Sympathischer Alleskönner: Tom Hanks' Debüt als Buchautor

Hollywoodstar Tom Hanks schreibt neuerdings auch Short Storys – und wir stellen fest: Wow, der Mann gewinnt immer mehr an Format. Über erstklassiges Kino-Entertainment, die einfachen Freuden des Lebens und die Schlagkraft Hollywoods.

 

Porträtbild von Tom Hanks in einem grauen Anzug vor einer grauen Wand

Tom Hanks ist ein Mann, der gut älter werden kann – wie man auf dem Porträt sieht. Seine Lebensphilosophie: beim Aufstehen mindestens an eine Sache denken, die froh macht.

Wenn man es ein bisschen unglamourös ausdrücken würde, könnte man sagen, Tom Hanks ist einer, der an sich arbeitet. Unglamourös ist aber die richtige Herangehensweise, weil der amerikanische Filmstar ja nicht eine Gloriole der Sexyness über der Stirn trägt wie, sagen wir, Brad Pitt oder Robert Redford (übrigens auch zwei Männer, die laufend an sich arbeiten).

Je älter, desto scharfsinniger: Tom Hanks kluge Optimierung

Hanks war immer eher die Marke kumpelig, zuweilen knuffig oder, in seinen ernsteren Filmen, superverlässlich. Von „Big“ bis „Schlaflos in Seattle“ bis „Captain Phillips“. Da hatte man ihn einsortiert und konnte ihn hervorziehen, wenn man tadelloses, erstklassiges Kino-Entertainment wollte. Doch in letzter Zeit hat dieser Tom Hanks, Sohn eines Kochs und aus zerrissener Familie stammend, noch mal schwer an Format gewonnen. So, wie es eigentlich sein soll – dass man, je älter man wird, noch strenger und scharfsinniger mit dem eigenen Material, dem vorhandenen Talent umgeht. Sich nicht gehen lässt, nicht eitel wird, nicht albern seine Milliönchen zählt.

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Auch wenn er vorher schon wahnsinnig reizend und ein guter Kerl war: Hanks hat an Charisma, Leinwandkraft und politischem Profil noch zugelegt. Dazu gehört nicht nur, dass er seit 30 Jahren ein feiner Ehemann und großer Fan seiner Frau Rita Wilson ist, „unterdrückerischen Idioten“ auf dem Filmset immer die Meinung geigen würde und seinen Schauspieljob keinen einzigen Tag aus „Geld- oder Machtgründen“ ausübt („Geht immer schief“, so sagt er). Nein, wir haben von der klugen Optimierung des Oscarpreisträgers noch mehr: Er hat sich jetzt aufgrund seiner Lebenserfahrungen dazu aufgemacht, ein Buch mit ungewöhnlichen Short Storys zu schreiben. Und er spielt in seinem neuen Film (neben Meryl Streep) einen Chefredakteur, der gegen alle Widerstände für die Wahrheit kämpft.

Das Buch: „Schräge Typen“

Viele Menschen sind ihm auffällig wohlgesonnen, Ann Patchett etwa. Die US-Schriftstellerin schreibt über Hanks Kurzgeschichten-Band: „‚Schräge Typen‘ zu lesen ist, als würde man herausfinden, dass Alice Munro die größte Schauspielerin unserer Zeit ist.“ Tom Hanks’ Prosa mit dem Werk der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin zu vergleichen, ist ein gutes Stück übertrieben – aber doch sehr, sehr lieb. Und man gönnt dem Autoren-Neuling diese Lorbeeren von Herzen.

Seine Leidenschaft für alte Schreibmaschinen hat ihn zum Schreiben gebracht, liest man, und tatsächlich ist jeder der Storys das Bild einer Maschine vorangestellt, die dann auch im Folgenden irgendwo vorkommt. Viel wichtiger als Anschläge und Farbbänder aber sind dem Autor Hanks die Menschen, die er beschreibt. So wie der genügsame Typ in der ersten Geschichte, der sich ein unspektakuläres, aber doch an Interessen und Ruhe reiches Leben eingerichtet hat. In das eines Tages Anna einbricht, in ihrer Art so zeitgemäß wie ihr neuer Freund altmodisch: Annas Leben ist beschleunigt, durchgetaktet, verplant, jede freie Minute wird mit Yoga belegt. Mal wegen Erkältung zu Hause bleiben? Ein Zeichen von Willensschwäche!

Wir grinsen, fassen uns an die eigene Nase – und freuen uns wie Bolle, als sich der auch schon anpolierte Freund am Ende von Anna und allem Optimierungswahn befreit, um glücklich in sein herrlich normales Leben zurückzuschlüpfen. Und wir kommen nicht umhin, uns vorzustellen, dass auch Tom Hanks abseits von Filmsets und roten Teppichen ein Freund von einfachen Freuden ist, von Abenden auf dem Sofa und stundenlangem Café-Hocken. Anders nämlich hätte er nicht so viel herrlich normales Personal für seine Storys zusammentragen können.

Cover des neuen Buchs „Schräge Typen” von Tom Hanks

Der Titel ist Programm: „Schräge Typen” bekommen in Tom Hanks’ gerade auf Deutsch erschienenen Kurzgeschichten einen Ort, an dem sie so sein dürfen, wie sie wollen (Piper, 22 Euro).

...und der Film erst: „Die Verlegerin“

In „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg spielt Hanks den Chefredakteur der „Washington Post“ zur Zeit des Vietnam-Kriegs. Die Redaktion kommt plötzlich an brisantes Material, das verrät: Die Regierung hat sich aus niederen und nie gerechtfertigten Motiven in diese grausame Sache gestürzt. Drucken oder nicht? Hanks ringt mit großer, cooler Klasse (so haben wir ihn noch nie gesehen!) darum, die Wahrheit auf die Titelseite zu bringen. Die Politiker drohen, die Verlegerin (Meryl Streep auch in einer wunderbaren Rolle) zaudert, die Menschen auf der Straße protestieren gegen den absurden Krieg ... Unsagbar spannend ist das, hoch bewegend und schön dramatisch. Und drei Altmeister – Streep, Spielberg, Hanks – zeigen uns, was das gute Hollywood für eine Schlagkraft hat.

Autorinnen: Nina Berendonk und Katja Nele Bode

Szene aus dem Film „Die Verlegerin“: Tom Hanks und Meryl Streep sitzen an einem Tisch im Café und besprechen sich

Geniales Schauspiel – Verlegerin (Meryl Streep) und Chefredakteur (Tom Hanks) diskutieren über die richtige Schlagzeile .

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