Gründerin im Porträt: Eva Missling, „12designer“

Eva Missling gründete 2009 die Design-Plattform „12designer“ – die 2012 von einem US-Konkurrenten aufgekauft wurde: Bei „99designs“  ist die Gründerin derzeit als General Manager Europe tätig. DONNA Online sprach mit ihr über ihre Start-up-Erfahrung und die Übernahme des Unternehmens.

Porträtbild von Eva Missling, Gründerin von 12designer und Managing Director Europe bei 99designs

Mit ihrer Plattform 12designer wollte Eva Missling Angebot und Nachfrage in der Design-Welt im Internet zusammenführen – die Idee überzeugte auch ihren großen Konkurrenten 99designs, bei dem die Gründerin inzwischen tätig ist.

DONNA Online: Was haben Sie vor Ihrer Selbstständigkeit gemacht?
Eva Missling: Vor der Gründung von 12designer habe ich acht Jahre lang für verschiedene Internet-Agenturen gearbeitet und war dort gemeinsam mit meinem Team als Konzepterin und strategische Beraterin für Websites wie etwa Postbank.de verantwortlich. In dieser Zeit habe ich also bereits offline Unternehmen mit Designern verknüpft und zwischen diesen Parteien vermittelt. Darüber hinaus habe ich auch an vielen Pitches um Agenturetats teilgenommen.

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Wie kam Ihnen die Idee zu 12designer?
In meiner Zeit als Projektleiterin ist die Idee herangewachsen, Angebot und Nachfrage für Design-Projekte direkt via Internet zusammenzuführen. Dann habe ich mich mit einer Kollegin im Jahr 2007 zusammengesetzt und die Idee entwickelt, Kreativ-Projekte online als Wettbewerbe anzubieten. Jedes Unternehmen sollte die Möglichkeit haben, gutes Grafikdesign zu bekommen, ohne dafür eine Agentur ansprechen zu müssen – vor allem Gründer und kleine Firmen, die kein großes Budget aufbringen können. Alles andere hat sich dann von selbst ergeben. Das Konzept hat den erfahrenen spanischen Investor Grupo Intercom überzeugt. Das gibt natürlich zusätzliche Sicherheit. 

Welche Tipps würden Sie Frauen geben, die von einem eigenen Start-up träumen, aber sich bisher nicht getraut haben, sich selbstständig zu machen?
Nicht alles lässt sich planen. Oftmals entscheiden auch schlichtweg Glück und ein gutes Timing über Erfolg oder Misserfolg. Daher sollte man nicht alles, was einem als Gründerin passiert, persönlich nehmen und sich auf keinen Fall entmutigen lassen. Außerdem empfehle ich, sich Teamkollegen und strategische Partnerschaften genau auszusuchen. Als Gründerin hat man viele Freiheiten. Diese sollte man nutzen, um sich ein Umfeld zu schaffen, in dem man sich wohlfühlt. Und nicht zuletzt: Sucht euch eine Idee und eine Branche, für die ihr wirklich viel Leidenschaft habt, denn ihr werdet eine Menge Zeit damit verbringen.

Was waren die größten Hürden bei der Umsetzung Ihrer Idee?
Als Gründer steht man jeden Tag aufs Neue vor der einen oder anderen Herausforderung. Ich wollte den Designern und Auftraggebern der Plattform gleichermaßen gerecht werden. Hierfür gab und gibt es kein Geheimrezept. Für mich liegt der Schlüssel zum Erfolg in der täglichen Kommunikation mit beiden Parteien. Transparenz, Ehrlichkeit und Klarheit in der Kommunikation gehören zu meinem wichtigsten Handwerkszeug.

2012 wurde 12designer von Ihrem größten Konkurrenten 99designs aufgekauft, wo Sie inzwischen den europäischen Raum leiten. Wie war diese Erfahrung für Sie und weshalb haben Sie sich entschieden, das Kapitel mit dem Verkauf nicht abzuschließen?
Für mich war immer klar, dass 12designer einen starken Partner braucht, um weiter zu kommen. Wir hatten bereits große Bekanntheit in der DACH-Region erlangt, als uns 99designs für den europäischen Markt ins Boot geholt hat. Unsere große Expertise für den regionalen Markt und unser mehrsprachiges Team boten den besten Startpunkt für 99designs’ Wachstumspläne auf dem europäischen Markt. Ich wollte unbedingt mit Patrick Llewellyn zusammenarbeiten und habe überhaupt nicht gezögert, weiterzumachen.

Diese Strategie hat sich bewährt: Seit der Übernahme im Jahr 2012 konnte unser europäisches Angebot kontinuierlich wachsen. Derzeit sind wir ein 20-köpfiges Team in unserem Berliner Office und bedienen von hier aus sechs europäische Märkte. Vor allem die DACH-Region hat sich in den vergangenen Jahren zum zweitstärksten Absatzmarkt außerhalb den USA entwickelt.

Könnten Sie sich trotz des Exits vorstellen, nochmal ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Ja. Ein eigenes Unternehmen zu gründen gehört zu den spannendsten Dingen, die ich je gemacht habe.

Wie geht es weiter mit 99designs?
Im vergangenen Jahr haben wir unser Hauptquartier nach mehr als sieben Jahren im amerikanischen Silicon Valley zurück nach Melbourne verlagert. Seit 2017 sind wir rentabel und wollen uns künftig darauf konzentrieren, finanziell unabhängig zu werden und weiter nachhaltig zu wachsen. In den kommenden zehn Jahren wollen wir 99designs zur globalen Anlaufstelle für alle möglichen kreativen Aufträge und Fähigkeiten ausbauen. Dabei wollen wir das Verständnis für die richtige Kommunikation zwischen Designern und Auftraggebern in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Uns geht es um produktive und langlebige Arbeitsbeziehungen, die jeden Tag auf unserer Plattform entstehen.