Kosmetik ohne Tierversuche: 6 tierfreundliche deutsche Beauty-Marken

Schönheitspflege hin oder her: Niemand möchte, dass Mascara, Deo und Co. an Tieren getestet werden, bevor sie in Drogerie oder Parfümerie im Regal landen. Woran man tierfreundliche Kosmetik erkennt und welche Labels aus Deutschland auf Tierversuche verzichten? DONNA Online hat nachgeforscht.

Collage mit Beauty-Produkten von Nui Cosmetics, OZN, Fine, Und Gretel, Lovely Day Botanicals und Hej Organics

Modern, stylisch und effektiv: Diese neuen Beauty Labels aus Deutschland sagen zu Tierversuchen im Dienst der Schönheit ganz klar „Nein“.

Eigentlich müssen alle Kosmetikprodukte, die in Deutschland verkauft werden, tierversuchsfrei sein. Denn 2004 wurden Tierversuche für kosmetische Endprodukte von der EU-Kommission offiziell verboten. Seit 2009 ist auch der Test einzelner kosmetischer Inhalts­stoffe von Cremes oder Make-up an Tieren untersagt. Seit März 2013 gilt EU-weit zudem ein generelles Verkaufs­verbot für Kosmetik­produkte, die zuvor an Tieren erprobt wurden. Doch es gibt nach wie vor Schlupflöcher: Das Verkaufsverbot erstreckt sich beispielsweise nur auf Kosmetikartikel, die seit 2013 neu auf den Markt gekommen sind. Davor eingeführte Produkte, die an Tieren getestet werden, dürfen in Europa weiterhin vertrieben werden. Auch Inhaltsstoffe, die nicht ausschließlich in der Beauty-Industrie, sondern etwa für Waschmittel oder Medikamente zum Einsatz kommen, können weiterhin an Labortieren erprobt werden, da sie unter das Chemikaliengesetz fallen. Und: In vielen Ländern außerhalb Europas greift das Verbot nicht. In China zum Beispiel ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, Tierversuche durchzuführen. Will eine Kosmetikmarke ihre Produkte in China vertreiben, muss sie deshalb zwangsläufig Tests mit Ratten, Kaninchen und Co. beauftragen – oder sich vom chinesischen Markt zurückziehen.

Naturkosmetik, Bio-Kosmetik und Co.: Das sind die Unterschiede

Woran erkennt man Kosmetik ohne Tierversuche?

Einen guten Anhaltspunkt dafür, ob ein Make-up- oder Pflegeprodukt tierversuchsfrei ist, bieten Siegel. Die sind allerdings oft nicht international anerkannt – und nicht alle Beauty-Artikel, die auf Tierversuche verzichten, sind mit einem entsprechenden Label gekennzeichnet. Wer herausfinden möchte, ob die Lieblingscreme tierfreundlich ist, kann sich zum Beispiel die Cruelty-Free-Liste „Kosmetik ohne Tierversuche“ von PETA ansehen oder die Inhaltsstoffe des Produkts mit einer App wie barcoo checken. Auch eine Nachfrage beim Hersteller kann sich lohnen – allerdings werden die Informationen oft missverständlich ausgedrückt.

Ist vegane Kosmetik automatisch tierversuchsfrei?

Diese Frage lässt sich leider nicht so einfach beantworten. Denn tierversuchsfreie Beauty-Produkte können zwar vegan sein, müssen es aber nicht. Umgekehrt kann vegane Kosmetik – genauso wie Bio- und Naturkosmetik – Inhaltsstoffe enthalten, die an Tieren getestet wurden. Wer bei der Schönheitspflege bewusst auf Produkte setzen möchte, für die keine Tiere leiden müssen, sollte im Drogeriemarkt die Augen nach folgenden Cruelty-Free-Labels offen halten:

Die wichtigsten Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik

  • Leaping Bunny: Ist derzeit das einzige international gültige Siegel. Es unterliegt den Human Cosmetic Standards (HCS). Alle damit ausgezeichneten Unternehmen verpflichten sich dazu, keine Tierversuche durchzuführen oder in Auftrag zu geben – und dürfen keine Verbindung zu Unternehmen haben, die entsprechende Tests durchführen. Die Produkte dürfen zudem keine Bestandteile von getöteten und gequälten Tieren enthalten.
  • Hase mit schützender Hand (IHTK): Das Siegel wird vom Deutschen Tierschutzbund und Internationalen Herstellerverband für tiergeschützte Naturkosmetik vergeben und verpflichtet die Produzenten, keine Tierversuche durchzuführen, in Auftrag zu geben oder mit entsprechen Unternehmen in Kontakt zu stehen.
  • Vegan: Das Siegel mit der Sonnenblume findet sich auf Produkten, deren Inhaltsstoffe sowohl frei von Tierversuchen als auch vegan sind. Allerdings untersagt das Erkennungszeichen den Herstellern nicht, die Artikel auf dem chinesischen Markt zu verkaufen.
  • Kontrollierte Natur-Kosmetik (BDIH): Dieses Siegel dürfen Produkte tragen, bei deren Herstellung, Entwicklung oder Prüfung keine Tierversuche durchgeführt wurden. Auch Rohstoffe, die vor 1998 noch nicht auf dem Markt waren, dürfen nicht verwendet werden, wenn sie an Tieren getestet wurden. Der Einsatz von Stoffen, die von Tieren produziert werden, ist dagegen gestattet.  
  • Natrue: Das Siegel ist eine Erweiterung des BDIH-Siegels. Das Verbot von Tierversuchen wurde erst 2014 nachträglich eingeführt, sodass Labels die ich China verkaufen, eine Übergangsfrist gewährt wurde.

Siegel und Co.: Darauf sollten Sie bei Naturkosmetik achten

Bei diesen 6 deutschen Beauty-Marken gibt es tierversuchsfreie Kosmetik

1. Lovely Day Botanicals

Das vegane Beauty-Label wurde 2016 von Josephine Förster gegründet. Mit ihren Produkten, die bis zu 100 Prozent natürliche Inhaltsstoffe enthalten, möchte die Berlinerin beweisen, dass ein veganer Lebensstil nichts mit Verzicht zu tun haben muss. Fünf Prozent des Online-Umsatzes spendet die Kosmetikmarke an Tierschutzorganisationen. Die Produkte von Lovely Day Botanicals tragen neben dem „Vegan“-Label auch das PETA-Siegel „Cruelty-Free“.

2. Und Gretel

Da sie selbst bei Kosmetik oft auf Greenwashing-Produkte mit vermeintlich „grünem Image“ hereingefallen war, entstand Christina Roths Idee zu ihrem eigenen Label: Und Gretel. Gemeinsam mit Marketing-Expertin Stephanie Dettmann entwickelte die Berliner Make-up-Artistin hochpigmentierte Kosmetik mit hochwertigen Inhaltsstoffen aus der Natur, bei der auf synthetische Inhaltsstoffe und Konservierungsstoffe vollständig verzichtet wird. Alle Texturen sind BDIH-zertifiziert.

3. OZN

Schon vor der Gründung von OZN war Nina Skarabela in der Beauty-Branche tätig, wünschte sich als echter Nagellack-Junkie aber Produkte, die mit weniger Schadstoffen als die Lacke herkömmlicher Labels auskommen. Das Ergebnis: die veganen Nagellacke von OZN, die noch dazu „Made in Germany“ sind. Obwohl das Beauty-Unternehmen auf Tierversuche verzichtet, trägt es bislang noch kein Siegel.

Veganer Nagellack aus München: OZN-Gründerin Nina Skarabela im DONNA-Interview

4. Hej Organics

Modernes Design trifft hochwertige Produkten mit natürlichem Ursprung: Hej Organics entstand 2016 mit dem Ziel, die Nummer 1 für Naturkosmetik zu werden. Die von einem mehrköpfigen Team in Dortmund und Hamburg gegründete Kosmetikmarke ist zu 100 Prozent vegan, fair und setzt ausschließlich auf Inhaltsstoffe aus kontrolliert ökologischen Anbau. Die Produkte von Hej Organics sind bio und „NATRUE“-zertifiziert.

5. FINE

Die Suche nach einem natürlichen, aber wirksamen Deo machte die Berlinerin Judith Springer zur Unternehmerin. Herausgekommen ist eine organische, vegane Deocreme, die frei von Parabenen, Aluminiumsalzen, Gluten und genetisch veränderten Inhaltsstoffen ist. Das Deo wird in Berlin designt, in Deutschland produziert und nicht an Tieren getestet.

Erfinderin mit Feinsinn: Judith Springer von FINE im DONNA-Interview

6. NUI Cosmetics

Einen knallroten Lippenstift ohne synthetische Inhaltsstoffe suchte Swantje van Uehmen vergeblich. Deshalb startete sie mit NUI Cosmetics ein Herzensprojekt. Die High-Performance-Naturkosmetikmarke vereint leuchtende Farben, Haltbarkeit sowie cleane Inhaltsstoffe mit fairen Preisen – und kommt ohne die Ausbeutung von Tieren aus. Das Name NUI stammt aus der Sprache der Maori, dem neuseeländischen Ureinwohnervolks und bedeutet „grandios“.