Reisen auf Gleisen: Die 15 schönsten Zugstrecken der Welt

Exklusive Züge, legendäre Routen, grandiose Landschaften – Bahnreisen sind wohl die komfortabelste Art und Weise, die Welt zu erkunden, und mittlerweile so vielfältig, wie die Reiseziele selbst. DONNA Online präsentiert 15 der faszinierendsten Zugreisen.

Shinkansen-Zug von Tokyo nach Osaka mit Mount Fuji im Hintergrund und einem Feld mit pinken Shibazakura-Blumen.

Mit dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen geht es in unter vier Stunden von Tokio nach Osaka, vorbei am Mount Fuji und blühenden Shibazakura-Feldern.

1. Transsibirische Eisenbahn 

Die Transsibirische Eisenbahn ist eine Legende – nicht nur, weil ihr Bau ein gewaltiger Kraftakt war. Mehr als 25 Jahre lang (1891 bis 1916) schufteten tausende Arbeiter, Soldaten und Strafgefangene unter harten Bedingungen, um 9288 Kilometer Gleise zwischen Moskau und Wladiwostok am Japanischen Meer zu verlegen. Die „Transsib“ ist damit die längste durchgehende Eisenbahnstrecke der Welt, führt über zwei Kontinente und durch mehrere Zeitzonen. Inzwischen wurde die Strecke mehrfach ausgebaut und erweitert, sodass Reisende die Wahl zwischen verschiedenen Routen haben: der klassischen Verbindung von Moskau durch Sibirien nach Wladiwostok am Pazifik oder von Moskau nach Peking, wahlweise durch die Mongolei oder die Mandschurei (transmongolische und transmandschurische Strecke).

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2. Shinkansen (Japan)

Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu – im weltberühmten Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fliegt man förmlich über die vier japanischen Hauptinseln. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 400 Stundenkilometern gehören die Highspeed-Schnellzüge der Japan Railway zu den schnellsten der Welt. Die pünktlichsten und zuverlässigsten sind sie angeblich auch. Auf einer Rundreise mit dem Shinkansen-Schnellzug geht es von der japanischen Hauptstadt Tokio vorbei an Wolkenkratzern, Reisfeldern und Wäldern zu den Gedenkstätten in Hiroshima sowie in die ehemalige Kaiserstadt Kyoto mit ihren faszinierenden Tempelanlagen und Zengärten. Auf der Strecke von Tokio nach Kyoto und Osaka kann man mit etwas Glück sogar einen Blick auf den Mount Fuji erhaschen. 

3. Orient-Express (Paris – Istanbul)

Ab 1890 verkehrte der Orient-Express durchgehend von Paris über Wien und Budapest nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, und ist wahrscheinlich der Zug, um den sich die meisten Mythen ranken. Nicht zuletzt, weil berühmte Schriftsteller wie Agatha Christie („Mord im Orient-Express“) mit dem Zug gereist und über ihn geschrieben haben. Mittlerweile heißt er zwar Venice Simplon-Orient-Express, verkehrt aber zum Teil immer noch auf der Originalstrecke zwischen den schönsten Städten Europas (Paris, London, Venedig, Berlin, Prag und Budapest). Der Venice Simplon-Orient-Express erhielt bereits den World Travel Award als bester Zug der Welt und bietet bis heute eine Luxusbahnreise der Extraklasse – inklusive nostalgischem Ambiente, exquisiten Speisen und einem Butler-Service, wie ihn die wohlhabende Gesellschaft schon in den Goldenen Zwanzigern genossen hat.

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4. Glacier Express (Schweiz)

Faszinierende Berg- und Gletscherwelten der Schweizer Alpen sowie idyllische Dörfer in den Kantonen Graubünden, Uri und Wallis säumen die 291 Kilometer lange Bahnstrecke des Schweizer Glacier Express. In ungefähr acht Stunden fährt der Zug von St. Moritz nach Zermatt und gilt, stilecht für die Schweiz, als langsamster Schnellzug der Welt. Die fast 300 Kilometer lange Zugtrecke wird von der Matterhorn-Gotthard-Bahn und der Rhätischen Bahn betrieben und führt über 291 Brücken, durch 91 Tunnel und über den 2033 Meter hohen Oberalppass. Dank der Panoramafenster könnte der Ausblick nicht besser sein.

5. Eastern & Oriental Express (Singapur – Bangkok)

Das klassische Ziel für eine Zugreise ist Thailand nicht – Inselhopping oder eine Pauschalreise erscheinen in dem tropischen Urlaubsparadies im ersten Moment viel nahe liegender. Mit dem Eastern & Oriental Express geht es aber auch anders: Wer Thailand und Malaysia bereisen, auf keinen Luxus verzichten möchte und über das nötige Kleingeld verfügt, der kann es sich in einem der 17 Wagons bequem machen. Ganz im Stil seines europäischen Vorbildes, dem Orient-Express, setzt auch der Luxusliner im Osten auf ein exquisites Ambiente und versetzt seine Gäste in die Kolonialzeit zurück. Die Zugfahrt von Singapur nach Bangkok dauert drei Tage. Von Singapur geht es durch den Urwald Malaysias Richtung Norden nach Kuala Lumpur, von wo ein Ausflug in die Cameron Highlands eingelegt werden kann. Sehenswert sind auch das alte Penang und der Fluss Kwai. Nach knapp 1920 Kilometern fährt der Eastern & Orient Express am dritten Tag in Bangkok ein.

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6. Pride of Africa – Rovos Rail (Südafrika) 

Die Rovos Rail, auch „Pride of Africa“ genannt, ist Afrikas bekannteste Bahnlinie und führt durch den Süden und Osten des Schwarzen Kontinents – Südafrika, Botswana, Simbabwe, Sambia und Tansania. Die längste Strecke (6100 Kilometer) verläuft von Kapstadt in Südafrika vorbei am elefantenreichen Chobe-Nationalpark in Botswana, den Victoriafällen in Simbabwe und Sambia bis nach Dar es Salaam an Tansanias Ostküste. Die aufwendig restaurierten Eisenbahnwaggons mit Holzvertäfelungen im viktorianischen Stil schaffen ein unvergleichliches Ambiente – luxuriös und nostalgisch zugleich. Auf Teilstrecken wird der Zug sogar von einer Dampflokomotive gezogen, ansonsten von einer E- oder Diesellok, aber auch dann mit maximal 70 Stundenkilometern, damit die Passagiere Landschaft und Tierwelt bewundern können.

7. Indian Pacific (Australien)

Endlose Sandwüsten, traumhafte Sonnenuntergänge, einmal Australien von Ost nach West: Der Indian Pacific oder „IP“, wie ihn die Australier nennen, fährt einmal quer durch den roten Kontinent – von Sydney über Adelaide nach Perth. Für die 4352 Kilometer lange Strecke vom Pazifik zum Indischen Ozean benötigt der Indian Pacific knapp drei Tage. Kein anderer Zug passiert dabei so viele verschiedene Landschaften innerhalb eines Kontinents. Dazu zählen die Blue Mountains, das Outback und die Nullarbor-Ebene, dem größten Stück Kalkstein der Welt und dem trockensten Fleck Australiens. Stundenlang fährt der Zug nur stur geradeaus – ganze 478 Kilometer ohne eine einzige Kurve. Rund um die längste gerade Eisenbahnstrecke der Welt befinden sich nichts als rote, unberührte Erde, Salzseen, Geisterstädte, Kängurus und Dingos.

8. TranzAlpine Express (Neuseeland)

Die Fahrt mit dem TranzAlpine Express auf der Südinsel Neuseelands gehört zu den schönsten Eisenbahnstrecken der Welt. Die 225 Kilometer lange Route führt von Christchurch durch das fruchtbare Farmland der Canterbury Ebene hinauf zum Arthur’s Pass über den Lake Brunner bis nach Greymouth an der Westküste. Auf dem Weg dorthin passiert der TranzAlpine Express den Waimakariri River und die beeindruckende Bergwelt der Neuseeländischen Alpen. Der kleine Ort Greymouth ist ein guter Ausgangspunkt, um die unberührte Goldgräberregion, die neuseeländische Kultbrauerei Monteith’s Brewing und den berühmten Pancake Rock im Paparoa Nationalpark zu erkunden.

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9. The Canadian (Kanada)

Rund 4500 Kilometer in fast vier Tagen, einmal quer durch Kanada, von Toronto im Osten nach Vancouver im Westen. The Canadian ist das Aushängeschild der VIA Rail Canada. Der Zug fährt durch die Seenlandschaft im Norden Ontarios, durch endlose Wälder, weitläufige Prärien und quer durch die kanadischen Rocky Mountains. Mit ganzer Kraft schiebt sich der Zug die Bergkette der Rockies hinauf und passiert alle zehn bis 20 Kilometer kleine Bahnhöfe mit Namen wie Mud River, Felix, Gogama oder McKees Kamp. An all diesen Haltestellen kann man sich absetzen lassen, allerdings nur mit Vorankündigung. Ungefähr zwei Tage im Voraus sollte der Stopp angemeldet werden – und die Abholung gleich mit. Sonst kann es passieren, dass tagelang kein Zug mehr die kanadische Wildnis durchkreuzt.

10. El Chepe (Mexiko)

Auch Mexiko ist keine typische Destination für Bahnreisende, denn nur ein einziger Passagierzug fährt durch das Land: der Ferrocarril Chihuahua al Pacífico oder kurz „El Chepe“. Gebaut wurde die eingleisige Zugstrecke, um die mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua und Sinaloa zu verbinden und Reisenden das Land und die Kultur Mexikos – besonders die der Tarahumara – näher zu bringen. Von Los Mochis in Sinaloa an der mexikanischen Pazifikküste schlängelt sich El Chepe durch die zerklüfteten Felsen der Sierra Madre Occidental, vorbei an schwindelerregend tiefen Schluchten und bizarren Felsformationen. Knapp 2000 Meter über dem Meeresspiegel offenbart sich ein unvergleichliches Panorama. Eine der Schluchten ist der berühmte Kupfercanyon (Barranca del Cobre), der insgesamt viermal größer ist als der Grand Canyon in den USA. Nach 37 Brücken und rund 650 Kilometern erreicht man die Millionenstadt Chihuahua im Norden Mexikos.

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11. Royal Scotsman (Schottland)

Der Royal Scotsman ist ein Zug, der britischer nicht sein könnte: dunkle Holzmöbel, hochwertige Lederbezüge, Karomuster, edle Whisky- und Weinsorten und das Ambiente eines Privatclubs. Der Luxusreisezug fährt vom Bahnhof Edinburgh Waverley ins Schottische Hochland, vorbei an malerischen Dörfern, Grafschaften, felsigen Küsten und grünen Landschaften. Unterwegs werden mehrere Stopps eingelegt und Ausflüge unternommen: zu einheimischen Fischern, privaten Herrenhäusern, Whisky-Destillerien, in eine Lachsräucherei, zu den traditionellen Highland Games in Mallaig und zum Eilean Donan Castle am Loch Duich.

12. Sri Lanka Railways 

Eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt ist gleichzeitig auch eine der billigsten: die von Kandy nach Ella in Sri Lanka. Die Bilder, auf denen sich Reisende aus dem Zug hängend fotografieren, haben in den Sozialen Medien schon Kultstatus erreicht. Quer durch das Hochland von Sri Lanka geht es über dutzende Brücken vorbei an Teeplantagen, Schluchten, Wasserfällen, beschaulichen Dörfern und bunten Bahnhöfen. Für die 150 Kilometer lange Strecke braucht der „Expresszug“ rund sechs bis acht Stunden. Wer fotografieren möchte, sollte um einen Fensterplatz kämpfen. Wer Pech hat, muss stehen oder in der Tür sitzen, was in Sri Lanka zur Tagesordnung gehört. Im Örtchen Nuwara Eliya kann ein Zwischenstopp eingelegt werden.

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13. Tren a las Nubes (Argentinien)

Der Touristenzug „Tren a las Nubes“ (deutsch: „Zug in die Wolken“) verkehrt in den Wintermonaten (November bis März) einmal wöchentlich zwischen der Provinzhauptstadt Salta im Nordwesten Argentiniens und der 2017 Kilometer entfernten Stadt Socompa an der chilenischen Grenze. Ab Salta auf 1187 Metern fährt der Wolkenzug mit durchschnittlich 35 km/h Richtung Westen in die argentinischen Anden. Seinen Namen hat der Zug, weil er kurz vor Socompa das Viadukt La Polvorilla auf 4188 Metern Höhe überquert. Dem ein oder anderen blieb beim Anblick des gewaltigen Eisenbauwerks bereits die Luft weg. Oder aber, weil die Luft auf 4200 Metern etwas dünner ist als gewohnt. Für alle, die von der Höhenkrankheit erwischt werden, gibt es Sauerstoffgeräte an Bord des Zuges.

14. Bergenbahn und Flåmbahn (Norwegen)

Norwegen gehört ebenfalls zu den Ländern, die mit einer unglaublich beeindruckenden Natur und Bilderbuch-Landschaften verzaubern. Zu den berühmtesten Strecken gehört die Bergenbahn, die auf 500 Kilometern zwischen Oslo und Bergen über die größte Hochebene Europas, die Hardangervidda, verläuft. Ihre Nebenstrecke ist die spektakuläre Flåmbahn, eine der steilsten Bahnstrecken der Welt. Sie ist nur 20 Kilometer lang, überwindet dabei aber einen eindrucksvollen Höhenunterschied von über 860 Metern – von Myrdal hinunter durch das Flåmsdalen nach Flåm am prächtigen Aurlandsfjord.

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15. Deccan Odyssey (Indien)

Indiens Schienennetz, 1853 von der britischen Krone ins Leben gerufen, gehört heute mit knapp 67 000 Schienenkilometern zu den größten der Welt und befördert täglich rund 18,5 Millionen Menschen – ein guter Grund, das südasiatische Land auf einer Zugreise zu erkunden. Zum Beispiel mit dem königlichen Sonderzug Deccan Odyssey, der in zwölf Tagen von Indiens Hauptstadt Delhi durch das wundervolle Rajasthan bis zur Metropole Mumbai am Indischen Ozean fährt. Nacheinander reihen sich Indiens Sehenswürdigkeiten auf: der Taj Mahal, Jaipurs Palast der Winde, die gewaltige Festung Amber, der Maharadscha-Palast von Udaipur, die uralten Höhlentempel von Ellora, Mumbais heilige Insel Elephanta und viele weitere kulturelle Highlights. Auch die Natur kommt nicht zu kurz – sei es bei einer idyllischen Bootsfahrt auf Udaipurs Pichola-See oder auf einer Tigersafari im Ranthambore-Nationalpark. Ein persönlicher Butler ist das i-Tüpfelchen der Zugreise mit dem Deccan Odyssey.