Skuriller Schönheits-Trend: Was bringt „Blowtox“?

Botulinumtoxin wird bereits seit Jahren als Anti-Aging-Mittel für ein faltenfreies Gesicht eingesetzt. Jetzt wird Botox auch in die Kopfhaut gespritzt. Wir erklären, was es mit dem skurrilen Beauty-Trend auf sich hat und sprachen mit einem Experten über mögliche Risiken der Behandlung.

Nahaufnahme einer Botox-Spritze, die ein Arzt in der Hand hält

In der ästhetischen Medizin wird Botulinumtoxin seit den 90er-Jahren zur Glättung von Mimikfalten eingesetzt. Was aber bewirkt eine Botox-Behandlung der Kopfhaut? DONNA erklärt den fragwürdigen Beauty-Trend.

Dass Frauen in den USA für ein makelloses, jugendliches Aussehen gerne zu fragwürdigen Methoden greifen, ist bekannt. Jetzt sorgt ein neuer Schönheits-Trend aus Amerika für Aufsehen: Blowtox. Bei der Beauty-Behandlung wird das Nervengift Botulinumtoxin anstatt ins Gesicht in die Kopfhaut gespritzt. DONNA erklärt, was die Prozedur bewirken soll – und sprach mit einem Experten über mögliche Risiken.

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Blowtox: Haare wie frisch nach dem Friseur?

Das Nervengift Botulinumtoxin, kurz „Botox“, gilt schon lange als Wunderwaffe gegen erste Fältchen, die ungeliebte Zornesfalte und für allgemein straffere Gesichtshaut. In den USA wird Botulinumtoxin nun auch gegen schnell fettendes Haar eingesetzt. Bei einer „Blowtox“-Behandlung lassen Patienten sich das Gift, das die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel hemmt, in die Kopfhaut injizieren. Ziel der Behandlung: Das Haar soll wie frisch nach einem „Blowout“ („Waschen, legen, föhnen“) beim Friseur aussehen – und selbst starkes Schwitzen überstehen.

Für Sportbegeisterte, die während und nach dem Workouts nicht auf eine perfekte Föhnfrisur verzichten möchten, oder Frauen 40plus, die in den Wechseljahren unter starken Hitzewallungen leiden, scheint diese ungewöhnliche Beauty-Methode durchaus attraktiv zu sein. Blowtox verspricht schließlich, tägliches Haarewaschen überflüssig zu machen und plattes, fettiges Haar der Vergangenheit angehören zu lassen. Wie das funktionieren soll? Botulinumtoxin hemmt die Schweißbildung. In der Medizin wird der Wirkstoff deshalb unter anderem auch bei Menschen eingesetzt, die an übermäßiger Schweißproduktion, einer sogenannten Hyperhidrose, leiden.

Aber wie riskant – und vor allem sinnvoll – ist eine Botox-Behandlung an der Kopfhaut? Dr. med. Gerhard Sattler, Gründer und Ärztlicher Direktor der Rosenpark Klinik, bewertet den „Blowtox“-Trend durchaus kritisch: „Bei diesem Verfahren wird Botulinumtoxin mittels vielfacher Mikroinjektionen in die Kopfhaut injiziert. Dadurch können die Nerven keine Signale mehr an die Schweiß- und Talgdrüsen senden. Man schwitzt also nicht mehr auf der Kopfhaut und die Talgproduktion wird deutlich verringert, das Haar fettet also langsamer und die Föhnfrisur sitzt länger. Aber da die Kopfhaut auch sehr sensibel ist, können die rund 150 benötigten Injektion dadurch sehr unangenehm sein. Als mögliche Nebenwirkung können Spannungskopfschmerzen auftreten. Bei unsachgemäßer Injektion kann es in seltenen Fällen außerdem zu einer Veränderung der Mimik in der oberen Gesichtshälfte kommen. Mit Kosten ab 750 Euro ist die ganze Behandlung zudem nicht ganz günstig.“

Unser Haar braucht natürliches Fett

Ein weiterer Kritikpunkt zur „Blowtox“-Behandlung: Gesundes Haar kann nur auf gesunder Kopfhaut wachsen. Wird in deren natürliche Funktionsweise eingegriffen, beeinflusst dies auch das Haarwachstum. Eine normale Fettmenge im Haar ist nicht nur normal und unbedenklich, sondern sogar unerlässlich für gesunde Haare. Tägliches Bürsten sorgt dafür, dass die Strähnen vom Ansatz bis zu den Spitzen mit dem natürlichen Kopfhautfett versorgt werden und auf diese Weise glänzend bleiben – nicht ohne Grund heißt es bis heute, dass hundert Bürstenstriche täglich für eine schöne Haarpracht sorgen.

„Blowtox“ würde das Haar auf Dauer also eher austrocknen als verbessern – und könnte die Kopfhaut aus dem Gleichgewicht bringen. Selbst, wenn die Behandlung für Frauen mit fettigen Haaren zunächst passend erscheint, sollten bei der Entscheidung für oder gegen „Blowtox“ die Langzeitfolgen für Haare und Kopfhaut mit einkalkuliert werden. In Deutschland ist die Injektion von Botulinumtoxin in die Kopfhaut als Schönheitsbehandlung bislang noch nicht weit verbreitet. Interessierte Frauen sollten sich deshalb vorab informieren, welche Ärzte und Schönheitspraxen in ihrer Nähe die umstrittene Methode überhaupt anbieten.

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Diese Produkte helfen bei schnell fettendem Haar

Keine Sorge, wenn Sie unter öligem, schnell fettendem Haar leiden. Für eine voluminöse, gut sitzende Frisur ist „Blowtox“ gar nicht nötig. Die Kosmetikbranche bietet zahlreiche Produkte und Methoden gegen fettige Haare, die keine teure Schönheitsbehandlung erfordern und noch dazu völlig schmerzfrei sind. Trockenshampoos entziehen dem Haar überschüssiges Fett und lassen es sofort frischer aussehen. Mit Hilfe eines auf Ihren Haartyp abgestimmten Produkts lässt sich die Haarwäsche problemlos um ein bis zwei Tage hinauszögern. Gegen plattes, kraftloses Haar nach dem Sport oder Schlafen helfen Ansatzsprays und -puder, die dem Haaransatz gezielt neuen Stand verleihen. Auch Shampoos, deren Inhaltsstoffe speziell auf fettiges Haar abgestimmt sind, können bei regelmäßiger Anwendung dazu beitragen, dass die Frisur weniger schnell fettig wirkt. Und wenn die Frisur nach dem Fitness-Training doch nicht mehr sitzt und fettige Strähnen überhandnehmen, hilft ohnehin nur noch eines: eine erfrischende Dusche, die auch Ihrem Kreislauf gut tut.

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