Intimästhetik: So können Probleme „da unten“ behandelt werden

Wenn Frauen unter zu langen inneren Schamlippen und Scheidentrockenheit leiden, kann die medizinische Intimästhetik helfen. Ein Interview über Beschwerden, Ursachen und eine neue, minimal-invasive Behandlung.

Seitlicher Close-up auf eine Frau, die im Bett liegt und die Hand am Slip hält

Die Intimästhetik kann helfen, wenn Frauen unter zu langen Schamlippen und Scheidentrockenheit leiden.

Gleich mal vorweg: Hier geht es nicht um schicke Schamlippen, nicht um die Idee, im Intimbereich auch jenseits der 60 noch wie eine 20-Jährige auszusehen. Dass sich unser Körper verändert, ist völlig okay. Dass wir alle ganz verschieden aussehen, ebenfalls. Dennoch gibt es intime Probleme, die sehr gut behandelt werden können, wie die Expertin für Dermatologie Dr. Sonja Sattler von der Rosenpark Klinik in Darmstadt weiß.

DONNA: Intimästhetik soll in Kliniken und Praxen immer öfter nachgefragt werden. Richtig?
Dr. Sonja Sattler: Ja, das stimmt. Es ist ein großes Thema, viel größer, als man denken mag. Denn es geht um echte körperliche und daraus resultierende psychische Probleme der Frauen, die ihr Leben einschränken.

Was sind das für Beschwerden?
Man kann die Patientinnen in drei Gruppen teilen: Zum einen gibt es die, bei denen genetisch bedingt die inneren Schamlippen mit etwa fünf bis sieben Zentimetern deutlich länger sind als die äußeren. Gerade beim Tragen von enger Kleidung, beim Geschlechtsverkehr, Fahrradfahren oder bei manchen Sportarten ist das sehr unangenehm und störend. Die inneren Schamlippen können sich sogar irgendwann entzünden. Weil es, wie gesagt, eine genetische Veranlagung ist, sind davon auch junge Mädchen betroffen. Nicht selten kommen Eltern mit ihrer Tochter zu mir, weil ihr Kind nicht mehr Fahrrad fahren kann. Wenn junge Mädchen feststellen, dass sie anders aussehen, kann das psychisch sehr belastend sein und später auch zu einem gestörten Sexualverhalten führen.

Und die zweite Gruppe?
Das sind Frauen, die zwei oder drei Kinder auf natürlichem Weg zur Welt gebracht haben, einen Dammriss hatten und genäht werden mussten. Setzt bei ihnen im Alter zwischen 40 und 50 dann noch der natürliche Verlust an Fettgewebe ein, vergrößert sich der Vaginaleingang und alles fühlt sich viel lockerer an als vorher. Damit verändert sich der Geschlechtsverkehr, es funktioniert meist nicht mehr wie gewohnt und, das Schlimmste, die Frauen spüren häufig nichts mehr.

Das heißt, auch der natürliche Alterungsprozess spielt dabei eine Rolle?
Ja, absolut. Vor allem bei den Patientinnen, die uns am häufigsten aufsuchen: Frauen nach der Menopause. Aufgrund des sinkenden Östrogenspiegels reduziert sich ihre Schleimhautproduktion. Das macht die Scheide trocken und ihre Haut rissig. Hinzu kommt, dass die inneren Schamlippen mit den Jahren durch Geschlechtsverkehr, Belastung und Geburten etwas länger werden und sich die äußeren, bedingt durch den natürlichen Weichteilwandel, etwas verkürzen.

An diesen Symptomen erkennen Sie, dass Sie in der Menopause sind.

Mit welchen Behandlungen können Ärzte helfen?
Sind die inneren Schamlippen genetisch bedingt viel zu lang, müssen sie chirurgisch gekürzt werden. Eine komplette Entfernung – was an anderen Orten der Welt durchaus als Trend angesehen wird – kann ich nicht befürworten. Man braucht die Labia minora, so der medizinische Fachbegriff, zum Schutz des Vaginaleingangs vor Infektionen und zum Schutz der natürlichen Keimflora.

Und was, wenn die Ursache nicht genetisch bedingt ist?
Am effektivsten und schonendsten sind aktuell Behandlungen mit der Radiofrequenz-Methode. Das in den tieferen Hautschichten liegende Bindegewebe wird dabei auf etwa 45 Grad erhitzt, was die Kollagenproduktion anregt und den natürlichen Wundheilungsprozess in Gang setzt. Das Gewebe zieht sich zusammen und festigt sich, ohne dass sich dabei Narben bilden. So kann man den Vaginaleingang verkleinern, die inneren Schamlippen straffen und bis zu einer gewissen Länge auch kürzen. Außerdem regt die Radiofrequenz die Durchblutung und Schleimhautproduktion wieder an, was der „Trockenzeit“ ein Ende setzt.

Wie muss man sich das Behandlungsgerät vorstellen?
Etwa wie einen Dildo, der sich den äußeren und inneren Formen der Vagina anpassen kann. Man teilt das zu behandelnde Gebiet in Quadranten ein und behandelt jedes acht Minuten lang.

Reicht eine Anwendung aus, um alle Beschwerden zu heilen?
Nein, man muss drei Termine im Abstand von je vier Wochen machen. Bei der Radiofrequenz-Behandlung braucht man schon etwas Geduld und das muss man den Patientinnen auch vorher sagen, damit sie im ersten Moment nicht enttäuscht sind. Die Beschwerden sind nach dem ersten Eingriff eben nicht einfach so verschwunden, denn Kollagenneubildung und Wundheilung brauchen ihre Zeit. Auch nach dem dritten Mal sollte man noch zwei bis drei Monate abwarten, bevor man über ein Endergebnis spricht.

Ist die Behandlung schmerzhaft?
Auch da muss man zu seinen Patientinnen ganz ehrlich sein: Ja, der äußere Vaginalbereich tut bei Radiofrequenz-Einsätzen richtig weh. Deshalb bieten wir hier auch eine Dämmerschlaf-Sedierung an, sodass die Frauen nichts davon mitbekommen. Der innere Vaginalbereich ist hingegen – anders als man es vermuten mag – gar kein Problem. Die Nervenversorgung ist hier lange nicht so engmaschig wie an der äußeren Haut. Das ist bei allen Frauen gleich.

Gibt es Risiken oder mögliche Komplikationen der Behandlung?
Die Radiofrequenz-Geräte können, wenn sie beschädigt oder nicht geprüft sind, zu heiß werden. Und auch wenn das Gerät durch den Behandler zu lange statisch an eine Stelle gehalten wird, können Verbrennung entstehen. Deshalb sollte man die Behandlung nur von erfahrenen Ärztinnen durchführen lassen. Manche delegieren die Anwendung an Krankenschwestern. Rein rechtlich ist das in Deutschland auch möglich. Ich halte das für falsch.

Haben die Frauen nicht oft einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie vor Ihnen sitzen?
Die meisten kommen erst weit nach den Schwangerschaften beziehungsweise der Menopause. Zum einen liegt das natürlich an den möglichen Ursachen, die erst durch diese körperlichen Umstellungen auftauchen. Zum anderen beobachte ich aber, dass die Frauen in diesen Lebensphasen sehr viel selbstbewusster sind und sich erst jetzt wieder verstärkt um sich selbst kümmern möchten. Ich denke, das ist ein entscheidender Fakt, wenn es um Intimästhetik geht. Und zu guter Letzt wird vielen erst recht spät klar, dass ihre Beschwerden nicht normal sind.

Woher soll man denn auch so genau wissen, was normal ist.
Exakt. Der Trend, sich im Intimbereich zu rasieren, war vor 40 Jahren ja noch kaum zu sehen. Selbst in der Umkleidekabine beim Sport oder in der Sauna konnte man also keine heimlichen Vergleiche anstellen. Auch heute ist es so, dass die gezeichneten Bilder, die man im Internet oder auch in den Broschüren findet, so abstrakt aussehen, dass ein Vergleich mit der eigenen Vagina recht schwerfällt.

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mmerhin erfreulich, dass man mehr Informationen über Probleme im Intimbereich findet, oder?
Sicher. Und trotzdem werden immer noch zu viele Beschwerden totgeschwiegen. Ich hoffe, dass dieses Interview vielen betroffenen Frauen Mut macht, sich einem Arzt anzuvertrauen. Aber ich verstehe die Vorbehalte. Vor ein paar Jahren haben sich die Medien schon einmal auf das Thema Vaginalverjüngung gestürzt. Aber damals wurde es in ein falsches Licht gezerrt, weil nur über den Trend des optischen Aufhübschens, über sogenannte Designer-Vaginen berichtet wurde.

Fällt es den Frauen, die zu Ihnen kommen, schwer, ihre Probleme in Worte zu fassen?
Nein, das kann man so nicht sagen. Die Frauen, die ich aus der Praxis kenne, sind selbstbewusst und stehen mitten im Leben. Da gibt es keine Scham, Probleme konkret anzusprechen. Sie sagen uns ja schon am Telefon bei der Terminvereinbarung: „Ich spüre nichts beim Sex, weil alles so weit ist.“ Und außerdem ist ihr Leidensdruck sehr hoch, sonst wären sie den Weg zum Arzt auch gar nicht gegangen.

Und trotzdem zögern die Frauen oft so lange.
Bei vielen hängt es auch davon ab, ob sie in einer Partnerschaft leben oder nicht. Die, die allein sind, zögern länger, Frauen mit Partner, die regelmäßig Geschlechtsverkehr haben, kommen früher. Patientinnen mit Stressinkontinenz – was durch die Senkung der Gebärmutter und des Gebärmutterhalses nach Geburten entstehen kann – kommen am schnellsten.

Gegen Stressinkontinenz kann man auch etwas machen?
Ja, in einem frühen Stadium hilft auch hier die Radiofrequenz-Methode. Später müssen wir die Patientinnen mit einer ausgeprägten Stressinkontinenz dann zum Gynäkologen oder zum Urologen schicken. Radiofrequenz-Behandlungen Wirkprinzip Radiofrequenz erwärmt die Haut und fügt ihr im Inneren kleine Hitzeschäden zu, die ihren natürlichen Selbstheilungsprozess aktivieren. Dadurch erhöhen sich auch Kollagen- und Schleimhautproduktion. Genesungsdauer Schon einen Tag nach der Behandlung kann man enge Kleidung tragen, Sex haben und Sport treiben. Kosten & weitere Infos Die erste Behandlung kostet rund 1200 Euro, jede weitere um 800 Euro. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten in der Regel leider nicht. Anders ist das bei der operativen Schamlippenverkleinerung, dort ist eine Kostenübernahme möglich.