Tête-à-Tête mit Texterella

"Die neue Schönheit" von Susanne Ackstaller

Susanne Ackstaller | © Martina Klein
© Martina Klein

Susanne von Texterella gibt uns in ihrer Kolumne Tête-à-tête mit Texterella Einblicke in ihr Leben!

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Die Pandemie hat uns nicht nur eine neue Normalität beschert, sondern auch eine … nunja, „neue Schönheit“. Dabei ließ sich alles erstmal gut an: Dank #stayathome reduzierte sich die tägliche Beauty-Routine wochenlang auf ein Mindestmaß. Duschen, Haare waschen, Eincremen – das war’s. Schminken? Augenbrauen zupfen? Beine rasieren. Unnötig. Wer sah uns ja schon (außer dem Mann im Homeoffice nebenan). So weit, so schön, so Laisser-faire. Bis die ersten grauen Haare nachwuchsen und viele Frauen mit Ansatz dastanden. Klar, man hätte den einfach ignorieren können … wären da nicht die Paketboten und Lieferdienste gewesen, was sollten die sich denken? Von den Zoom-Meetings mit KollegInnen ganz zu schweigen. Gott sei Dank: Nach kurzer Schockstarre trendeten auf Youtube Färbeanleitungen, findige Friseure lieferten individuell angemischte Haarfarben frei Haus und Haar-DIY war das neue Häkeln.

Schließlich schien sich alles zum Guten zu wenden: Kurz bevor der Wuchs zu wild und die Nagelschere zur Ultima Ratio wurde (Haben Sie’s mitgekriegt? Haarschneidescheren waren bei Amazon ausverkauft!), durften die Friseurbetriebe wieder öffnen. Hurra! Okay, Termine wurden nicht vereinbart, sondern zackig zugewiesen. Montagmorgen, 6.45 Uhr? Take it or leave it, der nächste Kunde wartet schon in der Leitung. Die neue Normalität forderte ihren Tribut – die neue Schönheit eben auch. Immerhin konnten wir unser Haupt wieder ins Salon-Waschbecken legen, die Augen schließen und entspannen. Naja, nennen wir es lieber die „neue Entspannung“, denn auf die ganzen Nettigkeiten wie Cappuccino, das Gläschen Prosecco und die Klatschpresse mussten (und müssen) wir verzichten. Stattdessen gibt es einen Hygieneaufschlag auf die Rechnung.

Inzwischen haben wir uns beautymäßig wieder etwas eingegroovet: Meine Friseurin darf wieder meine Augenbrauen zupfen und färben, die Kosmetikerin nicht mehr nur pediküren, sondern auch Masken auflegen und Damenbärtchen waxen. Apropos Maske: Ein Problem wird uns wohl noch eine ganze Weile beschäftigen: Wie schminken wir uns unter der Maske und wie gelingt es uns, trotz andauerndem Hin- und Herfrickeln des Mund-Nasen-Schutzes ohne völlig verschmierten Lippenstift an unseren Zielorten anzukommen? Die neue Normalität stellt eben nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Kosmetikbranche vor neue Herausforderungen. Demnächst dürfte auf Lippenstiftkappen statt „kussecht“ wohl der Vermerk „maskenresistent“ stehen, Foundations, Puder und Rouge könnten als „abriebfest“ verkauft werden. Angeblich tüfteln Unternehmen aber schon an einer anderen, weit eleganteren Lösung: eine Komplettmaske, die das ganze Gesicht mit einem perfekt geschminkten Konterfei bedeckt. Wir alle wären dann schöner denn je! Ja, das wäre sie, die neue Schönheit!

Susanne Ackstaller ist Texterin, Kolumnistin und Bloggerin auf texterella.de.