Runterkommen: 4 ungewöhnliche Entspannungs-Methoden

Ruhe kommt manchmal von ungefähr: Hier verraten vier DONNA-Autoren, wie sie runterkommen, ohne sich auf die Yoga-Matte legen zu müssen.

Geblurrtes Bild einer Frau, die auf einem Bett vor einem Fenster liegt und die Beine angewinkelt hat

Entspannung kann auch ohne Yoga oder Meditation funktionieren: Vier DONNA-Autoren erzählen, mit welchen ungewöhnlichen Methoden sie zur Ruhe kommen.

1. Rührende Erkenntnis

Annette Hohberg:Es gibt einen alten grünen gusseisernen Topf in meiner Küche. Das ist mein Risotto-Topf. Sobald ich ihn aus dem Schrank hole, passiert etwas in mir. Als würden die Dinge, die das Leben so atemlos und so anstrengend machen, diese vielen kleinen und großen zermürbenden Zumutungen, plötzlich in den Zeitlupenmodus wechseln. Ich stelle den Topf auf den Herd, beginne Zwiebeln und Knoblauch zu schneiden, öffne eine Flasche Wein, lasse Fett schmelzen, wiege Reis ab, gieße Brühe auf – und dann tue ich nur noch eines: rühren, rühren, rühren. Zwischendrin gebe ich Flüssigkeit zu – und rühre weiter. Ganz langsam. Risotto mag keine Eile und keine Ablenkung. So schenkt er mir erlösende Ruhe. Und wenn er am Ende auch noch schmeckt, ist alles in Butter.
 

2. Der Streichholzschachtel-Trick

Constanze Kleis: „Wenn mein Leben mal wieder ignoriert, dass ich kein Personal habe, brauche ich etwas, das viel, viel größer ist als die täglichen Widrigkeiten. Etwas, das von ganz weit oben darauf schaut. Dann setze ich mich manchmal in die Frankfurter Liebfrauenkirche. Sie ist über 600 Jahre alt und so etwas wie das Auge des Orkans mitten in der so geschäftigen City. In der Stille fühlt man sich wie in den Arm genommen und aus dem Jetzt gehoben. Ich denke daran, wie viele Menschen hier in den letzten Jahrhunderten schon sehr viel Wichtigeres auf dem Herzen hatten, und dass der Abstand zum Planeten „Stress” auch aus dem Weltall nicht größer sein könnte. Nach einer halben Stunde hat die Gelassenheit dann zuverlässig ihre Betriebstemperatur erreicht. Was vorher so unglaublich wichtig war und hinterher noch dringend alles zu erledigen gewesen wäre, ist nun so klein, dass es in eine Streichholzschachtel passt. Und ich es locker in die Tasche stecken kann.“ 

Autorin Juli Zeh im DONNA-Interview: „Ich muss nur auf mein Herz hören“

3. Pediküre statt Kobra

Nina Berendonk: „Ich auf dem Weg zum Yoga in Berlin – völlig gestresst und kurzatmig in einem Bus, der sich viel zu langsam durch den Feierabend-Verkehr schiebt. Ich verschicke hektische Statusmeldungen an den Freund, der mir dieses Abendprogramm für meinen Besuch in der Stadt vorgeschlagen hat. Dann plötzlich die Einsicht: Entspannung ist nach einem vollen Arbeitstag wie heute nicht Yoga – sondern kein Yoga. Stattdessen lasse ich mir in einem vietnamesischen Nagelstudio eine Pediküre verpassen und kaufe in einem Vintage-Laden, in den ich schon lange mal wollte, einen zauberhaften Plissee-Rock. Oooohhhhhmmm.“ 

4. Die Brot-Kur

Harald Braun: „Ich arbeite gern nachts, weil ich dann auch dazu komme. Das ist allerdings problematisch, weil ich so gegen zwei oder drei Uhr morgens zwar müde bin, aber nicht mehr einschlafen kann. Eines Nachts zappte ich im Wachkoma ein wenig durch das TV-Programm und blieb schließlich beim Kinderkanal, kurz KIKA, hängen, bei Bernd dem Brot. Wir reden über ein misanthropes Weißbrot, sein Mantra in Endlosschleife: „Ich sage Nein!“ Ich liebte diesen bizarren Mix aus Weltekel und Muppet Show vom ersten Moment an und ich schwöre, es ist wahr: Seitdem hilft mir Bernd das Brot zuverlässig dabei runterzukommen, wenn ein sperriger Text oder ein absurdes Thema mich quälen. Jedes Mal, wenn ich Bernd sehe, denke ich, bevor ich wegdöse: „Und du glaubst, du hättest Probleme.“

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