Als Erwachsener Freunde finden: So klappt's

Mit 40plus ist man zu alt für neue Freundschaften? Von wegen! Mit diesen Tipps können Sie auch als über 40-Jährige neue Kontakte knüpfen und Freunde finden.

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Freunde kann man nur in jungen Jahren finden? Stimmt nicht: Mit ein paar Tricks und der nötigen Offenheit lernen Sie auch mit 40plus neue Leute kennen.

 „Ich habe eine neue beste Freundin“, ruft mir meine kleine Tochter auf dem Spielplatz plötzlich zu. Voller Stolz kommt sie mit einem Mädchen an der Hand, das wir schon öfters im Sandkasten und auf der Schaukel gesehen haben. Und tatsächlich: Obwohl die beiden nicht im gleichen Kindergarten sind oder die gleiche Tanzschule besuchen, spielen sie immer zusammen, wenn sie sich auf dem Spielplatz treffen. Verblüffend, denke ich mir immer wieder, wie einfach Kinder doch neue Freunde finden.

Warum Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene schneller Freundschaften schließen

Wenn ich über die Freundschaften nachdenke, die ich im Laufe meines Lebens geschlossen habe, fällt mir auf, dass es nicht nur in der Kindheit, sondern auch noch im Studium recht einfach war, neue Leute kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Wolfgang Krüger, der das Buch „Wie man Freunde fürs Leben gewinnt: Vom Glück einer besonderen Beziehung“ schrieb, hat dafür eine einfache Erklärung: „In jener ersten Lebensphase, egal ob im Kindergarten, in der Schule oder an der Uni, ist man den ganzen Tag in festen Gruppen und beschäftigt sich mit den gleichen Themen.“

Veränderungen im Leben, Herausforderungen für Freundschaften

Doch die Schultage sind vorüber, die Zeiten des ewigen Partymachens auch. Single bin ich schon ewig nicht mehr, meine Kontaktfreudigkeit schien nachgelassen zu haben. Der Beruf, Umzüge in fremde Städte und schließlich der Nachwuchs nahmen fast meine ganze Zeit in Anspruch – alte Freundschaften wurden vernachlässigt, einige schliefen völlig ein. Zwar ist mir bewusst, dass es völlig normal ist, dass Freunde im Laufe des Lebens kommen und gehen. Doch gänzlich auf neue Bekanntschaften will ich dann doch nicht verzichten. Wie findet man also im Alter neue Freunde?

Neues Hobby, neue Kontakte

Gemeinsamkeiten bilden von jeher eine gute Basis, um neue Kontakte zu schließen. Wer gleiche Interessen und Hobbys hat, tut sich nicht nur beim ersten Kennenlernen leichter, sondern hat auch einen Grund, sich wieder zu treffen. Ein neues Hobby oder das Wiederbeleben eines alten Hobbys, sorgt so nicht nur für inneren Ausgleich, sondern erhöht auch die Chancen, als Erwachsener Freundschaften zu schließen. Geeignet ist alles, was gefällt: Sportvereine, Sprachkurse, Tanzkurse oder Kreatives wie Malen, Häkeln oder Nähen – die Auswahl ist vielfältig.

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Wunschfreunde? Schränken Sie den Kreis nicht zu sehr ein

Doch nicht nur Gemeinsamkeiten verbinden, auch Gegensätze ziehen sich bekanntermaßen an. Wer ganz bestimmte Vorstellungen hat, wie ein Freund zu sein hat, tut sich besonders schwer mit neuen Bekanntschaften. „Wir haben häufig Wunschvorstellungen, wie eine Freundschaft sein sollte, und das macht es uns im Erwachsenenalter schwieriger, jemanden zu finden, der diesen Ansprüchen genügt“, begründet das die Psychologin Therese de Liz, die eine eigene psychotherapeutische Praxis in München hat. Und nicht nur die Ansprüche an den anderen, sondern auch an sich selbst stellen Hindernisse beim Kontakteknüpfen dar. Das perfekte Auftreten führt nämlich nicht immer zu perfekten Freundschaften – vor allem, wenn wir uns selbst zu sehr unter Druck setzen.

Langsam angehen: Keine Bekanntschaften mit zu hohen Erwartungen knüpfen

Also, keine zu hohen Erwartungen haben und es – wie in der Liebe – etwas langsamer angehen lassen. Dieser Meinung ist auch Elizabeth Bernstein, die im Wall Street Journal im April 2016 den Artikel „Why Making New Friends Is Harder for Grown-Ups“ veröffentlichte. Wichtig sei zudem aber auch, dass man etwas Sitzfleisch mitbringt. Denn Freundschaften wachsen in unserem hektischen Alltag oft nur sehr langsam. Wenn es also mal mit einer Verabredung nicht klappt, einfach nicht persönlich nehmen und den Kontakt nicht plötzlich abbrechen lassen. Doch manchmal ist es gar nicht so einfach, seine eigenen negativen Gedanken abzuschütteln, die einem immer wieder eintrichtern wollen, dass etwas mit einem nicht stimmt. Alle haben viele Freunde, nur ich nicht? Von wegen. Unser Hirn spielt uns da böse Streiche, vor allem, wenn wir sehr gestresst sind. Jeder braucht Freunde und neue Bekanntschaften schließen zu wollen ist das Natürlichste überhaupt. Wir sind schließlich Herdentiere.

Offenheit ist wichtig, um neue Leute kennenzulernen

Nicht jeder ist der geborene Networker oder tut sich leicht, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Doch ohne Offenheit klappt die Suche nach neuen Freunden selten. Wer besonders schüchtern oder unsicher ist, sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen, rät in diesem Fall auch Psychologin Therese de Liz: „Man darf solche Situationen nicht aufgrund einer Schüchternheit oder Unsicherheit vermeiden, sonst wird die Angst vor Zurückweisung nur größer.“ Wichtig ist es aber nicht nur, sich einer neuen Bekanntschaft mitzuteilen, sondern auch zuzuhören. Das schafft sogar bei unverfänglichen Gesprächen übers Wetter oder den Verkehr das erste Gefühl von Verbundenheit. Diese Offenheit lässt sich erlernen, hoffnungslose Fälle gibt es also nicht. Getreu dem Motto „Übung macht den Meister“ immer wieder Small-Talk betreiben, egal ob mit dem Nachbarn, Bäcker oder Metzger.

Kinder, Kollegen und Freunde als „Brückenfreunde“ nutzen

Neue Freundschaften können auch durch bereits bestehende Freundeskreise entstehen. Das klappt nicht nur in der Jugend, sondern auch im Alter. Auch Kollegen und sogar die eigenen Kinder können als sogenannte „Brückenfreunde“ herhalten. Nichts ist einfacher, als mit anderen Müttern und Vätern auf dem Spielplatz oder im Kindergarten Kontakte zu knüpfen. Dabei dürfen die Eltern auch gern an sich selbst denken und nicht nur schauen, dass es zwischen den Kindern passt. Wenn Kinder öfters miteinander spielen, entwickelt sich bekanntlich schnell eine Freundschaft – die Erwachsenen sollten also auch ein Auge darauf haben, ob man über mehr als nur Kinderthemen reden kann. Falls ja, ist das Potential für eine Freundschaft jedenfalls gegeben.

Alte Freundschaften wieder aufleben lassen

Es heißt ja, wenn eine Freundschaft länger als sieben Jahre hält, ist sie für die Ewigkeit. Es klappt zwar nicht bei allen, doch viele alte Freundschaften lassen sich sogar nach mehreren Jahren Funkstille wieder beleben. Gerade in Zeiten von Facebook und Co. ist die Kontaktaufnahme meist nicht schwer, doch einer muss den ersten Schritt tun. Dann hilft nur noch abwarten, wie sich die Beziehung entwickelt. Manchmal sind die Lebenswege, obwohl man viele Höhen und Tiefen gemeinsam durchlebt hat, nicht wieder miteinander vereinbar. Doch ab und zu findet man wieder zusammen. Einfach ausprobieren und auch bei einer alten Freundschaft langsam, verständnisvoll und unvoreingenommen an die Sache herangehen.

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Es ist nie zu spät für neue Freundschaften

Damit es gar nicht erst so weit kommt, dass man wichtige Freunde aus den Augen verliert, sollte die Freundschaft nicht zu sehr vernachlässigt werden. Ein Telefonanruf hier, ein Treffen da – auch im hektischen Alltag ist das zu bewerkstelligen und tut der Seele gut. Neue Kontakte bereichern aber auch das Leben und eines ist sicher: Für neue Freundschaften ist man nie zu alt.