arbeite, die wenig Budget haben: Was ist mein Wert und mein Preis? Für wie viel Geld bin ich bereit, zu arbeiten und kann mich selbst über Wasser halten?

Unzufrieden im Job? Das sollten Sie bei der beruflichen Neuorientierung beachten

Was war für Sie bisher der größte Erfolg, den Sie mit Ihrer Arbeit hatten?
Eine tolle Erfahrung war, für einen Großkonzern vor dem gesamten internationalen Management-Team in Schottland einen Vortrag zum Thema „Corporate meets Start-up“ zu referieren – also was alteingesessene Unternehmen von Start-ups lernen – und wie sie erfolgreich kooperieren und investieren können.  Eine tolle Erfahrung und Ehre, vor so vielen Top-Managern aus der ganzen Welt zu reden! Dazu kommen unzählige kleine Erfolgserlebnisse: Wenn ich es zum Beispiel schaffe, eines meiner Start-ups in einer großen Tageszeitung oder Zeitschrift unterzubringen. Das freut mich immer ungemein für sie!

Wie geht es weiter mit der „Zukunftsmanufaktur“?
Ich habe gerade meine Webseite auf Englisch übersetzt und möchte die englische Version jetzt so schnell wie möglich auf die Straße bringen – mein Ziel ist es, auch für ausländische Firmen tätig zu sein, das heißt zum Beispiel die Kommunikation für den Markteintritt in Deutschland zu machen. Derzeit fehlt mir die internationale Arbeit ein wenig. Darüber hinaus freue ich mich, weiterhin als Keynote-Speakerin unterwegs zu sein, um meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Ich hoffe auf weiterhin viele spannende Veranstaltungen und Projektarbeiten im nächsten Jahr!