Das hat mir geholfen: Hashimoto

Starke Gewichtszunahme und Müdigkeit – oft sind Schilddrüsenerkrankungen die Ursache für diese Symptome. Als bei Melanie R. Hashimoto-Thyreoiditis festgestellt wurde, hatte sie 30 Kilo zugenommen und zweifelte, ob sich ihr Kinderwunsch noch erfüllen kann.

Detailaufnahme einer Frau, die ihren Hals abtastet

Symptome wie ständige Müdigkeit oder eine plötzliche Gewichtszunahme können Anzeichen für eine Schilddrüsenerkrankung sein.

Anfang 30 war ich einfach immer dicker geworden, und zwar in kürzester Zeit. Gleichzeitig fühlte ich mich ständig erschöpft. Ich habe damals viel gearbeitet, allerdings auch viel Sport getrieben. Verzweifelt wandte ich mich an meine Hausärztin, die lediglich meinte: weniger essen, mehr Bewegung. Ich war Therapeutin in einem Altersheim und sowieso schon den ganzen Tag auf den Beinen. Zusätzlich ging ich in den darauffolgenden Wochen ins Fitnessstudio, bis zu sechs Mal die Woche, achtete stark auf meine Ernährung – und dennoch: Ich hatte irgendwann 30 Kilo mehr auf der Waage, auch die lähmende Müdigkeit blieb. Ich wusste nicht mehr weiter.

Schilddrüsenunterfunktion: So erkennen Sie die Anzeichen

Also ging ich erneut zu meiner Hausärztin und nun sprach sie zum ersten Mal von der Schilddrüse. Sie schickte mich zu einem Spezialisten, einem Facharzt für Nuklearmedizin in einer radiologischen Praxis in München. Er machte einen Bluttest, eine Ultraschalluntersuchung und eine sogenannte Szintigrafie. Vereinfacht ausgedrückt wird dabei eine Substanz verwendet, die das Schilddrüsengewebe aufnimmt und die mit einer Spezialkamera sichtbar wird.

Die daraus ermittelten Werte lagen bei mir deutlich außerhalb des Normalen. Schnell war klar, dass ich „nicht nur“ eine Schilddrüsenunterfunktion habe, sondern die Autoimmunerkrankung Hashimoto‐Thyreoiditis, die eine Entzündung der Schilddrüse verursacht. Bei meiner Form der Erkrankung bekommt man irgendwann eine Art „Kinderschilddrüse“, weil sie sich teilweise zersetzt und nur noch so winzig wie bei einem Kleinkind ist.

In den folgenden Monaten wurde ich langsam auf ein Schilddrüsen‐Medikament (mit dem Schilddrüsenhormon L‐Thyroxin) eingestellt. Wir haben mit 25 Mikrogramm angefangen, nach jeder vierteljährlichen Blutkontrolle wurde die Dosis so weit erhöht, dass sich die Werte normalisierten. Am Schluss sind wir bei 150 Mikrogramm gelandet. Bis sich alles eingependelt hatte, war etwa ein Jahr vergangen, ich fühlte mich deutlich fitter, nahm auch wieder ab.

Es mag merkwürdig klingen, aber ich war sehr froh über die Diagnose. Denn jetzt hatte ich die Gewissheit: Ich habe eine Krankheit und muss damit klarkommen. Mein neuer Arzt fragte mich dann gleich zu Beginn der Behandlung, wie es mit meinem Kinderwunsch aussehe. Und erklärte, dass es mit Hashimoto schwieriger werden könnte, schwanger zu werden. Die Tragweite wurde mir aber erst bewusst, als ich nach und nach merkte, dass ich wirklich ein Kind wollte.

Ab Anfang 30 hatte ich die Pille schon nicht mehr genommen, dann war ich schwanger geworden und hatte einen Abgang. Deshalb war ich überglücklich, als ich mit 36 endlich mit meinem Sohn schwanger wurde. Das Schilddrüsenhormon habe ich durchgängig genommen. Ich musste regelmäßig zu Untersuchungen, sowohl beim Spezialisten als auch beim Frauenarzt. Doch da es mir die ganze Zeit gut ging, wurde an der Dosis nie etwas verändert. Als mein Sohn zur Welt kam, war ich sehr glücklich.

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Seit zwei Jahren nehme ich keine Medikamente mehr. Ehrlich gesagt, vergaß ich, sie zu nehmen, als ich in einer schweren Beziehungskrise steckte. Irgendwann ging ich kleinlaut zum Arzt, der sofort einen Bluttest veranlasste. Aber die Werte waren super! Trotzdem wurde ich noch mal zum Spezialisten geschickt, aber auch er bestätigte, dass alles gut war. Vielleicht liegt es an den Umstellungen in meinem Leben: Die Trennung von meinem Mann scheint meinem Körper gutgetan zu haben. Zum Spezialisten gehe ich weiterhin: Jährlich werden ein großes Blutbild und eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse gemacht. Die Diagnose bleibt und meine Schilddrüse wird sich auch nicht wieder regenerieren. Aber heute fühle ich mich gesund. Und auch die 30 Kilo habe ich inzwischen vollständig abgenommen.

Protokoll: Céline Tirpan, Friederike Baus

Fakten zu Hashimoto-Thyreoiditis

Die Krankheit

Die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet eine chronische Entzündung der Schilddrüse, die im Verlauf der Krankheit zu einer Unterfunktion führt. Am Anfang steht oft eine Schilddrüsenüberfunktion mit Symptomen wie Gewichtsverlust, Nervosität und Zyklusstörungen. Bei der Unterfunktion leiden Patienten meist an Müdigkeit, Haarausfall und Gewichtszunahme.

Der Auslöser

Man geht davon aus, dass die Hashimoto-Erkrankung genetisch bedingt ist, auch wenn sie bei Vorbelastung nicht zwingend ausbricht. Als Auslöser gelten bakterielle oder virale Infekte, auch eine ungesunde Lebensweise.

Die Behandlung

Durch die Einnahme eines Schilddrüsenhormons (Tabletten) werden die fehlenden Hormone zugeführt, die Symptome verschwinden. Die Entzündung der Schilddrüse kann dadurch nicht geheilt werden, d. h. die Tabletten müssen i. d. R. ein Leben lang eingenommen werden.

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