Natürliches Creme-Deo: „Fine“-Erfinderin Judith Springer im Interview

Ein zuverlässiges Deo ohne Aluminiumsalze hätten wir alle gerne. Die Berlinerin Judith Springer beließ es nicht beim Wünschen – und stellte sich in die Küche.

Porträtfoto von „Fine Deodorant“-Gründerin Judith Springer neben Produktbild eines Tiegels Deocreme von Fine

Judith Springers Bio-Deocreme ist vegan und kommt ohne Aluminiumsalze, Parabene und petrochemische Zusätze aus.

Eine Leidenschaft für Gesundheit, Gerüche und Schönheit hatte Judith Springer schon immer. Ihre feine Nase und der Wunsch, gesund zu leben, brachten die Berlinerin schließlich dazu, ihr eigenes Kosmetik-Label zu gründen: „Fine“ produziert natürliche Deodorants „Made in Germany“. Hier das DONNA-Interview mit der Unternehmerin lesen.

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DONNA: Manche träumen davon, ein Parfum zu kreieren. Aber wie kommt man darauf, ein Deo zu entwickeln?
Judith Springer: Vorneweg, ich habe nie davon geträumt. Aber ich bin ein Mensch, der anpackt, was ansteht. Egal ob es die Gründung einer Kita ist oder eben ein Deo, das meine Wunschkriterien erfüllt: ohne Aluminiumsalze und trotzdem zuverlässig. So ein Produkt habe ich in Deutschland nicht gefunden. Als mir eine vegane Foodbloggerin und Do-it-yourself-Expertin erzählte, dass man Deos auch selber herstellen kann, wollte ich es einfach mal versuchen.

Mit dem Chemiebaukasten Ihrer Kinder?
So ähnlich. Ich habe mich im Internet schlaugemacht und dann in der Küche mit rein natürlichen Zutaten wie Natron, Sheabutter und ätherischen Ölen experimentiert. Das Ergebnis habe ich in Töpfchen abgefüllt und meinen Freunden gegeben. Alle waren begeistert.

Aber heute produzieren Sie nicht mehr in Ihrer Küche, oder?
Nein, das macht jetzt ein Münchner Lohnlabor genau nach meinen Vorstellungen. Ich habe die Konsistenz nie richtig hinbekommen, Maschinen können alles besser verrühren. Außerdem muss man genau nachweisen können, wie das Deo produziert wird, wenn man es auf den Markt bringen will. Im Juni 2016 war es dann so weit. Die ersten 500 Tiegel waren über meinen Online-Shop schon nach wenigen Wochen ausverkauft. Was ich seither produzieren lasse, ist oft schon wieder ausverkauft, bevor die Produkte überhaupt bei mir ankommen.

Steckt da vielleicht marktwirtschaftliches Kalkül dahinter?
Nein, ich plane selten etwas. Ich glaube, mit „Fine“ habe ich eine Marktlücke geschlossen. Bisher hatten Deos immer etwas Schamhaftes und positionierten sich vom Design her zwischen Zahnpasta und Intimpflege. „Fine“ stellt man sich hingegen gerne ins Bad.

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Wie kam es zu dem Namen „Fine“?
Oh, das ist eigentlich eine private Geschichte. Mein Mann kann manchmal recht einsilbig sein. Wenn ich frage: „Wie findest du meine neue Hose?“, dann sagt er nur: „Fein.“ Als ich ihn fragte, wie ich das Deo nennen soll, sagte er auch „fein“. Erst dachte ich, na super, das hilft ja. Und dann, warum eigentlich nicht. Nur das deutsche Wort fand ich nicht richtig. Deshalb „Fine“, das im italienischen „Ende“ heißt und im englischen „gut“, „schön“. Eine Grafikerin hat den Tiegel und das Logo gestaltet. Neben der Lautschrift steht dort auf Italienisch: Ende des Miefs und dass man sich keinen Kopf mehr machen muss, ob man unangenehm riecht oder nicht.

Mit 28 Euro für 30 Gramm ist das Deo nicht gerade günstig.
Stimmt. Am Anfang habe ich mich für den Preis entschuldigt. Aber die Produktionskosten sind sehr hoch: Das Deo wird komplett in Deutschland hergestellt, der Holzspatel in einer Berliner Behindertenwerkstätte und das Bio-Baumwollsäckchen in Indien unter zertifizierten Arbeitsbedingungen mit fairer Bezahlung. Das hat halt seinen Preis.

Und wie geht es mit „Fine“ weiter?
Aktuell arbeite ich an einem neuen Duft und einer Version für Allergiker ohne Natron und ätherische Öle. Außerdem ist es ab Februar als erstes 100 Prozent grünes Beauty-Produkt im On-Board-Shop der Lufthansa und Swiss erhältlich.

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Was fehlt aktuell auf dem Beauty-Markt?
Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Deshalb würde ich nie ein Produkt auf den Markt bringen, dass es so schon gibt. Aber mir fallen drei ein, deren Entwicklung ich mir vorstellen könnte: einen Natur-Badeschaum für Kinder, eine Naturkosmetik-Handcreme mit Lichtschutzfaktor und ein Shampoo ohne Sulfate, das bei langem und kurzem Haar funktioniert. An Letzterem arbeite ich bereits.