Hausstauballergie: So erkennen und behandeln Sie die Immunreaktion

Tränende Augen, Niesattacken und Husten: Wer allergisch auf Hausstaub reagiert, bemerkt diese Symptome auch dann, wenn er nicht erkältet und die Pollensaison längst vorbei ist. Wie man der Allergie vorbeugen kann, welche Ursachen sie hat und welche Therapiemethoden die Beschwerden lindern.

Brünette Frau um die 40 sitzt im Bett und niest in ein Taschentuch

Morgens im Bett sind die Symptome einer Hausstauballergie meist am ausgeprägtesten, denn in Matratze, Kissen und Co. fühlen sich die allergieauslösenden Milben besonders wohl.

In Deutschland und anderen Industrieländern mit einem hohen hygienischen Standard leiden besonders viele Menschen unter Allergien. Man geht davon aus, dass jeder vierte Deutsche unter 20 einen allergischen Schnupfen hat und rund 4,5 Millionen Deutsche an einer Hausstaubmilbenallergie leiden. Wie es zu der krankhaften Immunreaktion kommt, wie sich die Symptome behandeln lassen und wie man vorbeugen kann, erfahren Sie im DONNA-Online-Gesundheitsratgeber.

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Was ist eine Hausstaubmilbenallergie?

Wer allergisch auf Staub reagiert, hat eine Hausstauballergie. So weit, so simpel. Wer die Immunreaktion etwas genauer unter die Lupe nimmt, stellt jedoch schnell fest, dass die Betroffenen nur auf einen bestimmten Bestandteil darin allergisch reagieren: Staub besteht aus vielen unterschiedlichen Komponenten, zum Beispiel Haaren, Hautschuppen, Fasern – und den Ausscheidungen von Milben. Der Kot der mikroskopisch kleinen Spinnentiere ist in den meisten Fällen das Allergen, also der Auslöser für die Allergie. Medizinisch korrekt muss die Bezeichnung deshalb auch Hausstaubmilbenallergie lauten, geläufiger ist allerdings die umgangsprachliche Kurzversion Hausstauballergie.

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Ursachen: So entsteht eine Hausstauballergie

Bei jeder Bewegung wirbeln wir Staub auf. Ist in den Staubpartikeln der Kot von Milben enthalten, wird er mit aufgewirbelt und eingeatmet. Insbesondere die in den Ausscheidungen der Milben enthaltenen Eiweiße haben ein hohes Allergiepotenzial. Denn genau diese Proteine stuft das Immunsystem der Betroffenen werden als gefährlich ein und reagiert mit der Bildung von Antikörpern. Kommt der Organismus erneut mit den vermeintlich gesundheitsschädlichen Allergenen in Kontakt, wird der chemische Botenstoff Histamin ausgeschüttet. Bei einer Hausstaubmilbenallergie handelt es sich um eine Allergie des Soforttyps, das heißt die Überempfindlichkeitsreaktion macht sich unmittelbar nach Kontakt mit dem Allergen über die Haut, das Atem- oder Herz-Kreislauf-System bemerkbar.

Warum aber haben manche Menschen verstärkt unter Allergien, während andere keine einzige haben? Das hat verschiedene Gründe, unter anderem ein angeborenes Allergiepotential, Umwelteinflüsse und der individuelle Lebensstil. Verschiedene Studien kamen zu dem Schluss, dass Menschen, die in ihrer Kindheit wenig Kontakt mit Krankheitserregern hatten, später ein höheres Allergiepotential haben.

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Symptome: Woran man eine Hausstauballergie erkennt

Wie bei einer Pollenallergie äußert sich eine Milbenallergie mit Anzeichen, die für eine sogenannte Rhinitis, also einen Schnupfen, typisch sind. Betroffen ist meist die Nase, die zuschwillt, juckt, läuft oder so gereizt ist, dass es zu Niesattacken kommt. Daneben sind die Augen gerötet, tränen und jucken. Auch Husten zählt zu den häufigen Symptomen, in besonders schweren Fällen kann auch der Hals zuschwellen. Am stärksten ausgeprägt sind die Beschwerden in der Regel in der Nacht und morgens. Der Grund dafür: In Matratzen oder Polstermöbeln fühlen sich Hausstaubmilben am wohlsten. Dort ist es warm und es gibt ausreichend Nahrung (unter anderem unsere Hautschuppen), sodass sich die winzigen Mitbewohner ungestört vermehren können. Da Allergiker den Allergenen in der Matratze im Schlaf am stärksten ausgesetzt sind, treten verstopfte Nase, Niesen und Co. vor allem am Morgen auf und bessern sich im Laufe des Tages.

Wer jahrelang unter einer starken Hausstaubmilbenallergie leidet, kann chronische Beschwerden entwickeln, unter anderem eine permanent gereizte und entzündete Nasenschleimhaut und sogar Asthma. Wer unter Symptomen leidet, die auf eine Hausstauballergie hindeuten, sollte sich deshalb bei einem Arzt über eine geeignete Therapie informieren.

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So diagnostiziert man eine Hausstaubmilbenallergie

Grundsätzlich gilt: Wer unter allergischen Reaktionen leidet oder bemerkt, dass die Symptome Auswirkungen auf die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden hat, sollte sich von einem Arzt untersuchen lassen. In der Regel werden für eine Allergiediagnose die Schleimhäute untersucht, die Atmengeräusche abgehört und spezielle Allergietests durchgeführt.

Der häufigste Test ist der sogenannte Pricktest. Dabei werden verschiedene Testlösungen auf die Innenseite des Unterarms getropft und die Haut an dieser Stelle leicht angepikst, sodass die Lösung in die Haut eindringen kann. Nach 15 bis 20 Minuten wird die Stelle untersucht. Haben sich Quaddeln, Pickelchen oder Rötungen gebildet, besteht eine Allergiebereitschaft. Auch eine Blutuntersuchung, bei der die Antikörperkonzentration (der sogenannte IgE-Wert) gemessen wird, kann eine Allergiebereitschaft aufdecken.

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Die Allergiebereitschaft sagt allerdings noch nichts darüber aus, ob bei Hausstauballergikern tatsächlich Beschwerden auftreten. Liefern die klassischen Allergietests im Blut oder an der Haut keine eindeutigen Ergebnisse, sorgt ein nasaler Provokationstest für Gewissheit. Dabei wird zunächst eine neutrale Kochsalzlösung in die Nase gegeben. Zeigt sich bereits hier eine Reaktion, liegt eine allgemeine Überempfindlichkeit der Nasenschleimhäute vor. Kommt es zu keiner Reaktion, wird als zweiter Schritt eine Lösung mit Hausstaub auf die Nasenschleimhäute gegeben. Kommt es jetzt zu einer Reaktion, ist eine Hausstauballergie sehr wahrscheinlich. Der Provokationstest wird nicht nur im Rahmen der Allergiediagnose durchgeführt, sondern auch zur Vorbereitung einer Hyposensibilisierung.

Therapie: So lässt sich eine Milbenallergie behandeln

Da die meisten Betroffenen keine nennenswerten Probleme haben und teilweise nicht einmal von ihrer Hausstauballergie wissen, ist eine Behandlung im Normallfall nicht nötig. Besser ist es, der allergischen Immunreaktion mit gezielten Anti-Milben-Maßnahmen vorzubeugen. Bei Patienten mit besonders starken Symptomen kann eine Hyposensibiliserung Sinn machen, die auch bei anderen Allergiearten zum Einsatz kommt.

So beugt man einer Hausstauballergie vor

Da Hausstaubmilben auch in penibel sauber geführten Haushalten leben, ist es eigentlich unmöglich, eine Hausstauballergie allein durch Putzen, Waschen oder Deisinfizieren zu vermeiden. Einige gezielte Maßnahmen sorgen aber dafür, dass die Anzahl der Milben in Matratzen, Möbeln und Co. so gering wie möglich bleibt und minimieren auf diese Weise das Allergiepotenzial: Lüften Sie mindestens einmal täglich, waschen Sie Bettwäsche und Matratzenüberzüge regelmäßig und halten Sie das Schlafzimmer so kühl und trocken wie möglich – dann fühlen sich Milben nämlich nicht mehr so wohl. Auch allergikerfreundliche Textilien, Kissen, Decken und spezielle Milbenschutzbezüge (Encasings) verringern die Gefahr, dass sich die winzigen Tiere festsetzen. Wer auf lange Vorhänge, offene Regale, zahlreiche Dekogegenstände und andere Staubfänger in den Wohnräumen verzichtet, sorgt dafür, dass sich möglichst wenig Staub bilden kann.

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Hyposensibilisierung

Da es sich bei einer Hausstaubmilbenallergie um eine ganzjährige Allergie handelt, ist eine Hyposensibilisierung – auch spezifische Immuntherapie, Desensibilisierung oder Allergieimpfung genannt – das ganze Jahr über möglich. Es gibt zwei Arten von Hyposensibilisierung: die subkutane Immuntherapie (SCIT), bei der das Allergen gespritzt wird und die sublinguale Immuntherapie (SLIT), bei der der Wirkstoff in Tabletten oder Tropfenform eingenommen wird. Bislang ist bei einer Hausstauballergie nur die subkutane Hyposensibilisierung möglich. Im Rahmen der Therapie bekommen Betroffene das Allergen zunächst in niedriger Konzentration verabreicht. Die Dosis steigert sich anschließend über mehrere Wochen hinweg bis zur Erhaltungsphase, in der der Wirkstoff nur noch alle vier bis sechs Wochen injiziert oder eingenommen wird.