Starke Frauen im August

Mit Flüchtlingsfrauen (Mode-)Trends setzen, Hackern die Stirn bieten, für die Schwächsten twittern – vier Vorbilder mit Kampfgeist im August.

Cybersicherheitsexpertin Laura Galante bei einem TED Talk

Cybersicherheitsexpertin Laura Galante kämpft in großem Stil gegen kriminelle Hacker.

Die Netz-Kriegerin: Laura Galante

Okay, wenn man Laura Galante so sieht und von ihrem geheimnisumwobenen Job hört, gerät man in Versuchung, an ein Bond-Girl zu denken. Sie ist nun mal hollywoodschön und ihr Arbeitsfeld abenteuerlich. In einem 007-Film würde die 31-jährige Amerikanerin die Jungs an ihrer Seite aber locker ausbremsen: Laura Galante ist Cybersicherheitsexpertin.

Was sich hinter dem sperrigen Wort verbirgt: Als „Global Intelligence“-Agentin führt sie Geheimaufträge für Regierungen aus und wirft sich für die Guten gegen die Bösen in die Schlacht. Mit ihrer Computersicherheitsfirma nahe Washington durchkämmt sie täglich gewaltige Mengen elektronischer Daten. Und filtert heraus, wie Kriminelle, Freaks oder auch Regierungen versuchen, sich Macht über andere Länder und Großkonzerne zu verschaffen.

Was sie antreibt? „Ich fand es immer schon faszinierend, wie Staaten und Individuen Macht ausüben, ob durch Einfluss oder Bedrohung“, erzählt Galante. Seit neun Jahren, nach einem Politik- und Jurastudium und während einer Anstellung als Cyberanalystin im amerikanischen Verteidigungsministerium, befasst sie sich mit Spionage, Sabotage und Destabilisierung über Computer, Tastaturen und Glasfaberkabel. Mit ihren Teams hat sie chinesische Wirtschaftsspione und russische Hackertruppen überführt.

Dass seit Donald Trumps Amtsantritt „eine vergiftete Atmosphäre“ im eigenen Land Einzug gehalten und ihre Arbeit nicht leichter gemacht hätte, sagt sie unverhohlen. Über die Gefahren für ihre eigene Sicherheit als Kämpferin im Cyberwar mag sie dagegen nicht sprechen. Lieber darüber, dass sie auch ein Leben abseits des unsichtbaren, digitalen Krieges genießen kann. Mit Mann und vierjährigem Sohn auf der kleinen Familienfarm mit eigenen Dressurpferden. Fernab, so Galante, „von menschlichem Zynismus“.

Noch mehr starke Frauen, die uns im Juli begeistert haben.

Modedesignerin Claudia Frick in ihrem Atelier

Claudia Frick (Mitte links) und Nicole von Alvensleben mit ihrem Team Näherinnen.

Stilvolle Integration: Claudia Frick

Hinter einem tollen Frauenprojekt kann auch die Idee eines Mannes stecken. Bei Claudia Frick, 44, war es der Vorschlag ihres Liebsten. Die Modedesignerin plagte sich mit dem Umstand, dass hierzulande Schneiderwerkstätten für kleine Produktionen nahezu ausgestorben sind. Gemeinsam mit Freundin Nicole von Alvensleben, 48, Oxford-Absolventin mit Expertise im Social Entrepreneurship, wollte sie eine Schneiderei für Start-up-Labels gründen.

„Macht doch was mit Flüchtlingsfrauen“, meinte Claudias französischer Freund eines Abends. Gut anderthalb Jahre später hat das Frankfurter Jungunternehmen Stitch by Stitch nun eine Reihe kleiner Modekunden zwischen Hamburg und München. Und sechs Näherinnen aus Syrien,Afghanistan und dem Iran zeichnen und sticheln dafür in Claudias und Nicoles Atelier, ernähren so zum Teil ihre ganze Familie. Neun Euro bekommen sie pro Stunde, etwas mehr als den Mindestlohn.

Das Land Hessen will das Social Business demnächst unterstützen. Nächstes Jahr soll es Gewinn abwerfen, bis zu 15 Asylsuchende beschäftigen. Derzeit verbringen die Gründerinnen noch viel Zeit damit, den Frauen auch bei Sprachkurs, Arztbesuch oder Behördenkram zu helfen. Iman, Reyhane und die anderen danken es ihnen mit viel Empathie. Frick erzählt: „Wenn ich mal zweifle und die 21-jährige Esraa sagt zu mir: ‚Claudia, wir schaffen das‘, hüpft mein Herz und ich bin dankbar.“

Porträtfoto von Bloggerin Christine Finke

Christine Finke twittert über alles, was Familien unter Druck setzt. Mit durch­schlagendem Erfolg.

Ein Blog für Kinder: Christine Finke

Als „Raucherpause“ bezeichnet es Christine Finke, 51, wenn sie mehrmals täglich twittert oder auf ihrer Website mama-arbeitet.de bloggt. Schließlich ist sie noch alleinerziehende Mutter dreier Kinder, Alleinverdienerin und Kinderbuchautorin.

Die Raucherpause hat sich indes zu einem der erfolgreichsten Elternblogs entwickelt. Finke stößt schon mal ein Gesetz zum Unterhaltsvorschuss an oder bewegt Schulen, Kinder nicht länger mit Bundesjugendspielen zu malträtieren. Sie telefoniert mit der ehemaligen Familienministerin Manuela Schwesig oder talkt bei Maybrit Illner. Aus der Armut vergangener Jahre, in denen nicht immer ein Eis oder Schwimmbadbesuch für die Kids drin war, ist sie seither raus.

Die Verve der „digitalen Feministin“ bleibt ungebrochen, trotz zahlreicher Anfeindungen. „Im Wind lässt es sich besser segeln“, beendet die promovierte Sprachwissenschaftlerin, die zehn Idiome von Portugiesisch bis Altisländisch spricht und am Bodensee lebt. Ihren Blog-Erfolg mit etwa 100 000 Visits im Monat sieht sie pragmatisch: „Ich kann andere Frauen mitziehen. Viele zusammen sind stark.“