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Sparen ohne Stress: Diese Psycho-Tricks sollten Sie kennen

Frau mit Geldbeutel in der Hand | © iStock | ljubaphoto
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Mit ein paar einfachen Psycho-Tricks lässt sich bares Geld sparen!

Nie mehr sparen müssen, klingt zu schön um wahr zu sein? Wer ein paar Tricks rund ums Thema Geldausgeben beachtet, kommt diesem Ziel tatsächlich näher. Psychologin und Buchautorin Claudia Hammond verrät die cleversten Tipps.

DONNA: Frau Hammond, zwei Künstler haben mal eine Million echte Pfundscheine verbrannt, die ihnen gehörten. Halten Sie das für eine gute Idee?
Claudia Hammond: Sie haben ein Tabu gebrochen und damit die Menschen total verstört. Denn mit Geld geht ein Versprechen einher: Was hätte man nicht alles damit machen können!

Könnte man nicht auch ohne Geld leben? Warum wurde es überhaupt erfunden?
Es ermöglicht Wahlfreiheit. Mithilfe von Geld kann ich anderen vertrauen: Ich gehe in ein Kino, gebe einem Fremden ein Stück Papier – und kann sicher sein, dafür einen Film zu sehen zu bekommen, in den viele Leute viel Arbeit gesteckt haben.

Es gibt Menschen, die sehr genau sind mit Geld, und dann gibt es solche wie mich: Ich gehe bei Geld nach Gefühl, rechne kaum nach, als könnte ich es dadurch verdrängen. Sie sind Psychologin, können Sie mich therapieren?
Solange Sie damit durchkommen, ist es doch okay. Sie sind mit Ihrem Gefühl nicht die Einzige, weil Geld an sich etwas unglaublich Psychologisches ist. Zum Beispiel greift man auf das Geld eines Kontos, das an einem weit entfernten Ort liegt, seltener zu als auf das Konto der Bankfiliale um die Ecke. Wenn Sie sparen wollen, wäre es also ratsam, ein Konto am anderen Ende des Landes zu eröffnen.

Verhalten sich Frauen in Gelddingen anders als Männer?
Frauen sparen in der Regel besser und kaufen sich kleine Sachen, die Freude machen, Lippenstift zum Beispiel. Es wird behauptet, Frauen shoppten eher mal gegen den Frust und Männer kauften extravagantere Sachen. Ich glaube allerdings, dass es mehr von der Persönlichkeit als vom Geschlecht abhängt.

Männer machen ja auch irrationale Sachen. Meiner zum Beispiel kauft dauernd im Biomarkt ein und bestellt teure Bücher, dagegen aber nur mit Bauchschmerzen eine neue Hose.
Weil die Hose von einem anderen mentalen Konto abgeht. Der Mensch hat für unterschiedliche Ausgaben verschiedene mentale Konten, als wären es Schubladen im Kopf: tägliche Lebensmittel, Kosmetik, Kleidung, Kultur, Reisen.

Manchmal „hole“ ich mir mit einem Klick Sachen aus Online-Shops, die ich vermutlich nicht kaufen würde, müsste ich dafür Bargeld auf die Theke legen.
Nutzen Sie bloß keine One‐Click‐Konten! Wir in England zahlen ja selbst Zeitung und Milch mit Kreditkarte. Neuerdings zapfen wir uns sogar Bier per Kontakt‐Bezahlung, mit dem Sensor auf der Karte. Man hat errechnet, dass durch bargeldlosen Kauf mehr ausgegeben wird für Dinge, die man nicht wirklich braucht. Mit Bargeld zu zahlen, fühlt sich immer viel realer an, deswegen trennt man sich auch viel schmerzhafter von „echtem“ Geld. Mit Karte zu zahlen, schiebt den Schmerz auf und macht die Transaktion leichter.

Warum machen mich Läden mit großer Auswahl irre?
Wenn die Auswahl zu groß ist, haben Sie vermutlich Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Beim Anblick von 28 Wasserkochern im Elektromarkt wird Ihnen diese Möglichkeit, zu scheitern, vor Augen geführt. Viele Menschen können den Gedanken nicht ertragen, die falsche Wahl getroffen zu haben. Da geht es um Reue und Verlust.

Wie entscheidet man sich dann für den richtigen Wasserkocher?
Für mein Buch habe ich Hunderte von Studien gelesen. Seitdem weiß ich, was auch die Wasserkocher‐Verkäufer wissen: Der Mensch greift selten zum teuersten und am ehesten zu dem Produkt mit dem mittleren Preis. Der ist aber nicht unbedingt besser als das Billigste. Also lasse ich mich nicht mehr überlisten, sondern nehme von drei Wasserkochern jetzt einfach immer den billigsten.

Können Sie heute auch besser verhandeln?
Es ist wichtig, beim Verhandeln immer die Erste zu sein, die einen Preis nennt. Der erstgenannte Preis ist wie ein Anker, um den herum man verhandelt. Das kann man sich für Länder vornehmen, in denen man auf Märkten feilschen muss – und natürlich für Gehaltsverhandlungen.

Aber wie komme ich auf einen guten Preis?
Ich muss mir überlegen, was mir persönlich eine Sache wert ist. Natürlich kann ich mich schlaumachen über Vergleichspreise. Aber auch in mir haben Dinge eine Wertigkeit und es hilft, diesen gefühlten Wert zu bedenken, bevor es an konkrete Zahlen geht.

Was haben Sie durch die Recherchen zu Ihrem Buch noch gelernt?
Dass es erfüllender ist, seine Arbeit nicht in kleinen Zeiteinheiten zu berechnen. Wenn ich mir dauernd vor Augen halte, wie viel – oder wenig – ich pro Stunde verdiene, bin ich viel weniger bereit, mal aus Spaß oder freiwillig zu arbeiten, das zeigen Studien. Also denke ich lieber in Monatseinkommen, das setzt mich nicht so unter Druck. Und ich habe gelernt, dass es mich zufriedener macht, Geld für Erlebnisse auszugeben statt für Dinge. Beim Buchen einer Reise habe ich die Vorfreude, die Freude währenddessen und die Erinnerung daran.

Ich habe zwei völlig unterschiedliche Söhne, auch was den Umgang mit Geld angeht. Der Große sagte mit zwölf, er wolle mal reich werden. Beim Kleinen flattert der Zehner auf dem Boden rum, Materielles ist ihm wurscht.
Den Umgang mit Geld guckt man sich tatsächlich bei den Eltern ab, vermutlich ist Ihr Mann damit genauer als Sie. Es hängt aber auch mit der Persönlichkeit zusammen. Man hat beobachtet, dass Menschen, die Angst vor dem Tod haben, besonders stark an Geldscheinen festhalten. Als würde durch das Geld etwas von ihnen bleiben, wenn sie nicht mehr sind. Das ist wohl auch der Grund, weshalb es für die Politik so schwer ist, Erbschaftssteuern zu erheben. Das Erbe rührt an einen wunden Punkt des Menschen. Ich nehme an, dass Ihr Kleiner eher einen philosophischen Blick aufs Leben hat?
Ja, er grübelt schon gern – wohingegen der Große nach dem nächsten Kick im Kauf sucht.
Was ihn auf Dauer vermutlich nicht zufriedenstellen wird. Menschen, die nach dem Sinn des Lebens suchen, werden eher glücklich als jene, die glauben, durch Geld das Glück zu finden.

Manche spielen ja Lotto
Wenn Sie das tun, sollten Sie auf keinen Fall immer auf die gleichen Zahlen setzen! Denn die Angst vor der Reue könnte Sie zermürben: Was, wenn ich mal zu tippen vergesse – und genau dann wird meine Kombination gezogen? Die Niederländer haben dafür extra ein System entwickelt: Da werden die Postleitzahlen gezogen, und alle, die von dort gewettet haben, bekommen automatisch einen Gewinn. Was, wenn Sie die Einzige in Ihrem Viertel sind, die nicht gespielt hat? Total gemein, total erfolgreich.
Was macht Menschen glücklicher als im Lotto gewinnen?
Das Prinzip „Zufall und Vergessen“: nicht glauben, alles dauernd unter Kontrolle haben zu können und zu müssen. Und einen Fehler und einen Verlust lieber schnell vergessen, anstatt ewig zu bedauern. Das macht die Sache mit dem Geld deutlich entspannter, versprochen.

Sie fahren vermutlich auch nicht zu einem weit entfernten Laden, weil etwas da billiger ist.
Da zahle ich lieber ein paar Euro mehr und spare Zeit und Nerven. 

Weil Sie es sich leisten können. Wer aufs Geld gucken muss, kann das nicht. Manche haben aber auch einfach ein diebisches Vergnügen an Angeboten. So kauft meine Schwiegermutter Sachen, die sie nicht braucht. Hauptsache, sie hat was gespart.
Vermutlich guckt sie dabei eher auf den „Gewinn“ als auf den Verlust. Und verdrängt dabei, dass sie unnötig Geld ausgegeben hat. Auch da ist es wieder hilfreich, sich den psychischen Aspekt des Gelds bewusst zu machen. Aber man sollte es auch nicht übertreiben und dauernd nur an Geld denken so wie Banker an ihre Boni. Sonst verliert man am Ende den Blick fürs Wesentliche, für das, was Geld schaffen kann: Vertrauen und Freiheit.

Interview: Nataly Bleuel

 

Mehr Psycho- und Geld-Tipps gibt es in Claudia Hammonds Buch „Erst denken, dann zahlen”, erschienen bei Klett-Cotta, 18,95 Euro
 | © Jonathan Mauloubier
© Jonathan Mauloubier
Mehr Psycho- und Geld-Tipps gibt es in Claudia Hammonds Buch „Erst denken, dann zahlen”, erschienen bei Klett-Cotta, 18,95 Euro