Bandscheibenvorfall: Ursachen, Therapie-Ansätze und Vorsorge

Viele spüren es sofort, bei anderen geschieht es völlig unbemerkt: Ein Bandscheibenvorfall tritt mit unterschiedlichen Symptomen auf und macht manchen mehr, manchen weniger zu schaffen. Hier erfahren Sie alles über die Anzeichen, Ursachen und mögliche Therapieansätze – und wie Sie frühzeitig vorbeugen können.

Foto einer Frau, die auf dem Rücken schwimmt

Mit rückenfreundlichen Sportarten wie Schwimmen können Sie einem Bandscheibenvorfall gezielt vorbeugen.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Jede Bandscheibe besteht aus zwei Teilen – einem inneren Kern aus gallertartiger Masse und einem äußeren Faserring. Durch schweres Tragen oder eine Verletzung wie beispielsweise bei einem Unfall, reißt die Hülle und die Masse tritt aus. Sie wölbt sich zwischen den Wirbeln heraus und es entsteht ein Druck. Nervenbahnen, die sogenannten Spinalnerven, verlaufen dort entlang, daher auch der Ausdruck „etwas geht mir auf die Nerven“. Doch nicht der Druck auf die Nervenbahnen, sondern vielmehr eine Entzündung, die daraus resultiert, verursacht den Schmerz. Der medizinische Ausdruck für einen Bandscheibenvorfall ist Diskushernie.

Bandscheibenvorfall: Wo sitzt der Schmerz?

Wie eingangs erwähnt, merkt nicht jeder sofort, dass es sich um einen Bandscheibenvorfall handelt. Es gibt durchaus auch einen schmerzfreien Verlauf. Manch einer wird erst Jahre später zufällig, etwa im Rahmen einer MRT-Untersuchung, entdeckt. Haben Sie dennoch Schmerzen, lokalisieren Ärzte zunächst, wo der Bandscheibenvorfall stattfand. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule und einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule.

Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule: Symptome

Sind die Halswirbel von einem Bandscheibenvorfall betroffen, hat das Folgen für Ihre Beweglichkeit. Werden die Spinalnerven nicht nur durch die aggressive Gallertmasse entzündet, sondern durch deren Volumen zusätzlich gequetscht, kommt es zu Taubheitsgefühlen an der Schulter, über die Arme bis hin in die Fingerspitzen. Drückt die Masse noch zusätzlich auf das Rückenmark, könnte das ein sogenanntes Querschnittssyndrom hervorrufen. Zudem haben diese Nervenbahnen die Aufgabe, den Brustraum zu versorgen – wird diese Versorgung unterbrochen, kann es zu Atemnot kommen. Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule ist eher selten und macht nur zehn Prozent der Gesamtzahl an Bandscheibenvorfällen aus.

Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule: Symptome

Rund neunzig Prozent der Bandscheibenvorfälle treten im Lendenwirbelbereich auf. Entweder bemerkt man ihn durch einen stechenden Schmerz als würde man einen Nagel in die Stelle bohren oder es sind starke Schmerzen im gesamten Lendenwirbelbereich, die sich bis zur Bauchdecke ziehen können. Die dritte, weit angenehmere Variante: Der Vorfall bleibt unbemerkt. Dann sind die Nerven nicht entzündet und Sie sind in Ihren Bewegungen nicht eingeschränkt.

Bandscheibenvorfall: Mögliche Ursachen

Kräfte, die beim Beugen der Wirbelsäule oder bei einer Fehlbelastung auf die einzelnen Wirbel wirken, können nicht mehr abgefedert werden und der Faserring gibt der Belastung nach und reißt. Ähnlich bei einer Fehlhaltung – jahrelang kann es gutgehen und plötzlich, oft auch altersbedingt, wird der Ring porös und reißt. Meist genügt eine falsche Bewegung, eine Drehung beispielsweise, und es passiert.

Risikofaktoren für Bandscheibenvorfälle:

  • Fehlbelastung
  • Chronische Fehlhaltung
  • Bewegungsmangel
  • Erbliche Faktoren (eher selten)
  • Unfälle

Bandscheibenvorfall: Was beinhaltet eine Diagnose?

Bei Schmerzen gehen wir zum Arzt – und je eher das passiert, desto besser die Heilungschancen. Doch was genau beinhaltet eine Diagnose? Zunächst wird eine Anamnese gemacht – das ist die Aufnahme der Krankengeschichte. Viele Patienten verwechseln den Bandscheibenvorfall mit einem Hexenschuss und warten erst einmal ab, bevor der Leidensdruck so hoch wird, dass sie einen Arzt aufsuchen. Üblich ist danach eine Untersuchung im MRT, die sogenannte Magnetresonanztomographie. Mit diesem Verfahren, das zudem strahlungsarm ist, können die Ärzte oder Spezialisten neben den Knochen auch das Gewebe, Nervenbahnen, Nervenwurzeln und das Rückenmark genau erkennen. Möglich ist auch eine sogenannte Myelographie. Das ist ein nicht ganz risikoarmes, invasives Verfahren, mit dem nach Gabe von Kontrastmittel in den Wirbelsäulenkanal, die Nerven auch für das Röntgenbild sichtbar gemacht werden. Nach diesen Untersuchungen stellt der Arzt eine Diagnose und entwirft gemeinsam mit dem Patienten einen Behandlungsplan.

Mögliche Therapien bei einem Bandscheibenvorfall

Ist die Erstuntersuchung abgeschlossen und die Diagnose gestellt, wird gemeinsam mit Ihnen ein Behandlungsplan erstellt, der eine bestmögliche Therapie zum Ziel hat. Auch hier wird wieder zwischen zwei Möglichkeit unterschieden: Es gibt einmal die konservative Behandlungsmethode und einmal die invasive Behandlungsmethode.

Zunächst wird sicher mit einer konservativen Methode begonnen. Diese kann folgende Bausteine enthalten:

  • Medikamente, die schmerzstillend, muskelentspannend und entzündungshemmend wirken
  • Physiotherapie
  • Krankengymnastik
  • Chiropraktik
  • Wärmebehandlung mit Pflaster oder Kissen

Tatsächlich liegt die Erfolgsquote solcher konservativer Maßnahmen ziemlich hoch. Nur ungefähr fünf Prozent der Patienten erfährt dadurch zwar Linderung, aber keine deutliche Besserung. In diesem Fall bleibt die invasive Behandlungsmethode, die schlicht lautet: Operation. Hier gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Bandscheibenprothese: eine künstliche Bandscheibe. Wird häufig bei jüngeren Patienten eingesetzt
  • Wirbelversteifung: Risiko: Beweglichkeit wird eingeschränkt

Heutzutage bedeuten beide Behandlungen keine große Operation mehr. Vielmehr handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff. Nach einem möglichst kleinen Schnitt wird mithilfe eines Mikroskops operiert.

Bandscheibenvorfall vorbeugen

Ein Bandscheibenvorfall kommt meist nicht aus heiterem Himmel. Durch richtiges Verhalten und gezieltes Rückentraining können Sie ihm wirksam vorbeugen. Vermeiden Sie Fehlhaltungen jeglicher Art, zu langes Sitzen sowie zu schweres Tragen. Auch regelmäßiger Sport kann den Rücken gezielt stärken: Besonders rückenfreundlich sind Schwimmen, Yoga, Pilates und Body Art – im Grunde alle Sportarten, die nichts mit ruckartigen Bewegungen oder großer Kraftanstrengung zu tun haben. Mit speziellen Rückenstärkungstrainings wie Kieser-Training oder Krankengymnastik sollten Sie spätestens dann beginnen, wenn Sie Ihren Rücken das erste Mal bewusst gespürt haben – im negativen Sinne. Von speziellen Programmen wie etwa „Die Rückenschule“, zu der unter anderem viele Volkshochschulen Kurse anbieten, profitieren Sie auch dann, wenn Sie (noch) keinen Bandscheibenvorfall hatten. Durch die Übungen wird speziell der Rücken, vor allem aber die Lenden- und Nackenmuskulatur, gestärkt, die gerne unter Bürojobs mit ausschließlich sitzender Tätigkeit leiden.

Im Alltag richtig aufgestellt

Die häufigsten Fehler, die einen Bandscheibenvorfall auslösen können, passieren tatsächlich im Alltag, wenn alles ganz fix gehen muss: Nur mal eben die Wasserkiste aus dem Keller hochgetragen oder einen Berg Einkäufe geschleppt, weil man zu faul ist, zweimal zu laufen – mit dem Effekt, dass man schnell ins Hohlkreuz fällt, ehe alles zu Boden kracht. Solche Szenen kennen Sie? Dann Vorsicht, denn aus solchen „mal ebens“ wird schnell ein „nie wieder“! Dann nämlich, wenn der Rücken signalisiert: So nicht – mit Hexenschuss, Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall! Beim Heben eines schwereren Gegenstands deshalb besser in die Hocke gehen und die Kisten ebenerdig deponieren – oder ganz auf Leitungswasser umsteigen. Öfter gehen, statt alles auf einmal nehmen zu wollen. Das tut auch dem Kreislauf gut und die Muskeln lockern sich. Legen Sie wenn möglich jeden Tag einen längeren Weg zu Fuß zurück – denn: Bewegung ist das A und O. Bleiben Sie gesund!

Autorin: Cordula Schneider