TÊTE-À-TÊTE MIT TEXTERELLA

"Freiheit ist keine Einbahnstraße" von Susanne Ackstaller

Susanne Ackstaller | © Martina Klein
© Martina Klein

Susanne von Texterella gibt uns in ihrer Kolumne Tête-à-tête mit Texterella Einblicke in ihr Leben!

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Das Jahr 2020 macht es uns nicht leicht, Spaß zu haben. Vieles ist eingeschränkt oder verboten. Gelächelt und gelacht wird hinter Masken, Selbstverständlichkeiten wie Grillen mit Freunden, der Besuch eines Restaurants oder der Sommerurlaub sind plötzlich keineswegs mehr selbstverständlich. Nichts ist mehr wie es war.

Und ein bisschen ist das auch gut so. Ja, die Pandemie lehrt uns Demut und Bescheidenheit. Wir erkennen, dass es nicht immer nur vorwärts gehen kann, sondern auch mal ein Stückchen – oder sogar ein großes Stück – zurück. Ein kleines Virus hat den ganzen Wohlstandsglauben und die Sicherheit, in der wir uns wogen, in Frage gestellt. Das ist gut, denn wir lernen Wertschätzung für das, was uns so normal und selbstverständlich erschien.

Ich bin allerdings genervt vom Gejammere: Nicht von den kleinen Firmen und Geschäften, die am Rande der Insolvenz stehen. Nicht von den Bars, Restaurants, Hotels, die nur eingeschränkt und nicht voll ausgelastet arbeiten dürfen. Nicht von den kleinen und kleinsten Selbständigen, die bei finanzieller Unterstützung durchs Raster gefallen sind. Das ist schlimm, das ist existenzbedrohend. Das verstehe ich.

Ich bin genervt von Menschen, die auf ihre vermeintlich verletzten Grundrechte pochen und partout nicht einsehen wollen, dass eine Maske eine gute Idee ist – weil sie schützt. Ich bin genervt von denen, die ihre Freiheit auf meine, auf unsere Kosten ausleben wollen. Freiheit ist keine Einbahnstraße, die nur in eine Richtung führt. Es gibt da ein kluges Zitat: „Die Freiheit des einen endet dort, wo die des anderen beginnt.“ Es war Immanuel Kant, der das im 18. Jahrhundert gesagt hat.

Ich wünschte, wir wären als Gesellschaft tatsächlich ein wenig zusammengerückt in dieser schweren Zeit. Eine Weile hatte ich daran geglaubt. Doch die Hoffnung weicht der Erkenntnis, dass viele Egoisten nicht einmal für ein paar Monate auf ihr bisheriges Leben verzichten können. Auch wenn sie damit alles riskieren, was wir nicht nur in den letzten Pandemie-Wochen und -Monaten erreicht haben – sondern in den letzten Jahrzehnten. Wie wird es uns wohl gehen, wenn uns die Selbstverwirklichung einiger Unbelehrbarer eine zweite Corona-Welle beschert und Wirtschaft und Gesellschaft zum zweiten Mal zum kompletten Stillstand kommen?

Ich bin ein Mensch, der an das Gute glaubt. Auch an das Gute im Menschen. Allerdings musste ich in den letzten Wochen feststellen: Die Dummheit siegt – nicht immer, aber doch oft. Zu oft.

Auch ich will meine Freiheit wieder. Ich will auf Konzerte gehen, ich will Partys feiern, ich will sorglos sein dürfen. Aber damit das gelingt, müssen wir uns jetzt zusammenreißen und disziplinieren. Maske aufsetzen (ja, auch über die Nase!), Abstand halten, Hände desinfizieren.

Für wen diese einfachen Regeln einen Beschnitt unserer Grundrechte bedeutet, der hat das Konzept Demokratie nicht verstanden.

Susanne Ackstaller ist Texterin, Kolumnistin und Bloggerin auf texterella.de.