Grüner Star: Wie man ein Glaukom rechtzeitig erkennt

Rund 800 000 Deutsche leiden an grünem Star. Dazu kommen zahlreiche Betroffene, die nichts von ihrer Erkrankung wissen. Da Glaukome sich nicht durch auffällige Symptome äußern, werden sie häufig erst dann erkannt, wenn es schon zu spät ist. Wie man die Augenkrankheit frühzeitig diagnostiziert und behandeln kann.

Nahaufnahme eines weiblichen Auges mit blau-grüner Iris vor unscharfem Hintergrund

Ein eingeschränktes Sichtfeld, die Umgebung wird dunkler wahrgenommen und langfristig sieht man kaum noch etwas – die Symptome bei Glaukomen äußern sich meist schleichend und werden erst dann wahrgenommen, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist.

Jedes Jahr erblinden rund 10 000 Menschen in Deutschland – 2000 davon infolge eines Glaukoms, umgangssprachlich auch als grüner Star bekannt. Unter Glaukomen versteht man eine Gruppe von Augenerkrankungen, die den Sehnerv schädigen und im schlimmsten Fall zum vollständigen Erblinden führen können.

Mit diesen Tipps schützen Sie ihre Augen im Winter

Grünen Star erkennen: Diese Symptome deuten auf ein Glaukom hin

Da der Verlauf der Augenkrankheit in den meisten Fällen symptomarm ist, nehmen viele Betroffene sie erst bei einem 90-prozentigen Sehverlust wahr. Erste Anzeichen für ein Glaukom sind eine meist bogenförmige Sehminderung, die sich von außen in das Auge zieht. Weitere Warnzeichen sind:

  • Gesichtsfeldausfälle (Skotom): Sehstörungen in einem Bereich des Gesichtsfeldes, die sich unter anderem mit plötzlichen Farbveränderungen, (farbigen) Lichtblitzen und dunklen Flecken äußern
  • Abdunklung der Umgebung
  • abnehmende Lichtempfindlichkeit in bestimmten Bereichen des Gesichtsfeldes, sodass Objekte nicht mehr (deutlich) wahrgenommen werden können

Da Betroffene in der Regel keine Schmerzen haben, werden die Krankheitssymptome erst dann wahrgenommen, wenn es eigentlich zu spät ist – denn einmal entstandene Schäden und Sehminderungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Anders als bei einem „normalem“ Glaukom treten bei einem sogenannten Glaukom-Anfall (Winkelblock-Glaukom) starke Schmerzen und Rötungen auf, die oft von Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Dieses akute Krankheitsbild ist als absoluter Notfall anzusehen und Betroffene sollten sofort einen Arzt aufsuchen, um eine Erblindung zu vermeiden.

So überwinden Sie die Angst vor einer Augenoperation

Früherkennung und Diagnose eines Glaukoms

Auch wenn die Glaukom-Untersuchung zu den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen) zählt, sprich aus eigener Tasche gezahlt werden muss, ist es ab dem 40. Lebensjahr empfehlenswert, mindestens alle drei Jahre den Augeninnendruck messen zu lassen, ab 65 sogar alle ein bis zwei Jahre. Liegt der begründete Verdacht einer Glaukom-Erkrankung vor, übernehmen Krankenkassen normalerweise die Kosten.

Eine umfassende Untersuchung beinhaltet in der Regel einen Sehtest, die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie), die Bewertung des Sehnervs mittels einer Spiegelung durch die Pupille (Funduskopie) sowie die Untersuchung des Gesichtsfeldes. Liegt der Wert des Augeninnendrucks über 21mmHg besteht die Gefahr, dass ein Glaukom vorliegt – es muss aber nicht. Um eine sichere Diagnose stellen zu können, werden deshalb meist weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine Funduskopie, durchgeführt. Zudem gibt es Verfahren, um die Faserdicke des Sehnervs zu messen, beispielsweise die Optische Kohärenztomografie (OCT) oder das Polarisationsverfahren (GDX). Diese Untersuchungsmethoden haben den Vorteil, dass sie bereits im Anfangstadium von grünem Star sehr genau die Beschaffenheit des Auges und des Sehnervs dokumentieren und es ermöglichen, Auffälligkeiten frühzeitig und gezielt zu behandeln.

Medizinische Früherkennung: Diese Untersuchungen sollten Sie ab 40 machen

Verschiedene Glaukomarten und ihre Ursachen

Es gibt verschiedene Arten von Glaukomen, die je nach Ursache zwischen primären und sekundären Glaukomen unterschieden werden. Primäre Glaukome zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Auslöser unbekannt, die Risikofaktoren hingegen bekannt sind. Bei sekundären Glaukome sind die Ursachen bekannt und auf andere Augen- oder Allgemeinerkrankungen zurückzuführen. Daneben gibt es angeborene Augenleiden, die sich sowohl als primäre als auch sekundäre Glaukome äußern können.

Primäre Glaukome

Glaukome, die ohne spezielle Ursache und meist spontan auftreten, sind sogenannte primäre Glaukome. Hierbei unterscheidet man folgende Unterformen:

Offen- oder Weitwinkelglaukom

Diese Form des grünen Stars tritt mit Abstand am häufigsten auf und wird oft bis zu einem späten Stadium nicht erkannt. Bei einem Offenwinkelglaukom ist der Augeninnendruck über 22 mmHg erhöht. Daneben spielen eine verminderte Durchblutung des Sehnervs, genetische Vorbelastung, hohe Kurzsichtigkeit ab minus 5 Dioptrien und das Alter eine Rolle: Ab 60 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Offen- oder Weitwinkelglaukom zu erkranken, besonders hoch.

Normaldruckglaukom

Dass eine Augeninnendruckmessung alleine nicht ausreicht, um ein Glaukom zu erkennen, beweist das Normaldruckglaukom. Hierbei tritt eine Schädigung des Sehnervs auf, obwohl der Augeninnendruck im Normalbereich bis 21mmHg liegt. Als Risikofaktor wird eine unzureichende Blutversorgung der Nervenfasern durch einen zu niedrigen oder schwankenden Blutdrucks vermutet. Die Beschwerden bei dieser Glaukom-Art beschränken sich oft nicht auf das Auge, sondern treten in Kombination mit Tinnitus und einem stummen Herzinfarkt auf, der keine oder keine eindeutigen Symptome aufweist und deshalb erst nach Monaten oder Jahren erkannt wird.

So gefährlich kann Herzrasen sein

Winkelblockglaukom

Bei dieser seltenen Glaukomform, die auch akuter Glaukomanfall genannt wird, staut sich Kammerwasser hinter der Iris, die nach vorne gedrückt wird und den Kammerwinkel verengt. Der Augeninnendruck erhöht sich dadurch schnell auf Werte von etwa 50 mmHg, wodurch es zu einer Schädigung des Sehnervs kommt. Ein Winkelblockglaukom stellt ein akutes Krankheitsbild dar, das mit Schmerzen einhergeht und ein medizinischer Notfall ist. Bleibt ein Glaukomanfall unbehandelt, können Betroffene innerhalb von ein bis zwei Wochen erblinden.

Sekundäre Glaukome

Sekundäre Glaukome sind eine Wechselwirkung von Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Gefäßverletzungen, die eine Veränderung der Netzhaut zur Folge haben. Aber auch Augenkrankheiten oder Verletzungen im Augenbereich können die Entstehung von grünem Star fördern. Hin und wieder kommt auch zu Bildung eines Glaukoms als Nebenwirkung von Medikamenten, beispielsweise bei der Einnahme von Cortison in Form von Augentropfen.

Diabetes mellitus: Wie man die Zuckerkrankheit erkennt und vorbeugen kann

Therapie: So behandelt man grünen Star

Wurde der Sehnerv erst einmal beschädigt, ist es nicht mehr möglich, ihn vollständig wiederherzustellen. Das vorrangige Ziel bei der Behandlung von Glaukomen ist deshalb, das Fortschreiten der Krankheit und damit das Erblinden des Patienten zu verhindern. Eine zentrale Maßnahme dabei stellt die Senkung des Augeninnendrucks dar. Dazu verschreibt der behandelnde (Augen-)Arzt in den meisten Fällen medizinische Augentropfen, die Wirkstoffen wie Prostagladine, Betablocker, Alpha-Agonisten und Carboanhydrasehemmer enthalten. Da sich nicht alle Glaukome auf einen erhöhten Augeninnendruck zurückführen lassen, kommen als weitere Behandlungsmethoden operative Eingriffe und Laserbehandlungen infrage. OPs kommen erst dann zum Einsatz, wenn eine medikamentöse Behandlung ohne Erfolg bleibt oder es sich um ein stark ausgeprägtes Krankheitsbild handelt.

Das sollten Sie über Augen-OPs wissen

Mehr zum Thema: