Zervixkarzinom: So stehen die Heilungschancen bei Gebärmutterhalskrebs

Aus einer unbemerkten Zellveränderung in der Gebärmutter kann Jahre später Gebärmutterhalskrebs entstehen. Im Interview erklärt Professor Dr. Wolfgang Janni, Direktor der Frauenklinik in Ulm, wie ein Zervixkarzinom erkannt und behandelt wird – und wie Sie frühzeitig vorbeugen können.

Frau in Jeans hält sich mit beiden Händen den Unterleib

Regelmäßige Vorsorge beim Frauenarzt ist wichtig: Wie Frauen Gebärmutterhalskrebs frühzeitig vorbeugen und erkennen können, erklärt Experte Professor Dr. Wolfgang Janni im DONNA-Interview.

Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken in Deutschland jährlich über 4.300 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Dabei sind die meisten Patientinnen zwischen 40 und 60 Jahre alt. Bei einer frühzeitigen Diagnose lässt sich das bösartige Zervixkarzinom mittlerweile gut behandeln und vollständig heilen. Wie eine bösartige Erkrankung der Gebärmutter diagnostiziert werden kann, welche Frauen besonders gefährdet sind und wie Sie Gebärmutterhalskrebs vorbeugen können, erklärt Professor Dr. Wolfgang Janni, der Ärztliche Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Ulm, im DONNA-Interview.

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DONNA Online: Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs?
Prof. Dr. Wolfgang Janni: Die Entdeckung von Professor zur Hausen, dass Gebärmutterhalskrebs durch HPV-Viren (Humane Papillom Virus) verursacht wird, war bahnbrechend und hat ihm viele Jahre später den begehrten Medizin-Nobelpreis beschert. Wir gehen heute davon aus, dass eine HPV-Infektion bei der überwiegenden Mehrheit von jungen Frauen geschieht. Bei den meisten Frauen heilt die Infektion von selbst aus. Nur wenn die HPV-Viren vom körpereigenen Immunsystem nicht vertrieben werden (persistierende HPV-Infektion), entstehen daraus Zellveränderungen, die zunächst zu einer Krebsvorstufe (CIN: zervikale intraepitheliale Neoplasie) führen. Auch in den frühen Krebsvorstufen ist noch eine Ausheilung möglich. Kommt es zu einem Voranschreiten der Zellveränderungen, entsteht daraus dann Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom oder invasives Zervixkarzinom).
 
Wer ist besonders gefährdet, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken?
Es sind vor allem Frauen gefährdet, bei denen die Ausheilung der HPV-Infektion oder der frühen Zellveränderungen behindert wird, insbesondere bei einer Schwächung des Immunsystems. Wir wissen heute, dass Frauen, die rauchen, besonders gefährdet sind sowie auch Frauen, bei denen das Immunsystem grundsätzlich geschwächt ist, etwa bei einer HIV-Infektion oder bei Patientinnen, die Immunsuppressiva einnehmen müssen. Bei mehr Exposition zu sogenannten Highrisk HP-Viren – das heißt bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern – und bei Raucherinnen ist das Risiko ebenfalls erhöht.

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Wie gut sind die Heilungschancen?
Die Heilungschancen sind bei einer Krebsvorstufe, wie sie meist durch die regelmäßige Krebsvorsorge festgestellt wird, nahezu 100 Prozent. In den meisten Fällen muss die Gebärmutter nicht als Ganzes entfernt werden, sondern nur ein Gewebskonus im unteren Teil des Gebärmutterhalses. Liegt ein invasives Zervixkarzinom vor, muss in der Regel die Gebärmutter mit umgebendem Gewebe entfernt werden, gegebenenfalls auch die Lymphknoten, welche die Gebärmutter drainieren. Das ist dann zwar eine weiterführende Operation, diese kann jedoch in der Regel minimalinvasiv, also durch Schlüssellochchirurgie, durchgeführt werden und verspricht eine sehr gute Heilungschance. Nur bei Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Stadium (ab Stadium 2 B oder Stadium 3) sind die Überlebensraten deutlich geringer, so dass in diesem Stadium ein höherer Anteil der Patientinnen nicht mehr geheilt werden kann.

Wie kann ich Gebärmutterhalskrebs vorbeugen?
Die regelmäßige jährliche Krebsvorsorge bei Frauenärztin oder Frauenarzt ist das wichtigste Instrument zur Vermeidung einer fortgeschrittenen Gebärmutterhalskrebserkrankung. Durch die regelmäßige Vorsorge werden Zellveränderungen in der Regel bereits als Krebsvorstufe festgestellt, spätestens als sehr frühes invasives Zervixkarzinom – in beiden Fällen mit hervorragenden Heilungsraten. Bei der Krebsvorsorgenuntersuchung wird in der Regel ein Abstrich der Zellen des Muttermundes durchgeführt, der sogenannte PAP-Test. Die untersuchten Zellen können Zellveränderungen sehr früh signalisieren. Bei Patientinnen ab dem 35. Lebensjahr kann durch eine Kombination aus zytologischem Abstrich und HPV-Test das Intervall auf alle drei Jahre erweitert werden. In diesem Fall sollten Patientinnen dies sorgfältig mit ihrem Arzt absprechen und dennoch zu einer jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei ihrem Gynäkologen vorstellig werden.

Das wichtigste Instrument, eine Zellveränderung bereits durch eine persistierende HPV-Infektion zu vermeiden, ist die Impfung von jungen Mädchen, die von der ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen wird. Diese Standardimpfung führt zu einer sehr sicheren Vermeidung einer krankheitsauslösenden, persistierenden HPV-Infektion. Die HPV-Impfung ist gut verträglich, die häufigsten Nebenwirkungen sind – wie bei anderen Impfungen auch – Kopfschmerzen und Reaktionen an der Einstichstelle, zum Beispiel Rötungen. Ernste Nebenwirkungen treten extrem selten auf und sollten Eltern nicht davon abhalten, bei ihren Töchtern die HPV-Impfung durchführen zu lassen.

Porträtbild von Professor Dr. Wolfgang Janni, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinkums Ulm

Professor Dr. Wolfgang Janni, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinkums Ulm.

Wenn beim Routine-Check sowohl PAP-, als auch HPV-Test positiv ausfallen, muss ich dann zwangsläufig operiert werden oder kann eine HPV-Infektion auch von allein wieder verschwinden? 
Die HPV-Infektion kann wie auch frühe Zellveränderungen spontan ausheilen. Wichtig ist, dass Auffälligkeiten bei der Abstrichuntersuchung weiter abgeklärt werden und die Patientin in einer sogenannten Dysplasiesprechstunde vorgestellt wird. Hier wird unter mikroskopischer Sicht eine Gewebsprobe entnommen, die dann darüber entscheidet, ob eine weiterführende Operation durchgeführt werden muss.

Wie läuft eine OP am Gebärmutterhals genau ab? Gibt es verschiedene Operationsverfahren?
Die Operation am Gebärmutterhals läuft abhängig von dem Ausmaß der Gewebsveränderungen ab. Bei sehr frühen Gewebsveränderungen reicht diese begrenzte Gewebsentnahme, zum Beispiel im Sinne einer Konisation (red. Anmerkung: Entnahme eines kegelförmigen Gewebeteils aus dem Muttermund) oder bei weitergehenden Gewebsveränderungen die Entfernung der gesamten Gebärmutter und auch der dazugehörigen Lymphknoten. Die Beratung über das Ausmaß der Operation sollte ausführlich in Abhängigkeit des Tumorstadiums, der Tumorbiologie und natürlich auch des bestehenden Kinderwunsches der Patientin durch den betreuenden Operateur erfolgen.

Wie hoch ist das Risiko nach einer OP erneut an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken?
Die operative Therapie von Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium führt zu einer sehr hohen Heilungsrate, so dass das Risiko der Wiederkehr der Erkrankung insgesamt niedrig ist. Das Risiko für ein sogenanntes Rezidiv ist bei fortgeschrittenen Stadien deutlich höher. Der Fokus muss deshalb darauf liegen, die Zellveränderungen durch eine Impfung zu vermeiden und Zellveränderungen bereits früh zu diagnostizieren, um ein späteres Tumorstadium von vornherein zu vermeiden. Bei beginnenden Zellveränderungen kann eine HPV-Impfung, sofern sie noch nicht stattgefunden hat, zusätzlich hilfreich sein.