Usbekistan & Kirgistan: Reisetipps für die ehemaligen Sowjetrepubliken

Zugegeben, etwas Mut erfordern diese Reiseziele schon. Dafür erleben Sie in den beiden postsowjetischen Ländern unberührte Landschaften und Abenteuertourismus noch abseits der Massen. Weshalb sich eine Individualreise nach Kirgistan und Usbekistan lohnt.

Landschaft mit gelb blühenden Blumen und schneebedeckten Bergen im Hintergrund nahe des Bergsees Son Kul in Kirgistan

Schneebedeckte Gipfel, blühendes Tal: So sieht der Sommer in Kirgistan nahe des Sees Son Kul auf rund 3000 Metern Höhe aus.

Der Mythos von der antiken Seidenstraße, Dschingis Khan und die Spuren der Sowjetvergangenheit: In die postsowjetischen Republiken wagt sich bislang kaum ein Tourist. Gerade Fans von Individual- und Abenteuerreisen sollten das aber schleunigst überdenken. Denn vor allem Kirgistan, aber auch Usbekistan lockt mit einer atemberaubenden Landschaft und authentischer, zentralasiatischer Kultur. Mittlerweile bieten einige auf Individualreisen spezialisierte Veranstalter geführte Rundreisen und thematisch organisierte Exkursionen an. Aber mit entsprechender Vorbereitung ist ein Urlaub in Kirgistan oder Usbekistan auch auf eigene Faust gut möglich. Weshalb sich die Reiseziele besonders lohnen, erklären wir Ihnen hier.

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Kirgistan

Auch bekannt als Kirgisien, Kirgisistan oder offiziell die Kirgisische Republik, ist Kirgistan bislang touristisch überwiegend unerschlossen. Diese Tatsache macht den Staat in Zentralasien zum idealen Ziel für eine Erlebnisreise. Ganze 90 Prozent der 200 000 Quadratkilometer Landesfläche sind gebirgig, die Bevölkerung ist ein Reitervolk. Kirgisien gilt bis heute als eines der ärmsten Länder der Ex-UdSSR. Deshalb ist es bei einer Reise nach Kirgisien ratsam, unnötige Luxusgegenstände gleich zu Hause zu lassen und Wertsachen gut versteckt am Körper zu tragen. Denn Touristen fallen hier schnell auf und werden trotz der relativ niedrigen Kriminalitätsrate vor allem nachts in den Straßen der Hauptstadt Bischkek Opfer von Straßenräubern. Angst vor dem exotischen Reiseland müssen Sie aber keinesfalls haben. Die Kirgisen gelten als äußerst gastfreundliches und herzliches Volk und sind über jeden Besucher dankbar, der sich in ihr Heimatland verirrt. Diese Highlights erwarten Sie in Kirgistan:

Ökotourismus mit Einheimischen

Bereits seit 2000 setzt sich eine besondere Initiative dafür ein, den einheimischen Tourismus zu fördern – und dabei darauf zu achten, den ökologischen Fußabdruck der Urlauber möglichst klein zu halten: Die „Kyrgyz Community Based Tourism Association“ hat sich dem Prinzip des Ökotourismus verschrieben. Das bedeutet, dass Reisende mithilfe der Organisation bei einheimischen Familien unterkommen und so einen authentischen Eindruck von den Gepflogenheiten vor Ort erhalten können. Zugleich achtet man verstärkt darauf, die Kultur, Tradition und Natur des Landes so weit wie möglich zu schonen und in ihrem gegenwärtigen Zustand zu bewahren. Wer eine Reise nach Kirgistan plant, sollte diese einzigartige Gelegenheit deshalb unbedingt nutzen. Das Tourismusprogramm macht es beispielsweise auch möglich, in einer traditionellen Jurte zu übernachten, die alle in Familienbesitz und daher normalerweise nicht für Urlauber verfügbar sind.

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Relikte der antiken Seidenstraße

Das heutige Kirgistan war jahrhundertelang ein wichtiger Knotenpunkt für Handelsreisende: An mehreren Stellen des Landes befanden sich wichtige Kreuzungspunkte für Karawanen, die das zentralasiatische Gebiet mit Ostasien und dem Mittelmeer verbanden. Eines der bekanntesten Relikte und der einzige seiner Art ist der Burana-Turm, der zugleich als Landeswahrzeichen gilt. Ebenfalls ein Überbleibsel der historischen Seidenstraße ist Tasch Rabat, eine aus dem 15. Jahrhundert stammende Karawanserei. Auf einer Höhe von mehr als 3000 Metern am Atbaschi-Gebirgszug gelegen, diente der Bau Karawanen und Reisenden einst als Schutz vor Schneestürmen oder Räubern.

Reiten und Volkssport erleben

Die Kirgisen sind ein Reitervolk, daran ändern auch moderne Zeiten nichts. Umso besser für Touristen: Bei einer Reise nach Kirgistan sollten Sie mindestens einmal auf den Rücken eines Pferdes steigen und durch die Weiten der kirgisischen Landschaft galoppieren. Auch der Nationalsport der Kirgisen findet auf den Paarhufern statt: Ulak Tarysch, eine an Polo erinnernde Sportart. Einen ähnlich spektakulären Anblick, der jedoch nichts für schwache Nerven ist, bietet die Sportart Odarysh. Hier betreiben zwei Gegner eine Art Wrestling, indem sie versuchen, sich auf teils brutale Art gegenseitig vom Pferd zu ziehen. Bei so viel Begeisterung für die Vierbeiner ist es kaum verwunderlich, dass das Pferd das kirgisische Nationaltier ist. Die einheimische Pferdearten gehören zu den Steppenpferden und werden mit einem Stockmaß von 140 Zentimetern überschaubar groß, gelten aber als erstaunlich robust. Aus der Milch der Stuten wird Kumys hergestellt, ein vergorenes Getränk, das Kefir ähnelt.

Sagenhafte Berge

Die typisch kirgisische Landschaft besteht vor allem aus Steppe und unendlich weiten, majestätischen Bergen. Zu den größten Gebirgszügen des Landes gehört der Tien Shan, der Kirgistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kasachstan und das Uigurisch Autonome Gebiet Xinjiang im Nordwesten Chinas verbindet. Wer das mächtige Gebirge genauer erkunden will, kann beispielsweise eine dreitägige Trekkingtour von der Stadt Karakol aus einplanen. Der Weg führt am Yssykköl vorbei, dem größten See Kirgistans – ein beliebter Ort für Pferdetrekking. Die sagenhafte Schönheit Kirgistans erleben Sie zudem bei einem Besuch des Son Kul, einem der höchstgelegenen Bergseen der Welt auf 3016 Metern. Im Sommer ploppen dort Jurten-Camps aus dem Boden und man kann seltene einheimische Vogelarten beobachten. Aus unzähligen Farbtönen, vor allem vielseitigen Rotabstufungen, bestehen die Gesteinsformationen in Kyzyl-Oi, dem „Roten Tal“.

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Usbekistan

Der Registan-Platz, einer der bekanntesten Orte der alten Seidenstraße, in der usbekischen Stadt Samarkand

Der Registan in der usbekischen Stadt Samarkand gehört zu den prächtigsten und bekanntesten Orten der alten Seidenstraße.

Mit orientalischer Atmosphäre, Wüstenlandschaften und außergewöhnlich schöner Architektur lockt Kirgistans Nachbar Usbekistan. Das Land vereint auf beeindruckende Weise orientalische Folklorekunst mit türkisfarbenen Hausdächern, magisch anmutenden Türmchen und der unendlichen Weite der Wüste – eine Reise dorthin hinterlässt garantiert dauerhafte Spuren. Usbekistan ist islamisch geprägt, für Urlauber ist es deshalb ratsam, einige Sitten und Bräuche zu beachten. Frauen sollten zudem idealerweise in Begleitung oder mit einem einheimischen Tourguide reisen. Trotz der insgesamt ruhigen Sicherheitslage in Usbekistan ist ein umsichtiges Verhalten empfehlenswert. An trubeligen Orten wie Basaren sollten Sie beispielsweise gut auf Ihre Wertsachen achten und vor allem in der Hauptstadt Taschkent Alleingänge und dunkle Ecken in der Nacht vermeiden. Wer sich aber auf die usbekische Gesellschaft und Kultur einlässt, wird sich über eine überaus große Gastfreundschaft freuen. Das können Sie in Usbekistan erleben:

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Prächtige Baudenkmäler und Überbleibsel der Seidenstraße

Die großen Städte Usbekistans sind meist mehrere Jahrhunderte alt und regelrechte Freiluftmuseen. Viele Bauwerke stammen aus der Zeit der Seidenstraße oder sind sogar noch älter. Bekannt als „Rom des Ostens“ und eine der wertvollsten kulturhistorischen Stätten Zentralasiens ist Samarkand. Die Stadt liegt im Tal des Flusses Zarafshan und hat eine über tausendjährige Geschichte. Das wohl bekannteste Architektur-Highlight ist der Platz Registan, der vom Dreiersensemble der Medresen (Koranschulen) Ulug Beg, Shir-Dor und Tillja Kari und ihrem kunstvollen Dekor dominiert wird. Hier steht auch Gur Emir, die letzte Ruhestätte des großen usbekischen Herrschers Timur Lenk, die 1404 erbaut wurde. Eine der ältesten Städte des Landes ist Buchara, dessen historisches Zentrum seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Neben der berühmten Zitadelle Ark, die auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel thront und einst der Wohn- und Regierungssitz der Emire und Khans war, sind in Buchara sogar einige Bauten aus der vormongolischen Zeit erhalten. Eine märchenhafte Atmosphäre umgibt Chiwa, eine Oasenstadt im Nordwesten des Landes. Zahlreiche Moscheen, Medresen, Mausoleen und die Mauern der Festung Kunya-Ark bieten ausreichend Sightseeing-Programm für einen ganzen Tag.

Wüste

Etwa 40 Prozent der Landesfläche macht die Wüste Kysylkum aus, in deren Zentrum sich bis zu 900 Meter hohe Gebirgszüge erheben. Übersetzt bedeutet der Name der Wüste „Roter Sand“, den Besucher bei einer Wüstentour in unzähligen Farbnuancen erleben können. Im Süden des Landes befindet sich Karakum, eine weitere Wüste, die beliebt für Kamelwanderungen ist und Usbekistan mit dem Nachbarland Turkmenistan verbindet. Die Übernachtung in einer Jurte, einer traditionellen Unterkunft der Nomaden, in einer der Wüsten sollten Sie bei einem Aufenthalt in Usbekistan nicht verpassen.

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Metropole Taschkent

Viele Usbekistan-Besucher lassen die Hauptstadt Taschkent aus, da sie – wie viele andere zentralasiatische Hauptstädte auch – kaum historische Gebäude aufweist. Große Teile der Altstadt wurden bei einem schweren Erdbeben im Jahr 1966 zerstört und durch Neubauten der Regierung ersetzt. Doch genau das macht die größte Stadt Usbekistans so spannend: Sie ist ein beeindruckendes Beispiel für eine moderne, postsowjetische Metropole. Mit ein bisschen Glück und ausreichender Recherche lassen sich doch noch architektonische Werke aus vergangenen Zeiten finden – vor allem aus der Phase, in der Usbekistan zur UdSSR gehörte. Sowjetbauten treffen in Taschkent auf islamisch geprägte und religiöse Bauten. Ein Highlight für viele Reisende ist der Basar inmitten der Altstadtüberreste: In dem trubeligen Treiben können Sie landestypische Spezialitäten, frisches Obst und ofenwarmes Brot verkosten. Da europäische Mägen auf die usbekische Kulinarik empfindlich reagieren können, ist eine Durchfallprophylaxe in der Handtasche ratsam.

Trauriges Exempel der Umweltzerstörung

Ebenfalls in Usbekistan zu finden ist ein tragisches Beispiel für eine von Menschen verschuldete Umweltkatastrophe: An der Grenze zum benachbarten Kasachstan befindet sich heute eine gigantische, wüstenähnliche Fläche. Einst war hier eines der größten Binnengewässer der Erde beheimatet, der Aralsee. Nur noch einige Muschelreste und gestrandete Fischerboote, die traurig vor sich hinrosten, erinnern an die Vergangenheit. Schuld am Austrocknen des einst 67 000 Quadratmeter großen Gewässers sind die Sowjets: In den 60er-Jahren begann das sowjetische Wasserministerium, Wasser aus dem See zur Bewässerung von neu angelegten Baumwollplantagen zu verwenden. Heute ist lediglich ein kleiner Teil im einstigen Norden übrig, der durch den Bau eines Staudamms in Kasachstan 2005 bewahrt werden konnte. Der usbekische und früher südliche Teil des Aralsees ist jedoch gänzlich verschwunden – und hat teilweise giftige Subtanzen wie Milzbrandsporen aus Biowaffen-Experimenten zurückgelassen, die bis heute erhalten geblieben sind. Interessierte Touristen können bei einer geführten Tour mehr über die Geschichte des ausgetrockneten Gewässers erfahren und die Ruinen der verlassenen Fischerdörfer besichtigen. Ein Besuch, der das eigene Umweltbewusstsein von Grund auf ändern wird.

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