Urlaub im Kaukasus: 5 Highlights, für die sich eine Reise nach Georgien lohnt

Georgien ist das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018 und wird als Reiseziel immer beliebter – zu Recht, wie wir finden. Hier kommen fünf Highlights, für die es sich definitiv lohnt, Urlaub in der ehemaligen Sowjetrepublik zu machen.

Abendlicher Blick auf das alte und neue Stadtzentrum von Georgiens Hauptstadt Tbilisi mit Seilbahn, dem Fluss Mtkvari und der Sameba-Kathedrale in Sicht

Tbilisi vereint die orthodoxe und georgische Tradition mit der Extravaganz der Moderne – wie hier mit der neuen Konzerthalle in Röhrenoptik (links), traditioneller georgischer Baukunst und der Sameba-Kathedrale (rechts).

Viele Touristen hatten das kleine, aber feine Land mitten im Kaukasusgebirge bislang nicht als Reiseziel auf dem Schirm. Doch das dürfte sich ändern – spätestens, seitdem Georgien seine Literatur und Kultur als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018 vorstellen durfte. Warum sich ein Trip in die ehemalige Teilrepublik der Sowjetunion lohnt und welche Highlights Georgienurlauber sich nicht entgehen lassen sollten, erklären wir in unserem Reise-Guide.

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1. Der richtige Ort für Outdoor-Abenteuer: Swanetien & Co.

Wer sich fragt, warum die nächste Urlaubsreise ausgerechnet nach Georgien führen sollte, muss nur einen Blick auf die Landkarte werfen: Georgien liegt mitten im Kaukasus, einem über 1000 Kilometer langen Hochgebirge zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Bestens geeignet also, um die Natur bei Berg- und Wandertouren aktiv kennenzulernen, den Alltagsstress hinter sich zu lassen und den Kopf frei zu bekommen.

Für Outdoor-Begeisterte eröffnen sich bei einem Urlaub in Georgien unzählige Möglichkeiten, um ihren Hobbys nachzugehen: Besonders beliebt für ausgiebige Touren in der Natur ist die Region Swanetien, die bis vor einigen Jahren aufgrund nicht vorhandener Straßen und der abgeschiedenen Lage in den Höhen des Großen Kaukasus kaum mit der Außenwelt in Verbindung stand. Inzwischen leben die wenigen Familien, die ihre Heimat aufgrund der harten Lebensbedingungen und mangelnden Infrastruktur nicht verlassen haben, vom Tourismus und vermieten einen Teil ihrer Wohnräume als Gasthäuser. Der klassische Weg führt Wanderer von Mestia, dem Verwaltungsort der Region, bis in das Örtchen Ushguli, das zweithöchstgelegene Dorf in Europa. Die mehrtägige Route führt vorbei an wilden Flüssen, Wildtieren, schneebedeckten Gletschern und über Pässe, die teilweise höher als 2000 Höhenmeter liegen.

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Das georgische Dorf Ushguli in der Region Swanetien im Großen Kaukasus mit dem Berg Schchara im Hintergrund

Ma­jes­tä­tisch thront der Schchara, mit 5200 Metern der höchste Berg Georgiens, über dem swanetischen Dorf Ushguli.

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Ebenfalls eine atemberaubende Landschaft eröffnet eine Tour durch die Trusso-Schlucht, die bei guten Wetterbedingungen den Blick auf den mächtigen Mount Kasbek mit seiner über 5000 Meter hohen Pracht freigibt. Genauso beeindruckend ist ein Ausflug nach Stepanzminda, zu Sowjetzeiten einst Kazbegi genannt: Die Kleinstadt ist der Ausgangspunkt für einen Besuch der weltberühmten Gergetier Dreifaltigkeitskirche, die durch ihre Lage auf einem Berg vor dem Kasbek in 2170 Metern Höhe zum bekanntesten Fotomotiv Georgiens wurde und für georgisch-orthodoxe Gläubige einen wichtigen Wallfahrtsort darstellt.

Zusätzlicher Bonuspunkt für die Kaukasusrepublik: Auf gerade einmal 70 000 Quadratkilometern (was etwa der Fläche von Bayern entspricht) finden Sie Strände am Schwarzen Meer, Weinregionen und Gebirge mit teils ganzjährig schneebedeckten Gipfeln. Das ideale Reiseziel also, wenn Sie sich nicht für eine Urlaubsart entscheiden können und gerne Strand und Berge mit einem Reiseziel vereinen wollen.

2. Die Wiege des Weinbaus: Kachetien

Die Tatsache, dass nicht etwa Frankreich oder Italien, sondern Georgien das Ursprungsland des Weinbaus ist, wurde von europäischen Weinkennern aus anderen Ländern in der Vergangenheit oft belächelt. Inzwischen ist durch historische Ausgrabungen von Tonscherben wissenschaftlich belegt, dass auf dem Gebiet des heutigen Kaukasuslandes tatsächlich bereits vor 6000 Jahren Wein angebaut und hergestellt wurde. Und diese Tatsache macht jeden Georgier stolz, dem Sie auf Ihrer Reise begegnen werden. Denn bis heute wird Wein in Georgien nicht nur mit der uns bekannten europäischen Methode, sondern auch auf traditionelle Weise hergestellt: im sogenannten Kwewri, einer Art Tonamphore, in die die Trauben nach dem Auspressen im Holzbehälter mitsamt Haut, Stiel und Kernen gegeben und für mehrere Wochen gut verschlossen für den Gärungsprozess eingelagert werden. Durch diese Herstellungsweise erhält der Wein ein besonderes Aroma, das leicht bitter bis säuerlich ausfallen oder Backwaren ähneln kann. Aufgrund seiner charakteristischen Geschmacksnoten, die von denen der in Westeuropa bekannten Weinsorten abweichen, ist der traditionelle georgische Wein nichts für jedermann – zumindest einmal sollten Sie den Kwewri-Wein, zum Beispiel den roten Dessertwein „Kindzmarauli“, aber ausprobieren.

DONNA-Tipp: In der Hauptstadt Tbilisi bieten viele Weinkeller kostenlose Verkostungen an. Die beste Methode, um die georgischen Weine in ihrer Vielfalt und mit ihren ungewöhnlichen Aromen kennenzulernen, ist jedoch ein Aufenthalt in der Weinregion Kachetien. Dort wurden auch die ältesten Zeugnisse für den Weinanbau im Örtchen Kvemo Khodasheni gefunden, das rund 50 Kilometer von Sighnaghi entfernt liegt. Von der Stadt Sighnaghi aus, die unter Präsident Saakaschwili aufwendig restauriert und zum touristischen Zentrum ausgebaut wurde, sind es nur rund drei Kilometer bis zum georgisch-orthodoxen Kloster Bodbe, das auf der Grabstätte der Heiligen Nino erbaut wurde. Sie ist die Landesheilige und brachte das Christentum nach Georgien. Ein Besuch der Klosteranlage lohnt sich, um eine der älteren Kirchen zu besichtigen und einen Spaziergang durch den dazugehörigen Park zu machen, der einen schönen Ausblick auf Kachetien bietet.

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3. Die Hauptstadt Tbilisi

Mit 1,1 Millionen Einwohnern hält sich die Bevölkerungsgröße von Tbilisi im Vergleich zu anderen Hauptstädten in Grenzen. Das bedeutet aber nicht, dass es hier nicht mindestens genauso viel zu entdecken gibt. Die Stadt, die im Deutschen auch als Tiflis bekannt ist, steckt mitten in einem enormen Umbruch – wer dort westeuropäische Standards erwartet, wird enttäuscht werden. Viele Ecken der Stadt sind baufällig, Gebäude teils stark verfallen und die Straßenbeläge in die Jahre gekommen. Doch genau diese extremen Gegensätze machen die Metropole so spannend. Tbilisi und seine Bewohner bemühen sich seit einigen Jahren enorm, das Stadtbild zu modernisieren. Mit dem Wiederaufbau sind sie ohnehin bestens vertraut, denn die georgische Hauptstadt wurde seit ihrer Gründung im 4. Jahrhundert unzählige Male fast vollständig zerstört. Einige Stadtteile und ein Großteil der Straßen in der Alt- und Neustadt wurden bereits aufwändig restauriert, hippe Design-Hotels wie das Rooms oder Stamba und ungewöhnliche Bauten schießen zwischen halb verfallenen Wohnhäusern mit den typischen georgischen Holzbalkonen aus dem Boden und machen die Stadt zu einem wunderbaren Mix aus traditionellem und modernem Design.

Wer die Stadt zu Fuß erkunden möchte, sollte sich auf den von den zahlreichen Autos, die in teils fragwürdigen Zuständen durch die Stadt fahren, verursachten Smog einstellen. Dennoch lohnt sich ein Spaziergang durch einen der vielen Parks genauso wie der Ausblick von der Narikala-Festung, dem Fernsehturm oder der Mutter Georgiens, in der Landessprache „Kartlis Deda“.

Übersetzt bedeutet Tbilisi „warme Quellen“ – und genau die sollten Sie beim Besuch der Stadt nicht verpassen: An den Hängen des Berges Mtabori und unterhalb des heutigen Stadtteils Abanotubani liegen Schwefelquellen, die von den Einwohnern seit Jahrhunderten aufgrund ihrer heilenden Wirkung genutzt werden. Entweder wagen Sie sich wie die Einheimischen in ein öffentliches Becken (Achtung, hier herrscht Textilverbot!) oder Sie buchen für rund zehn bis 50 Euro eine private Badekammer, in der Sie ein Becken mit über 40 Grad heißem Schwefelwasser, ein Kaltwasserbecken sowie optional eine Sauna erwartet. Wenn Sie einen Badeaufenthalt mit Massage buchen, werden Sie zunächst mit einem Handschuh ordentlich abgeschrubbt und anschließend mit einer Seifenmassage verwöhnt. Doch Vorsicht, die georgischen Masseure in den Bädern sind nicht gerade sanft – dafür werden Sie anschließend mit streichelzarter Haut belohnt.

Nicht zuletzt ist Tbilisi für sein reges Nachtleben bekannt und gilt als Techno-Hot-Spot: Hier befinden sich der weltberühmte Club „Bassiani“ im Keller des Dinamo-Tbilisi-Stadions sowie zahlreiche Szenebars wie „Lolita“ oder „Mozaika“, in denen einheimische Hipster und Reisende beim Trinken und Feiern zusammenfinden. Wer es etwas gediegener und ruhiger bevorzugt, wird bei zahlreichen georgischen und internationalen Restaurants sowie eleganten Weinbars fündig.

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4. Noch ein Geheimtipp: Tuschetien

Berglandschaft des Kaukasusgebirges in der georgischen Region Tuschetien mit teilweise geschützten Arealen

Tuschetien in Georgiens Osten grenzt an die russischen Regionen Dagestan und Tschetschenien – und gilt bei Touristen bislang noch als Geheimtipp.

Obwohl Georgien bei Outdoor-Urlaubern kein Geheimtipp mehr ist, bietet das Kaukasusland noch einige Flecken, in die sich bisher nur wenige Westeuropäer verirren. Eine davon ist die Region Tuschetien, die an die Weinregion Kachetien grenzt. Dort erwartet Sie scheinbar unberührte Natur, authentisches Dorfleben und atemberaubende Ausblicke in den entlegenen Ecken des Großen Kaukasus, die an die russischen Regionen Dagestan und Tschetschenien grenzen. In der Nähe des Ortes Omalo befindet sich eine der gefährlichsten Straßen der Welt. Reisende sollten in dieser Gegend unbedingt auf einen guten Fahrer setzen und auf ein Mietauto und Straßenabenteuer auf eigene Faust verzichten. Die beste Jahreszeit für eine Reise durch Tuschetien ist Ende September. Dann haben Sie als Tourist die einzigartige Chance, gemeinsam mit den einheimischen Hirten den Viehabtrieb zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes mitzuerleben.

5. Die georgische Küche

Ein Reise-Guide für Georgien wäre nicht komplett, ohne auf die georgische Landesküche einzugehen. Außerhalb der Landesgrenzen immer bekannter wird die Teigspezialität Chatschapuri, die je nach Region auf unterschiedliche Weise zubereitet und serviert wird: In Megrelien etwa kommt das Brot, das an eine Pizza erinnert, mit Käsefüllung und zusätzlich mit Käse überbacken auf den Tisch. In der Gegend Adscharien ist das Chatschapuri eine Art „Teigboot“, das mit Käse gefüllt und kurz vor dem Servieren mit einem aufgeschlagenen Ei sowie einem Stück Butter zubereitet wird. Fleischliebhaber sollten bei einem Aufenthalt in Georgien unbedingt „Chinkali“ probieren: große Teigtaschen mit einer Mischung aus Schweine- und Rindfleisch. Zunächst schlürft man daraus den Fleischsaft, bevor man die Spezialität mit der Hand verspeist – der Teigzipfel wird aber nicht mitgegessen! In vielen Restaurants werden die Teigtaschen auch mit einer fleischlosen Füllung gereicht, die beispielsweise den landestypischen Käse „Sulguni“, Pilze oder Kartoffeln enthält.

Überhaupt kommen Vegetarier in Georgien nicht zu kurz und können verschiedenste Variationen von frischem, regionalem Gemüse und kaukasischen Kräutern kosten, etwa Auberginenröllchen mit Walnusspaste oder „Adjapsandali“, einen Gemüseeintopf mit Auberginen, Paprika, Tomaten und frischen Kräutern. Lediglich Veganer und Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) könnten in Georgien Probleme mit dem Essen bekommen: Die Georgier frittieren ihr Essen, etwa Spiegelei, Kartoffeln oder Brot, gerne in reichlich Butter und essen schon zum Frühstück deftig, zum Beispiel warmes Käsebrot.

DONNA-Tipp: Viele Guest Houses in Georgien bieten Kochkurse an, bei denen die Gäste selbst Chatschapuri, Chinkali und Co. zubereiten können. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um nach der Rückkehr von Ihrer Georgienreise mit kaukasischen Kochkünsten zu beeindrucken.

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