Psoas, Darm, Selbstfindung: DONNA testet 5 neue Gesundheitsratgeber

Früher las man Ratgeber, wenn man einen Bauerngarten anlegen oder Steuern sparen wollte. Heute gibt es so viele, als könne man ohne sie den Alltag nicht mehr bewältigen. Braucht man diese Bücher wirklich? Das DONNA-Team hat fünf Neuerscheinungen getestet.

Ältere Frau mit kurzen weißen Haaren und Brille sitzt neben einem vollen Bücherregal und liest einen Ratgeber

Brauchen wir Ratgeber, um ein besseres Leben zu führen? DONNA testete.

1. „Wer länger sitzt, ist früher tot. Das Erste-Hilfe-Programm für Vielsitzer” – getestet von Susanne Herda

Dieser Autor trägt ganz klar keine Samthandschuhe: „Daran, dass wir krank werden, sind wir selbst schuld“ – schreibt Frank Thömmes im ersten Teil seines Erste-Hilfe-Programms für Vielsitzer. 75 Prozent der Zeit, in der wir nicht schlafen, verbringen wir offenbar sitzend. Doch dafür ist unser Körper logischerweise nicht gemacht und die Folgen kennen wir: Rücken- und Gelenkbeschwerden, Gewichtsprobleme und Konzentrationsschwächen. Aber warum ist das so? Leider kommt der Abschnitt über das Muskel-Skelett-System über den Charakter einer Einleitung nicht hinaus. Überhaupt werden im theoretischen Teil zu viele Themen schnell auf- und auch wieder zugemacht.

Viel besser gelungen ist der lösungsorientierte Teil des Ratgebers. Ob Stehpult, Mittagsspaziergang oder Treppentag – die Anregungen lassen sich schnell blättern und auf Tauglichkeit für das eigene Leben prüfen. Herzstück des Ratgebers sind die 40 „lebensverlängernden“ Übungen. Bei bis zu vier Fotos pro Übung, einer gut verständlichen Anleitung und vielen Querverweisen findet man kaum mehr Ausreden, sitzen zu bleiben.

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Mein Fazit:

Ich hab’s trotzdem noch nicht geschafft, die Übungen in meinen Büroalltag zu integrieren. Einzig zu Hause unterbreche ich längere Sitzzeiten inzwischen konsequent mit dem „Hüftstrecker“ und der „Dehnung der Gesäßmuskulatur“. Und ich stehe zwischendurch einfach öfter mal auf. Fühlt sich verdammt gut an.

Cover des Ratgebers „Wer länger sitzt, ist früher tot. Das Erste-Hilfe-Programm für Vielsitzer” von Frank Thömmes und Porträt von DONNA-Redakteurin Susanne Herda

„Wer länger sitzt, ist früher tot. Das Erste-Hilfe-Programm für Vielsitzer” von Frank Thömmes, Riva, 15 Euro.

2. „Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität” – getestet von Katja Nele Bode

Eigentlich sollte ich ein anderes Achtsamkeits-Buch testen, aber es hat mich nervös gemacht, weil es überhaupt nicht auf den Punkt kam. Dann bin ich auf diesen hübschen Titel gestoßen.

Der Autor will uns die Lehre der Authentizität vermitteln. Heißt: Jeder von uns trägt einen Wesenskern in sich, den es genau so nur ein einziges Mal gibt. Und wir können erst ein erfülltes Leben führen, wenn wir diesen Kern nicht eindellen, zukleistern oder zum Schweigen bringen – was ja in unserer gehetzten, leistungsorientierten Lebensweise oft der Fall ist.

Der Clou des Buches, das gar nicht wie ein Ratgeber daherkommt: Es erzählt eine Art Märchen, das man an zwei Abenden durchhat und das die Suche nach dem Selbst ganz simpel abkürzt. Wir müssen nur eine Frage zulassen: „Was will ich wirklich?“ Und in dem Moment, in dem man das liest, hat es eine enorme Sprengkraft. Statt „Du musst fünfmal am Tag das machen“, liest man die Geschichte eines Mönches, der in eine namenlose Stadt kommt, dort jeden Abend einem Sinnsuchenden eine Frage beantwortet und anschließend einen Mai Tai trinkt. Eine Psychologin will etwas über die Liebe wissen, ein Berater etwas über Ängste…

Mein Fazit:

Hat man die kleinen Episoden gelesen, fühlt man sich plötzlich ganz leicht und klar. Alles kribbelt und vibriert; eine beglückende Sehnsucht nach dem eigenen Selbst setzt ein. In den Tagen danach unterscheidet man viel leichter, was richtig und falsch ist. Bei mir ist definitiv ein Türchen aufgegangen und es bleibt spannend, wohin es führt.

Cover des Ratgebers „Der Mai Tai trinkende Mönche und die Lehre der Authentizität” und Porträt von DONNA-Autorin Katja Nele Bode

„Der Mai Tai trinkende Mönch und die Lehre der Authentizität” von Stefan Weiß, Goldmann, 9 Euro.

3. „Die Alpen-Apotheke” – getestet von Elina Gathof

Vom Ackerschachtelhalm bei Blasenentzündung bis zu Ringelblumen bei Hautverletzungen: In seinem Buch stellt Arnold Achmüller die wichtigsten Heilpflanzen des Alpenraumes vor. Keine Angst, hier kommt kein klassischer Pflanzenführer, sondern unterhaltsame Kräuterporträts bekannter Alpengewächse samt Inhaltsstoffen, das Ganze hübsch übersichtlich nach Gesundheitsbeschwerden gegliedert.

Das Besondere: Jedes Kapitel wird mit aktuellen Forschungsergebnissen ergänzt, sodass sowohl die überlieferten Effekte als auch die jüngst nachgewiesene Wirkung der Kräuter präsentiert wird. Praktisch und gut erklärt sind die vielen Rezeptvorschläge für Salben, Wickel und Tinkturen.

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Mein Fazit:

Das Buch ist dank der schönen Illustrationen ein echter Hingucker – das ist mir auch bei einem Ratgeber wichtig. Außerdem ist es übersichtlich strukturiert und sehr informativ. Man muss den Ratgeber nicht in einem Stück lesen, sondern kann auch mal nur durchblättern und darin stöbern. Bevor ich künftig zu klassischen Arzneimitteln greife, werde ich erst mal in meiner Alpen-Apotheke nachschlagen.

Cover des Ratgebers „Die Alpen-Apotheke” und Portät von DONNA-Bildredakteurin Elina Gathof

„Die Alpen-Apotheke” von Arnold Achmüller, Knaur MensSana, 17 Euro.

4. „Das neue Psoas-Training” – getestet von Denise Drahtmüller

Man ahnt ja nicht, was man so alles in seinem Körper hat: Darf ich vorstellen, der Psoas. Diese Muskelkombination aus Darmbeinmuskel, großem und kleinem Lendenmuskel stellt die Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper dar und stabilisiert die Lendenwirbelsäule. Die Autoren machen schnell klar, wie wichtig der Psoas ist, warum auch Stress ihm schadet und wie man ihn richtig trainiert.

Dann folgt ein Test, um die eigene Psoas-Stärke zu ermitteln: Gerade auf einen Stuhl setzen, einen Fuß etwa fünf Zentimeter vom Boden abheben, Position zehn Sekunden halten, für drei Sekunden abstellen und das ganze insgesamt zehnmal wiederholen. Gelingt dies problemlos, ist er gut trainiert. Für den gegenteiligen Fall – der meistens vorliegt – gibt es ergänzende Übungen zu gängigen Sportarten wie Laufen, Schwimmen und Radfahren sowie „Everyday Programme“, die helfen, diesen Muskel zu stärken.

Mein Fazit:

Bis ich den Ratgeber gelesen habe, kannte ich den Begriff „Psoas“ gar nicht. Doch jetzt weiß ich, für wie viele Probleme ein so unbekannter Teil des Körpers verantwortlich sein kann. Das „Everyday Programm“ werde ich wohl ab jetzt öfter machen.

Cover des Ratgebers „Das neue Psoas-Training” und Portät von DONNA-Volontärin Denise Drahtmüller

„Das neue Psoas-Training” von Prof. Dr. Froböse und Ulrike Schöber, Südwest, 20 Euro.

5. „Chaos im Darm. Hilfe aus der Natur bei Leaky-Gut Syndrom, Darmpilzen, Allergien und Verstopfung“ – getestet von Nina Berendonk

Schon der Buchtitel – „Chaos im Darm. Hilfe aus der Natur bei Leaky-Gut-Syndrom, Darmpilzen, Allergien und Verstopfung“ – ist ein Traum, oder? Hoffnung macht jedoch, dass der Autor Günter H. Heepen ein erfahrener Heilpraktiker ist und damit einer Berufsgruppe angehört, die Darmproblemen in den vergangenen Jahren mehr Beachtung entgegengebracht hat als die Schulmedizin.

Auch die Theorie des „Leaky Gut“, also einer löcherig gewordenen Darmwand, die Heepen in seinem Buch ausführlich erklärt, ist eine interessante Sache. Sie könnte erklären, warum vielen Menschen nach Jahren mit einer nicht diagnostizierten Unverträglichkeit irgendwann auch Gluten nicht mehr sonderlich gut bekommt. Weiter kann einem Herr Heepen aber leider nicht helfen. Es scheint, als hätte er versucht, all sein reiches Praxis-Wissen in diesen schmalen Band zu pressen, was die Lektüre ziemlich unübersichtlich gestaltet. Vor allem aber muss man, um einem der empfohlenen Heilpläne folgen zu können, erst einmal diverse Tests beim Heilpraktiker oder Arzt vornehmen lassen.

Mein Fazit:

Ganz ehrlich – ich fühle mich wie eine überspannte Tussi, wenn ich im Restaurant so genau nachfrage: „Ist in diesem Gericht irgendwie Kuhmilch drin?“ (Meine Lieblingsantwort: „Nein, keine Milch. Nur ein bisschen Sahne.“) Aber meine Laktose-Intoleranz und ihre sehr unangenehmen Folgen zwingen mich dazu. Peinlich ist es mir trotzdem. Mit diesem Buch werde ich daran wohl nichts ändern können.

Cover des Ratgebers „Chaos im Darm. Hilfe aus der Natur bei Leaky-Gut-Syndrom, Darmpilzen, Allergien und Verstopfung“ und Porträt von DONNA-Autorin Nina Berendonk

„Chaos im Darm. Hilfe aus der Natur bei Leaky-Gut-Syndrom, Darmpilzen, Allergien und Verstopfung“ von Günter H. Heepen, Gräfe & Unzer, 15 Euro.