Yoga für Augen und Gesicht: So funktionieren die Übungen gegen Falten & Co.

Dieser Beauty-Trend entspannt, soll hautstraffend wirken – und sogar Altersweitsichtigkeit verbessern können. Im Interview mit Face Yoga-Expertin Eva Steinmeyer klärt DONNA Online die wichtigsten Fakten rund um Gesichts- und Augen-Yoga und zeigt Einsteigerübungen für zu Hause.

Frau steht mit geschlossenen Augen vor dem Spiegel und massiert sich mit beiden Händen die Schläfen

Beim Face Yoga wird das Gesicht durch gezieltes Drücken und Streichen entspannt.

Yoga soll Körper und Seele in Einklang bringen, die Muskeln stärken, entspannend wirken und für mehr Wohlbefinden sorgen. Zwei neue Trends in der Yoga-Szene widem sich gezielt der Augenpartie und dem Gesicht. Doch was genau bewirken Gesichts- und Augen-Yoga – und was sollte man beim Durchführen der Übungen beachten? DONNA Online stellt die beiden Yoga-Arten vor und gibt Tipps, mit denen auch Yoga-Neulingen der Einstieg gelingt:

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Yoga-Trend 1: Gesichtsyoga

Was dem Körper gut tut, muss auch im Gesicht positive Effekte haben. Mit diesem Ansatz erfand die Japanerin Fumiko Takatsu 2006 das sogenannte Face Yoga. Das Yoga-Training für die Gesichtspartie soll für den Teint und die Gesichtsmuskeln genau das bewirken, was klassisches Yoga für den Körper tut: entspannen, straffen und stärken.

Face Yoga: Entspannung gegen Falten

Der wichtigste Vorteil der Yoga-Übungen für das Gesicht ist die Entspannung. Muskeln, die wir im Lauf des Tages anspannen, ohne es zu merken – etwa, weil wir die Augen zusammenkneifen oder die Stirn runzeln – werden durch das Training bewusst gelockert. Gerade unbewusste Anspannung ist häufig der Auslöser für das vermehrte Auftreten von Falten, zum Beispiel der Zornesfalte zwischen den Augenbrauen oder Krähenfüßen um die Augenpartie.

Der natürliche Anti-Aging-Effekt von Gesichtsyoga wirkt ähnlich wie die Behandlung mit dem Nervengift Botulinumtoxin: Durch den chirurgischen Eingriff werden Muskeln gezielt bewegungsunfähig gemacht und dadurch entspannt. Die anhaltende Entspannung beim Face Yoga wirkt gewissermaßen wie Botox und sorgt auf natürliche Weise für weniger Faltenbildung. 

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Gesichtsmuskeltraining für ein frischeres Hautbild

Gezielt trainierte Gesichtsmuskeln sollen die Haut praller erscheinen und Falten weniger tief wirken lassen. Eingefallene Wangen, schlaffe Haut unter dem Kinn oder Lachfalten um die Mund herum – Face Yoga verspricht, jede Art von Falten zu straffen. Die muskelstärkenden Übungen beim Face Yoga bestehen vor allem aus Druck- und Streichbewegungen, die mit den Fingerspitzen durchgeführt werden. Spezifische Gesichtsausdrücke stärken die Muskeln und können zusätzlich in die Yoga-Routine eingebaut werden.

Das sollten Sie bei Gesichtsyoga-Übungen beachten

  1. Vermeiden Sie es, die Gesichtshaut während der Yoga-Übungen zu stark zu dehnen oder zusammenzuschieben, um nicht den gegenteilige Effekt – nämlich die vermehrte Bildung von Falten – zu erzielen. Grundsätzlich sollten Sie alle Übungen nur dann ausführen, wenn Ihre Haut dabei keine zusätzlichen Falten bildet. Sollte das passieren, ist die Face Yoga-Übung entweder nicht für Sie geeignet oder Sie entspannen Ihr Gesicht währenddessen nicht ausreichend.
  2. Vor den Übungen sollte das Gesicht frei von Make-up sein und mit einer Feuchtigkeitscreme gepflegt werden, damit die Haut geschmeidig bleibt und es nicht zu einer zu starken Dehnung trockener Hautpartien kommt.

Face Yoga-Expertin Eva Steinmeyer im Interview

Dazu inspiriert, ihr eigenes Beauty-Label A4 Cosmetics zu gründen, wurde Eva Steinmeyer von ihrer Großmutter: Als die Müncherin deren altes Rezeptbuch mit Anleitungen für hautverschönernde Cremes und Pasten entdeckte, verstand sie das als Wink des Schicksals. Neben Hautpflegeprodukten basiert ihr ganzheitliches Beauty-System unter anderem auch auf Gesichtsgymnastik – dem A4 Face Yoga.

DONNA Online: Viele Frauen schwören aufgrund des Anti-Aging-Effekts auf Face Yoga. Welche Bewegungsabläufe sind dafür am besten geeignet – und welche Zeichen der Hautalterung lassen sich gezielt damit bekämpfen?
Eva Steinmeyer: Unser Körper besteht aus Billionen von Zellen und jede einzelne ist auf eine regelmäßige Blutzufuhr angewiesen. Das Blut versorgt die Zellen mit allen notwendigen Nährstoffen, unterstützt bei der Regeneration und transportiert darüber hinaus Abfallprodukte und Giftstoffe ab. Face Yoga stimuliert nicht nur den Blutfluss, sondern auch die Muskelkontraktionen. Dadurch werden Flüssigkeitsstaus gelöst und der Lymphabfluss zum Herzen unterstützt. Die Versorgung mit Nährstoffen, also Mineralien und Vitaminen, wird angekurbelt, was die Haut gesünder und jünger aussehen lässt.

Gibt es noch andere Vorteile in Sachen Gesundheit und Schönheit, wenn man regelmäßig Gesichtsyoga praktiziert?
Jeder Mensch hat eine stärkere und eine schwächere Gesichtsseite – arbeiten Sie an Ihrer schwächeren Seite intensiver als an der stärkeren.

Wie kann ich Face Yoga-Übungen sinnvoll in meinen Alltag einbauen?
Machen Sie Ihre Gesichtsgymnastik am Anfang stets im Stehen oder im Sitzen – am besten vor dem Spiegel. Haben Sie bereits etwas Übung, trainieren Sie gerne auch im Auto an der Ampel, vor dem Computer, im Kino…

Welche Face Yoga-Routine kann ich auch mit wenig Zeit umsetzen?
Die Übung gegen die Zornesfalte eignet sich gut: Um die Partie zwischen den Augenbrauen zu öffnen, legen Sie den rechten Ringfinger auf den Ansatz der linken Augenbraue und den Zeigefinger auf den Ansatz der rechten Augenbraue. Die Mittelfingerspitze platzieren Sie einen Finger breit über der Nasenwurzel auf der Stirnmitte. Spreizen Sie nun die Fingerspitzen in sanften, pulsierenden Bewegungen auseinander und nach oben in Richtung Haaransatz.

Haben Sie eine persönliche Lieblingsübung?
Ich liebe alle Übungen – besonders die Übung gegen Schlupflider: Legen Sie den Ringfinger jeweils genau auf den Brauenansatz und die Mittelfinger auf den höchsten Punkt der Braue. Ziehen Sie diese Punkte nun zur Stimulierung mit den Fingern fest nach unten, während Sie gleichzeitig die Augenbrauen fest nach oben ziehen, damit ein Gegenzug entsteht.

Yoga-Trend 2: Augen-Yoga

Die Augen werden in Sachen Sport und Entspannung oft vernachlässigt – dabei beanspruchen wir sie im Alltag ständig. Augen-Yoga soll müde und beanspruchte Augen entspannen und sogar kleine Sehschwächen ausgleichen können.

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Was ist Augen-Yoga?

Wie klassisches Yoga oder Gesichtsyoga soll Augen-Yoga beim Entspannen helfen. Die Übungen lockern sowohl die Augenmuskeln, als auch die Nackenmuskulatur. Der Grund: Nacken und Augen sind in vielerlei Hinsicht miteinander verbunden. Wenn Sie beispielsweise Ihren Kopf nach links oder rechts drehen, bewegen sich die Augen automatisch mit. Sitzen Sie den ganzen Tag vor dem Computer und blicken starr auf den Bildschirm, beeinträchtigt das nicht nur die Augen, sondern führt auch zu einem steifen Nacken.

Sehschwächen ausgleichen mit Augen-Yoga: Funktioniert das?

Viele Yogis schwören darauf, mit gezielten Yoga-Übungen für die Augen eine Kurz- oder Weitsichtigkeit ausgleichen zu können. Medizinisch gesehen ist das kaum möglich, da beide Formen der Fehlsichtigkeit durch eine Verformung des Augapfels ausgelöst werden, der je nach Ausprägung entweder zu lang oder zu kurz ist.

Augenexperten wie der japanische Augenarzt Dr. Kazuhiro Nakagawa glauben jedoch daran, dass Augen-Yoga Sehschwächen, die im Laufe des Lebens entstehen, ausgleichen kann. Das ständige Starren auf den PC-Bildschirm, Smartphones oder Tablets strengt die Augen dauerhaft an. Insbesondere der Ziliarmuskel leidet darunter: Er ist nicht an der Augenbewegung beteiligt, sondern sorgt für die richtige Krümmung der Augenlinse, um den Blick „scharfzustellen“. Ist das Auge auf ein Objekt in der Nähe gerichtet, muss die Linse gekrümmt werden und der Ziliarmuskel spannt sich an. Nach einer gewissen Zeit wird es jedoch immer schwerer, klar in die Ferne zu sehen – und eine Kurzsichtigkeit entsteht.

Altersweitsichtigkeit durch Augen-Yoga verringern

Anders als bei Myopie (Kurzsichtigkeit) und Hyperopie (Weitsichtigkeit) entsteht die altersbedingte Weitsichtigkeit etwa ab dem 40. Lebensjahr nicht durch einen verformten Augapfel, sondern aufgrund der nachlassenden Elastizität der Linse sowie Augenmuskeln. Diese Art der Fehlsichtigkeit – auch Presbyopie genannt – kann laut Dr. Nakagawa gemindert werden, indem die geraden und schrägen Augenmuskeln sowie der Ziliarmuskel durch gezielte Yoga-Übungen trainiert werden. Sie sollen die Beweglichkeit fördern und vor allem den Ziliarmuskel stärken.

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So trainieren Sie Ihre Augen mit Augen-Yoga

Nah- und Fernsicht trainieren

Um die einseitige Belastung der Augen durch häufiges oder anhaltendes Fokussieren auf nahe Gegenstände auszugleichen, sollten Sie den schnellen Wechsel von nah zu fern und umgekehrt trainieren.

So geht's:

Halten Sie Ihre Hand dafür etwa 25 Zentimeter vom Gesicht entfernt und blicken Sie abwechselnd für je zwei bis drei Sekunden auf Ihre Hand und in die Ferne. 20 Mal wechseln.

Augenmuskeln stärken

Um sowohl die geraden und schrägen Muskeln, als auch den Ziliarmuskel zu trainieren und Altersweitsichtigkeit zu vermeiden, eignen sich spezifische Augenbewegungen. Für beide Augen-Yoga-Übungen sollten Sie in einer aufrechten Position sitzen und den Kopf geradehalten.

So geht's:

1. Zeichnen Sie mit den Augen langsam ein Unendlichkeitszeichen („liegende Acht“) nach. Zehnmal ausführen.
2. Blicken Sie auf eine Uhr oder einen anderen runden Gegenstand und folgen Sie dem Umriss zehnmal mit den Augen.

Augenmuskeln dehnen

Blicken Sie für je einige Sekunden in eine bestimmte Richtung, um die Muskeln der Augenpartie zu dehnen und zu kräftigen.

So geht's:

1. Diagonal dehnen: Blicken Sie nach rechts oben, halten Sie die Bewegung für etwa fünf Sekunden und blicken Sie danach kurz in die Mitte. Richten Sie Ihren Blick anschließend nach rechts unten, halten Sie die Bewegung für fünf Sekunden und führen Sie den Blick dann zurück in die Mitte. Fahren Sie genauso mit der linken Seite fort und wiederholen Sie diesen Ablauf insgesamt dreimal.

2. Waagrecht und senkrecht dehnen: Schauen Sie nach rechts und halten Sie die Augen fünf Sekunden in dieser Position, bevor Sie den Blick zurück in die Mitte führen. Im Anschluss genauso mit der linken Seite verfahren. Danach schauen Sie je fünf Sekunden lang nach oben sowie unten und pausieren dazwischen kurz.

Die Augen entspannen

Für Entspannung sorgt das sogenannte „Palming“: Wärme lockert die Muskeln im und um das Auge herum.

So geht's:

Reiben Sie Ihre Handflächen aneinander bis sie sehr warm sind. Schließen Sie anschließend die Augen und legen Sie Ihre warmen Handflächen darüber, ohne die Lider zu berühren. Lassen Sie die Wärme ca. zehn Sekunden lang wirken und blicken Sie im Anschluss kurz in die Ferne. Diese Übung können Sie wunderbar in den Büroalltag einbauen – im besten Fall sollten Sie Ihre Augen jede Stunde entspannen.