100 Jahre Bauhaus: Die 7 schönsten Orte in Deutschland

Bei Bauhaus denken die meisten an moderne Architektur und Inneneinrichtung. Was sich noch hinter der Kunst- und Architekturschule verbirgt und wo in Deutschland man den Bauhaus-Stil hautnah erleben kann? Zum 100. Jubiläum haben wir sieben lohnenswerte Ziele für Sie zusammengestellt.

Bauhaus-Logo der Universität Dessau spiegelt sich in Glasfassade wieder

Das 1926 in Dessau eröffnete Hochschulgebäude gilt bis heute als eines der Vorzeigemodelle des Bauhausstils.

Der Grund, warum Deutschland in diesem Jahr auf Platz zwei der „Best in Travel“-Liste von Lonely Planet gewählt wurde? Das Bauhaus-Jubiläum. Die Bauhaus-Schule wurde vor 100 Jahren in Deutschland gegründet und revolutionierte Design und Architektur.

Was ist Bauhaus?

Bauhaus, eigentlich das Staatliche Bauhaus, ist die bedeutendste Kunstschule des 20. Jahrhunderts und zugleich die einflussreichste Stilrichtung aus Deutschland. Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 im Weimar gegründet und veränderte unsere Auffassung von Architektur mit seinen Ideen, Ansichten und Werken bis heute. Die Bauhaus-Lehre war so bedeutend, dass der Begriff heute oft mit moderner Architektur und Design gleichgesetzt wird.

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Der Kerngedanke von Bauhaus-Gründer Walter Gropius war, die Kunst von der Industrialisierung zu emanzipieren und das Kunsthandwerk wiederzubeleben. Gleichzeitig sollte der Bauhaus-Stil einen Gegenentwurf zu den damals angesagten, verschnörkelten Ornamenten darstellen. Daraus entwickelte sich die Idee, dass ein Gegenstand schön, funktional und jedem zugänglich sein soll – ein Konzept, das bis heute unsere Auffassung von Design prägt.

Die Geschichte des Bauhaus

1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus. An der Kunstschule wurden bildende Kunst, angewandte Kunst und darstellende Kunst gelehrt. Der Fokus lag aber auf Architektur: Bereits im Gründungsmanifest wurde festgehalten „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“.

Am Staatlichen Bauhaus unterrichteten viele bis heute bekannte Künstler wie Paul Klee und Wassily Kandinsky. Da die Ausrichtung der Kunst- und Architekturschule als politisch links und internationalistisch galt, wurde durch eine Veränderung der politische Machtverhältnisse 1925 der Umzug nach Dessau beschlossen. In Dessau entstanden die ersten Bauhaus-Möbel, die bis heute als echte Designklassiker gelten. Aus Stahlrohren wurden die ersten freischwingenden Stühle entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Industrie umgesetzt. 1926 wurde das bis heute bestehende Bauhaus-Gebäude eingeweiht.

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Infolge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1930 wurde in der Gemeinde Dessau 1932 die Schließung des Staatlichen Bauhaus durchgesetzt. Der damalige Direktor Ludwig Mies van der Rohe führte die Kunstschule in Berlin als private Einrichtung fort, musste sie 1933 aber schließlich auflösen. Daraufhin emigrierten viele Bauhaus-Anhänger ins Ausland, sodass sich die Idee und die Prinzipien international verbreiteten. Heute gibt es überall auf der Welt Prunkstücke der Bauhaus-Lehre – zum Beispiel die Weiße Stadt in Tel Aviv, die größte Ansammlung von Gebäuden im Bauhaus-Stil.

7 Orte an denen Sie Bauhaus in Deutschland erleben können

Zum 100. Gründungsgeburtstag gibt es in Deutschland zahlreiche Orte, an denen man Kunst, Architektur und Design des Bauhaus aus nächster Nähe erleben kann. Zudem entstehen im Rahmen des Jubiläum drei neue Museen in Weimar, Dessau und Berlin.

1. Weimar

In der thüringischen Universitätsstadt wurde der Grundgedanke für das Bauhaus gelegt, der die Auffassung von Architektur, Gestaltung und Kunst weltweit revolutioniert hat. Weimar ist nicht nur der Geburtsort des Bauhaus, sondern heute auch der Sitz der Bauhaus-Universität und gemeinsam mit Dessau seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe. Neben der Universität ist auch Georg Muches „Haus am Horn“ einen Besuch wert. Das Musterhaus wurde 1923 zur ersten Bauhaus-Ausstellung entworfen und stellt bis heute den Prototyp modernen Wohnens dar.

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Generell finden sich in Thüringen viele Bauhaus-Spuren – wer also vor Ort ist, kann bei einem Ausflug in die Umgebung die Kirche in Gelmeroda oder das „Haus des Volkes“ in Probstzella besichtigen.

2. Dessau

Das 1926 eröffnete Hochschulgelände gilt als Mustergebäude der Bauhaus-Bewegung. In Dessau gibt es mehrere Bauhaus-Parcours: Sowohl die gesamte Bauhaus-Siedlung Dessau-Törten als auch das Arbeitsamt und das Ausflugslokal Kornhaus wurden im Bauhaus-Stil erbaut. Auch die Meisterhäuser sowie die Trinkhalle zeigen die für die Bauhaus-Lehre charakteristischen, klaren Formen. In Dessau wurden vor allem Meilensteine auf dem Gebiet des Produkt- und Kommunikationsdesigns gesetzt. Voraussichtlich ab Ende des Jahres werden zahlreiche Stücke im Bauhaus-Museum zu besichtigen sein.

3. Berlin

Viele Bauhäusler waren eng mit Berlin verbunden und führten dort auch nach der Schließung der Kunstschule weiterhin Büros. Zahlreiche von der Bauhaus-Lehre geprägte Häuser entstanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg, also nach der offiziellen Schließung der Schule. Die neue Nationalgalerie und das Bauhaus Archive, das übrigens einen Erweiterungsbau bekommt, sind die bekanntesten Bauhaus-Gebäude in der Hauptstadt. Aber auch im Bereich Wohnungsbau gibt es interessante Bauobjekte wie die Gropius Stadt, Berlin Höhenschönhausen oder das Shellhouse, die mit ihrer interessanten Formgebung beliebte Fotomotive abgeben.

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Das Haus Lemke, das vom dritten Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe designt wurde, ist mit seinen hohen Fassaden und seiner puristischen Inneneinrichtung ebenfalls ein Musterbeispiel des Bauhaus.

4. Stuttgart

Seit 2016 zählt die Stuttgarter Weißenhof Siedlung mit ihren Le-Corbusier-Häusern zum UNESCO-Weltkulturerbe. An der Wohnsiedlung haben 1927 insgesamt 17 internationale Architekten, unter anderem Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropuis, mitgewirkt und ihre Ideen des „neuen Bauens“ in die Realität umgesetzt.

5. Chemnitz

Das 1930 eröffnete Kaufhaus Schocken war eines der erfolgreichsten Kaufhäuser Deutschlands und galt als Ideal des internationalen Stils. Im Zuge einer aufwendigen Sanierung wurde die Fassade und das Innenleben des Gebäudes denkmalgerecht wieder hergestellt. Heute ist im Kaufhaus Schocken das Staatliche Museum für Archäologie untergebracht. Auch das Stadtbad Chemnitz ist einen Besuch wert. Die imposante Schwimmhalle galt bei ihrer Fertigstellung 1925 als eines der modernsten und schönsten Hallenbäder Europas.

6. Amberg

Das Glaswerk im fränkischen Amberg ist das letzte Bauprojekt des Bauhaus-Gründers Walter Gropius. Das Industriegebäude wird aufgrund seiner sakralen Form auch Glaskathedrale genannt. Das Gebäude wurde für die Rosenthal AG gebaut und ist eines der wichtigsten Zeugnisse der Bauhaus-Lehre in Bayern.

7. Krefeld

Auch am Niederrhein gibt es Zeugen des Bauhaus. In den Anfangsjahren der Kunstschule kamen viele Studenten nach Krefeld, um dort die Grundlagen des Webens und Färbens zu lernen. Die Textilfabrikanten Lange und Ester gaben bei Ludwig Mies van der Rohe, dem Direktor der Kunstschule, mehrere Gebäude in Auftrag. Dabei entstanden die Häuser Lange und Ester, die heute das Kunstmuseum der Stadt beherbergen. Auch der Mies van der Rohe Business Park – der Fabrikbau der Vereinigten Seidenwebereien – wurde von ihm realisiert. Die kubischen, weißen Baukörper und lang gestreckten Fensterfronten stehen bis heute für die funktionale Industriearchitektur der Moderne, da auf Backsteine verzichtet und stattdessen ein schlichten Stahlskelett verwendet wurde.

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