Von Litauen bis Estland: Top-Ziele für einen Roadtrip durchs Baltikum

Klein und beschaulich, aber oho: das Baltikum. Litauen, Estland oder Lettland sind vor allem im Frühjahr und Sommer eine Reise wert. Welche Stopps Sie in den drei Länder nicht verpassen sollten, lesen Sie in unserem Reiseratgeber.

Blick auf die Altstadt in Vilnius mit St. Johanniskirche und sinkender Abendsonne im Hintergrund

Ein Kirchturm an jeder Ecke: Diesen Eindruck haben viele Besucher, wenn sie Vilnius erkunden. Mit rund 50 Kirchen hat die litauische Hauptstadt aber auch jede Menge religiöse Bauwerke zu bieten.

Sechs Millionen Einwohner, verteilt auf drei Länder: Das Baltikum ist hinsichtlich seiner Bevölkerung im europäischen Vergleich überschaubar. Wer denkt, dass die baltischen Länder demnach nichts zu bieten hätten, irrt jedoch. Mit angenehm milden Temperaturen im späten Frühling und Sommer, einer vielseitigen Kultur und jahrhundertelangen Traditionen sind Litauen, Lettland und Estland garantiert sehenswert. Welche Zwischenstopps sich auf einer Rundreise durch das Baltikum lohnen und welche Highlights bei einem Kurztrip unbedingt auf Ihrer Liste stehen sollten? In unserem Reiseratgeber finden Sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Hotspots.

Das Baltikum: Vereint und doch so gegensätzlich

Riga ist die Hauptstadt von Lettland, klar. Aber wie war das gleich noch bei Vilnius und Tallinn? Wer bislang keinen Trip in die baltischen Staaten gewagt hat, kommt bei den im europäischen Gesamtbild eher unbekannten Ländern schnell durcheinander. Oftmals werden sie zudem als ein großes Ganzes betrachtet – was vielleicht in geografischer Hinsicht, nicht aber mit Blick auf die Ländereigenheiten Sinn macht. Denn Litauen, Lettland und Estland sind zwar Nachbarländer, weisen aber eine vielseitige und erstaunlich gegensätzliche Kultur, Geschichte und Tradition auf. Touristen sollten jedem der drei Staaten deshalb ausreichend Zeit einräumen, um Land und Leute ausgiebig kennenzulernen.

Und auch als Ziele für einen Städtetrip abseits des Massentourismus lohnen sich die drei nordosteuropäischen Hauptstädte allemal. Welche Stopps Sie auf einer Rundreise durch das Baltikum keinesfalls verpassen sollen, erfahren Sie hier:

Osteuropa entdecken: 3 ungewöhnliche Ziele für eine Städtereise

Estland

Sowohl hinsichtlich der Fläche (rund 45 000 Quadratkilometer) als auch Einwohnerzahl (1,3 Millionen) ist Estland der kleinste der drei baltischen Staaten. Dafür trumpft das Land mit malerischen Hafenstädten und einer abwechslungsreichen Natur auf – felsige Strände, dichte Wälder und Seen inklusive. Diese Stopps lohnen sich bei einem Trip durch Estland besonders:

Pärnu

Die viertgrößte Stadt des Landes, auch bekannt als Estlands „Sommerhauptstadt“, ist ein beliebter Kur- und Badeort. Die am Rigaer Meerbusen gelegene Stadt hat rund 40 000 Einwohner und zieht jeden Sommer massenhaft Esten und genauso viele Touristen an. Weißer Sandstrand, Jugendstilbauten, die für Estland typischen Holzhäuser und der berühmte Heilschlamm erwarten Besucher. Durch die frische Küstenluft ist der Sommer in Pärnu oftmals erträglicher als in der Hauptstadt Tallin.

Saaremaa

Estlands bevölkerungsreichste Insel war Touristen zu Sowjetzeiten als Militärgesperrbiet nicht zugänglich. Das hat sich glücklicherweise geändert, obwohl das abgeschiedene Alltagsleben der Inselbewohner bis heute erhalten geblieben ist. Ein Abstecher nach Saaremaa ist deshalb ideal, wenn Sie nach der trubeligen Hauptstadt Entspannung und Ruhe suchen. Die Insel ist überwiegend von Wald bewachsen; die wenigen Siedlungsgebiete sind neben der einzigen Stadt Kuressaare ausschließlich Dörfchen wie Angla, das für seine Holzmühlen bekannt ist. Eine tolle Gelegenheit für Estland-Urlauber, um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und sich einen authentischen Eindruck von den örtlichen Gepflogenheiten zu verschaffen.

3 Top-Reiseziele für Outdoor-Fans und Aktivurlauber

Tallinn

Die estnische Hauptstadt Tallinn liegt direkt an der Ostsee, weshalb viele Touristen über den Wasserweg von Finnland aus anreisen. Ab Helsinki dauert die Fahrt mit der Fähre nach Tallin rund vier Stunden. Die mittelalterliche Altstadt ist sehr gut erhalten und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Der historische Gründungsort der Stadt und Ausgangspunkt für viele Stadtbesichtigungen ist der Domberg. Auf dem Kalkhügel ließen sich die ersten Siedler nieder, da er eine gute Sicht auf die nahegelegene Ostsee bietet. Auch nachfolgende Herrscher nutzten die strategisch günstige Lage für ihren Regierungssitz. Auf dem Hügel thronen die Tallinner Burg, das Castrum Danorum sowie der Tallinner Dom, das Wahrzeichen der Stadt. Einen architektonischen Kontrast zu dem lutherischen Kirchenbau bildet die ebenfalls auf dem Domberg beheimatete russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale, die um 1900 erbaut wurde.

Den passenden Schauplatz für eine Pause von der Geschichtsstunde bietet Balti Jaam: Die Markthallen nahe des gleichnamigen Bahnhofs wurden aufwendig restauriert und haben nicht mehr viel mit ihrem heruntergekommenen Dasein in der Vergangenheit gemeinsam. Neben antiken Möbeln und Retro-Kuriositäten gibt es internationale Delikatessen wie georgischen Wein, italienischen Käse sowie regionale, biologisch angebaute Food-Highlights. Gleich gegenüber lockt das Estonian Design House mit Produkten einheimischer Mode-, Schmuck- und Möbeldesigner. Auch ein Besuch in Telliskivi Creative City bietet Abwechslung zum historischen Stadtkern: Das ehemalige Industrieviertel hat sich zum Zentrum von Tallinns Kreativszene entwickelt und lockt mit regelmäßigen Events, Ateliers, Ausstellungen, gemütlichen Cafés, Streetfood und kleinen Boutiquen.

Die schönsten Flohmärkte in Europa: 6 Besuche, die sich lohnen

Ganz und gar nicht öde ist das Estnische Meeresmuseum: Alleine die ungewöhnliche Architektur des Gebäudekomplexes, der in einem ehemaligen Wassersportflugzeughangar beheimatet ist, ist Grund genug für einen Besuch. Frischen Fisch können Tallinn-Besucher auf dem Fischmarkt Kalaturg kaufen – oder dort einfach nur das tägliche Treiben der Fischer beobachten.

Lahemaa

Rund 80 Kilometer von Tallinn entfernt an Estlands Nordküste liegt ein wahres Naturparadies: der Nationalpark Lahemaa. Dichte Nadelwälder, Hochmoor, urige Holzhäuser, mehr als 200 Vogelarten, wildwachsende Beeren und Pilze sowie ein traumhafter Blick aufs Meer machen den Park zum Highlight für Naturliebhaber. Besucher können entweder im „Lainela Village“ mit dem Wohnwagen oder Camper-Bus oder in einem der kunstvollen Holzhäuser übernachten. Alternativ bietet das „Valka Rand Beach Resort“ die Option, in spartanischen, aber charmanten Holzbungalows in Strandnähe zu nächtigen. Wer von Tallinn aus nach Lahemaa fährt, sollte unbedingt einen Zwischenstopp beim Jägala Wasserfall einlegen, dem größten natürlichen Wasserfall des Landes.

Lettland

Lettland liegt zentral eingebettet zwischen Estland und Litauen. Etwa die Hälfte der rund zwei Millionen Einwohner lebt in der Hauptstadt Riga. Dementsprechend dünn besiedelt und teilweise unberührt ist der Rest des Landes – besonders verlockend also für Individualtouristen.

Blick auf den Strand Liepāja an der Ostsee in der Abenddämmerung

Acht Kilometer Sandstrand hat die lettische Stadt Liepāja an der Ostseeküste zu bieten.

Liepāja

Ein Künstlerviertel, die „Ehrenallee der lettischen Musiker“, eine Universität und nicht zu vergessen das Highlight, für das die meisten Urlauber anreisen: acht Kilometer unberührter, teilweise menschenleerer Sandstrand. Die Küstenstadt Liepāja ist ein Geheimtipp, wenn Sie sich auf Ihrer Baltikumreise Ruhe am Meer wünschen. Denn trotz paradiesischer Badeidylle sind die Touristenmassen der Hafenstadt an der Ostseeküste bislang ferngeblieben. Der Sand ist so rein und weich, dass im Russischen Reich Sanduhren damit befüllt wurden, ohne dass er vorher weiter verarbeitet wurde. Doch nicht alles ist schön und strahlend in Liepāja. Der Ort hat eine dunkle Vergangenheit: In der Vorortsiedlung Šķēde gedenkt ein Holocaust-Mahnmal den fast 7000 Menschen, die von den Nazis in Liepāja ermordet wurden. Im benachbarten Stadtteil Karosta ragen am Ufer die Ruinen der ehemaligen Festung des russischen Zars Alexander III. aus dem Wasser und schaffen eine unheimliche Atmosphäre. Überhaupt ist das Viertel vom Gegesatz zwischen altlettischen Prachtbauten und verfallenen Sowjetgebäuden geprägt – eine Versinnbildlichung des bis heute bestehenden Streits zwischen der ethnisch russischen und der lettischen Bevölkerung in der Region.

Riga

Riga ist bekannt für seinen besonderen Mix aus osteuropäischem Sowjetcharme und skandinavischen Einflüssen, gepaart mit dem typischen Flair einer ehemaligen Hansestadt. Bei einem Lettlandbesuch sollten Sie einen Stopp in Riga daher fest einplanen. Die Altstadt lässt sich gut zu Fuß besichtigen, doch auch über ihre Grenzen hinaus lohnt sich eine Tour. Nicht verpassen sollten Sie den Turm der Petrikirche, der einen beeindruckenden Panoramablick über die Stadt eröffnet, sowie die Straße Alberta iela, in der sich Besucher einen Eindruck von der vielseitigen Jugendstilarchitektur verschaffen können, für die Riga bekannt ist. Bei gutem Wetter lohnt es sich, im Jugendstilviertel innerhalb der Rigaer Neustadt auf Erkundungstour zu gehen – inklusive schauriger Medusen, Löwenköpfe und vielfältigem Blumendekor. Auch für ihre Street-Art ist die lettische Hauptstadt bekannt. Die einzelnen Kunstwerke sind quer über die Stadt verteilt und lassen sich gut zu Fuß aufspüren.

Urlaub in Rumänien: Deshalb lohnt sich eine Reise in das Balkanland

Ein weiteres Highlight ist der Besuch auf dem Zentralmarkt, einem der größten und ältesten Märkte Europas. Spätestens beim Anblick der vielseitigen Spezialitäten macht sich garantiert der Hunger bemerkbar – perfekt, um sich einmal quer durch die Hallen zu schlemmen. Wer einen Einblick in das Alltagsleben von Rigas Durchschnittsbevölkerung bekommen will, sollte sich in die Moskauer Vorstadt wagen, die sich vom Zentralmarkt aus entlang des Daugava-Ufers erstreckt. Hier überwiegt die Tristesse, das Arbeiter- und Industrieviertel besteht hauptsächlich aus verwahrlosten Behausungen und trostloser Architektur, immer wieder sticht ein einst prächigtes, jetzt ebenso verfallenes Holzhaus heraus. Ein Geheimtipp für einen tollen Blick auf Riga von oben ist das Dach der Akademie der Wissenschaften, die im für Moskau typischen Zuckerbäckerstil in den 50er-Jahren erbaut wurde, als Lettland Teil der Sowjetunion war.

Gauja-Nationalpark

Der 1973 gegründete Nationalpark umfasst eine Fläche von mehr als 90 000 Hektar und lässt erahnen, wie Lettlands Flora und Fauna einst im ganzen Land aussah: Das riesige Naturgebiet, durch das sich der namensgebende Fluss Gauja schlängelt, hat gleich mehrere Highlights zu bieten. Zum Beispiel die rötlich, golden und grau leuchten Sandsteinformationen, die vor rund 350 Millionen Jahren entstanden. Oder geheimnisvolle Höhlen wie die Gutman's Höhle (die größte des Baltikums), die Höhle Kalējala (die längste) und die Teufelshöhle von SiguldaDarüber hinaus gibt es im Gauja-Nationalparkt mehr als 500 Kulturdenkmäler, beispielsweise mittelalterliche Burgen. Adrenalinjunkies kommen mit einer rasenden Fahrt durch die Rennrodel- und Bobbahn bei Sigulda auf ihre Kosten. Hier rauschen Profisportler und Touristen mit Geschwindigkeiten von bis zu 125 Stundenkilometern durch 16 Kurven und eine 1200 Meter lange Bahn.

Sigulda

Wenn Sie ohnehin schon in der Gegend sind, können Sie sich von den Outdoor-Aktivitäten im Gauja-Park direkt im angrenzenden Ort Sigulda erholen. Die Stadt gilt als eine der schönsten Lettlands und bietet sich durch ihre Nähe zu Riga (rund 50 Kilometer) auch gut für einen Tagesausflug an. In Sigulda stehen die Ruinen der Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert sowie die Sommerresidenz des russischen Grafen Kropotkin aus dem 19. Jahrhundert.

Litauen

Mit einer Fläche von rund 66 000 Quadratkilometern und 2,9 Millionen Einwohnern ist Litauen der größte der drei Baltenstaaten. Dennoch wird das Land von Touristen bislang eher stiefmütterlich behandelt. Dabei kann Litauen dank seinem vielfältigen Kultur-, Landschafts- und Städteangebot locker mit seinen beiden Nachbarn mithalten.

Blick von oben auf das Wasserschloss Trakai in Litauen inmitten eines Sees mit umliegenden Inseln

Ein Märchenschloss im Wasser: Fürst Kęstutis erbaute Schloss Trakai, litauisch Trakų salos pilis, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Klaipėda

Eine knappe Autostunde vom lettischen Strandort Liepāja entfernt liegt die Hafenstadt Klaipėda im Westen Litauens. Bei einem Bummel durch den Stadtkern können Sie die malerische Altstadt mit Fachwerkhäusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert bewundern und sich durch die verwinkelten Gässchen treiben lassen. Ebenfalls sehenswert ist der zentrale Platz der Stadt, der Theaterplatz. In der Architektur der Hafenstadt ist ihre turbulente Vergangenheit zu spüren, denn Klaipėda gehörte in seinem über 700-jährigen Bestehen sowohl Preußen, Schweden und Deutschland als auch dem Memelgebiet und der Sowjetunion an. Beliebt ist Klaipėda auch bei Kunstliebhabern, denn über die gesamte Stadt sind zahlreiche Kunstwerke verstreut, einige davon im Skulpturenpark von Mažvydas.

Trakai

Eines der meistbesuchten und meistfotografierten Objekte Litauens und des gesamten Baltikums ist die Wasserburg Trakai. Die idyllische Anlage wurde im Spätmittelalter in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Fürst Kęstutis erbaut. Die auf einer Insel zwischen vier Seen gelegene Burg wurde in ihrer Geschichte mehrmals angegriffen und beschädigt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das imposante Bauwerk immer wieder restauriert und erstrahlt in neuer Pracht. Im Inneren der Burg befindet sich heute ein Museum, das sich mit der Geschichte der Anlage auseinandersetzt und als weiteren Schwerpunkt die Tataren und Karaimen vorstellt. Beide Völker kamen auf Geheiß von Fürst Vytautas 1397 als Leibwachen in die Burggegend und prägten sie mit ihren Traditionen.

Vilnius

Litauens Hauptstadt ist auch als die Stadt der vielen Türmchen bekannt: Alleine die Altstadt zählt mehr als 40 Kirchtürme. Aber auch ohne großes Interesse an religiösen Bauten lohnt sich Vilnius als Zwischenstopp auf einer Rundreise oder als Ziel für einen Städtetrip. Legen Sie bei einem Spaziergang durch die Stadt ab und zu eine kurze Pause ein, um die vielseitige Architektur zu bewundern. Vilnius wurde seit seiner Gründung unzählige Male verwüstet, daher prägt ein Mix von Gebäuden aus zahlreichen Epochen das Stadtbild, zum Beispiel aus dem Mittelalter, dem Vilniusser Barock und der Neuzeit. Viele der noch erhaltenen Altstadtgebäude sind zudem Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Das Herz der Stadt ist der Katedros aikštė, der Kathedralenplatz. Geprägt wird er von der Kathedrale St. Stanislaus und St. Ladislaus, dem religiösen Zentrum der strikt katholischen Gemeinde in Vilnius. Die Prachtstraße der Stadt, die Gedimino Prospektas, lockt mit ihren prächtigen Fassaden sowie Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten zum Flanieren ein. Doch lassen Sie sich vom scheinbaren Glamour nicht täuschen: Aufgrund der schwächelnden litauischen Wirtschaft stehen viele Gebäude leer. Nur wenige Gehminuten entfernt thronen auf einem Hügel die Überreste des Turm der Oberen Burg von Vilnius. Von der Anlage sind nur noch der Turm und ein einzelnes Nebengebäude erhalten, für die gute Aussicht von oben lohnt sich der Aufstieg dennoch.

City Guide Warschau: Die besten Insidertipps von Locals

Wer genug von Kirchenbau und Geschichte hat, kann von der Aussichtsplattform des Fernsehturms aus einen Blick auf Vilnius aus 165 Metern Höhe genießen. Garantiert ungewöhnlich ist auch ein Abstecher in einen besonderen Teil der Stadt: Am Rande der Altstadt befindet sich die „Freie Republik Užupis". Im dem Stadtteil, der zu den ältesten in Vilnius gehört, lebten früher überwiegend Verbrecher, Herumtreiber und Prostituierte. In den 90er-Jahren veränderte sich das Viertel stark und zog immer mehr Künstler und Kreative an. Im Rahmen einer Kunstaktion wurde Užupis zur Republik ausgerufen, die seither fortbesteht und über eine eigene Verfassung, Flagge, einen Präsidenten sowie weltweit rund 200 Botschafter und Ehrenbürger (der wohl Berühmteste ist der Dalai Lama) verfügt. Wer nach Užupis einreist, muss sich sein Visum per Stempel im Pass bestätigen lassen – natürlich alles mit einem Augenzwinkern. Dennoch ist die Fantasie-Republik ein gutes Beispiel für eine friedliche Koexistenz in einer Großstadt: Sogar der Bürgermeister von Vilnius gehört zu ihren 7000 Einwohnern.

Mehr zum Thema: