Städtereise für Genießer: 10 kulinarische Hotspots in Athen

Die griechische Küche hatte lange Zeit keinen besonders guten Ruf. Das hat sich inzwischen geändert – vor allem in Athen. Wir haben uns für Sie durch die Hauptstadt geschlemmt. Unser Ergebnis: Diese zehn Restaurants und Bars sollten Sie nicht verpassen.

Gedeckter Tisch mit verschiedenen griechischen Mezze-Gerichten von oben fotografiert

Neben den klassischen Touristentavernen sprießen in Athen immer mehr spannende Weltstadtlokale wie Pilze aus dem Boden. Auch im „Cookoovaya“ wird moderne griechische Küche serviert.

Nicht nur, dass Griechenland seit Jahren unter einer schweren Finanzkrise leidet, es gehörte auch nie zu den Ländern mit einer besonders eindrucksvollen Küche. Eher im Gegenteil: Zaziki, Moussaka und griechischer Salat haben es zwar zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, als Inbegriff des kulinarischen Hochgenusses galt das griechische Dreierlei aber nie. Die hellenische Küche hatte vielmehr lange Zeit den Ruf, eher simpel, eintönig und viel zu fettig zu sein. Kaum jemand reiste der Speisen wegen nach Griechenland – nach Südfrankreich oder Italien hingegen sehr wohl.

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Dieses Blatt hat sich inzwischen gewendet. Seit ein paar Jahren hat eine neue Generation griechischer Köche und Baristas das Zepter übernommen und erfindet die griechische Küche neu. Viele von ihnen haben ihr Handwerk im Ausland gelernt, in Städten wie New York, London und Paris. Auf der Suche nach neuen Chancen kommen sie voller Tatendrang und Inspiration zurück nach Athen. Das kulinarische Angebot der Hauptstadt hat sich dadurch stark gewandelt. Neben den klassischen Touristentavernen entstehen immer mehr angesagte und spannende Weltstadtlokale. Ihre Konzepte sind innovativ, anspruchsvoll und so gar nicht das, was man von Griechenland erwartet. Überzeugen Sie sich selbst davon.

1. The Clumsies

Athen ist eine Partystadt, in der es bis tief in die Nacht wie in einem Bienenstock zugeht. Zu den Hotspots gehören weniger die übergroßen Clubs, sondern vielmehr intime und gemütliche Wein- und Cocktailbars. Eine davon ist die im Zentrum Athens gelegene Bar The Clumsies. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2014 wurde sie Jahr für Jahr unter die 50 besten Bars der Welt gewählt und steht aktuell auf Platz sieben. In Athen ist die ganztägig geöffnete Café-Cocktailbar längst eine Institution, einige der besten Barkeeper Europas arbeiten hier. Ihr Name ist eher ungewöhnlich und rührt von ihren Gründern her, den fünf Unbeholfenen (auf Englisch „clumsy“). Dahinter stecken die Unternehmer Lefteris Georgopoulos, Thanos Tsounakas, Giorgos Kaissaris und die preisgekrönten Barkeeper Nikos Bakoulis und Vasilis Kyritsis. Letztere haben eine mehr als nur ungewöhnliche Karte zusammengestellt, die die Sinne weckt und die Cocktailauswahl zu einem kleinen Abenteuer macht – ohne Taschenlampe bleiben die Seiten nämlich weiß.

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2. Aleria

Das Aleria befindet sich in einer restaurierten neoklassizistischen Villa aus dem frühen 20. Jahrhundert im aufstrebenden Stadtviertel Metaxourgio. Im Inneren treffen gemütliches Wohnzimmerflair und eleganter Luxus aufeinander. Chefkoch Gikas Xenakis gilt als Vertreter der kreativen griechischen Küche, die inzwischen viele talentierte Küchenchefs anzieht: Mit frischen regionalen Zutaten und modernen Kochtechniken wird die traditionelle griechische Hausmannskost neu interpretiert und neu erfunden. Eines der „signature“-Gerichte des Aleria ist die Meeresfrüchte-Magiritsa, eine traditionelle griechische Ostersuppe, die normalerweise mit Lammleber zubereitet wird.

3. Varoulko Seaside

Wer sich weltweit mit Sterneküche beschäftigt, kommt an dem Namen Lefteris Lazarou und seinem Restaurant Varoulko im Hafen von Piräus wohl nicht vorbei. Der bereits mehrfach mit der „Goldenen Kochmütze“ ausgezeichnete Küchenchef und Kochshow-Juror ist zugleich einer der wenigen Griechen mit Michelin-Stern. 2002 erhielt er ihn als erster griechischer Koch, der jemals für seine Kochkünste ausgezeichnet wurde. Das Varoulko gilt seitdem als Top-Adresse für Meeresfrüchte und Fisch. Viele seiner Kompositionen wurden bereits zum Erfolg und gelten heute als Klassiker. Trotzdem hat er nie aufgehört, seine Küche immer wieder neu zu erfinden und aufregende Aromen und Texturen in seine Gerichte einzubauen. Egal ob klassisch oder in gewagten Kombinationen, wer frischen Fisch und Meeresfrüchte aus der Ägäis mag, ist im Varoulko genau richtig. Die Aussicht auf den Hafen von Piräus gibt es als Sahnehäubchen obendrauf.

4. E&O Athens

Ähnlich wie das am Hafen gelegene Varoulko überzeugt auch das E&O Athens mit seiner Lage. Das Lokal befindet sich hoch oben über den Dächern Athens auf der Dachterrasse des Marriott Hotels und besticht mit einer atemberaubender Aussicht über den Saronischen Golf, den Niarchos Park und die Akropolis. Neben der Sushi-Bar und dem „Playroom“ mit Billardtisch liegt das Hauptaugenmerk auf der zeitgenössischen pan-asiatischen Küche. Zu den Spezialitäten des E&O gehören Gerichte vom japanischen Robata-Grill: koreanische Lammkoteletts mit Kimchee oder Riesengarnelen nach kantonesischer Art.

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5. Funky Gourmet

Abseits der üblichen Touristenpfade, als Restaurant fast unerkennbar, gehört das Funky Gourmet seit Jahren zu den Hotspots der Athener Gastroszene. Das angesagte Contemporary-Food-Lokal mit seinen zwei Michelin-Sternen garantiert innovative Gerichte, in denen sich eine kreative Mischung aus Molekularküche, moderner nordischer Cuisine und einem Hauch Griechenland wiederfindet. Die beiden Küchenchefs Georgianna Hiliadaki und Nick Roussos durchdenken, zerlegen und verarbeiten alte griechische Küchentraditionen und transportieren sie als etwas völlig Neues in die Zukunft. So wird im Funky Gourmet aus einem normalen griechischen Salat ein weißer Eishaufen mit Schäufelchen, der tatsächlich nach allen Zutaten eines griechischen Salates schmeckt. Auch das weichgekochte Ei zum Nachtisch lässt anderes erwarten als es letztlich ist. Experimentelle Avant-Garde-Cuisine wie sie leibt und lebt.

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6. Cookoovaya – wise cuisine 

Das Funky Gourmet ist nicht das einzige Restaurant in Athen mit einer Küche, die so gar nicht zum Image der griechischen Küche passt. Das trifft auch auf das Cookoovaya (deutsch: „Eule“) in der Nähe des Hilton Hotels zu, wo ein eher junges Publikum verkehrt. Mit spielerischer Leichtigkeit kreieren die fünf Küchenchefs Perikles Koskinas, Manos Zournatzis, Nikos Karathanos und die Brüder Spyros und Vangelis Liakos in der offenen Küche moderne und lustbetont-herzhafte Speisen, wie es sie im früheren Athen bestimmt nicht gegeben hat. Auch Einheimische nehmen gerne im zentral gelegenen Cookoovaya mit seinem gemütlichen Garten Platz.

7. Hoocut, true pitta

Mitten im Zentrum von Athen, in einem neoklassizistischen Gebäude, befindet sich das Streetfood-Lokal Hoocut mit seiner großen, offenen Küche. Mit seiner Eröffnung weiteten die fünf Köche des Cookoovaya ihr Wissen und ihre Qualitätsstandards auf das ebenfalls schon in der Antike beliebte Streetfood aus: Souvlaki. Doch anstatt Fleischspieße bis zur Unkenntlichkeit zu grillen, walzen sie feinst gehacktes Fleisch hauchdünn aus, grillen es blitzschnell und wickeln es dann samt Gemüse und Soße in ofenfrische Pitas. Von der Vergangenheit inspiriert, zaubern sie ein Souvlaki für heute und morgen.

8. Baba Au Rum

Die Barszene boomt in der griechischen Hauptstadt – und das seit Jahren. Zu den berühmtesten der Stadt zählt auch das Baba au Rum von Thanos Prunarus, der sich auf Rum spezialisiert und mehr als 150 verschiedene Sorten hinter der Theke stehen hat. Dementsprechend umfangreich ist auch die Getränkekarte: vom Umami-Daiquiri mit Vanille und Basilikum zum Rum Negroni mit geriebener Tonkabohne und von der Teufelsmilch aus jamaikanischem Kokosnuss-Rum zum Tiki-artigen Spicy Baba No. 7 mit Ingwer und Beeren. Dank Prunarus Leidenschaft, die sich letztlich in der Qualität der Cocktails wiederfindet, schaffte es das Baba au Rum auch im Jahr 2018 unter die 50 besten Bars der Welt.

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9. Hytra

Die Liste der Contemporary-Food-Lokale in Athen wächst und wächst: Im sechsten Stock des Onassis-Kulturzentrums befindet sich seit 2012 das trendige Designlokal Hytra mit einer mondänen Bar und Sicht auf die Syngrou Avenue, im Hintergrund die Akropolis. Auch hier werden qualitativ hochwertige Produkte auf moderne mediterrane Art zubereitet. Die Kompositionen von Sternekoch Tasos Mantis sind Perlen der modernen griechischen Küche. Mit seinem dekonstruierten Spanakorizo (griechischer Spinatreis mit Dill und Zitrone) hat er nicht nur einen Klassiker neu erfunden, sondern gezeigt, dass die griechische Küche alles andere als langweilig ist.

10. Cookoomela Grill

Auf den ersten Blick sieht das Cookoomela aus wie ein gewöhnlicher Souvlaki-Laden, es riecht sogar ganz vertraut nach Souvlaki. Aber wenn man sich genauer umschaut, ist weit und breit kein Fleisch zu sehen. Das Cookoomela ist das erste vegane Souvlaki-Lokal Griechenlands, mit dem Inhaber Antonis Margaritis das wohl symbolträchtigste Streetfood Griechenlands revolutioniert. Mit seinem Bruder und Koch Vassilis und seiner Partnerin Effie Savvidou hat er das Cookoomela erst im April 2018 eröffnet. „Wir wollten beweisen, dass man vegane Lebensmittel auch ohne den überteuerten Lifestyle-Aufpreis bekommen kann.“ Das Konzept scheint aufzugeben, denn die Leute stehen Schlange für die Souvlakis auf Pilzbasis („Cookoomela“ ist griechischer Slang und bedeutet Morcheln).

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Allgemeine Reiseinfos für Ihren nächsten Trip nach Athen

Anreise: Aegean Airlines fliegt von mehreren deutschen Städten (u.a. Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München) nonstop nach Athen.

Unterkunft: Das neu eröffnete Athens Marriott Hotel befindet sich zwischen Stadtzentrum und dem Hafen von Piräus, direkt gegenüber vom Stavros Niarchos Park, der Oper, der Nationalbibliothek und nur wenige Minuten von der Akropolis entfernt. DZ ab 125 Euro/Nacht.

Vor Ort: Bei einer Tour von Culinary Backstreets geht es mit einem einheimischen Guide durch die Straßen und Markthallen Athens und in authentische familiengeführte Lokale. Während der kulinarischen Stadtführung probieren Sie sich durch allerlei Köstlichkeiten der griechischen Küche.   Unbedingt Hunger mitbringen!

Buchtipp: Der MERIAN live! Reiseführer Athen von Ellen Katja Jaeckel enthält alles Wissenswerte für einen gelungenen Aufenthalt in Athen (erschienen im Gräfe und Unzer Verlag, um 12 Euro). Mit den 15 „Direkt- Kapiteln“ des DuMont direkt Reiseführers Athen von Klaus Bötig und Elisa Hübel können Sie sich zwanglos unter die Athener mischen und die Highlights und Hotspots kennenlernen (erschienen im Dumont Reiseverlag, um 12 Euro).

Auskunft: Weitere Informationen sind über die Website von Discover Greece zu finden.