Inselhopping in der griechischen Ägais: Reisetipps für Andros und Tinos

Urlaub in Griechenland geplant? Es muss nicht immer Mykonos sein, denn auch die Kykladeninseln Andros und Tinos haben einiges zu bieten. DONNA Online zeigt, wieso diese unterschätzten Schönheiten eine Reise wert sind.

Hafen einer griechischen Kleinstadt auf einer Kykladeninsel

Versteckte Juwelen in der Ägäis: Andros und Tinos stehen bis heute im Schatten der Trendinsel Mykonos. Dafür gibt es jedoch gar keinen Grund.

Genauso wie Mykonos liegen auch Andros und Tinos nur wenige Fährstunden von Athen entfernt. Doch im Gegensatz zur beliebten Trendinsel scheinen die beiden anderen Kykladeninseln noch ein Geheimtipp zu sein. Dabei stehen sie ihrer Nachbarinsel Mykonos in nichts nach und bieten die perfekte Symbiose aus Strand und Kultur, Moderne und Tradition. Gleichzeitig ticken ihre Uhren auf angenehme Weise etwas langsamer – und selbst in der Hochsaison findet man Oasen der Ruhe. Reisen Sie mit DONNA Online auf die Kykladeninseln Andros und Tinos.

Andros: ursprünglich und wild

Andros ist die nördlichste und zweitgrößte Insel der Kykladen. Das rund 40 Kilometer lange und 16 Kilometer breite Eiland hat nicht nur eine lange Schifffahrtstradition, sondern überrascht auch mit seiner abwechslungsreichen Postkartenlandschaft: einsame Buchten, felsige Küsten und üppige Vegetation so weit das Auge reicht.

Das Wandern ist des Griechen Lust

Zwar wirkt die andriotische Landschaft auf den ersten Blick etwas karg, doch hat die Insel reiche Wasserreserven und ist fruchtbarer wie kaum eine zweite Kykladeninsel. Etlichen Wasserquellen entspringen in den höheren Lagen und tauchen die Täler in ein saftiges Grün. „Aufgrund des Wassers sind weite Teile der Insel das ganze Jahr über grün“, berichtet Ariana Masselou. Die naturverbundene Athenerin hat der Hauptstadt schon vor zehn Jahren den Rücken gekehrt und sich mit ihrem Unternehmen Trekking Andros selbstständig gemacht. Wanderfreunde sind bei Ariana genau richtig, denn sie kennt das 300 Kilometer lange Wegenetz der Insel wie keine andere. Mit ihr geht es durch kleine Wälder, grüne Täler, Schluchten mit fließendem Wasser, vorbei an den Leben spendenden Wasserquellen und etlichen Wassermühlen, die über die ganze Insel verstreut sind. Erst 2015 wurden die nach deutschen Standards ausgewiesenen und beschilderten „Andros-Routes“ mit dem Prädikat „Leading Quality Trails – Best of Europe“ ausgezeichnet.

DONNA-Tipp: Wandertouren mit Ariana Masselou (Trekking Andros), Wegenetz und Infos über Andros Routes

Wanderer läuft Wanderweg auf der Kykladeninsel Andros hinauf

Nichts für müde Knochen: Mit Trekking-Profi Ariana Masselou geht es einmal quer über die Insel.

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Ein Boot für den Naturschutz

Der Sommerwind Meltemi braust als natürlicher Ventilator um die Ohren, wenn Nikolaou Isidoros mit seinem Forschungsboot unterwegs ist. Nicht umsonst werden die Kykladen „Inseln der Winde“ genannt. Im Rahmen des EU-Projekts „Life Natur“ kümmert sich der gelernte Elektroingenieur neben seinem eigentlichen Job um den Vogel- und Umweltschutz auf Andros. Das Boot schippert gemächlich an der Küste entlang und gewährt einen einzigartigen Blick auf das wilde und einsame Andros. Anstatt die Aussicht zu genießen, schaut der Kapitän jedoch durch sein Fernglas und untersucht die Küste nach Nistplätzen und verletzten Vögeln. Teile der andriotischen Küste sind offiziell als Naturschutzreservat ausgewiesen – so auch das Gebiet um den Achla Beach. Diese Gebiete seien von hohem Wert für die Umwelt, so der Umweltschützer. Vier vom Aussterben bedrohte Vogelarten seien hier beheimatet. Einer davon ist der Eleonorenfalke. Von weltweit 16 000 verbleibenden Falken nisten 85 Prozent in der Ägäis, bevor sie im Winter nach Madagaskar ziehen. Der Rest halte sich in Spanien und Marokko auf. „Unser Projekt hilft nicht nur der Natur, sondern fördert auch den Umwelttourismus auf Andros“, erklärt Isidoros. Immer wieder gerne nimmt er interessierte Urlauber mit auf seine Beobachtungstouren.

DONNA-Tipp: Kostenlose Bootstouren mit Vogelbeobachtung legen am Hafen von Korthi ab, Anmeldung über LIFE Andros.

Forschungsboote des Naturschutz-Projekts Life Natur ankern in einem Hafen auf Andros

Wer auf die Suche nach dem seltenen Eleonorenfalken gehen möchte, ist bei Naturschützer Nikolaou Isidoros genau richtig. 

Lokale Küche bei Josef

Auch auf Andros sind lokale Küche und heimische Produkte auf den Speisekarten vieler Tavernen zu finden. So auch bei Katerina Remoundou im Tou Josef (Του Ζοζέφ) im kleinen Dorf Pitrofos. In Athen hat sich die deutschsprechende Griechin als Restaurant-Kritikerin einen Namen gemacht, heute kocht sie selbst für ihre Gäste – lokal und saisonal, einfach mit allem, was die Insel und ihr Garten hergeben. Das Restaurant, das mehr wie eine gemütliches Wohnzimmer aussieht, hat sie zu Ehren ihres Großvaters – dem besten Koch von Andros – „Bei Josef“ genannt. Neben Touristen und Griechen vom Festland hat sie vor allem Stammgäste. „Bei 10 000 Inselbewohnern kennt jeder jeden“, verrät die Köchin lachend. „Und Zeit für einen Schluck Ouzo oder eine lebhafte Diskussion haben hier auch alle.“

DONNA-Tipp: Rustikal, traditionell, aber sehr gemütlich und lecker ist es bei Katerina Remoundou im Tou Josef in Pitrofos. Unbedingt vorher reservieren.

Reichtum und Einsamkeit

Im Gegensatz zu Mykonos oder gar Naxos konnte sich Andros seine untouristische Ursprünglichkeit erhalten. Anstatt Touristen-Restaurants gibt es urige Tavernen, Souvenirläden gibt es kaum, einsame Strände dafür umso mehr. An manchen Stränden bieten kleine Bars kühle Getränke und Musik an, andere Buchten mit Stränden sind wiederum nur per Boot oder über unbefestigte Straßen zu erreichen und dementsprechend menschenleer: Achla, Zorkos, Ateni, Vitali oder Grias to Pidima („Der Sprung der Alten Dame“) mit der imposanten Steinsäule, die aus dem Meer ragt.

Wie das möglich ist? Die Antwort der Einheimischen: Andros war eine sehr reiche Insel und daher nie auf den Tourismus angewiesen. Grund dafür ist die nautische Vergangenheit und die vielen reichen Seefahrerfamilien. Im Hauptort Chora (Andros-Stadt) ist dieser Reichtum bis heute spürbar: Brunnen und Pflasterstraßen aus Mamor, stattliche Häuser reihen sich an neoklassizistische Gebäude – errichtet mit dem Wohlstand der Seefahrer vor über einem Jahrhundert.

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Ausblick auf Chora, die Hauptstadt der Insel Andros

Ausblick auf die Inselhauptstadt von Andros, die auf den griechischen Inseln meist „Chora“ genannt wird (dt. „zentraler Ort“).

Foros, die unterirdischen Höhlen von Andros

Eine eher unbekannte und doch ganz besondere Sehenswürdigkeit ist die rund fünf Millionen Jahre alte Höhle von Foros bei Alanidou. Mit Helm und Taschenlampe geht es hinab in die fünf unterirdischen Räume, von denen nur vier zugänglich sind. Stalaktiten, Stalagmiten, Marmor und Kalkstein bilden bizarre Gesteinsformationen – ein beeindruckendes Beispiel dafür, welche Wunderwelten Mutter Natur unter der Erde versteckt hält.

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Tinos: authentisch und anmutig

Auch die Insel Tinos gehört mit ihren 30 mal 15 Kilometern zu den größeren Kykladeninseln. Aufgrund ihrer Lage zwischen Andros und Mykonos ist sie sowohl von Norden als auch Süden schnell und einfach erreichbar. Laut der griechischen Mythologie lebte auf Tinos einst der Windgott Aiolos. Ein Zeichen für die Echtheit dieser Legende könnte der bis heute recht häufig und stark blasende Sommerwind Meltemi sein. Die Schönheit der Insel leidet darunter aber keineswegs: Buchten und einsame Strände mit tiefblauem Wasser, in den Hang gebaute, schmucke Dörfer im typischen Weiß-Blau Griechenlands, bizarre Mondlandschaften und künstlerische Minischlösser schmücken die Kykladeninsel.

Kleine Bucht mit weiß-blauem Denkmal auf der Insel Tinos

Neben der berühmten Heiligenikone der Jungfrau Maria sind noch unzählige weitere Denkmäler, Kirchen und Kapellen auf der ganzen Insel verstreut.

Die heilige Insel Tinos

Dass Tinos bekannter ist als die Nachbarinsel Andros hat einen guten Grund: Die Insel beherbergt die wichtigste Marien-Wallfahrtsstätte Griechenlands und gilt auch als das „Lourdes der Ägäis“. Zu Mariä Himmelfahrt (15. August) strömen mehrere zehntausende Gläubige in die Wallfahrtsbasilika der Gottesmutter (Panagia Evangelistria) in Chora (Tinos-Stadt), um die wunderumwobene Heiligenikone der Jungfrau Maria zu berühren und zu verehren. Für viele griechisch-orthodoxe Christen ist diese jährliche Pilgerfahrt im August ein absolutes Muss. Einige Gläubige bestreiten den Weg vom Hafen hinauf zur Kirche sogar auf den Knien. Wundervoll ist Tinos aber nicht nur wegen seiner Marienikone. 750 weitere katholische und orthodoxe Kirchen sowie Kapellen sind über die ganze Insel verteilt.

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Tinos geht durch den Magen: Louza und Nissos-Bier

Neben Olivenöl und Käse nehmen auch Wurstwaren einen wichtigen Teil in der griechischen Küche ein. Eine Spezialität der Insel Tinos ist „Louza“, ein pikant gewürztes und anschließend 14 Tage luftgetrocknetes Stück vom Schweinefilet. Dieses griechische Pendant zum italienischen Prosciutto schmeckt am besten mit einem lokalen Weißwein oder einem Nissos-Bier (ΝΗΣΟΣ). Das erst 2012 ins Leben gerufene, tinische Bier hat als erstes griechisches Bier einen Platz auf dem Siegertreppchen beim internationalen „European Beer Star“-Wettbewerb ergattert. Diese Auszeichnung richtet sich gezielt an Brauereien aus aller Welt, die sich der traditionellen, europäischen Brauart verschrieben haben. Mit ihrem nach böhmischer Art gebrauten Pilsner gewann die tinische Brauerei Nissos 2014 die Silbermedaille und exportiert seitdem auch über die Landesgrenzen hinaus.

DONNA-Tipp: Besuch der Nissos-Bierbrauerei (ca. fünf Autominuten von Tinos-Stadt entfernt).

Bierflaschen stehen auf der Theke in der Nissos-Brauerei auf Tinos

Nissos: Schön würzig, recht hopfig, aber insgesamt ein frisches, unpasteurisiertes Bier.

1001 Minischlösser für Tauben

Wenig bekannt ist, dass auf den Kykladen jahrhundertelang Tauben gezüchtet wurden. Eindrucksvolle Beweise dafür sind die auf der ganzen Insel verstreuten Taubenschläge (gr. Peristeriones). Mehr als 1000 mehrstöckige Taubentürme – besser gesagt Taubenpaläste – gibt es heute noch auf Tinos. Strahlend weiß, reichlich verziert mit geometrischen Figuren, manchmal etwas mitgenommen von Zeit und Wetter sind sie außerhalb der Ortschaften in die Landschaft hineingestreut. Die ersten dieser Minischlösschen mit ihren zierlichen Ecktürmchen wurden von den Venezianern erbaut. Über 500 Jahre beherrschten sie die Kykladeninsel (1207-1715) und schätzten Tauben als Briefboten und Delikatesse. Obwohl das Taubenzüchten mittlerweile nicht mehr so populär ist, werden einige der schmucken Häuschen aber auch heute noch von Tauben bewohnt und gelten als Wahrzeichen der Insel.

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Die Bildhauer von Pyrgos

Der Legende nach soll der antike Bildhauer Phidias die Kunst der Bildhauerei auf die Insel gebracht haben. Wenn man sich auf Tinos umsieht, hat man daran keine Zweifel: Häuser, Kirchen, ja ganze Dörfer sind mit Elementen aus Marmor versehen. Besonders in und um Pyrgos, einem 400-Seelen-Dorf im Nordwesten der Insel reihen sich ein Museum für Marmorkunst, eine Bildhauerschule (seit 1955), zahlreiche Galerien und Werkstätten von Marmorbildhauern aneinander. Der Grund dafür ist der naheliegende Marmorsteinbruch, in dem noch heute weißer und grauer Marmor abgebaut werden. Er bestimmt seit vielen Jahrzehnten das Leben im Dorf – so auch das von Petros Marmarinos. In seinem Freiluftatelier führt er in die Kunst der Bildhauerei ein. Mit Hammer und Meißel beginnt der Künstler, eine erste feine Linie in den weißen Marmorblock zu schlagen. Ein Kraftakt, der so einfach aussieht. Steinspäne fliegen. Aus dem Steinblock soll ein Fisch entstehen. „Wenn ich nicht aufpasse und der Stein springt, war die ganze Arbeit umsonst und ich muss mit einem anderen Marmorblock von vorne anfangen“, erklärt Marmarinos. In seiner Galerie bietet der Künstler neben Fischen auch Tischplatten, Skulpturen, Schalen und Figuren wie Schiffchen oder schneeweiße Täubchen an. Gleichzeitig erfüllt Pyrgos alle Klischees eines typisch griechischen Dorfes: weiße Häuser, blaue Fensterläden und blühende Oleander – das perfekte Fotomotiv.

Kleine Gasse mit weißen Fassaden und blauen Türen auf der Insel Tinos

Typisch griechisch: weiße Fassaden, blaue Türen und Fenster.

Anreise: Aegean und Lufthansa fliegen mehrmals täglich von Deutschland nach Athen. Von dort mit Bus oder Taxi zum Hafen von Rafina, wo Golden Star Ferries nach Andros und Tinos ablegen. Die Alternative ist ein Direktflug zur Nachbarinsel Mykonos. Von dort aus braucht die Fähre keine halbe Stunde nach Tinos. 

Unterkunft: Große Hotelkomplexe sucht man auf den Inseln vergeblich. Dafür gibt es zahlreiche kleine, familiengeführte Hotels: Anemomiloi Hotel auf Andros und Aeolis Tinos Suites auf Tinos.

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde unterstützt von Discover Greece.