Sind E-Zigaretten wirklich eine gesündere Alternative für Raucher?

E-Zigaretten versprechen Rauchern, das Bedürfnis nach Nikotin auf weniger schädliche Weise zu stillen. Doch sind elektronische Zigaretten tatsächlich eine gesündere Alternative zur herkömmlichen Zigarette? DONNA Online sprach mit einer Expertin.

Close-up einer Frau, die an einer E-Zigarette zieht und eine Rauchwolke ausstößt

Können Raucher bedenkenlos zur E-Zigarette greifen – oder ist die elektronische Variante genauso gesundheitsschädlich wie herkömmliche Glimmstängel? DONNA Online sprach mit Dr. Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Während E-Zigaretten von den Herstellern als gesündere Alternative zur herkömmlichen Zigarette angepriesen werden, bleiben die elektronischen Zigaretten unter Medizinern und Nikotin-Gegnern umstritten. Wie funktionieren die E-Glimmstängel überhaupt und welche Auswirkungen haben sie auf die Gesundheit von Rauchern und deren Mitmenschen? DONNA Online sprach mit Dr. Ute Mons, Abteilungsleiterin der Stabsstelle Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum über die Funktionsweise, Suchtgefahr und gesundheitlichen Risiken der E-Zigarette.

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DONNA Online: Wie funktionieren E-Zigaretten und was sind Liquids?
Dr. Ute Mons: E-Zigaretten erhitzen eine aromatisierte, meist nikotinhaltige Flüssigkeit (Liquid) und vernebeln diese. Das dabei entstehende Aerosol wird – ähnlich wie beim Rauchen – vom Konsumenten inhaliert. Es gibt viele verschiedenen E-Zigarettentypen; E-Zigaretten werden ständig weiterentwickelt. E-Zigaretten der ersten Generation ähneln Zigaretten („cig-a-likes“), E-Zigaretten der zweiten Generation sind wiederauffüllbar und haben einen wiederaufladbaren Akku. E-Zigaretten der dritten Generation haben einen regelbaren Akku und meist ein größeres Fassungsvermögen. Die Liquids bestehen aus Propylenglykol und/oder Glycerin in verschiedenen Mischungsverhältnissen und enthalten außerdem in der Regel Aromen (in etlichen verschiedenen Geschmacksrichtungen) und meist Nikotin.
 
Immer mehr Raucher greifen der Gesundheit zuliebe zu E-Zigaretten -– doch sind diese wirklich gesünder als normale Zigaretten?
Zigarettenrauch ist ein komplexes Gemisch aus Tausenden Partikeln und Gasen, die überwiegend durch das Verbrennen der Zigarette entstehen, darunter mindestens 250 toxische und mindestens 90 als krebserzeugend geltende Substanzen. Das Aerosol von E-Zigaretten enthält deutlich weniger Schadstoffe als Zigarettenrauch, insofern ist davon auszugehen, dass E-Zigaretten deutlich weniger schädlich sind als normale Zigaretten. Harmlos sind E-Zigaretten allerdings trotzdem nicht! Einzelne Aromen wirken bei Inhalation atemwegsreizend. Nikotin steht im Verdacht, Herz-Kreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes zu fördern und fördert das Wachstum von Tumoren. Die Partikel des Aerosols können tief in die Lunge vordringen. Mögliche daraus resultierende langfristige Gesundheitsbelastungen sind derzeit jedoch unbekannt.
 
Vorteile vs. Risiken: Würden Sie Rauchern zur E-Zigarette raten, um sich das Laster abzugewöhnen?
E-Zigaretten sind derzeit nicht zur Tabakentwöhnung zugelassen. Als wirksamste Hilfe für einen Rauchstopp hat sich in klinischen Studien eine Verhaltenstherapie in Kombination mit Nikotinersatzprodukten (Nikotinkaugummi, -pflaster) erwiesen. Ich würde Rauchern aber auch nicht davon abraten, durch einen Umstieg auf E-Zigaretten zu versuchen, von der Tabakzigarette loszukommen. Für einige Raucher können E-Zigaretten als weniger schädliche Alternative zum Tabakkonsum durchaus eine Lösung sein. Allerdings sollte man dann vollständig auf E-Zigaretten umsteigen und den Zigarettenkonsum komplett einstellen – ansonsten ist kein großer gesundheitlicher Vorteil zu erwarten. Angesichts der unklaren Gesundheitsgefährdung bei Langzeitnutzung von E-Zigaretten sollte das langfristige Ziel idealerweise aber sein, auch irgendwann mit der E-Zigarette aufzuhören.

Porträtfoto von PD Dr. Ute Mons, Abteilungsleiterin der Stabsstelle Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum

Dr. Ute Mons ist Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum.

Können E-Zigaretten ebenfalls süchtig machen?
Moderne E-Zigaretten geben das Nikotin ähnlich effektiv ab wie Tabakzigaretten und erfahrene E-Zigarettenkonsumenten erreichen ähnliche Nikotinspiegel wie Raucher. Es ist daher davon auszugehen, dass E-Zigaretten ein ähnliches Abhängigkeitspotential bergen wie Tabakzigaretten.
 
Stichwort Krebs: Erhöhen E-Zigaretten wie herkömmliche Zigaretten das Risiko, daran zu erkranken?
Im Aerosol von E-Zigaretten konnten in Abhängigkeit von E-Zigarettentyp, Batteriestärke und Liquid auch krebserzeugende Substanzen nachgewiesen werden. Diese werden vor allem beim starken Erhitzen/Überhitzen des Liquids gebildet, bei sachgemäßem Gebrauch sind hingegen kaum krebserzeugende Substanzen enthalten. Im Vergleich zu Tabakzigaretten ist das krebserzeugende Potential von E-Zigaretten deutlich minimiert.
 
Gefährdet die E-Zigarette ebenfalls Passivraucher?
Die passive Belastung durch E-Zigaretten-Aerosol unterscheidet sich vom Passivrauchen grundsätzlich darin, dass Aerosol nur dann produziert wird, wenn der Konsument die E-Zigarette aktiviert. Es gibt also, anders als beim Rauchen, keinen Nebenstromrauch (das ist der Rauch, der durch das Glimmen der Zigarette zwischen den Zügen entsteht). Demnach belastet beim E-Zigarettenkonsum ausschließlich das vom Konsumenten ausgeatmete Aerosol die Raumluft. Dabei gelangen mit dem Aerosol auch potentielle Schadstoffe in die Raumluft. Somit tragen E-Zigaretten zur Belastung der Raumluft bei, wenn auch in wesentlich geringerem Maße als Tabakrauch.

Das Ausmaß der daraus resultierenden Gesundheitsgefährdung ist derzeit unbekannt – dies wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen können. Die Innenraumhygienekommission des Umweltbundesamtes empfiehlt dennoch im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes, dass E-Zigaretten nicht in Nichtraucherbereichen verwendet werden sollten.