Beschwipste Torte: Das Rezept für Harper Lees „Lane Cake“

Kennen Sie den Moment, wenn Ihnen beim Lesen das Wasser im Mund zusammenläuft, weil eine Figur im Buch gerade eine Köstlichkeit verspeist? Aus dieser Inspiration heraus hat Kate Young ihr „Little Library Cookbook“ verfasst. Hier lesen, wie Sie die beschwipste Torte aus Harper Lees Roman „Wer die Nachtigall stört“ backen.

Rezeptbild mit drei Stücken „Lane Cake“ auf Kuchentellern neben zwei Eisteegläsern aus dem „Little Library Cookbook“ von Kate Young

Vier Biskuitböden, drei schichten Custard: Der „Lane Cake“ begeisterte nicht nur Harper Lees Romanfiguren in „Wer die Nachtigall stört“.

Haben Sie früher beim Lesen von Michael Bonds Kinderbuch davon geträumt, einmal selbst von Paddington Bärs köstlich-süßer Marmelade zu naschen? Oder sich gefragt, wie wohl das Hühnchen in Estragon aus Lew Tolstoijs berühmtem Wälzer „Anna Karenina“ schmeckt? Kate Youngs Kochbuch macht es möglich, die literarischen Genüsse selber zu kosten: In ihrem „Little Library Cookbook“ zeigt die Britin, die durch ihren Kochblog „The Little Library Café“ bekannt wurde, die unwiderstehlichsten Rezepte aus den schönsten Romanen der Welt.

Lassen Sie sich von unserer Leseprobe inspirieren und kosten Sie den „Lane Cake“ aus Harper Lees Roman „Wer die Nachtigall stört“:

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Beschwipste Torte „Lane Cake“

„Maycomb hieß sie willkommen. Miss Maudie buk einen Kuchen, der so reichlich mit Alkohol getränkt war, dass ich davon einen Schwips bekam.“, Harper Lee, „Wer die Nachtigall stört“

Als ich zehn war, bekam ich von Barry, dem früheren Chef meines Vaters, „Wer die Nachtigall stört“ geschenkt. Er traute uns gern ein bisschen zu viel zu, und seine Bücher standen manchmal ein Jahr lang im Regal, bis wir ihnen gewachsen waren. Ich muss ungefähr elf gewesen sein, als ich es zum ersten Mal las, in einem heißen Queenslander Sommer, in dem man bis um elf Uhr schon das erste T-Shirt durchgeschwitzt hatte.

Weil ich noch nie in den amerikanischen Südstaaten gewesen bin, fällt mir bei Maycomb County als Erstes die drückende Hitze in Brisbane ein. Ich denke an Jem, Scout und Dill, denen in den staubigen Straßen die Sonne auf den Rücken knallt. Und an die Frauen in Maycomb, die – das Küchenfenster weit aufgerissen, um ein nicht vorhandenes Lüftchen hereinzulassen – Lane Cakes backen.

Es hat schon etwas Aberwitziges, diesen Kuchen ausgerechnet im Sommer zu backen: vier Biskuitböden, dazwischen drei Schichten beschwipster, fruchtiger Custard. Damit man wenigstens eine leise Chance hat, dass die Füllung nicht zwischen den Böden herausläuft, müssen beide Komponenten sehr kalt sein, wenn man den Kuchen zusammenbaut. Backen Sie ihn lieber an einem kühlen Wochenende. Sklavisch genau müssen wir den Alabama-Sommer nun wirklich nicht nachbilden. Aber lassen Sie sich dadurch nicht abschrecken. Diese beschwipste Torte ist etwas ganz Besonderes – eine unschlagbare Symbiose von Geschmack, Textur und Alkohol.

Zutaten

Für 16 Personen

Tortenböden

  • 250 g Butter
  • 450 g feiner Zucker
  • 2 TL Vanilleextrakt
  • 8 Eiweiß
  • 360 g Mehl
  • 2 TL Backpulver
  • 1 TL Salz
  • 250 ml Milch

Füllung

  • 8 Eigelb
  • 225 g feiner Zucker
  • 120 g weiche Butter
  • 150 g getrocknete Sauerkirschen
  • 100 g Pekannusskerne, gehackt
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 150 g Rum, Bourbon oder Weinbrand

Glasur

  • 85 ml Wasser
  • 340 g feiner Zucker
  • 1 Msp. Weinstein
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eiweiß
  • 1½ TL Vanilleextrakt

Utensilien

  • 4 Backformen für Tortenböden à 20 cm Durchmesser (Sie können die Böden auch nacheinander backen, wenn Sie nicht so viele Backformen zur Verfügung haben)
  • Handrührgerät (Sie können auch einen Schneebesen verwenden, dann sind Sie jedoch eine ganze Weile beschäftigt)

Zubereitung

  1. Den Backofen auf 180 °C (Gas Stufe 4) vorheizen. Die Backformen einfetten und die Böden mit Backpapier belegen. Für die Tortenböden die Butter mit dem Zucker aufschlagen, bis die Mischung hell und fluffig ist. Die Vanille zugeben und unterschlagen. Die Eiweiße in Zweierportionen zugeben und vor jeder neuen Zugabe intensiv unterschlagen. Das Mehl mit dem Backpulver und dem Salz sieben und in drei Portionen abwechselnd mit der Milch unterheben. Das Ergebnis ist ein geschmeidiger, aber leicht körniger Teig.
  2. Den Teig auf die Backformen verteilen, die Oberflächen glattstreichen. Die Böden 20 Minuten backen, bis zwischen Tortenboden und Backformrand eine kleine Lücke sichtbar wird und die Oberfläche ihre ursprüngliche Form wieder annimmt, nachdem sie leicht eingedrückt wurde. Auf einem Gitterrost abkühlen lassen.
  3. Währenddessen die Füllung zubereiten. Dafür die Eigelbe mit dem Zucker und der weichen Butter in einem Topf aufschlagen. Die Mischung bei niedriger Temperatur erhitzen, bis sie deutlich eindickt (was zehn bis 15 Minuten dauert), dabei unablässig mit einem Holzlöffel oder Teigspatel rühren. Mischung vom Herd nehmen und die Kirschen, die Pekannüsse und die Vanille unterrühren. Mit Frischhaltefolie abdecken, diese direkt auf die Oberfläche drücken, damit sich keine Haut bildet. Die Mischung lauwarm abkühlen lassen, dann zum vollständigen Abkühlen in den Kühlschrank stellen.
  4. Wenn alles abgekühlt ist, alle Tortenböden mit einer großzügigen Menge der gewünschten Spirituose einpinseln, dann jeweils ein Drittel der Füllung zwischen den Böden verteilen. Bei heißem Wetter den Kuchen nach jeder Lage in den Kühlschrank stellen. Bis zum Glasieren kaltstellen.
  5. Für die Marshmallowglasur etwas Wasser in einem Topf zum Kochen bringen. Den Zucker mit dem Weinstein, dem Salz, dem Wasser und dem Eiweiß in eine hitzefeste Schüssel füllen. Alles auf hoher Stufe mit dem Handrührgerät eine Minute aufschlagen, dann die Schüssel auf den Topf mit dem kochenden Wasser setzen (die Schüssel darf das Wasser nicht berühren) und die Eiweißmischung sieben Minuten auf hoher Stufe aufschlagen. Die Vanille untermischen.
  6. Die Oberfläche und die Seiten der Torte mit der Glasur überziehen, dazu eine Palette zu Hilfe nehmen, um ein möglichst glattes Ergebnis zu erhalten. Die Marshmallowmasse sollte sich problemlos verteilen lassen, sie wird jedoch relativ schnell fest, wenn sie erst einmal auf die Torte gestrichen ist. Daher sollte man der Versuchung widerstehen, sie währenddessen zu probieren oder sich beim Aufstreichen zu sehr zu verkünsteln.

Dieses und weitere literarische Rezepte finden Sie im „Little Library Cookbook“ von Kate Young

Buchcover von „Little Library Cookbook“ von Kate Young, erschienen bei Wunderraum Verlag

Das hier aufgeführte Rezept ist dem Buch „Little Library Cookbook“ von Kate Young entnommen, erschienen bei Wunderraum Verlag, 22 Euro.