Gründerin im Porträt: Karin Kuschel, „Big Jump Africa“

Was bewegt eine Frau dazu, ihren sicheren Job in der Finanzbranche aufzugeben und sich in Südafrika zum Safari Guide ausbilden zu lassen? Im Interview mit DONNA Online berichtet „Big Jump Africa“-Gründerin Karin Kuschel von ihrem ungewöhnlichen Berufsweg und gibt Tipps für die Existenzgründung.

Karin Kuschel von „Big Jump Africa“ auf Safari in der afrikanischen Natur

Auf Abenteuerkurs in Afrika: Karin Kuschel kündigte 2014 ihren sicheren Job in Deutschland, ließ sich in Südafrika zum Safari Guide ausbilden und gründete schließlich ihr eigenes Reisebüro „Big Jump Africa“.

Lohnt es sich, eine sichere Arbeitsstelle für einen beruflichen Neuanfang aufzugeben? Die Antwort lautet: ja. Zumindest, wenn es nach Karin Kuschel geht. Die gelernte Betriebswirtin schlug 2014 einen ungewöhnlichen Weg ein, als sie ihre Festanstellung in der Finanzbranche kündigte, um sich in Südafrika zum Safari Guide ausbilden zu lassen und sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland mit „Big Jump Africa“, einem auf Afrika spezialisierten Reisebüro, selbständig zu machen. Was die Unternehmensgründerin zu dieser Entscheidung bewog, ob sie ihren Berufswechsel bereut und welche Tipps sie anderen Frauen gibt, die eine Existenzgründung planen, lesen Sie im DONNA-Interview.

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DONNA Online: Was haben Sie vor Ihrer Selbstständigkeit gemacht?
Karin Kuschel: Vor langen Jahren habe ich einmal Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus studiert und im Anschluss sechs Jahre bei einem renommierten Reiseveranstalter im Produktmanagement gearbeitet. Nach einem Auslandsaufenthalt wechselte ich jedoch in die Finanzdienstleistungsbranche zu einem mittelständischen Unternehmen. Dort war ich elf Jahre lang beschäftigt – zunächst im Bereich Marketing, im Laufe der Jahre kamen dann aber auch die Leitung der Bereiche Human Resources und Office Management dazu. Vermisst habe ich die Touristik aber immer ein wenig.

Wie kam es dazu, dass Sie 2014 in Südafrika eine Ausbildung als Safari Guide absolvierten?
Die Trennung von meinem langjährigen Lebenspartner hat vieles in Frage gestellt. „Bin ich auf dem richtigen Weg?“, „Will ich das, was ich tue, die nächsten 20 Jahre machen?“ Nach zahlreichen Urlauben im südlichen Afrika hatte ich schon lange den Wunsch, einmal länger in diesem schönen Teil der Erde zu bleiben und idealerweise eine Buschlodge in der Wildnis zu leiten. Das war mein großer Traum.

Die Partnerschaft war zerbrochen, der Mietvertrag befristet und elf Jahre im gleichen Unternehmen – die Frage „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ drängte sich geradezu auf. Ein Schnupperkurs zur Ausbildung als Safari Guide im Herbst 2012 gab letztlich den Ausschlag: das erste Mal alleine im Urlaub in Afrika – und es war einfach nur unglaublich. Nach der Trennung hatte ich in diesen zwei Wochen endlich wieder einmal das Gefühl, im Hier und Jetzt zu leben. Ich wollte zwar nie wirklich als Safari Guide arbeiten, habe aber das Wissen dazu als unglaublich nützlich für die Arbeit in einer Buschlodge empfunden. Und da wollte ich schließlich hin!

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Wie entstand die Idee zu Big Jump Africa?
Nach meiner Ausbildung zum Safari Guide arbeitete ich knapp neun Monate als Lodge Manager mitten im Busch. Immer wieder begrüßten wir Gäste, die von ihrem Reisebüro schlecht oder gar nicht beraten worden waren. Gerade bei einer Fernreise finde ich das unglaublich wichtig.

Nach meiner Rückkehr aus Afrika im Jahr 2015 kamen Freunde und Bekannte auf mich zu, die mich baten, ihnen bei der Reiseplanung für Afrika zu helfen. Da ich zudem mehrere südafrikanische Touristikunternehmen bei ihrem Marketing hier in Deutschland unterstütze, lag es nahe, dass man diese auch über mich buchen kann. Daher gründete ich Big Jump Africa – als Nischenveranstalter für besondere Safaris rund um den Krüger-Nationalpark, aber eben auch für Ranger-Kurse und Volontariate im Busch. Durch meinen knapp zweijährigen Aufenthalt vor Ort kann ich guten Gewissens sagen, dass ich diese Ecke des Landes wie meine Westentasche kenne und meine Gäste entsprechend beraten kann.

Was waren die größten Hürden bei der Umsetzung?
Ich denke, der entscheidende Punkt bei einer Neugründung ist immer der Bekanntheitsgrad des frisch gegründeten Unternehmens. Es gibt so viele große Reiseveranstalter für das südliche Afrika – wieso sollte jemand ausgerechnet bei Big Jump Africa buchen? Eine schöne Webseite und Anzeigen in Magazinen helfen da nur bedingt weiter. Man muss stetig am Ball bleiben, sein Netzwerk pflegen und erweitern und sich von den Mitbewerbern durch besondere Programme, aber auch durch hervorragenden Service abheben.

Eine Elefantenherde steht im südafrikanischen Busch

Faszinierende Dickhäuter: Bei ihren Südafrika-Abenteuern begegnete Karin Kuschel Elefanten auf freier Wildbahn.

Was war für Sie der bisher größte Erfolg, den Sie mit Ihrem Reisebüro hatten?
Im vergangenen Jahr wurde ich erstmalig von Gruppen für spezielle Reisen angefragt, da man von Big Jump Africa offensichtlich Gutes gehört hatte. Und mehrere Kunden äußerten bereits: „Wenn es um Volontariate in Südafrika geht, dann sollte man bei Big Jump Africa schauen“. Das ist das beste Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Für mich ist es außerdem jedes Mal ein Erfolg, wenn ein frischgebackener Safari Guide stolz von seinem Kurs zurückkommt oder ein Volontär in Südafrika die Zeit seines Lebens hatte.

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Wie geht es weiter mit Big Jump Africa?
Ich arbeite stetig daran, mein Portfolio um besondere Programme zu erweitern. Dabei will und werde ich aber meinen Fokus nicht aus den Augen verlieren: Es geht um die Region rund um den Krüger-Nationalpark in Südafrika und alle von mir angebotenen Programme sind mir persönlich bekannt. Leider gibt es gerade bei den Volontariaten immer wieder einmal schwarze Schafe – daher ist es mir wichtig, mich persönlich davon zu überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. So ist die Auswahl der von mir angebotenen Programme begrenzt – dafür kann ich mit gutem Gewissen Gäste dorthin schicken.

Welche Tipps würden Sie Frauen geben, die mit 40plus von einem Berufswechsel oder eigenen Unternehmen träumen, diesen Schritt bisher aber nicht gewagt haben?
„Du bist nicht zu alt und es ist nicht zu spät, um deine Träume zu verwirklichen!“ Aber man muss natürlich seine Komfortzone verlassen. Es muss nicht jeder gleich den Sprung ins kalte Wasser wagen, alles aufgeben und nach Afrika gehen. Aber man sollte sich bewusst sein, dass man mit völlig neuen Themen und Problemen konfrontiert wird. Ein eigenes Unternehmen zu gründen war für mich wahrscheinlich der „Big Jump“ schlechthin. Wenn man die Möglichkeit hat, einen „sanfteren“ Übergang zu finden – etwa indem man seinen alten Job auf Teilzeitbasis oder noch ein weiteres Standbein beibehält – hilft einem das sehr, die ersten Jahre zu überbrücken.

Aber für mich gilt, selbst wenn es nicht immer leicht war und ist: Ich bereue nicht eine Minute, was ich getan habe und weiß, dass alle Entscheidungen richtig waren.

Haben Sie noch einen Südafrika-Geheimtipp für unsere Leserinnen? Was darf man bei einer Südafrikareise nicht verpassen?
Kapstadt ist sicherlich eine der schönsten Städte der Welt. Aber für mich nicht wirklich Afrika! Für mich gehört zu einer Afrikareise unbedingt ein Aufenthalt im Busch. Sei es im Krüger-Nationalpark oder in einem privaten Reservat. Wenn Sie das erste Mal auf einem offenen Safarifahrzeug sitzen und Auge in Auge mit einem Elefanten in freier Natur stehen, ist Gänsehaut garantiert!