Gründerin im Interview: Business-Coach Sonja Kreye von „Business Celebrity“

Aller (Neu-)Anfang ist schwer – das wurde Sonja Kreye bewusst, als sie sich nach 14 Jahren in der Motorsport- und Automobilindustrie als Business-Coach selbstständig machte. An welchen Hürden Start-ups oft scheitern und wie sich Stolpersteine bei der Existenzgründung umschiffen lassen, erzählt sie im Interview.

Porträtbild von Sonja Kreye, Business-Coach und Gründerin der Online-Marketing- und -Coaching-Plattform „Business Celebrity"

Von der Rennstrecke ins Online-Business: Sonja Kreye machte sich mit ihrer Coaching- und Marketing-Plattform „Business Celebrity“ selbstständig. Mit ihren Mentoring-Programmen unterstützt sie andere Coaches und Gründer beim Ausbau ihres Kundennetzwerks.

Obwohl die Start-up- und Gründerszene in Deutschland stetig wächst, trauen sich viele Frauen nicht, den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit zu gehen. Kein Wunder, schließlich ist es neben dem finanziellen Risiko eine große Hürde, überhaupt erst einmal die eine, zündende Idee für ein eigenes Unternehmen zu entwickeln – und irgendwann grüne Zahlen damit zu schreiben.

Mit dem Thema Existenzgründung ist Sonja Kreye bestens vertraut: Nachdem sie viele Jahre lang in der Automobilbranche und Formel 1 tätig war, betrat sie nach einer Babypause berufliches Neuland. Heute ist die Business-Mentorin mit ihrem Unternehmen „Business Celebrity“ für andere Coaches im Einsatz und berät Gründer/innen auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Business. Mit ihrem Coaching Business Mastery Programm hat Sonja Kreye bereits über 300 Coaches zu mehr Kunden, Umsatz und Bekanntheit verholfen. Was sie aus ihrer eigenen Berufspraxis an andere Gründerinnen weitergeben kann und mit welchen Tipps Existenzgründerinnen mögliche Krisen umschiffen können, erklärt uns die Business-Expertin im Interview.

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DONNA Online: Sie waren als Pressesprecherin eines Formel-1-Rennfahrers und Sponsorship Managerin in der Automobilbranche tätig. Warum haben Sie sich für eine Umorientierung zum Online-Marketing bzw. Coaching entschieden?
Sonja Kreye: Nach 14 Jahren in der Motorsport- und Automobilindustrie war ziemlich die Luft raus. Dazu kam, dass ich bei einem Auftrag an der Formel-1-Rennstrecke in Shanghai meinen heutigen Mann kennengelernt hatte und wir eine Familie gründen wollten. Egal, wie mein Mann und ich es drehten und wendeten – die vielen Reisen passten nicht mehr. Ich habe mich dann erstmal eine Zeit lang inspirieren lassen, was ich tun könnte und ließ mich coachen. Bei diesem Coaching bin ich dann darauf gestoßen, das Marketing-Coaching genau das Richtige für mich wäre. Da hatte ich ja bereits viel Expertise. Außerdem habe ich erkannt, wie wichtig mein Business-Modell sein würde – jetzt, nachdem meine Arbeitszeit ziemlich begrenzt war. Ich wollte ein Business, das trotzdem wachsen kann – auch ohne mehr Zeiteinsatz von mir. Und das bietet mir mein heutiges Geschäftsmodell, in dem ich vor allem in Gruppenprogrammen und Online-Trainings mit meinen Kunden arbeite. Der erste Schritt war schon ein bisschen furchteinflößend, aber mir wurde ziemlich schnell klar, dass ich nichts zu verlieren hatte. Meine bisherige Karriere war aufgrund der neuen Situation mit Kind sowieso am Ende.

Hand aufs Herz: Wie schwierig war es zu Beginn, als Business-Coach ernst genommen zu werden?
Wie die meisten Gründerinnen habe ich mir das einfacher vorgestellt. In meiner alten Branche lief es gut, in der Neuen musste ich mir jeden einzelnen Kontakt neu aufbauen. Ich war aus meiner alten Branche erfolgsverwöhnt, musste aber erst einmal ins Tal der Tränen. Denn ich hatte am Anfang meines Business keinerlei Kunden und niemand kannte mich. Die sozialen Medien haben es mir ermöglicht, recht schnell einen guten Bekanntheitsstatus aufzubauen und meine Zielkunden zu finden. Und das von zu Hause aus. Das wäre noch vor zehn Jahren so sicherlich nicht möglich gewesen. Dafür bin ich sehr dankbar.

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Welche Tipps würden Sie Frauen geben, die von einem eigenen Start-up träumen, es bisher aber nicht gewagt haben, sich selbstständig zu machen?
Mein wichtigster Tipp ist, auf das Business-Modell zu achten. Darauf, dass es möglich ist, mit dem eigenen Business genügend Geld zu verdienen und, dass es optimalerweise auch ohne viel zusätzlichen Zeiteinsatz wachsen kann. Ein Business aufzubauen bedeutet immer sowohl zeitlichen als auch finanziellen Aufwand. Wenn dann das Geschäftsmodell das Wachstum begrenzt, ist das einfach sehr schade. Denn wenn ich immer nur Zeit gegen Geld tausche, bin ich auf meinen Stundensatz begrenzt und auf die Stunden, die ich leisten kann. Und gerade mit Familie ist die Arbeitszeit sehr begrenzt. Die Mühe soll sich ja irgendwann lohnen. Auch in Dienstleistungsberufen wie Coaching oder Beratung geht das heutzutage, beispielsweise über Gruppenangebote oder eben Online-Kurse.

Außerdem würde ich von Anfang an immer groß denken. Viele Frauen wollen ein bisschen was nebenbei verdienen, bedenken dabei aber nicht, dass der Aufwand, Kunden zu gewinnen, für den Start immer gleich hoch ist. Und zu guter Letzt ist es natürlich wichtig, dass es für das eigene Angebot einen Markt gibt und ich selbst wirklich dazu bereit bin, mindestens eineinhalb bis zwei Jahre lang Aufbauarbeit zu betreiben. Wenn die Leidenschaft für das eigene Business da ist, dann überstehe ich auch die schwierige Anfangsphase und habe Spaß dabei.

Wie schafft es eine Gründerin, ihre eigene Nische zu finden und sich von der Konkurrenz abzuheben?
Die Nische besteht aus zwei Teilen. Zum einen der Lösung, die ich für meine Zielkunden biete. Jedes Unternehmen löst ja mit dem eigenen Angebot ein Problem. Gerade im Bereich Coaching wird oft der Fehler gemacht, dass Coaching selbst verkauft werden soll. Menschen kaufen aber kein Coaching, sondern Lösungen für ein Problem. Und zweitens die konkrete Zielgruppe: Je genauer ich beides benennen kann, umso leichter fällt es mir, das Business aufzubauen. Es reicht also nicht, „Frauen generell“ oder „Unternehmer“ anzusprechen. Ich sollte schon genau wissen, was meine Zielgruppe konkret ausmacht und an welcher Stelle sie stehen. Das ist in den meisten Fällen aber ein Prozess, der etwas Zeit braucht.

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Wenn ich meine Nische gefunden habe, dann kann ich schauen, wie ich Dinge anders machen kann, um mich vom Wettbewerb zu unterscheiden. Kann ich beispielsweise meine Zielgruppe noch konkreter definieren bzw. eine Untergruppe wählen? Kann ich andere Angebote erstellen, wie bei mir beispielsweise in Form von Online-Trainings statt Präsenzseminaren? Kann ich anders kommunizieren als meine Wettbewerber – hier kann ich zum Beispiel Videos drehen oder einen Podcast herausgeben – oder eben auch das Gegenteil tun von dem, was gerade alle machen. Im Hype um Online-Marketing der letzten Jahre hab ich beispielsweise entschieden, meine Zielkunden nicht zuletzt über das Versprechen „Coaching verkaufen ohne Technik-Gedöns“ anzusprechen. Das ist das Gegenteil von dem, was gerade viele andere tun. Ein bisschen Recherchearbeit hilft hier wahre Wunder.

Was machen erfolgreiche Gründerinnen Ihrer Meinung nach anders als Frauen, deren Start-up scheitert?
Wenn das eigene Angebot gut positioniert ist und einen Markt hat, ist in den meisten Fällen das Dranbleiben das Erfolgsgeheimnis. Erfolg gibt es nicht über Nacht. Außerdem brennen erfolgreiche Unternehmerinnen für ihre Idee und lassen sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten. Krone richten, weiterlaufen.

Erfolgreiche Gründerinnen sind sich außerdem darüber im Klaren, dass es kein Business – auch kein Online-, Coaching- oder Nebenbei-Business – umsonst gibt. Die ersten Jahre sind Aufbauarbeit und da muss ich Zeit und Geld investieren. Sie holt sich zudem bestenfalls Unterstützung von anderen, die den Weg bereits gegangen sind.

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Welche Tipps haben Sie für Unternehmerinnen, die mit Startschwierigkeiten zu kämpfen haben? Und wie schafft man es, nach einem Rückschlag motiviert zu bleiben und trotzdem weiter an die eigene Idee zu glauben?
Bei Startschwierigkeiten rate ich dazu, zu schauen wer das, was ich erreichen will, bereits geschafft hat und mir Hilfe zu holen. Bei Rückschlägen ist es okay und menschlich, sich auch mal ein oder zwei Tage selbst zu bedauern. Als ich zum ersten Mal mein Online-Training angeboten habe, hatte ich ganze vier Teilnehmer. Und das nach einem Jahr harter Arbeit! Ich war total enttäuscht. Dennoch war mein Ehrgeiz geweckt. Ich wollte herausfinden, wie das geht, Online-Trainings und -Coachings zu verkaufen. Es hilft in diesem Fall, sich klar zu machen, dass Rückschläge normal sind, nicht optional. Jeder erlebt sie irgendwann und auch immer wieder. Auch heute gibt es noch Rückschläge bei mir. Ein Angebot läuft nicht wie geplant, eine Anzeigenstrategie geht nicht auf. Das beste Mittel dagegen ist, flexibel bleiben. Wenn es so nicht funktioniert, wie ich mir dachte, finde ich einen anderen Weg.

Es hilft zudem sehr, sich ein Umfeld von Gleichgesinnten zu schaffen. Ich biete meinen Kunden das mit meinen Gruppen-Coachings und bin selbst immer in einer Mastermind-Gruppe mit anderen Unternehmerinnen auf meinem Level. Gerade für Frauen, die von zu Hause arbeiten, ist das unglaublich wichtig.

Woran scheitern die meisten Frauen bei der Existenzgründung – und wie lassen sich diese Stolpersteine vermeiden?
Meiner Erfahrung nach scheitern die meisten am fehlenden Budget. Das gilt für alle Gründungen, egal ob Dienstleistungen oder Produkte verkauft werden sollen. Denn auch ein Online- oder Coaching-Business wie ich es habe gibt es – wie gesagt – nicht umsonst. Auch wenn die Anfangsinvestitionen zunächst klein erscheinen und auf jeden Fall kleiner sind als in anderen Businesses. Dennoch: Ich muss mich vermarkten, ich brauche Online-Tools und ein Werbebudget. Glücklicherweise gibt es gerade für Gründerinnen oder auch für Unternehmerinnen, die wachsen wollen, günstige Kredite (beispielsweise von der KfW).

Ein weiterer Grund fürs Scheitern ist das eigene Mindset oder eine fehlende Strategie. Gerade am Start brauche ich viel Selbstbewusstsein und kriege oft Gegenwind von Familie oder Freunden. Zudem brauche ich eine Strategie für die Kundengewinnung. Viele konzentrieren sich da zunächst viel zu sehr auf die eigene Leistung und das eigene Angebot und berücksichtigen nicht, dass sie beim Unternehmensstart vor allem auch ihre verkäuferischen Fähigkeiten trainieren müssen.

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Sie haben sich nach einer Babypause selbstständig gemacht. Wie halten Sie die Balance zwischen Beruf und Privatleben?
Ich habe mittlerweile sogar das zweite Kind bekommen und es läuft besser denn je. Zum Start nach meinem ersten Sohn war der Aufbau meines Business natürlich anstrengend. Mein Kind ging in die Krippe und ich habe in jeder freien Minute gearbeitet. Ich hätte es einfacher haben können, wenn ich mir früher Hilfe von einem Mentor und von virtuellen Assistenten oder Freelancern geholt hätte. Aber auch das Investieren will gelernt sein.

So habe ich lange Zeit vor mich hin gewurschtelt und ausprobiert. Heute weiß ich, dass es vom Start weg besser ist, jemanden an der Seite zu haben, der das schon erreicht hat, was ich erreichen will. Ich achte sehr auf meine Zeit, arbeite persönlich nur noch mit größeren Gruppen und biete Online-Trainings an, um die Nachfrage zu bedienen. Ich arbeite aktuell an drei bis vier halben Tagen pro Woche und bin weiter dran, zu automatisieren und zu skalieren. Es macht mir immer noch riesigen Spaß und ich bin dankbar, dass ich arbeiten kann, wann und wie ich will und mein Business dennoch von Jahr zu Jahr größer wird und ich mittlerweile mehr verdiene als ich in der Formel 1 jemals verdient habe.