Weltfrauentag: Diese Frauen kämpfen für Gleichberechtigung

Am 8. März ist internationaler Frauentag. Das richtige Datum, um auf Vorreiterinnen der Frauenbewegung zu blicken – und auf die aktuelle Debatte um #MeToo und „Time’s Up“. Hier kommen starke Frauen aus unterschiedlichen Jahrzehnten, die uns Mut machen, für unsere Rechte einzutreten.

Demonstrantinnen mit Schildern beim Women's March 2018 in London anlässlich des 100-jährigen Frauenwahlrechts und des Internationalen Frauentags am 8. März

Eine blumige Zukunft für Frauen – darauf hoffte eine Teilnehmerin des „March4Women“ am 4. März 2018 in London anlässlich des 100-jährigen Frauenwahlrechts und des bevorstehenden Internationalen Frauentags am 8. März.

Ein Tag, der uns Frauen zelebriert: 1975 erklärten die Vereinten Nationen den 8. März anlässlich des Jahres der Frau erstmals zum „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. Seit 1977 wird der Feiertag offiziell jedes Jahr begangen. Dass Menschen unabhängig vom Geschlecht dieselben Rechte haben, ist für viele Frauen in Deutschland heute beinahe selbstverständlich – dabei sind viele Rechte, die heutzutage nicht nach Geschlecht unterscheiden, Errungenschaften der nahe zurückliegenden Jahrzehnte. Zur Feier des diesjährigen Weltfrauentages blickt DONNA Online in einem kurzen Rückblick auf wichtige Frauenfiguren der Vergangenheit und Gegenwart – und berichtet davon, wie diese starken Frauen uns den Weg für unsere heutigen Rechte bereiteten.

Starke Frauen: Diese Vorbilder und ihre Geschichten inspirieren uns im März 2018

Zeit der Aufklärung: Bürgerrechte als reine Männerrechte

Obwohl viele Frauen in der westlichen Welt gleiche Rechte für Mann und Frau als Standart ansehen, ist das Ideal der Gleichberechtigung ein relativ moderner Gedanke. Selbst zu Zeiten der Aufklärung wurden Menschen- und Bürgerrechte als Rechte von Männern gesehen. Die französische Theaterautorin Olympe de Gouges wollte diesen Zustand nicht akzeptieren und forderte, dass Frauen den Männern gleichgestellt werden. 

1791 erschien ihre „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“. Die Frauenrechtlerin selbst war jedoch leider lange schon gestorben, als ihre Forderungen endlich auf den Zeitgeist trafen und Anklang fanden.

Meilensteine für Frauen in Politik und Rechtsprechung

Sonst weltpolitisch oftmals eher zweitrangig, nimmt Australien für die Frauenbewegung eine bedeutende Position ein: So war das Land 1902 der erste souveräne Staat, der das Frauenwahlrecht einführte. In Europa war Finnland im Jahr 1906 Pionier, hier wurden Frauen tatsächlich auch ins Parlament gewählt. In Deutschland und Österreich erhielten Frauen 1918 das aktive und passive Wahlrecht. In manchen Ländern Europas liegt die Erringung des Wahlrechts für Frauen erst wenige Jahrzehnte zurück: Griechenland führte 1952, die Schweiz sogar erst 1971 das Frauenwahlrecht ein.

Nicht nur Zugeständnisse im Wahlrecht waren ein Meilenstein der Frauen. Die erste weibliche Regierungschefin der Welt wurde 1960 Sirimavo Bandaranaike als Premierministerin von Sri Lanka. Deutschland bekam 2005 mit Angela Merkel seine erste Bundeskanzlerin. Doch trotz theoretisch gleicher Rechte sind Frauen auch gegenwärtig in der internationalen Politik unterpräsentiert: Weniger als ein Drittel der Abgeordneten im Deutschen Bundestag etwa ist weiblich.

Bundestagswahl 2017: Warum Wählen Frauensache ist

Frauenrechte in Deutschland: Margarete Berent und Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte

Anfang des 19. Jahrhunderts öffneten sich langsam die Universitäten in Deutschland für Frauen. Doch was half ein Studium, wenn man später nicht in dem gewünschten Bereich arbeiten konnte? Gegen diese Ungerechtigkeit kämpfte Margarete Berent. Sie studierte Jura in Berlin und Erlangen. Allerdings war Frauen der Zugang zu den klassischen Juristenberufen verwehrt. Berent gründete deswegen mit Mitstreitern den Deutschen Juristinnenverein.

1919 feierte der Verein den Erfolg: Frauen durften nun juristischen Examina ablegen. Margarete Berent wurde eine der ersten Anwältinnen Preußens, musste allerdings nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft fliehen. Ihre Dissertation von 1914 über die Zugewinngemeinschaft von Ehegatten wurde dafür etwa 30 Jahre später wieder relevant. Berents Ideen gehörten zu den Grundlagen für Reformen im deutschen Eherecht in den 1950er-Jahren. Darin wurde festgelegt, dass der Mann nicht mehr über das gesamte Vermögen der Frau entscheiden können sollte.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter wurde in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen im Jahr 1948 aufgenommen. Dennoch gab es zu dieser Zeit noch keine wirkliche Gleichberechtigung. Einen Führerschein durften Frauen ohne Einverständnis des Vaters oder Mannes in Deutschland erst ab 1958 machen. 1977 wurde das deutsche Ehe- und Familienrecht reformiert – bis dato mussten Frauen ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen, wenn sie eine Berufstätigkeit aufnehmen wollten.

Heutzutage für moderne Frauen kaum denkbar, dass verheiratete Frauen hierzulande erst seit 1962 ohne Zustimmung des Gatten ein eigenes Bankkonto eröffnen dürfen. Leider ist auch die Gewalt an Frauen bis in die Gegenwart ein Thema, das vielen Frauen am eigenen Leib begegnet – zum Glück ist Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland seit 1997 strafbar.

Frauensport in den letzten 150 Jahren: Der Weg zur Gleichberechtigung in der Freizeit

Frauenrechte heute: Der Kampf geht weiter

Und wie steht es heutzutage um unsere Rechte? Die rechtliche Stellung von Frauen hat sich in den letzten hundert Jahren bemerkenswert gebessert. De jure gibt es zumindest in Deutschland gleiche Rechte, de facto stoßen Frauen jedoch immer wieder an gesellschaftliche Schranken – und müssen in vielen Lebensphasen und Debatten noch immer gegen veraltete Rollenbilder ankämpfen.

2017: Der Weinstein-Skandal und #MeToo

Seit Herbst 2017 sind die Rechte von Frauen ein äußerst präsentes Thema: In den US-Medien äußerten mehrere namhafte Schauspielerinnen Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein, sie vergewaltigt oder sexuell misshandelt zu haben. Ein Ereignis, das eine bis dahin kaum vorstellbare Welle auslöste, in der immer neue Vorwürfe gegen Weinstein und andere Größen der Film- und Modebranche offenbart wurden. Hollywoods bekannteste Frauen griffen in den Sozialen Medien den Hashtag der Aktivistin Tarana Burke auf – die Geburtsstunde der #MeToo-Bewegung. Die Anhängerinnen des Hashtags animieren andere betroffene Frauen, unter dem Begriff über ihre persönlichen Erlebnisse zu berichten – und auf diese Weise mit ihrer gesammelten Masse zu offenbaren, dass der sexuelle Missbrauch und die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern bis heute ein gegenwärtiges Problem ist.

2018 folgt auf #MeToo eine klare Ansage: Mit der im Januar 2018 gegründeten Initiative „Time’s Up wollen Frauen aus der Entertainment-Branche andere Frauen animieren, Ungerechtigkeiten, Missbrauchsfälle und Ungleichheit gemeinsam zu bekämpfen. Den originalen Brief der Vereinigung „Alianza Nacional de Campesinas“, der die Vorhaben der Frauen verkündete, unterzeichneten rund 700,000 Frauen aus der Film- und Entertainmentbranche. Stars wie Natalie Portman, Emma Watson, Susan Sarandon und Tracee Ellis Ross nutzen ihre Prominenz, um auf die Missstände aufmerksam zu machen und weitere Gleichgesinnte für das Netzwerk zu gewinnen. Die Initiative bietet betroffenen Frauen eine legale Unterstützung und Beratung.

A post shared by Malala Fund (@malalafund) on

Einsatz für die Rechte der Frau ist weiterhin gefordert

Das Bewusstsein für die Gleichberechtigung von Mann und Frau weltweit präsent zu machen, dafür kämpfen auch abseits der glamourösen Hollywood-Welt jeden Tag mutige Frauen und Männer rund um den Globus. Malala Yousafzai zum Beispiel, die von der Taliban angeschossen wurde, weil sie als Mädchen zur Schule gehen wollte. Die 1997 geborene Friedensnobelpreisträgerin engagiert sich seitdem mehr denn je für den Zugang zu Bildung für alle Kinder und setzt sich besonders für die Rechte junger Frauen weltweit ein. Die Aktivistin zeigt, dass der Weg zur Gleichstellung auch in modernen Zeiten noch lange und beschwerlich sein wird – und offenbart jedoch zugleich, dass es sich lohnt, für unsere Rechte als Frauen zu kämpfen und einzustehen!