TÊTE-À-TÊTE MIT TEXTERELLA

Mode ab 40: Weil wir dürfen, was wir wollen

Susanne Ackstaller | © Martina Klein
© Martina Klein

Susanne von Texterella gibt uns in ihrer Kolumne Tête-à-tête mit Texterella Einblicke in ihr Leben!

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Mode ab 40: Die beste Zeit für guten Stil

Es gibt viele Errungenschaften, um die man junge Frauen beneiden könnte: Die Selbstverständlichkeit, mit der sie eine partnerschaftliche Aufteilung von Hausarbeit und Kindererziehung einfordern. Die Lockerheit, mit der sie einen Hula-Hoop-Reifen um ihre Hüften kreisen lassen. Die Leichtigkeit, mit der sie auf hohen Hacken einen Sprint zur Straßenbahn hinlegen.

Doch nicht überall haben Mittzwanzigerinnen die Nase vorn: So mancher Social-Media-Star blickt mit dezentem Stirnrunzeln auf die Instagram-Feeds von doppelt so alten Silver-Influcencerinen: Denn was trägt sich geradezu perfekt zur Kombi aus türkisem Hosenanzug und der neuesten IT-Bag? Na klar: Silbergrauer Schopf plus Lippen in leuchtendem Pink. Dass die Ladys die 50 oftmals weit überschritten haben … irrelevant.

Tatsächlich spielen viele Frauen auch im Alter von 50, 60, 70 oder noch mehr Jahren sehr gekonnt auf der Fashion-Klaviatur und kennen sich bei angesagten Luxus-Klamotten ebenso gut aus wie Geschlechtsgenossinnen, die ihre Töchter sein könnten. Und: Sie haben auch noch das entsprechende Portemonnaie dazu. 

Es gibt aber auch andere. Frauen, die pünktlich zur Lebensmitte ihren Spaß an Mode verloren haben und gar nicht auf die Idee kommen, sich – wie in ihren Zwanzigern und Dreißigern – in Sachen Outfit mal etwas Neues und Anderes zu trauen. Was verständlich ist: Die Omnipräsenz von glatten Pfirsichgesichtern in den Medien und die ungezählten Stiltipps, was man ab einem gewissen Alter tragen soll, kann, darf oder besser nicht, können einem ja auch Angst machen. Besonders, wenn man im Vergleich mit Yoga-gestählten 40plus-Insta-Ladys eine nicht ganz so gute Figur macht. Nicht jede hat Arme wie Michelle Obama oder einen „Butt“ wie JLo.

(Nicht nur) Für diese Frauen habe ich ein Buch geschrieben: „Die beste Zeit für guten Stil“. Untertitel „Fashion for Women. Not Girls.“ Erschienen ist es im Knesebeck-Verlag. Um Trends geht es dabei kein bisschen und auch nicht darum, was besonders vorteilhaft ist und wie man sogenannte „Problemzonen“ (von denen sich bei mir reichlich finden!) besonders gut kaschiert. Nichts muss, alles kann.

Tatsächlich habe ich seit meinem 45. Geburtstag so viel Spaß an Mode wie nie zuvor! Sicher, der Zahn der Zeit nagt auch an mir – so what? Stattdessen habe ich zu bieten: Selbstbewusstsein und ein Freiheitsgefühl, wie es erst diese Lebensphase hervorbringt: Schluss damit, anderen etwas beweisen zu wollen – ich muss nur noch mir selbst gefallen! Ich trage die Mode, die meine Persönlichkeit ausdrückt und die mir Spaß macht. Genau dazu will ich auch andere Frauen ermutigen und genau deshalb habe ich „Die beste Zeit für guten Stil“ geschrieben: einen Stilguide ohne Stilregeln. Ein Modebuch, das nichts verbietet, sondern Mut macht: das eigene Leben in die Hand zu nehmen, ja, auch modisch – und sich dabei auch nicht von Bauchspeck und Winkeärmchen aufhalten zu lassen.

Das Schöne ist: Mit dieser Haltung bin ich nicht alleine. In „Die beste Zeit für guten Stil“ werden elf Frauen zwischen 47 und 69 portraitiert, die genau für diese Einstellung stehen und Mode ganz nach ihrer persönlichen Façon leben. Stil ist für sie die Freiheit, sich so zu zeigen, wie sie sich fühlen. Eines meiner liebsten Zitate: „Hört nicht auf den Rat eurer Freundinnen. Tragt, wozu ihr Lust habt!“ Ja! Die porträtierten Frauen lassen sich weder durch ihr Geburtsdatum noch durch ihre Kleidergröße aus der Ruhe bringen. Und sie zeigen: Die beste Zeit für guten Stil ist genau jetzt. Für jede Frau in jedem Alter.

Susanne Ackstaller ist Texterin, Kolumnistin, Bloggerin auf texterella.de und Autorin! Mit „Die beste Zeit für guten Stil" erschien im Februar 2021 ihr erstes Buch.