Die Tampon-Revolution: Diese Bio-Marken verändern den Markt für Hygieneartikel

Bislang werden auf Tampon-Packungen keine Inhaltsstoffe aufgelistet. Doch das könnte sich bald ändern: Wir stelllen junge Unternehmerinnen vor, die mit ihren Start-ups für Bio-Tampons für mehr Transparenz bei Damenhygiene-Produkten sorgen wollen.

Frauenhände halten einen Tampon mit türkisem Rückholbändchen zwischen den Fingern

Jeden Monat werden sie verwendet, doch nur die wenigsten Frauen wissen, aus was sie hergestellt sind: Tampons. Für viele Jungunternehmerinnen ein Grund, ihre eigenen Bio-Tampon-Marken zu gründen.

Sie haben keine Ahnung, aus welchem Material Tampons bestehen? Dann sind Sie damit nicht alleine. Denn neun von zehn Frauen wissen nicht, aus was die Hygieneprodukte hergestellt werden, dabei benutzen Frauen bis zu 10.000 Stück in ihrem Leben. Die Start-ups JUNO & me und The Female Company  möchten das nun ändern – und mit Bio-Tampons den Markt revolutionieren.

Für mehr Transparenz bei Hygieneprodukten

Schuld an dieser Unwissenheit ist nicht das mangelnde Interesse der Konsumentinnen, sondern die Verschwiegenheit der Hersteller. Denn bei Tampons muss – anders als etwa bei Kleidung oder Shampoo – nicht angeben werden, aus welchem Material sie gemacht sind. Grund dafür ist, dass Hygieneprodukte unter die Kategorie „Bedarfsgegenstände“ fallen und für diese keine Deklarationspflicht besteht. „Und das bei einem Produkt, dass Frauen insgesamt mehrere Jahre in ihrem Körper tragen. Das ist eigentlich verrückt,“ findet Julia Steigerwald, die Gründerin des Bio-Tampon-Unternehmens JUNO & me.

Wer jetzt neugierig geworden ist, eine Tampon-Packung aus dem Badezimmerschrank umdreht und dort auf Antworten hofft, wird meist enttäuscht. Denn dort findet man in der Regel lediglich Hinweise dazu, woraus der Rückholfaden, die Verpackung und der Beipackzettel gefertigt wurden. Aus welchem Material der Tampon selbst besteht, verraten nur die wenigsten Hersteller.

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Die menschliche Schleimhaut – auch die in den weiblichen Geschlechtsorganen – kann man sich wie einen Schwamm vorstellen, der Inhaltsstoffe aus der Umgebung aufsaugt und deshalb besonders empfindlich auf fremde Einflüsse reagiert. „Es ist absurd, dass es für Hygieneprodukte wie Tampons kaum Regularien gibt. Obwohl sich Tampons an einer unserer empfindlichsten und absorbierendsten Stellen im Körper befinden, sind Hersteller hier komplett frei“, erklärt Ann-Sophie Claus, eine der Gründerinnen von The Female Company. „Diese Intransparenz führt dazu, dass die meisten davon ausgehen, dass Tampons aus Baumwolle sind. Dabei enthalten viele nicht einmal 0% Baumwolle“, erklärt Julia Steigerwald von JUNO & me.

Aus was bestehen Tampons?

Ursprünglich wurden Tampons auch aus reiner Baumwolle hergestellt, da sie das saugfähigste Naturmaterial ist. Stammt die Baumwolle aus Bio-Anbau, sind Tampons – sofern sie regelmäßig gewechselt werden – unbedenklich. Doch da konventionell angebaute Baumwolle zu den am häufigsten mit Pestiziden behandelten Pflanzen weltweit gehört und deshalb oft mit Rückständen belastet ist, kann dies zu Reizungen der Schleimhaut führen. Zudem werden viele Tampons heute mit Chemiefasern wie Viskose durchzogen – unter anderem, um die Tampons gleit- und saugfähiger zu machen. Doch genau diese Stoffe stehen im Verdacht, das Risiko für das Toxische Schock Syndrom (TSS) zu erhöhen.

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Mit Bio-Tampons den Markt verändern

Während wir immer wählerischer dabei werden, welche Lebensmittel wir zu uns nehmen oder für welche Tagescreme wir uns entscheiden, sieht das bei Hygieneprodukten meist anders aus. Doch auch hier tut sich etwas. Denn immer mehr Frauen fordern mehr Transparenz und gründen deshalb ihre eigenen Tampon-Unternehmen. „Es wird einfach Zeit zu hinterfragen, was wir da eigentlich monatlich in uns einführen“, ist sich Ann-Sophie Claus sicher.

Neben Hollywood-Schauspielerin Jessica Alba, die mit ihrem Label honest schon seit Jahren auf Tampons aus Bio-Baumwolle setzt, werden auch in Deutschland immer mehr Labels dieser Art gegründet. So zum Beispiel The Female Company und Juno & Me. Die beiden Start-ups werden von Frauen geführt, die selbst wissen wollten, was sie jeden Monat während ihrer Regelblutung in sich einführen und deshalb Tampons aus 100 Prozent Bio-Baumwolle herstellen. Diese unterscheiden sich optisch und in der Handhabung übrigens nicht von anderen Tampons – denn Größe und Co. sind genormt. Wer bei Bio-Tampons an kratzige Qualität und langweiliges Verpackungsdesign denkt, liegt falsch.

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The Female Company baut auf freche Sprüche und von Künstlerinnen entworfene Verpackungen. Neben Tampons planen die beiden Gründerinnen gerade weitere Hygieneprodukte und versuchen über eine Crowdfunding-Aktion, eine kompostierbare Variante der Verpackungsfolie zu entwickeln. Die Marke JUNO & me setzt auf cleanes Design in Mint, ist bereits mit dem GOTS-Siegel für 100 Prozent Bio-Baumwolle zertifiziert und produziert in Deutschland.

Bei beiden deutschen Start-ups kann man ein Abo abschließen, mit dem jeden Monat individuelle Tampon-Packungen nach Hause geliefert werden. Was die beiden Unternehmen zudem von den großen Herstellern unterscheidet ist, dass die Tampons kompostierbar sind und für jedes abgeschlossene Abo eine Spende einem Hilfsprojekt für Frauen zugutekommt. Mit der natürlichsten Sache der Welt kann man also gleichzeitig Positives für die Umwelt und andere Frauen bewirken.