Alles über Narben

Narben mildern: So können Sie die Wundmale minimieren

Frau bei einer Hautuntersuchung | © iStock | macniak
© iStock | macniak
Natürlich dürfen Sie Ihre verheilten Verletzungen ganz selbstbewusst präsentieren. Für all diejenigen, die ihre Naben lieber kaschieren wollen, gibt es ein paar kosmetische Tricks.

In knappen Sommer-Shorts und -Shirts kommen unsere Narben ans Licht. Dürfen sie! Wir haben trotzdem nachgefragt, wie Sie die Lebensspuren minimieren können.

Wie bilden sich eigentlich Narben?

Ihre Ursache sind Verletzungen, die bis in die zweite Hautschicht, die Lederhaut, dringen. „Um die Wunde zu verschließen, schickt der Körper über Monate vermehrt Bindegewebszellen in die Haut“, erklärt der Münchner Dermatologe Dr. Christoph Liebich. Dabei verkreuzen sich die Kollagenfasern nicht mehr so, wie es bei unverletzter Haut der Fall ist, sondern ordnen sich parallel an. Die Folge: Die Partie verliert an Elastizität, hat keine Talgdrüsen mehr und ist pigmentfrei.

Welche Narbenarten gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man drei Arten: Versunkene, sogenannte atrophe Narben ziehen sich zusammen und verbleiben unter dem Hautniveau – als kleine „Krater“, zum Beispiel nach einer Akne. Erhabene (hypertrophe) Narben sind hellrot und verhärtet. Sie entstehen meist durch Tierbisse oder nach Operationen. Als Keloide bezeichnet man starke rote oder violette Wucherungen, die über das ursprüngliche Narbengebiet hinausgehen – oft als Folge von Verbrennungen.

Wie unterstützt man den Heilungsprozess?

Bei frischen Verletzungen ist es wichtig, den Wundverband feucht zu halten. „Nur in einem feuchten Milieu kann der Heilungsprozess optimal stattfinden, sodass Narben nicht allzu schlimm werden“, sagt Dr. Liebich. Spezielle Wundpflaster, die man direkt auf die betroffene Stelle klebt, können dabei helfen. Cremes mit Zwiebelextrakt oder Silikon aus der Apotheke sind ebenfalls gut. Direktes Sonnenlicht und Saunagänge sollte man unbedingt vermeiden.

Narbenbehandlung beim Arzt

Drei Fragen an den Dermatologen Dr. Christoph Liebich

Welche medizinischen Methoden gibt es, um Narben zu minimieren?
Erhabene Narben kann man beispielsweise mit einer Kortisonlösung unterspritzen. Das reduziert die übermäßige Kollagenproduktion und die Haut wird ebenmäßiger. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer Kryotherapie. Dabei werden die Narbengebiete eingefroren, was die Wucherung schrumpfen lässt. Laserbehandlungen können Verfärbungen aufhellen sowie hervortretende und eingesunkene Narben dem Hautbild anpassen. Ein recht neues Verfahren ist das Needling: Man geht mit einem Nadelroller über das Narbengewebe und fügt der Haut Mikro‐Verletzungen zu. Parallel werden durch die Blutung eigene Stammzellen wieder zugeführt. Beides regt den Heilungsprozess der Haut an.

Wie groß sind die Erfolgschancen?
Auch wenn wir lange bestehende Narben nicht vollständig entfernen können: Es lässt sich eine deutliche optische Besserung erzielen. Die Verfahren sind wissenschaftlich anerkannt und haben großes Potenzial, das Narbenbild zu verschönern. Alle Behandlungen können bei kleinen Narben ambulant vorgenommen werden. Je nach Schmerzempfindlichkeit der Patienten gibt es die Möglichkeit, die betroffenen Stellen örtlich zu betäuben.

Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Kleine Narben fallen unter den Begriff Schönheitsfehler. Hier müssen die Patienten die Behandlung selber zahlen. Wenn aber gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen, durch die Narbe etwa die Beweglichkeit eingeschränkt ist, tragen in der Regel die Krankenkassen die Kosten.

Tolle Tarnung: So lassen sich Narben kaschieren

Kosmetische Tricks lassen kleine Narben verschwinden
Natürlich kann man seine verheilten Verletzungen auch ganz selbstbewusst und entspannt präsentieren. Aber an manchen Tagen will man vielleicht doch ein wenig Tarnung, auf Französisch: Camouflage. Während normale Foundation eine Pigmentdichte von 12 bis 25 Prozent hat, besitzen kosmetische Camouflage-Produkte bis zu 55 Prozent Pigmente, sind also stark deckend. Vor dem Auftragen immer darauf achten, dass die Partie enthaart und fettfrei ist. Wer vorher Sonnencreme verwendet, sollte etwa 30 Minuten warten, bis mit dem Abdecken begonnen wird. Camouflage-Experte René Koch rät, sorgfältig nach dem optimalen Farbton zu suchen und in einen festen, spitzen Kunsthaarpinsel zu investieren: „Er nimmt das Produkt gut auf und erreicht auch kleine Unebenheiten.” Anschließend hilft Fixierpuder oder -spray dabei, die Stelle wasserfest zu machen. Die Camouflage hält bis zu 24 Stunden und kann mit speziellen Reinigungsmitteln abgenommen werden. Kosten: je nach Produkt zwischen 20 und 50 Euro.

Wundheilung fördern: Heilmittel aus der Natur

Bei Verletzungen, die nicht älter als drei Monate sind, kann man mit einfachen Hausmitteln den Heilungsprozess unterstützen und der Narbenbildung entgegenwirken. Christian Wilms, Präsident des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker e.V., nennt die wichtigsten Rohstoffe:

HONIG hat heilungsfördernde Eigenschaften, eine antibakterielle Wirkung und entzieht dem tieferen Gewebe dank hohem Zuckergehalt Wasser, was die Wunde feucht hält.

OLIVENÖL fördert die Elastizität der Haut, enthält feuchtigkeits- spendendes Vitamin E und wirkt entzündungshemmend.

KOKOSÖL regt den Heilungsprozess an, wirkt antibakteriell und schützt mit seinen hochwertigen Fettsäuren vor freien Radikalen.

Glattmacher-Rezept:

  • 20 ml Olivenöl mit 1 EL unbehandeltem, nicht verflüssigtem Honig vermischen.

  • Sanft in die Narbe einmassieren.

  • Mindestens eine Stunde einwirken lassen.

  • Mit lauwarmem Wasser vorsichtig abnehmen.

  • Bei regelmäßiger Anwendung wird die Haut weich und geschmeidig.

Cosmeceuticals: Das sollten Sie über medizinische Kosmetik wissen