Manisch-depressiv: So lässt sich eine Bipolare Störung erkennen und behandeln

Himmelhoch jauchzend, dann wieder zu Tode betrübt? Dieses emotionale Auf und Ab kennen viele. Doch bei Menschen mit bipolarer Störung beherrschen Stimmungsschwankungen das Leben. DONNA Online erklärt, welche Anzeichen auf die Krankheit hinweisen und wo Betroffene Hilfe finden.

Schwarz-Weiß-Foto einer Frau, deren Stimmung zwischen Depression, ausgeglichener Stimmung und Manie schwankt

Von Depression zu Hochstimmung: Extreme Gefühlsschwankungen können auf eine Bipolare Störung hindeuten.

Vielen ist das im Alltag nicht unbekannt: Manchmal gibt es Tage, an denen man euphorisch ist und glaubt, Bäume ausreißen zu können. An anderen Tagen wiederum möchte man am liebsten nicht mal aus dem Bett kriechen. Doch für einige Menschen ist „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ mehr als nur eine lapidare Formulierung ihrer Stimmungszustände. Die bipolare Störung, auch bekannt als manisch-depressive Erkrankung, zählt nach Informationen des Bundesgesundheitsministeriums (BGM) neben Alkoholerkrankungen, Schizophrenie und Depressionen weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. In Deutschland sind rund ein bis drei Prozent der Bevölkerung betroffen, die Dunkelziffer ist jedoch hoch.

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Doch was unterscheidet die bipolare Störung eigentlich von gewöhnlichen Stimmungsschwankungen? Es ist vor allem die starke Intensität der Gefühle, unter der Betroffene leiden, die ein normales Alltagsleben kaum möglich macht. Außerdem fehlen meist nachvollziehbare Gründe oder Ursachen, die manische oder depressive Schübe auslösen. Die Konsequenzen der Achterbahnfahrt von extremer Hochstimmung und Niedergeschlagenheit sind gravierend, beeinflussen sie doch auch den Körper, die Gefühle, das Denken und schließlich die Fähigkeit zur Lebensbewältigung. Es ist keine Seltenheit, dass für Betroffene in solchen manischen oder depressiven Phasen alles auf dem Spiel steht: Partnerschaft, Familie, Beruf, Finanzen.

Das tückische an dieser psychischen Erkrankung ist vor allem, dass sie meist sehr spät oder gar nicht erkannt wird. Die Verläufe können sehr unterschiedlich sein: Bei der Bipolar-I-Erkrankung liegen die mindestens eine Woche anhaltenden Phasen zeitlich weit auseinander, manchmal sogar über Jahre hinweg. Bei der Bipolar-II-Erkrankung sind die Phasen der Hochstimmung kürzer, die der Depression dafür umso schwerwiegender.

Egal ob Manager, Bauarbeiter oder Hausfrau: Die manisch-depressive Erkrankung ist in jeder Bevölkerungsschicht zu finden, nimmt aber meist im jungen Erwachsenenalter ihren Anfang. Bei der wissenschaftlichen Klärung der Ursachen sind noch viele Fragen offen, man geht jedoch davon aus, dass genetische, biologische und psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen. Auch Medikamente und Suchtmittel können zum Ausbruch der Erkrankung beitragen.

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Bipolare Störungen: Was sind die Symptome?

Die Phasen der Hochstimmung, der Manie, können durch viele Merkmale gekennzeichnet sein, die von Ablenkbarkeit, Ruhelosigkeit, Rededrang sowie ein vermindertes Schlafbedürfnis über gesteigerte, ständig wechselnde Aktivität, Ideenflucht und Gedankenrasen bis hin zum Verlust sozialer Hemmungen, überhöhter Selbsteinschätzung und überdrehtem, rücksichtslosem Verhalten reichen. Nach dem weltweit anerkannten diagnostischen Klassifikationssystem (ICD) spricht man von einer Manie, wenn zumindest drei der Symptome in Verbindung mit einer mindestens einwöchigen Hoch- und/oder gereizten Stimmung vorliegen. In abgeschwächter Form spricht man dagegen von einer Hypomanie. Dabei sind die extremen Gefühle zwar nicht so ausgeprägt, hypomanische Episoden können aber ebenfalls zu einer Manie führen – vor allem, wenn die Abstände der Episoden immer kürzer werden.

Die depressive Phase, die für eine Diagnosestellung mindestens zwei Wochen andauern muss, umfasst vor allem Antriebsmangel, Verlust von Interesse und Freude sowie depressive Stimmung. Meist werden die Symptome von anderen Merkmalen wie Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen, Appetitstörung, Schlafstörungen und Unentschlossenheit begleitet, können aber auch Todes- und Suizidgedanken beinhalten.

Darüber hinaus kann es auch zu einer Art Mischzustand der beiden Phasen kommen. In der gemischten Episode folgen die extremen Gefühlsschwankungen entweder sehr kurz aufeinander oder treten sogar gleichzeitig auf.

Falls Sie glauben, dass Sie oder ein Angehöriger möglicherweise von einer bipolaren Störung betroffen sind, können Sie sich bei der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS) einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung herunterladen. Einen Gang zum Facharzt oder Psychologen ersetzt dieser Fragebogen jedoch nicht.

Therapie: Wie kann man eine bipolare Störung behandeln?

Eine bipolare Störung muss meist ein ganzes Leben lang behandelt werden. Es gibt jedoch zahlreiche Möglichkeiten, die Intensität der Erkrankung in Schach zu halten. Hat der oder die Betroffene einen aktuellen Schub, ist die Akutbehandlung nach der Diagnosestellung enorm wichtig, um den Gemütszustand zu stabilisieren und eine Krankheitseinsicht herbeizuführen. Im Anschluss folgen die Erhaltungstherapie, die den Patienten weiter festigen soll, und die Prophylaxe, um Rückfällen vorzubeugen.

Während bei den Sofort-Hilfe-Maßnahmen meist Medikamente wie Stimmungsstabilisierer – zum Beispiel Lithium, Valproat oder Olanzapin – zum Einsatz kommen, um die Lage zu deeskalieren, bauen die weiteren Behandlungsschritte vor allem auf einer Psychotherapie auf. Denn nur, wenn Betroffene lernen, mit der manisch-depressiven Erkrankung umzugehen, ihre Frühsymptome zu erkennen und geeignete Maßnahmen und Strategien anzuwenden, ist es möglich, erneuten Schüben vorzubeugen oder deren Abstände zumindest soweit es geht zu vergrößern. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die Wachtherapie sowie die Elektrokrampftherapie (EKT), die unter Kurzzeit-Vollnarkose durchgeführt wird. Welche Therapiemaßnahmen geeignet sind, hängt vom individuellen Verlauf sowie dem Schweregrad der bipolaren Störung ab.

Hilfe in Anspruch nehmen: Beratung bei bipolaren Störungen

Nicht nur für Betroffene, sondern auch für Angehörige empfehlen sich eine Psychoedukation, bei der über alle Aspekte der bipolaren Störung aufgeklärt wird, sowie die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Viele Familienangehörige und Freunde sind mit der Erkrankung des geliebten Menschen oft überbelastet und gehen häufig an ihre eigenen Belastungsgrenzen. Auch für sie ist es enorm wichtig, sich zu informieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe einzuholen.

Folgende Organisationen sind erste Anlaufstellen, um sich mit dem Krankheitsbild vertraut zu machen, eine geeignete Selbsthilfegruppe zu finden oder Antworten auf individuelle Fragen zu bekommen:

Nützliche Adressen: