Menstruationstasse: Echte Alternative zu Tampons & Binden?

Die Periode ist auch in modernen Zeiten ein Tabuthema, das viele Frauen peinlich berührt. Heike Kleen beschäftigt sich in „Das Tage Buch“ mit diesem Phänomen – und nimmt den neuesten Monatshygiene-Trend unter die Lupe: Menstruationstassen. Lesen Sie hier, wie die „Cups“ im Praxistest der Autorin abschnitten.

Eine Frauenhand hält eine Menstruationskappe aus flexiblem Silikon

Menstruationstassen versprechen, eine nachhaltige Alternative zu Einwegprodukten wie Tampons oder Binden zu sein. In „Das Tage Buch“ berichtet Autorin Heike Kleen von ihren Erfahrungen mit dem Trend-Hygieneartikel.

Spricht eine Frau ihre Menstruation, Regelschmerzen oder die Menopause offen an, entsteht häufig eine peinlich berührte Stimmung. Doch weshalb ist es erwachsenen Frauen unangehmen, über ein Thema zu sprechen, das jede von uns betrifft? In „Das Tage Buch“ geht Autorin Heike Kleen dieser Frage auf den Grund und erforscht die weibliche Periode in all ihren Facetten.

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In ihrem Buch widmet sich Heike Kleen unter anderem auch einem Hygieneartikel, der zunächst in den USA und inzwischen auch hierzulande populär wurde und sich fast schon zu einem Trend in der Frauenhygiene entwickelt hat: die Menstruationstasse, auch Menstruationskappe genannt. Ist der wiederverwendbare Behälter aus flexiblem Silikon eine nützliche und nachhaltige Alternative zu Tampons und Binden? Lesen Sie in der folgenden Leseprobe aus „Das Tage Buch“, wie es der Autorin beim Test des Menstruations-Cups erging:

Das neue It-Piece: Die Menstruationskappe

Die Menstruationskappe (oder -tasse oder -cup) ist toll! Das sage ich gleich am Anfang, damit ihr weiterlest und euch überzeugen lasst. Sie ist der Heilige Gral der Menstruation, genauer gesagt ist sie ein Auffangbehälter aus flexiblem Silikon, der wie ein Tampon in die Vagina eingeführt wird. Der entscheidende Unterschied: Wenn die Tasse voll ist, wird sie herausgezogen, geleert und wieder eingesetzt. So entsteht kein Müll, und günstiger ist so eine Tasse auf Dauer auch. Ehrlich gesagt hatte ich vor der Recherche zu diesem Buch noch nie davon gehört und mir erst mal irgendwie eine Art Espressotasse vorgestellt, die ich mir in die Unterhose klemme. Aua! Aber dann habe ich mir schnell das erstbeste Teil im Internet bestellt, um anschließend festzustellen, dass die Firma eigentlich auf Dildos spezialisiert ist. Egal, dann kennt sie sich mit dem Ort des Geschehens wenigstens aus. Also, so eine Kappe kostet im Schnitt 20 Euro und ist inzwischen auch in Apotheken und manchmal sogar in ganz normalen Drogerien neben den Binden und Tampons zu finden. (Zum Vergleich: Für Binden und Tampons geben wir im Schnitt 30 bis 50 Euro im Jahr aus – und die können wir nicht zehn Jahre lang verwenden!)

Ups, das Ding kommt mir im ersten Moment ganz schön riesig vor, wie soll ich das denn mal eben…? Okay, da sind zwei Kinder rausgekommen, es muss gehen! Falls ihr beim ersten Anblick einer Menstruationstasse ähnliche Gedanke habt, seid bitte unbesorgt: Das Material ist sehr flexibel, und natürlich klappt beziehungsweise drückt man die Kappe zusammen, bevor man sie in sich hineinschiebt. Genauer gesagt klappt man sie in der Mitte zusammen und faltet sie dann einmal seitlich. Im Körper klappt sie sich automatisch wieder auseinander und riegelt alles ab. Es gibt die Kappen in verschiedenen Größen (je nachdem, ob man blutjung oder einen Tick älter ist und schon geboren hat) und in verschiedenen Farben, da findet jede von euch das passende Modell.

Ist das Teil erst mal verschwunden, hat man seine Ruhe und merkt nichts. Am unteren Ende der Kappe befindet sich ein kleiner flexibler Stab, an dem man sie nach einigen Stunden wieder herauszieht. Man drückt die Kappe etwas zusammen, und diesen Moment fand ich beim ersten Mal am merkwürdigsten. Denn plötzlich kam ein Geräusch, als würde ein Oktopus eins seiner acht Tentakel von einer großen Fensterscheibe abziehen… schllllpppp. Okay, ich übertreibe etwas, aber der Unterdruck muss aufgelöst werden, und das klingt ein bisschen seltsam. Dann kommt die Kappe zur Welt, gefüllt mit wunderbar rotem Blut, das viel natürlicher und gesünder aussieht als das bräunliche Zeug, das immer an Tampons und in Binden klebt. Frauen wissen, was ich meine. Es roch plötzlich nach… gar nichts! Und das kann man bekanntlich leider weder von benutzten Binden noch von Tampons behaupten, auch wenn deren Hersteller gern das Gegenteil behaupten. Aber die Bakterien im Blut fangen nun mal durch den Kontakt mit Sauerstoff an zu arbeiten, und Watte ist dafür die perfekte Trägermasse.

Ein Tipp noch: Wenn ihr die volle Kappe herausholt, haltet mit der anderen Hand etwas Klopapier darunter, gerade am Anfang. Denn sonst versaut man sich durch ein kleines Missgeschick die ganzen Klamotten, und das ist – bei aller neuen Offenheit, die wir gerade üben – einfach nicht das Ziel.

Kurz und gut: Mich überzeugt die Kappe. Die Benutzung ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber schon am zweiten Tag ging es sehr gut – man muss einfach üben. Jede wird für sich die beste Methode finden, die Kappe zusammenzufalten und sie hineinzuschieben, aber so war es beim ersten Tampon doch auch (okay, ohne ihn zu falten). Und plötzlich geht man an den Tagen mit der Kappe inside aus dem Haus, ohne an weitere Utensilien denken zu müssen, das hat mir gut gefallen. Nach der Benutzung wäscht man die Menstruationskappe mit Wasser aus, und ab in die nächste Runde! Nach der Menstruation sollte man sie einmal gründlich reinigen und abkochen (und sich dabei unbedingt die Eieruhr stellen, um nicht eine Stunde später eine verschmorte Menstruationskappe aus dem Topf kratzen zu müssen… ich spreche aus Erfahrung). Dann bewahrt man die Kappe an einem sauberen Ort im mitgelieferten Beutel auf. So eine Kappe kann man jahrelang benutzen, und sie hat den großen Vorteil, dass durch sie die Scheidenflora nicht verändert und die Schleimhäute nicht ausgetrocknet werden. Tampons saugen auch gern mal die „guten“ Bakterien auf, die da unten wichtige Dienste leisten.

Buchautorin Heike Kleen

Autorin Heike Kleen setzt sich in ihrem Werk „Das Tage Buch“ mit dem weiblichen Zyklus auseinander und ergründet, weshalb die Menstruation bis heute ein Tabuthema ist.

Kommen wir zum Nachteil der Menstruationskappe: Ist man auf öffentliche Toiletten angewiesen, wird es komplizierter. Denn wer geht schon mit dem vollen Ding aus der Kabine raus zum Waschbecken (am besten noch die Hose an den Knöcheln), wäscht es dort aus und setzt es anschließend wieder ein? Natürlich kann man das Blut ins Klo kippen, immer etwas Wasser in der Handtasche haben oder zum Klopapier greifen… Ich habe es ausprobiert, es geht, aber ein Wasserhahn ist in dieser Situation einfach unschlagbar. Allerdings muss man so eine Kappe viel seltener wechseln als einen Tampon, sogar an starken Tagen kann man locker sechs Stunden damit unterwegs sein.

Für mich ist so eine Menstruationskappe inzwischen zu einer echten Alternative zur Einwegware Tampon geworden: umweltfreundlicher, günstiger und komischerweise auch angenehmer. Es geht viel seltener was daneben, denn selbst wenn sie voll ist, hält die Tasse dicht. Große Kappen nehmen bis zu 30 ml Blut auf, man muss also nicht alle zwei Stunden hektisch eine Toilette suchen.

Übrigens, auch wenn ich bis vor Kurzem keine Ahnung von dieser Erfindung hatte, so wurde das erste Patent darauf bereits 1937 angemeldet. Eine gewisse Leona Chalmers, Schauspielerin und Sängerin, hatte damals einen kleinen Kelch aus Gummi als erste Menstruationstasse auf den Markt gebracht und rührte selbstbewusst die Werbetrommel: »Von Frau zu Frau: Ich habe die Lösung für das Problem gefunden, das so alt ist wie Eva.« Wirklich durchsetzen konnte Frau Chalmers sich mit ihrem Produkt damals nicht, denn die Frauen wollten sich nicht von innen berühren, außerdem war das Gummi auch nach dem Vulkanisieren noch sehr hart.

Heute sind Menstruationstassen aus sehr weichem medizinischen Silikon, aus Naturkautschuk oder dem medizinischen Kunststoff TPE – oder sollten es zumindest sein. Bitte beim Kauf unbedingt darauf achten, denn inzwischen springen unseriöse Anbieter auf den Menstruationszug auf und lassen die Kappe günstig in China produzieren, und so können gesundheitsgefährdende Stoffe darin enthalten sein!

Kommen wir zum letzten großen Vorteil der Menstruationstasse: Ein gutes Produkt enthält keine Giftstoffe wie Bisphenol A oder PVC und wurde nicht mit Chlor gebleicht. So können keine Allergien oder Pilzinfektionen entstehen, und der Körper kommt auch nicht mit krebserregenden Substanzen in Kontakt.

Auch die Menstruationstasse wurde übrigens bereits fürs digitale Pimpen entdeckt. Der sogenannte Loon Cup schickt alle wichtigen Infos über den aktuellen Status des eigenen Unterleibs direkt auf das Smartphone. Ein Chip übermittelt die Daten, sodass man weiß, wie viel Blut man gerade aufgefangen hat, welche Farbe es hat und ob gesundheitlich alles in Ordnung ist. Der ganze Zyklus wird also getrackt und dokumentiert. Aber will man wirklich einen Cup mit Batterie, Bluetooth-Antenne und Sensor in der Vagina haben, der mit dem Smartphone kommuniziert? Hey, wenn hier einer mit meinem Smartphone spricht, bin ich das! Der Looncup ist momentan für einen Preis von 30 Dollar bei einer Crowdfunding-Plattform vorbestellbar, ursprünglich sollte er ab Januar 2016 zu erwerben sein… Warten wir ab, ob da wirklich etwas kommt.

Der folgende Textauszug stammt aus Heike Kleens Werk „Das Tage Buch“

Buchcover von Das Tage Buch von Heike Kleen, erschienen bei Heyne Verlag

Heike Kleen: „Das Tage Buch“, erscheint am 13. November, Heyne Verlag, um 14,99 Euro.

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