Buchtipps: 3 Familienromane über Verlust, Entfremdung und innige Liebe

Das Thema Familie mit all ihren Freuden, Problemen und Krisen spielt in der Literatur eine zentrale Rolle. Wir stellen Ihnen drei aktuelle Romane vor, die sich mit Familienangelegenheiten beschäftigen – mal berührend, mal erschütternd, mal traurig.

Rückansicht einer Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern, die über ein Feld auf eine Holzhütte zulaufen

Gemeinsam durch dick und dünn – oder das Gegenteil: DONNA Online stellt drei Romane vor, die sich mit unterschiedlichen Familienkonstellationen und den Problemen, die sie mit sich bringen, beschäftigen.

Familie bedeutet für viele Menschen Gemeinschaft, Zusammenhalt, Trost und geteiltes Glück. Oder das genau Gegenteil: Verlust, Konflikte, Trennung, schmerzhafte Momente und Unverständnis. Das Thema Familie betrifft jeden von uns – ob wir wollen oder nicht. So ist es kaum verwunderlich, dass sich auch viele Autoren mit Familiengeschichten auseinandersetzen und sie zum Gegenstand ihrer Bücher machen. Wir stellen Ihnen drei aktuelle Familienromane vor, die uns nachhaltig berührt haben.

6 Richtige: Das sind die DONNA-Buchtipps im Februar 2018

1. Emily Ruskovich –„Idaho“: Düstere Einblicke in eine dysfunktionale Familie

„Idaho“ ist komplex, erschütternd – und keine leichte Kost: Das zentrale Thema des Romans ein grauenvoller Mord – eine Mutter erschlägt ihre Tochter an einem heißen Sommertag auf dem Rücksitz ihres Trucks mit einer Axt. Die zweite Tochter flieht vom Tatort und verschwindet spurlos. Obwohl die Tat der Mutter Jenny unfassbar grausam und nicht nachvollziehbar ist, gelingt es Autorin Emily Ruskovich, beim Leser eine emotionale Verbindung zu der Kindsmörderin aufzubauen. Anne, die zweite Ehefrau des Vaters Wade, der an einer sich schleichend ausbreitenden Demenz leidet, begibt sich auf Spurensuche und versucht den Tag des Mordes imaginär zu rekonstruieren. Nach und nach wird deutlich, dass jedes Mitglied der dysfunktionalen Familie seinen Teil zu der Katastrophe beigetragen hat – und zeigt auf, dass die Frage nach Schuld eine subjektive Angelegenheit ist. Dieser Roman ist tiefgründig, verstörend und tief berührend.

„Idaho“ von Emily Ruskovich, Hanser Verlag, um 24 Euro, Erscheinungsdatum: 19. Februar 2018

Buchcover des Romans „Idaho“ von Emily Ruskovich, erschienen bei Hanser Verlag

2. Sina Pousset – „Schwimmen“: Eine Leerstelle, die bleibt

Milla lebt ihren Alltag, so gut es irgendwie geht – und kümmert sich um die kleine Emma, bringt sie jeden Tag in den Kindergarten, kocht ihr Essen und ist für sie da, wenn sie gebraucht wird. Dabei ist Emma eigentlich Kristinas Kind. Doch sie hat sich nach dem Tod von Jan selbst in die Psychatrie eingewiesen und will nicht mehr zurückkehren. Die Beziehungskonstellation in Sina Poussets Roman „Schwimmen“ ist keine Familie im klassischen Sinne, sondern eine innige Freundschaft seit Kindheitstagen, die sich wie Familie anfühlt – oder nach noch viel mehr. Ein berührender Roman, der sich mit der Leerstelle befasst, die der Tod in das Leben anderer reißt – und der Frage nachgeht, wie man nach einem solchen Verlust überhaupt weitermachen kann. Zwar sind die beiden Protagonistinnen Kristina und Milla noch Anfang 20, doch die Hürden, die sie überwinden müssen, kennen keine Altersgrenze und sind ein tragischer Teil des Erwachsenenlebens. Das fantastische Romandebüt einer jungen Autorin, die selbst viel erlebt haben muss, um einen so tiefgründigen, lebensphilosophischen Roman zu schreiben.

„Schwimmen“ von Sina Pousset, Ullstein, um 18 Euro

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Buchcover des Romans „Schwimmen“ von Sina Pousset, erschienen bei Ullstein

3. J. Courtney Sullivan – „All die Jahre“: Untrennbare Verbindung

Die junge Irin Nora ist 21, als sie 1957 gemeinsam mit ihrer Schwester Theresa nach Amerika auswandert, um ihr eine Ausbildung zu ermöglichen und ein neues Leben mit ihrem Verlobten zu beginnen. Am Sterbebett ihrer Mutter verspricht sie, sich um ihre kleine Schwester zu kümmern – doch diese Aufgabe ist alles andere als leicht: Vier Monate später ist Theresa von einem verheirateten Mann schwanger und entscheidet sich, ein Leben als Nonne zu führen. Nora gibt Patrick, den Sohn ihrer Schwester, fortan als ihr eigenes Kind aus. Jahre später kommt Patrick bei einem Verkehrsunfall ums Leben und die entfremdeten Schwester sind gezwungen, wieder den Kontakt aufzunehmen… Der Familienroman befasst sich nicht nur mit den Konflikten zwischen zwei ungleichen Schwestern, sondern thematisiert auch die Situation irischer Emigranten in den USA der 50er-Jahre. Eine lesenswerte Lektüre, die unter die Haut geht.

„All die Jahre“ von J. Courtney Sullivan, Hanser Verlag, um 22 Euro

Buchcover des Romans „All die Jahre“ von J. Courtney Sullivan, erscheinen bei Hanser Verlag