Urlaub in Rumänien: Deshalb lohnt sich eine Reise in das Balkanland

Bislang war Rumänien vor allem für Individualtouristen ein attraktives Reiseziel – doch das wird sich bald ändern. Denn das Karpatenland lädt mit unberührten Berglandschaften, der Metropole Bukarest und großer Gastfreundlichkeit zum Urlauben ein. Hier lesen, weshalb Sie Rumänien auf Ihre „Bucketlist“ setzen sollten.

Straßenecke um den Calea Victoriei Boulevard in der Bukarester Altstadt mit einem auffälligen Eckgebäude mit Türmchen

Einen Hauch des alten Paris versprüht die Bukarester Altstadt, wie hier am Calea Victoriei Boulevard. Aber auch auf entlegeneren Pfaden fernab der Hauptstadt hat Rumänien als Reiseland einiges zu bieten.

Rumänien ist weitaus mehr als nur die Heimat schauriger Vampirgeschichten – das wissen Individualreisende schon länger. Doch das Karpatenland landet allmählich auch immer mehr auf dem Reiseradar anderer Urlauber. Noch bleibt der große Touristenansturm Rumänien zwar fern, doch das könnte sich schon bald ändern. Unsere Prognose: Spätestens 2020 wird Rumänien auf der Liste der heißbegehrten Trend-Reiseziele stehen. Sie brauchen noch mehr Gründe, weshalb Sie das Balkanland demnächst besuchen sollten? Hier kommen schlagende Argumente und die besten Reisetipps für das unterschätzte Urlaubsziel:

Trend-Reiseziel Deutschland: Die schönsten Orte für „100 Jahre Bauhaus“

Bukarest: Das „Paris des Ostens“

Wussten Sie, dass Bukarest die siebtgrößte Stadt der EU ist und eine der größten in Osteuropa? Mit rund 1,84 Millionen Einwohnern (Stand 2016) liegt die Metropole nur knapp hinter Wien. Und auch mit anderen Superlativen kann Bukarest auftrumpfen. Hier steht das größte Gebäude Europas, der Palatul Parlamentului, (Parlamentspalast). Erbaut wurde er von Nicolae Ceauşescu, der das Land von 1965 bis 1989 regierte. In dieser Zeit ersetzte der berüchtigte Diktator historische Gebäude mit gigantischen Bauten des „Sozialistischen Klassizismus“, den Josef Stalin im sozialistischen Partnerland mit ähnlich überdimensionierten Bauprojekten umsetzte. Der Palatul Parlamentului umfasst eine Gesamtfläche von 65 000 Quadratmetern und 3000 Zimmer. Rund 40 000 Bukarester mussten für das Wahnsinnsprojekt ihre Wohnhäuser räumen, das nach dem Pentagon das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt ist. Für Einheimische ist das Gebäude das zementierte Denkmal für den einstigen Tyrann, für Touristen dank einer Aussichtsplattform mit Panoramasicht allemal einen Besuch wert.

Bukarest-Liebhaber kommen aber nicht nur deshalb in die Stadt, die auch als „Paris des Ostens“ gehandelt wird. Die architektonischen Highlights lassen den Glanz des alten Europa erahnen: Gebäude für Gebäude reihen sich die Baustile unterschiedlicher Jahrzehnte aneinander. Neoklassik neben Neogotik, rumänische Moderne mit graffitibesprühten Fassaden neben Bauten des sozialistischen Klassizismus. Für einen Rundgang durch die Jahrhunderte lohnt sich ein Abstecher in die Strada Lipscani (Leipziger Straße), die gefüllt mit Cafés, Restaurants und Bars auch ausreichend Optionen für eine Snackpause bietet. Eine kleine Zeitreise erlebt man in einer der glamourösen Einkaufspassagen, etwa der Macca Villarosse Passage, die mit prächtig gestalteten Glasfenstern ein tolles Fotomotiv ist.

Perfekt zum Flanieren nach einer reichhaltigen rumänischen Mahlzeit – etwa Musaca, einem Auberginenauflauf mit Hackfleisch – ist der über 17 Hektar große Cișmigiu-Garten. Der Grundstein für die Parkanlage wurde bereits 1798 gelegt, was ihn zum ältesten Park der Stadt macht. Im Winter kann man auf einem der beiden Seen Schlittschuh laufen, im Sommer gibt es einen Bootsverleih.

Viele Gebäude, die einst in architektonischem Glanz erstrahlten, sind jetzt heruntergekommen und halb verfallen. Andere wurden in den letzten zehn Jahren aufwendig restauriert. Bis heute hat Rumänien mit Regierungskorruption zu kämpfen, die Kluft zwischen Armut und Reichtum innerhalb der Gesellschaft ist immens. Aus dieser Situation heraus entwickelte sich eine ausgeprägte Kultur- und Kreativszene, die vor allem von jungen Rumänen angetrieben wird. Für einen Besuch von Kunstgalerien, Konzerten, Workshops und kulturellen Events lohnt es sich daher, mindestens einen ganzen Tag in der Metropole einzuplanen.

Tokio: Die besten Reisetipps für die japanische Metropole

DONNA-Tipp: Für köstliche Kuchen und Torten lohnt es sich, ins Café Rue du Pain, für eine hippe Atmosphäre und Third Wave Coffee ins Origo einzukehren. Traditionelle rumänische Hausmannskost in ungewöhnlicher Umgebung zwischen rustikalem Holz und Fresken bietet die Bierhalle Caru cu Bere.

Salida Turda: Freizeitvergnügen im Salzstollen

Blick von oben auf einen Teil des Vergnügungsparks Salina Turda in einem ehemaligen Salzbergwerk in Rumänien

Ein geheimer Bunker der Regierung für Waffentests? Fehlanzeige! Dieser ungewöhnliche Anblick eröffnet sich Besuchern des rumänischen Vergnügungsparks Salida Turda, der in einem ehemaligen Salzbergwerk angelegt wurde.

Ein Vergnügungspark unter der Erde? Ja, auch das gibt es in Rumänien. Die vier Salzstöcke des ehemaligen Salzstollens Salida Turda nahe der Stadt Cluj-Napoca wurden zwischen 2008 und 2010 umfassend saniert und umgebaut. Seither dient das Salzbergwerk als ungewöhnlicher Freizeitpark mit Tischtennis, Minigolf und Fußball, einem Panorama-Aufzug, Karussell und Bootsverleih – 120 Meter unter der Erde. Das weltgrößte Salzminenmuseum hinterlässt bei Besuchern einen bleibenden Eindruck.

Rumänien und Freizeitvergnügen, das bedeutet für viele Touristen Gruselspaß und Dracula. Dabei bewohnte Fürst Vlad III. Drăculea, das historische Vorbild für den prominenten Blutsauger, das heute als Dracula-Schloss bekannte Anwesen tatsächlich nie selbst. Die historische Festung des Fürsten ist zur Ruine verkommen. Seinen blutrünstigen Ruf erhielt der einstige Herrscher übrigens durch die Vorliebe, seine Feinde auf Holzpfählen aufzuspießen. Trotz dieser Vorgeschichte lockt das idyllisch gelegene Schloss Bran in Siebenbürgen zahlreiche Touristen an, die sich dort auf die vermeintlichen Spuren des Kultvampirs begeben. Dank seiner malerischer Lage und sagenhafter Aussicht auf das umliegende Tal lohnt sich der Besuch aber dennoch, anschließend sind umliegende Städtchen wie das 50 Kilometer entfernte Sinaia ein lohnenswerter Stop auf der weiteren Reiseroute. Dort befindet sich Pelișor, die einstige Sommerresidenz von König Pele, der als erster Regent über Rumänien herrschte.

Im Reisefieber? Deshalb lohnt sich eine Reise in Rumäniens Nachbarland Moldawien

Bucovina, Donaudelta & Co.: Vielseitige Outdoor-Möglichkeiten

Rumänien gilt als Traumreiseziel für Outdoor-Begeisterte und Naturliebhaber: Allen Regionen voran Siebenbürgen, auch bekannt als Transsylvanien, bietet scheinbar unberührte Landschaften, atemberaubende Gebirgszüge und ausreichend Optionen für ein ausgiebiges Freizeitprogramm im Grünen. Wer gerne abseits der typischen Touristenrouten wandert, wird in dem Karpatenland vielerorts fündig. Jedoch ist es aufgrund der teilweise schlechten Straßenverhältnisse und dem waghalsigen Fahrstil vieler Einheimischer ratsam, statt auf ein Mietauto auf eine geführte Tour zu setzen. Von Siebenbürgen aus gelangt man über den Tihuța-Pass in die historische Region Bucovina, die teils zur Ukraine und teils zu Rumänien gehört. Dort thronen in einem Meer aus Bäumen die Pietrele Doamnei. Die „Frauenfelsen“, eine ungewöhnliche Felsformation, eignen sich gut als Ziel für eine Tageswanderung, die mit einem spektakulären Ausblick über das umliegende Tal belohnt wird.

An der Mündung zum Schwarzen Meer ist das Donaudelta (Delta Dunării) ein beliebtes Reiseziel: Hier können Sie das beeindruckende Biosphärenreservat bei einer Bootsexkursion befahren. Die einzige Stadt im Delta ist Sulina, alle Siedlungen und Dörfer können nur per Boot erreicht werden. Im Sommer besiedeln Angler die Gegend, Aktivurlauber können das riesige Gebiet mit einem gemieteten Kanu oder Kayak auf abenteuerliche Weise erkunden. Mit mehr als 300 einheimischen Arten ist das Donaudelta auch für Hobby-Ornithologen einen Besuch wert.

3 Top-Reiseziele für Outdoor-Fans und Aktivurlauber

Rumänische Orthodoxie: Holzkirchenkunst in den Maramureș und Moldauklöster

    Traditionelle rumänisch-orthodoxe Holzkirche in der Maramures Region in den Karpaten

    Die rumänische Orthodoxie ist berühmt für ihre prächtigen Holzkirchen in der Region Maramureș, die in jahrhundertelanger Tradition erbaut und restauriert wurden.

    Wer in der Bucovina neben Outdoor-Aktivitäten auch ein wenig Kultur einplanen möchte, kann die rumänisch-orthodoxen Moldauklöster in der südlichen Bucovina besuchen, die Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sind. Die rumänisch-orthodoxe Kirche ist bekannt für ihre reich verzierten Kirchen mit jahrhundertealten Fresken, ungewöhnlicher Architektur und bis heute gelebter religiöser Tradition.

    Bei einer längeren Rumänienreise sollten Sie das berühmteste Beispiel der rumänisch-orthodoxen Kirchenkunst nicht verpassen: Im Kreis Maramureș im nördlichen Teil von Siebenbürgen, der Nordrumänien mit der Westukraine verbindet, befindet sich die wohl ursprünglichste Region des Landes, in der kunstvoll gebaute Holzkirchen stehen. Sie wurden von Bauern und Handwerkern nach jahrhundertealter Tradition erbaut und aufwendig restauriert. Ein Highlight, das nicht nur religiöse Besucher begeistert.

    DONNA-Tipp: In den Maramureș gehören insgesamt 60 Holzkirchen seit 1993 und 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auf speziellen Exkursionen können Sie die schönsten Exemplare besuchen und die Vielfalt der rumänischen Holzbaukunst kennenlernen.

    Reisen auf Gleisen: Die 15 schönsten Zugstrecken der Welt

    Reise in die Vergangenheit: Rumänische Folklore

    In Zeiten von Smartphones, künstlicher Intelligenz und zunehmender Technisierung ist ein Urlaub in Rumänien zugleich eine kleine Zeitreise: Wer die moderne Hauptstadt Bukarest für einen Roadtrip durch das Land verlässt, wird schnell Pferdekutschen, traditioneller Tracht und abgelegenen Dörfern begegnen. Rumänien ist ein armes Land, in dem vor allem die Bewohner ländlicher Gegenden mit für Deutschland mittelalterlichen Methoden Landwirtschaft betreiben. Zugleich kommen Besucher nicht selten in den Genuss der rumänischen Folklore: Frauen und Männer in farbenfrohen, handgearbeiteten Trachten, traditionelle Holzschnitzkunst, Webkunst und Keramik, Musik und Tanz mit Dudelsack, Trommel und Laute. Bis heute hat sich die traditionelle Folklore in Rumänien erhalten und macht eine Reise in das Balkanland erst komplett.

    Reiseinfos für Rumänien im Überblick:

    • Visum/Dokumente: Rumänien ist seit 2007 Mitglied der Europäischen Union, daher benötigen EU-Bürger für die Einreise lediglich ein gültiges Ausweisdokument wie Personalausweis oder Reisepass.
    • Anreise: Alle großen deutschen Flughäfen bieten Direktflüge nach Rumänien an, zum Beispiel direkt nach Bukarest, Constanta, Arad oder Satu Mare. Alternativ fährt der Busanbieter Eurolines von Deutschland nach Rumänien, unter anderem vom Hauptbahnhof München aus gibt es direkte Zugverbindungen nach Rumänien. Bei der Anreise mit dem Auto sollten Sie bedenken, dass in Rumänien Mautgebühren fällig werden.
    • Währung: Bislang ist Rumänien kein Teil der Eurozone, die Landeswährung ist Leu (Plural: Lei). Vor Ort gibt es Wechselstuben – hier sollten Sie die Angebote vergleichen und idealerweise nicht gleich in die erste Wechselstube an Flughafen oder Bahnhof geben, da diese meist schlechtere Wechselkurse anbieten.
    Mehr zum Thema: