Tête-à-Tête mit Texterella

Zurück an den Herd

© Martina Klein
© Martina Klein

Susanne von Texterella gibt uns in ihrer Kolumne Tête-à-tête mit Texterella Einblicke in ihr Leben!

In diesem Beitrag: Warum die Corona-Krise sie zum Hausmütterchen macht!

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Ich habe angefangen zu backen in dieser Krise. In dieser vermaledeiten weltweiten Viren-Krise, die uns alle gefangen hält. Dabei habe ich früher nie gebacken, nicht mal Weihnachtsplätzchen. Die mussten immer die Omas bringen.

Aber nun backe ich, weil Krise ist und ich meine ganze Fürsorglichkeit ausgepackt habe. Schließlich soll es uns gut gehen. Dem Mann und den Kindern, die nun alle wieder daheim sind, weil die kleine Studentenbude so klein und dunkel ist. Nach all den Jahren bin ich plötzlich wieder so richtig Mama. Tatsächlich bin ich sogar noch mehr Mama als früher, als die Kinder noch klein waren. Damals hatte ich eine Kinderfrau, die sich kümmerte, während ich arbeitete. Und eine Haushilfe, die mir den Rücken frei hielt. Jetzt habe ich keine Kinderfrau mehr und die Haushaltshilfe ist gerade auf „Corona-Leave“. Und so bin ich ganz Mutter. Mütterchen. Hausmütterchen. Ich backe. Ich koche. Ich mache Wochenpläne (Wochenpläne!) fürs Mittagessen und kaufe ein. Ich spüle ab. Ich räume auf. Ich räume hinterher. Und dann wieder von vorne. Sicher, der Mann hilft. Und die Kinder auch. Sind ja schon groß. Ja, sie alle helfen mir im Haushalt. Finde den Fehler.

Mit einer Kollegin habe ich kürzlich über das Thema Feminismus gesprochen, und über Corona. Und darüber, was die Krise mit uns Frauen macht. Erst habe ich gelacht und mich gewundert. Was die wieder für Probleme hat! Dann ging ich in meine Küche und habe Kuchen gebacken. Mit Mandelkruste. Und dann wusste ich, was sie meint.

Ich, die ich immer gearbeitet habe, auch mit drei kleinen Kindern, ich backe nun Kuchen für meine Familie, anstatt meine beruflichen Pläne und Projekte voranzutreiben. Dabei bin ich noch privilegiert. Ich muss meine Kinder nicht beschulen, ich muss sie nicht bespaßen. Uns fehlen auch kein Spielplatz und auch nicht die Kita. Aber wenn ich dann über meinen Tellerrand hinausschaue, sehe ich Frauen am Rande ihrer Belastungsgrenze. Und das schmerzt.

Es ist doch so: Diese Krise legt nicht nur offen, an was unsere Gesellschaft seit langem krankt – sie verstärkt diese Symptome noch. Da sind die unzähligen Frauen, die in den plötzlich ach so systemrelevanten Berufen für zu wenig Geld Gesellschaft und Wirtschaft am Laufen halten und jetzt zusätzlich noch Home-Schooling und Haushalt stemmen dürfen. Andere arbeiten im Homeoffice und sind wie selbstverständlich für die Kinderbetreuung zuständig – nachweislich deutlich häufiger als die dazugehörigen Väter. Alleinerziehende sind noch mehr auf sich selbstgestellt als sonst, auch hier trifft es vorrangig Frauen. Zurück an den Herd? Corona macht’s möglich.

Aber es stimmt schon: In jeder Krise steckt auch ein Chance. Wir Frauen könnten uns endlich unseres Wertes als Krankenschwester oder Pflegerin, als Lebensmittelverkäuferin oder Kassiererin bewusst werden und Geld fordern statt Applaus. Wir könnten darauf pochen, Familienarbeit gerecht aufzuteilen – und uns nicht nur „helfen“ zu lassen. Und ich könnte meinem Mann und den zwei Söhnen backen und kochen beibringen. Warum nicht? Die Chance ist da. Ergreifen wir sie?!