Beratungskolumne im August: Leben, Liebe, Arbeit

Wenn man mal nicht weiter weiß, hilft eine Meinung von außen. Unsere drei Expertinnen antworten jeden Monat auf Ihre Fragen in Sachen Liebe, Leben und Arbeit. Dieses Mal: Ihre Fragen im August.

Porträts der drei Expertinnen in einem Bild

Die DONNA-Expertenrunde: Ann-Marlene Henning, Svenja Flaßpöhler und Madeleine Leitner beantworten jeden Monat Ihre Fragen.

Ihre Fragen – die Antworten der DONNA-Expertinnen

„Ich arbeite als Freelancerin für ein längerfristiges Projekt in einem festen Team. Mir macht die Arbeit Spaß, ich komme auch mit der Chefin gut klar. Seit einigen Wochen merke ich, dass eine Kollegin in mir eine Konkurrenz sieht und mich unangenehm ausbremst. Dabei waren wir uns anfangs sogar sympathisch; ich bin auch an ihrer Position kein bisschen interessiert. Jetzt bin ich kurz davor, das Ganze hinzuschmeißen. Was tun?“

Madeleine Leitner, Psychologin und Psychotherapeutin: Ich würde immer von der Unschuldsvermutung ausgehen und zuerst für mich selbst reflektieren: Könnte es sich hier um ein Missverständnis handeln? Habe ich der Kollegin vielleicht mal die Tür vor der Nase zufallen lassen, hatte mal keine Zeit zum Mittagessen? Es ist unbedingt einen Versuch wert, sich nach den Beweggründen der Kollegin zu erkundigen.

Ich sage immer: „Wenn die Leute einen Grundkurs in Kommunikation absolvieren würden, würde es 80 Prozent weniger Scheidungen geben.“ Es gibt im Leben nun mal Konflikte und wir müssen lernen, sie anzusprechen, statt gleich zu fliehen. Ich würde das Gespräch möglichst früh suchen, denn wenn die Dinge mal festgefahren oder sogar eskaliert sind, ist es oft zu spät. Fragen Sie etwa: „Irgendwie ist es komisch zwischen uns. Könnte es sein, dass ich dich verletzt habe?“ Wäre das der Fall, könnte man das Problem mit einer Entschuldigung aus der Welt räumen. Vorstellbar ist aber auch, dass eine dritte Person eine Intrige angezettelt hat. Auch das ließe sich in einem konstruktiven Gespräch herausfinden.

Eine dritte Möglichkeit: Die Kollegin ist nicht souverän, sie schlägt sich mit einem Minderwertigkeitskomplex herum. Also fürchtet sie tatsächlich, von Ihnen übertrumpft zu werden. Vielleicht hat sie eine Schwester, die sie immer in den Schatten gestellt hat. Es kann passieren, dass Sie eine Person ganz unabsichtlich an einem falschen Punkt erwischen und ein Muster auslösen, das mit Ihnen nichts zu tun hat.

Wenn Sie merken, dass die Kollegin etwas auf Sie projiziert und abweisend reagiert, sollten Sie tatsächlich den Rückzug antreten. Sie werden sie nicht therapieren können. Indem Sie das Feld räumen, gewinnen Sie Ihre Souveränität zurück.

Madeleine Leitner ist unsere Expertin für Job & Karriere. Die diplomierte Psychologin und Psychotherapeutin hat sich in München auf fundierte Karriereberatung spezialisiert. 

„Mein Mann zieht sich zunehmend aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Das finde ich sehr schade. Soll ich ihn zwingen, mich zu begleiten?“

Svenja Flaßpöhler, Philosophin: Das von Ihnen gewählte Wort „Zwang“ verrät, dass Ihr Mann ganz offensichtlich einen starken Widerwillen verspürt: Er will nicht in Gesellschaft sein. Diese Ablehnung nicht zu respektieren, hieße, die Würde Ihres Mannes zu verletzen. In sexueller Hinsicht ist uns das vollkommen klar: Kein Mann darf seine Frau zum Sex zwingen. Umgekehrt natürlich auch nicht.

Nun werden Sie vielleicht argumentieren, dass das doch etwas ganz anderes sei, Ihr Mann sich doch nur einen kleinen Ruck geben müsse, ein bisschen Gesellschaft ist doch nicht schlimm, im Gegenteil! Allein, was schlimm ist und was nicht, entscheiden nicht Sie, sondern Ihr Mann (und wie viele Männer haben schon mit ganz ähnlichen Worten ihre Frau zum Sex zu überreden versucht!).

Vielleicht braucht er gerade die Einsamkeit, die ja im Übrigen einen hohen Wert besitzt. Philosophisch gesehen liegt gerade in ihr der Weg zum Selbst; wer ständig Gesellschaft braucht, verliert sich im „Man“, so schrieb Martin Heidegger in seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“. Sehr gut möglich, dass Ihr Mann zufrieden ist, wenn er allein zu Hause in seinem Sessel sitzt.

Lassen Sie ihn – sein! Ist er sichtbar unglücklich, versuchen Sie, mit ihm zu sprechen und den wahren Grund seines Einsamkeitswunsches zu ergründen. Durch Zwang jedenfalls werden Sie weder ihn heilen noch selbst Ihr Glück finden.

Svenja Flaßpöhler ist unsere Expertin für das gute Leben. Als promovierte Philosophin beschäftigt sie sich mit den großen und kleinen Fragen des Miteinanders. 

„Meine 15-jährige Tochter weiß natürlich, dass nicht der Storch die Babys bringt. Was sie aber wirklich über Sex weiß und was nicht, ist mir unklar. In letzter Zeit ist sie viel mit Älteren zusammen, was mich etwas beunruhigt. Als ich das Thema letztens vorsichtig ansprach, verdrehte sie nur die Augen und meinte: „Mama!“ Jetzt bin ich verunsichert: Muss ich sie überhaupt noch (mal) „richtig“ aufklären? Und wenn ja, wie geht „richtig“?“

Ann-Marlene Henning, Sexologin: Es geht hier um mehr als um Bienen und Blumen. Über die ganze Kindheit hinweg lernen Kinder den eigenen Körper kennen, auch „da unten“. Erwachsene sollten dann möglichst nicht die Nase rümpfen oder rot werden, vielleicht haben Sie dies schon richtig gemacht. Dazu hat Ihre Tochter im schulischen Sexualunterricht einiges erfahren.

Auch sprechen Jugendliche häufig mit Freunden oder älteren Geschwistern über Sexualität oder schauen ins Netz. Sie haben im Vergleich zu früher einen Wissensvorsprung, das heißt, sie kennen viel, probieren jedoch laut Untersuchungen nicht gleich alles im echten Leben aus. Der Zeitpunkt für „das erste Mal“ ist zum Beispiel statistisch nach hinten gerückt, die meisten legen erst mit ungefähr 17 Jahren los.

Weiter zu Ihrer Beruhigung: Jugendliche verhüten heutzutage so gut und richtig wie nie zuvor! Sorgen Sie sich also nicht, Teenager reden einfach nicht gerne mit ihren Eltern über sexuelle Themen. Ihre Tochter weiß aber jetzt, dass Sie zu Ihnen kommen könnte, sollte sie doch noch Fragen haben. Das ist gut und wichtig.

Zuletzt: Legen Sie ihr ein gutes Aufklärungsbuch hin, dann kann sie selbst entscheiden, ob oder wann sie hineinschaut. Fragen Sie also nicht Ihren Arzt oder Apotheker, sondern Ihren Buchhändler, der weiß Bescheid.

Ann-Marlene Henning ist unsere Expertin für Liebe & Sex. Sie ist Sexologin und berät Frauen, Männer und Paare in ihrer Hamburger Praxis „Doch Noch”. Ihr aktuelles Buch „Liebespraxis” ist vor Kurzem bei Rowohlt erschienen.

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Redaktion: Sina Teigelkötter