Heilfasten: Die effektivsten Methoden im Überblick

Den Körper entschlacken, Gewicht verlieren, den Fokus für das Wesentliche schärfen: Für Heilfasten sprechen zahlreiche Gründe. Welche Varianten es gibt, wie Sie sich auf eine Fastenkur vorbereiten und welche Effekte der Verzicht auf feste Nahrung hat, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Brünette Frau steht mit einer grünen Teetasse lächelnd auf Balkon und genießt die Sonne

Teetrinken ist ein wichtiger Bestandteil aller Fastenkuren – ideal sind ungezuckerte Kräutertees.

Fasten und Entschlacken steht besonders im Frühling wieder hoch im Kurs. Laut einer Studie des Krankenversicherung DAK verzichten jedoch nicht nur in der traditionellen Fastenzeit vor Ostern, sondern auch über das restliche Jahr verteilt 40 Prozent der Deutschen regelmäßig auf Genussmittel wie Süßigkeiten und Alkohol oder komplett auf feste Nahrung.

Was ist Heilfasten?

Die Fastenzeit dauert traditionell von Aschermittwoch bis zum Osterfest und ist meist religiös motiviert. Doch auch vor und nach den 40 Tagen vor Ostern wird Fasten immer beliebter – und zwar nicht nur als Verzicht auf Essen oder bestimmte Lebensmittel, sondern auch auf Fernsehen, Shopping, das Smartphone oder andere Konsumgüter. In seiner urspünglichen Form bedeutet Fasten allerdings, aus spirituellen, gesundheitlichen oder religiösen Gründen für eine gewisse Zeit freiwillig auf feste Nahrung zu verzichten. Heilfasten stellt eine bestimmte Kategorie des Fastens dar, bei der das primäre Ziel die psychische und physische Reinigung darstellt. Da der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel schon lange Tradition hat, haben sich viele verschiedene Fastenarten und -methoden entwickelt. Manche davon kann man zu Hause durchführen, während sich bei anderen ein Aufenthalt in einer Fastenklinik empfiehlt.

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Welche Effekte und Nebenwirkungen hat Heilfasten?

Fasten hat seit jeher das Ziel, den Körper zu reinigen und dem Fastenden dabei zu helfen, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Besonders schwer fällt der Verzicht den meisten in den ersten Fastentagen. Während dieser Eingewöhnungsphase leiden viele Betroffene unter Müdigkeit, Muskelkater oder Kopfschmerzen. Sollten die Nebenwirkungen stark ausgeprägt sein oder Schwindel hinzukommen, sollte man die Fastenkur besser vorzeitig abbrechen oder einen Arzt zurate ziehen. Nach etwa drei Tagen erleben die meisten eine Art Fastenhoch, da der Körper dann besonders viel Serotonin ausschüttet. In dieser Zeit kommt auch der Kopf und die Darmflora zur Ruhe. Oft nimmt in dieser Phase die Leistungsfähigkeit wieder zu und der Fastende hat ungewöhnlich viel Energie. Ein positiver Nebeneffekt des Fastens ist zudem, dass der Geruchs- und Geschmackssinn intensiviert wird.

Eignet sich Heilfasten zum Abnehmen?

Zwar nimmt man durch den Verzicht auf feste Nahrung während des Fastens leicht ab, allerdings ist der Erfolg nicht von langer Dauer. Wie beim Jo-Jo-Effekt setzen sich die verloren gegangen Kilos wieder an, sobald man zu einem normalen Essverhalten zurückkehrt. Fasten ist also nicht als Diät zur Gewichtsreduktion geeignet. Allerdings kann eine Fastenkur als Startpunkt einer langfristigen Ernährungsumstellung sinnvoll sein.

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Für wen ist Heilfasten geeignet?

Theoretisch ist Heilfasten für jeden geeignet, der körperlich fit ist. Bei einer Schwangerschaft, anstehenden Operation oder ernsthaften Erkrankung ist eine Fastenkur nicht empfehlenswert – genauso wie für Menschen, die an einem schwachen Kreislauf oder Stoffwechselstörungen leiden. Doch auch wenn Sie gesund sind, sollten Sie sich von Ihrem Hausarzt durchchecken lassen und sich dessen Zustimmung holen, bevor Sie Ihr Fastenvorhaben in die Tat umsetzen.

Vorbereitung für die Fastenkur

Wer zu Hause fastet, sollte dafür eine möglichst stressfreie Zeit wählen, sodass man sich voll und ganz auf das Fastenvorhaben konzentrieren kann. Im Vorfeld sollten neben dem Arztcheck noch einige weitere Vorbereitungen getroffen werden – zum einen, um Körper und Geist vorzubereiten und zum anderen, um den eigenen Durchhaltewillen zu stärken.

  • Sprechen Sie mit Freunden, Kollegen und Bekannten über Ihr Vorhaben, um sie für den Zeitraum des Fastens für das Thema sensibilisieren. Vielleicht finden Sie so auch einen Sparringspartner, der gemeinsam mit Ihnen fasten möchte.
  • Machen Sie vor Beginn der Fastenkur einen Großeinkauf, damit Sie währenddessen alles, was Sie dafür benötigen, im Haus haben. So umgehen Sie mögliche Versuchungen beim Einkaufen.
  • Verbrauchen Sie „verbotene“ Lebensmittel oder Getränke vor dem Heilfasten oder entfernen Sie sie aus Ihrem Blickfeld.
  • Bereiten Sie sich darauf vor, dass sie sich schlapp fühlen und planen Sie bereits im Vorfeld Ruhepausen ein.
  • Planen Sie feste Bewegungszeiten ein – so verhindern Sie, dass Sie Muskelmasse abbauen.

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Welche Fastenarten gibt es?

Je nach Fastenmethode wird entweder komplett auf feste Nahrung verzichtet oder der Fokus auf Suppen oder bestimmte Lebensmittel gelegt. Diese unterschiedlichen Formen des Heilfastens gibt es:

Heilfasten nach Buchinger

Die Kur nach Otto Buchinger ist die älteste und bekannteste Fastenmethode. Der deutsche Arzt konnte mit dem Fastenprinzip seine eigenen gesundheitlichen Beschwerden lindern und machte es mit der Eröffnung seiner Klinik 1920 der Öffentlichkeit zugänglich. Die Fastenkur nach Buchinger besteht aus drei Abschnitten: den Entlastungstagen, den eigentlichen Fastentagen und den Aufbautagen. An den drei Entlastungstagen wird viel getrunken und die Ernährung besteht lediglich aus leichten Gemüse- und Obstspeisen. Am Ausleitungstag, dem ersten Fastentag, wird der Körper mit Glaubersalz gereinigt. Im Anschluss daran besteht die Ernähung für fünf bis sieben Tage aus Wasser, Tee, verdünnten Säften und Gemüsebrühe. Bei Schwindel ist zudem etwas Honig erlaubt. Damit der Körper nach dem Fasten nicht überfordert ist, nimmt man an den Aufbautagen wieder feste Nahrung zu sich, etwa leicht verdauliches Obst und Gemüse sowie gequollenes Müsli. Ein wichtiger Bestandteil der Buchinger-Kur ist Bewegung, um dem Muskelaufbau vorbeugend entgegenzuwirken.

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Teefasten

Teefasten stellt die radikalste Art des Fastens dar, die komplett auf Kalorienzufuhr verzichtet. Während dieser Kur darf nur Tee und Wasser getrunken werden – Brühe oder Säfte sind nicht erlaubt. Wichtig ist es, täglich mindestens drei Liter Flüssigkeit in Form von Wasser und Kräutertees zu sich zu nehmen. Magenfreundlich ist Kamilletee, während Sorten wie Anis, Brennnessel, Salbei oder Kümmel die Entgiftung unterstützen. Wichtig ist es, qualitativ hochwertige Tees zu kaufen, die frei von Farb-, Konservierungsstoffen sowie Zucker sind. 

Saft-, Suppe- oder Molkefasten

Diese Form des Heilfastens ist für die Durchführung zu Hause besonders beliebt, da aufgrund der nährstoffreichen Ernährung im Normalfall keine ärztliche Kontrolle nötig ist. Während der Kur werden neben mindestens zwei Litern Wasser täglich ein bis zwei Tassen leicht gesalzene Suppe oder frisch gepresster Saft getrunken. Bei einer Molkekur nimmt man pro Tag einen Liter Molke, das Nebenprodukt bei der Quarkherstellung, und zwei Liter Wasser zu sich. Mittlerweile ist die Fastenkur allerdings umstritten, da viele Menschen den in Molke enthaltenen Milchzucker (Laktose) nicht vertragen.

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Fastenähnliche Kuren

Neben den klassischen Fastenkuren gibt es Varianten, die einen ähnlichen Effekt haben, aber nicht dem klassischen Fasten entsprechen.

Intermittierendes Fasten

Beim „Teilzeit-Fasten“ wird 14 bis 16 Stunden lang komplett auf Kalorienzufuhr verzichtet. Der temporäre Nahrungsmittelentzug soll kurzfristige Stoffwechselveränderungen auslösen und sich positiv auf chronische Magen-Darm-Krankheiten auswirken.

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Mayr-Kur

Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr untersuchte jahrelang die Auswirkungen der Darmgesundheit auf das allgemeine Wohlbefinden. Daraus entwickelte er die sogenannte Milch-Semmel-Kur. Dabei werden kleine Stücke eines Brötchens mit etwas Milch besonders lange gekaut. Das Kauen soll den Speichelfluss fördern und dafür sorgen, dass das Sättigungsgefühl schneller einsetzt. Da bei der Mayr-Kur nie komplett auf Nahrung verzichtet, sondern nur eine Kalorienreduktion angestrebt wird, kann man sie relativ lange durchziehen. Da viele Menschen Weizen und Milch aufgrund von Lebensmittelunverträglichkeiten nicht gut vertragen, steigt man mittlerweile oft auf Dinkel und laktosefreie Varianten um.

Schrothkur

Die Schrothkur ist eine spezielle Diät, die mit Trocken- und Trinktagen sowie feuchten Umschlägen arbeitet. Der Wechsel von von Trinken und Nichttrinken sowie eine kalorienreduzierte, basische Diät soll den Körper entgiften und beim Abnehmen helfen.

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Basenfasten

Bei dieser Fastenvariante verzichtet man nicht komplett auf Nahrung, sondern nur auf bestimmte Lebensmittel. Basenfasten zählt zu den therapeutischen Fastenarten, die den Magen beruhigen sollen. Während der Kur streicht man säurebildende Lebensmittel wie Fleisch, Milchprodukte oder Gebäck vom Speiseplan und setzt ausschließlich auf basische Lebensmittel, etwa frisches Obst, Gemüse, Nüsse und Kräutertee.

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Fasten nach Hildegard von Bingen

Zur Hildegard von Bingens Lebzeiten galt Fasten als Universalheilmittel bei zahlreichen Gesundheitsproblemen. Insgesamt entwickelte die Benediktiner-Nonne vier verschiedene Fastenkuren, die Körper und Seele reinigen und in Einklang bringen sollen: die Dinkel-Obst-Gemüse-Kur, die Dinkel-Reduktionskost, das Dinkel-Brot-Fasten sowie das Hildegard-Fasten.