La belle Bretagne: 12 Gründe für eine Reise in die Region um Morlaix

Mit einer genialen Mischung aus mildem Klima und frischem Wind, ruhigen Stränden und kleinen Gassen voller Trubel hat die Region um Morlaix das Zeug zur Lieblingsecke. DONNA liefert zwölf Gründe, warum wir die Bretagne bald erkunden sollten.

 

Häuser und Schiffe in der Bucht von Morlaix

Von Roscoff bis zur Pointe de Primel – die Landschaft der Bucht von Morlaix ist unglaublich vielfältig und voller kleiner Inseln. 

Bei dem Wort Bretagne denken viele an Norden, an Kälte und Gischt. Wer sich mit solchen Bildern im Kopf aufmacht gen Morlaix, wird überrascht sein: Denn diese Region liegt südlicher als Paris, wird vom Golfstrom gewärmt und hat sich glücklicherweise ihr ganz eigenes, charmantes (und sehr französisches) Naturell bewahrt. Sicher, es gibt frischen Wind. Und das Meer wird auch im Sommer nicht so warm, dass man ewig drinbleiben möchte. Aber nirgends sonst kommt man so zur Ruhe wie hier. Nach zwei, drei Tagen sind Sorgen und Eile vergessen, die Entschleunigung ist da. Was man anzieht? Egal. Ausflüge? Ganz nach Laune. Einfach nur die wunderbare Meeresbrise einatmen, durch die Felder stapfen und seinen Gedanken nachhängen? Unbedingt. Und wenn Sie dann doch Lust auf Unternehmungen bekommen: Wir hätten da ein paar tolle Ideen ...

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1. Der Zaubergarten

Was für ein Glück, dass sich ein Pariser Geschäftsmann vor 120 Jahren auf die vorgelagerte Insel namens Île de Batz begab – und dort seltene Pflanzen entdeckte, offenbar hatten Seefahrer aus aller Welt Samen zurückgelassen. Georges Delaselle vefiel sofort dem Reiz dieses Ortes und begann, alles umzukrempeln: Er ließ Dünen aufschütten, legte Bewässerungsgräben an und terrassierte Hänge. 1918 zog er von Paris auf die Insel, sie war die Liebe seines Lebens geworden. Neben dem Palmengarten gestaltete er einen Bereich für Gräser und Südseepflanzen und entdeckte eine Grabkammer aus der Bronzezeit. Nach Delaselles Tod 1944 verkam der Garten zum Dickicht, heute ist wieder alles bestens und liebevoll gepflegt – und bietet rund 2500 Pflanzenarten. Atemberaubende Blickachsen, wildromantische Palmen-Ensembles, Duft-Impressionen und Meeresrauschen – wer dann noch auf dem Aussichtspunkt am Südzipfel des Parks steht, wird Delaselle aus tiefstem Herzen danken. jardin-georgesdelaselle.com

2. Der beste Inselführer

Halten Sie am Anleger der Île de Batz Ausschau nach einem blauen Kleinbus-Taxi – oder nach einem ansteckenden Lachen: Fabrice Cabioc’h bringt nicht nur Ihr Gepäck zum Hotel, der Bretone hat auch sämtliche Zahlen und Sehenswürdigkeiten „seiner“ Insel im Kopf. Auf Wunsch macht er eine Tour zum Park (siehe 1) oder zum Leuchtturm und erzählt dabei allerhand Anekdoten. Ehrensache, dass er Sie am letzten Tag zum Hafen bringt. Tax’ile: 00 33 6 09 45 23 64

3. Der legendäre Leuchtturm

Die winzige Île Noire in der Bucht von Morlaix mit ihrem heute verlassenen Leuchtturm stand Pate für einen Comic: Der belgische Zeichner Hergé ließ schon 1937 seine Helden Tim und Struppi hier Abenteuer erleben. Unser Tipp: den Band auf Französisch kaufen („L’Île Noire“) und die Vorfreude genießen.

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4. Das Insel-Hotel

Wer mit der Fähre von Roscoff auf der Île de Batz anlegt, trifft direkt auf dieses hübsche Hotel – von der Terrasse oder dem Wintergarten des „Les Herbes Folles“ aus überblickt man bestens, was am Bootsanleger los ist. Hat man genug gesehen, checkt man in eines der zehn Zimmer ein oder erkundet die Gegend per Fahrrad. Eine Umrundung zu Fuß dauert zwei Stunden – oder länger. Weil man garantiert einen Badestopp an einem der hübschen Sandstrände einlegt. Tipps dafür kann man sich bei Hotelbesitzerin Anne Diraison holen. hotel-iledebatz.com

Tourist in einer Straße mit Steinhäusern in Roscoff

Von der alten Korsaren-Stadt Roscoff legt die Fähre zur Île de Batz ab.

5. Die perfekten Austern

Diese prämierten Meeresschätze aus der Bucht von Morlaix zählen zu den besten Frankreichs – weil das Wasser hier noch richtig sauber ist. Die Zucht von Catherine Alvado erstreckt sich auf zehn Hektar an der Küste entlang, natürlich packt sie selbst mit an. Ihre Austern werden täglich am Hafen von Ténérez verkauft. Catherines Tipp: die Meeresfrüchte ganz pur, also ohne Zitrone oder Essig genießen. huitres-de-sterec.fr

6. Die alte Tabakmanufaktur

Diesen imposanten Gebäudekomplex am Jachthafen von Morlaix gab Louis XV vor rund 250 Jahren in Auftrag. Bis 2003 wurden hier noch die typisch bretonischen Zigarren mit dem gallischen Helm hergestellt, dann kehrte in den Hallen Stille ein. Heute sucht die riesige, teilweise leer stehende „Tabakkathedrale“ nach ihrer neuen Identität, 2019 soll sie naturwissenschaftlich-technisches Kulturzentrum werden – und zieht bis dahin Künstler an. Infos: morlaix-communaute.bzh

7. Der Rhythmus des Wassers

Wer den Badeort Carantec zwischen Morlaix und Roscoff besucht, kann die Macht von Ebbe und Flut studieren: Alle sechs Stunden steigt das Wasser und lässt die Sandstraße verschwinden, die diese Gemeinde mit der hübschen Île Callot verbindet. Wer erst mal auf der Mini-Insel ist, freut sich, dass dort nur landwirtschaftliche Fahrzeuge erlaubt sind und man zu Fuß unterwegs sein kann. An Artischockenfeldern entlangstreifen, am Strand liegen und die Stunden verstreichen lassen – und dann wieder mit Blick auf die Gezeiten (z. B. mithilfe der App „Gezeiten Gratis“) zurück. Denn es gibt hier zwar eine Kirche und ein paar Häuser, aber keine Bars oder gar Hotels. ville-carantec.com

Luftaufnahme der Île Callot in der Bretagne

Gegenüber dem Hafen von Carantec liegt die Gezeiteninsel Île Callot. Bei Ebbe ist sie über eine sogenannte „Tauchstraße” zugänglich.

8. Die Luxus-Jacht

Eine Brücke aus Teakholz, ein mondänes Sonnendeck und ein vertäfelter Salon mit einem Tisch für zehn Gäste – die „Marinae II“ liegt in der Bucht von Morlaix und verführt dazu, ein paar Nächte auf dem Wasser zu verbringen. Die Motor-Jacht bietet den Glamour der Siebziger: Die verglasten Fensterfronten servieren Meerblick pur (auf Wunsch mit einer Flasche Champagner), und in den Doppelbetten schläft man wie ein Baby. Auf Reservierung begleitet der Eigner seine Gäste auch zu Angeltouren. marinae-location.com

9. Das Bistro mit Geschichte

Ist die Zeit stehen geblieben am Place des Otages in Morlaix? „Le Grand Café de la Terrasse“ atmet Stil und Geschichte: hohe stuckverzierte Wände, eine prächtig bemalte Decke, Thonet-Stühle mit roten Bezügen, Tischchen, an denen Café au Lait oder ein eisgekühlter Cidre serviert wird (und natürlich auch Lunch-Gerichte). Hier treffen sich Einheimische und Touristen zu jeder Tages- und Nachtzeit, spielen Karten oder diskutieren über Politik. Die junge Inhaberin Caroline Lambel-Grill hat die ehemalige Brasserie von 1872 mit ihren Brüdern Jean-Marie und Olivier neu aufgezogen und mit zeitgemäßem Esprit ausgestattet. Le Grand Café de la Terrasse, sonntags geschlossen.

10. Der Wein-Tempel

Wer mit gerade mal 21 Jahren eine Vinothek eröffnet, muss sehr mutig oder sehr verrückt sein. Chloé Rumayor ist beides. Meist trägt die heute 25-Jährige Schwarz, vielleicht damit nichts ablenkt von ihrem Können: in Roscoff und weit darüber hinaus die besten internationalen Weine ins Gespräch zu bringen. Chloés Mutter serviert dazu köstliche Tapas, anfangs hielten die Kunden sie für die Chefin. „Aber wenn Chloé anfängt, von Wein zu erzählen, ist sofort klar, wer den Durchblick hat“, lacht sie. Inzwischen ist „La Route des Vins“ mit Live-Musik und Hafenblick ein kleiner Kultur-Hotspot geworden. 33, Rue Amiral Courbet.

11. Das Hafen-Hotel

„Chez Janie“ ist das perfekte kleine Hotel für charmante Sommerfrische. Direkt am lebendigen Hafen von Roscoff war das Haus einst die letzte Station der bretonischen Bauern, bevor sie ihre berühmten roten Zwiebeln auf Schiffen nach England auslieferten. Fünf Minuten sind es vom Hotel bis zum Strand, auch bei Regenwetter sprüht das Gastgeberpaar Hélène und Jean Marie Chapalain vor Ausflugstipps. Vom Restaurant in der ersten Etage aus genießt man zu prachtvoll gefüllten Artischocken einen Panoramablick auf die ursprüngliche Promenade. chezjanie.fr

12. Die Küsten-Küche

François Abjean stammt aus Léon, einem kleinen Ort an der französischen Westküste. Der Küchenchef ist also mit Seeluft und Meeresschätzen aufgewachsen. Sein Restaurant in Roscoff nannte er charmanterweise „Les Alizés“ (Passatwinde). Hier nimmt er seine Gäste mit auf Streifzug durch die ehrliche, aber feine Küsten-Küche. Carpaccio von der geräucherten Lotte oder Duo aus fangfrischen Scampi und Austern? Zum Dessert auf jeden Fall den Schokokuchen mit Karamellsauce probieren! les-alizes-roscoff.com

Infos: Anreise am besten mit dem Auto. Flüge ins 40 Minuten entfernte Brest mit Zwischenstopp Paris gibt’s u.a. von Air France, der TGV hält direkt in Morlaix auf der Route Paris-Brest. Ferienhäuser und Appartements vermittelt die Tourist-Info unter tourisme-morlaix.bzh Die Stadt Morlaix erkundet man am besten per Rad (Mieträder z.B. beim Fremdenverkehrsamt), wer Lust auf längere Touren außerhalb hat, wählt die sogenannten „Voie Vertes“-Routen. Beste Reisezeit: Das Wetter in der Nordbretagne ist ganzjährig unberechenbar – Sonne und Wolken wechseln oft, auch Regen verzieht sich schnell. Ab Mai lässt es sich gut wandern, beliebteste Monate sind Juli und August.

Autorin: Marie Le Goaziou