Kalkschulter: So lassen sich die Schmerzen behandeln

Wenn die Schulter plötzlich schmerzt, muss nicht immer ein Sehnenriss oder Arthrose Schuld sein: Verkalkungen in der Schultersehne schleichen sich ohne spürbare Anzeichen ein und machen sich dann umso schmerzhafter bemerkbar. So lässt sich die Erkrankung diagnostizieren und behandeln.

Eine Frau mittleren Alters fasst sich mit einer Hand an die schmerzende Schulter

Eine Kalkschulter ist tückisch: Erst im fortgeschrittenen Stadium macht die Erkrankung sich durch starke Schmerzen bemerkbar.

Unsere Schultern müssen im Alltag ganz selbstverständlich vielen Belastungen standhalten – zum Beispiel einseitigem Druck im Liegen, abrupten Bewegungen beim Sport oder falscher Körperhaltung bei der Büroarbeit. Nur wenigen ist dabei bewusst, dass auch die Schultergelenke dadurch in Mitleidenschaft gezogen und krank werden können. Neben typischen Schulterbeschwerden wie Sehnenrissen oder Arthrose ist die sogenannte Kalkschulter ein Krankheitsbild, von dem viele Betroffene vor der Diagnose noch nie gehört haben. DONNA Online erklärt, wie die schmerzhafte Erkrankung sich bemerkbar macht und wie die Symptome behandelt werden können.

Arthrose vorbeugen und behandeln: Das hilft Gelenken und Knochen

Was ist eine Kalkschulter?

Wie der Name bereits andeutet bildet sich eine Kalkschulter durch Kalkablagerungen im Schultergelenk, häufig in der sogenannten Rotatorenmanschette: Das Schulterblatt liegt zwischen vier einzelnen Muskeln, die Gelenkkopf und Gelenkpfanne zentriert ausrichten. Denn im Gegensatz zu anderen Körperteilen werden die Schultern nicht von Knochen geschützt, sondern liegen eingebettet in Muskeln, Bänder und Weichteile. Das macht sie besonders anfällig für Verletzungen. Bei einer Kalkschulter, die im akuten Stadium als „Tendinosis calcarea bezeichnet wird, kommt es zur Ablagerung von Kalziumsalzen. Meist ist die oberste Schultersehne, die „Suprapilatussehne“, davon betroffen. Studien zufolge hat jeder zehnte Deutsche Kalkablagerungen in der Schulter, bei etwa die Hälfte der Betroffenen treten im Laufe des Lebens dadurch bedingte Beschwerden auf. Die Kalkschulter ist keine typische Verschleißerscheinung oder Alterserkrankung wie beispielsweise eine Arthrose. Das Krankheitsbild tritt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf – und Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.

Ursachen: So entsteht eine Kalkschulter

Bislang sind sich Mediziner noch nicht einig, wodurch eine Kalkschulter entsteht. Als Hauptauslöser gilt jedoch ein schlecht durchblutetes Sehnengewebe. In den meisten Fällen ist die Kalkschulter mit einer längeren Krankheitsvorgeschichte verbunden. Ihr Auftreten steht in Zusammenhang mit Unfällen, die Jahre zurückliegen können. Genauso können Sehnenrisse, Stürze auf die Schulter, körperliche Schwerstarbeit, Überbelastung und intensiver Sport die Entstehung von Kalkablagerungen begünstigen. Als weiterer Risikofaktor für die Entstehung einer Kalkschulter gilt Diabetes: Vor allem durch eine Insulin-Dauertherapie erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Sehnen im Schulterbereich verkalken.

Diabetes mellitus: Symptome erkennen und richtig vorbeugen

Das Tückische an der Schultererkrankung: Die frühe Phase verläuft schmerzlos, sodass die Betroffene die Kalkschulter in der Regel erst spät bemerken. Im ersten Stadium und noch vor der eigentlichen Erkrankung kommt es durch eine Minderdurchblutung der Schultersehne zur vermehrten Bildung von Faserknorpelgewebe. An den verknorpelten Stellen lagern sich im zweiten Stadium der Krankheit Kaliumsalze an, die eine kreideartige Substanz haben. Diese Salze verflüssigen sich zunehmend und werden zu einer zahnpastaartigen Masse. An dieser Stelle wird das körpereigene Immunsystem aktiv: Die Fresszellen, sogenannte Makrophagen, nehmen die Kalkdepots auf. Je nach Stärke der Kalkeinlagerung kann die Schultersehne anschwellen und es kommt zu einer Entzündung. Das erhöhte Volumen übt Druck auf das Schultergelenk aus, was sich mit plötzlichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen äußert. Löst sich der Kalk selbst von der Sehne ab, dringt er in den angrenzenden Schleimbeutel ein und kann eine ebenso schmerzhafte Schleimbeutelentzündung verursachen.

Symptome: An diesen Beschwerden erkennt man eine Kalkschulter

Der Krankheitsverlauf bei einer Kalkschulter kann je nach Lage und Größe der Kalkdepots individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Typisch für die Erkrankung ist, dass sich die Beschwerden meist plötzlich mit großen Schmerzen äußern, wenn der Betroffene ruht. Bei anschließender Bewegung wird der Schmerz immer stärker und stechender. Treten derartige Symptome auf, befindet sich die Schulterkrankheit bereits im fortgeschrittenen Stadium und wird etwa durch langes Liegen im Schlaf schließlich ausgelöst. Teilweise kann der Schmerz von der Schulter aus in den Oberarm oder sogar bis ins Handgelenk ausstrahlen. Weitere Beschwerden sind eine eingeschränkte Bewegung bis hin zu vollständiger Unbeweglichkeit, Schulterenge (Impingement) und Lähmungserscheinungen im Arm. In der akuten Phase der Erkrankung können Betroffene ihren Arm oft gar nicht mehr anheben.

Fit bleiben im Alltag: Tipps für mehr Beweglichkeit

Diagnose und Therapieansätze bei einer Kalkschulter

Nicht jede Kalkschulter muss behandelt werden. Die Erkrankung kann von alleine ausheilen, wenn der Körper die Kalkdepots resorbiert. Dieser Wiederaufnahmeprozess kann wenige Tage, aber auch Jahre dauern, in denen Patienten im schlimmsten Fall regelmäßige Schmerzattacken in Kauf nehmen müssen. Daher nutzen viele Kalkschulter-Patienten Hilfsmittel, um den Kalkabbau zu beschleunigen oder die Depots möglichst vollständig zu beseitigen. Wenn Sie typische Symptome für eine Kalkschulter bemerken ist es ratsam, zeitnah einen Orthopäden aufzusuchen: Der Facharzt kann die betroffene Schulter im Zuge einer Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung genau ansehen und die Kalkdepots sichtbar machen. Oftmals werden die Kalkablagerungen zufällig entdeckt, wenn beispielsweise infolge eines Unfalls ein Röntgenbild der Schulter gemacht wird. Denn Verkalkungen sind bei vielen Menschen vorhanden, müssen sich jedoch nicht zwangsläufig zum schmerzhaften Krankheitsbild entwickeln.

Vor allem bei einer „Tendinosis calcarea“, der akuten Kalkschulter, empfiehlt sich eine therapeutische Behandlung. Andernfalls kommt es durch die Schmerzen und Bewegungsprobleme zu starken Einschränkungen im Alltag der Betroffenen. Neben entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Diclofenac oder Ibuprofen sowie nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) raten Orthopäden bei der Diagnose Kalkschulter meist zu folgenden Therapien:

Physiotherapie

Eine physiotherapeutische Behandlung kann die Kalkdepots zwar nicht beseitigen, aber die Schmerzen der Patienten erheblich lindern. Gezielte Bewegungstherapie wird daher vorrangig dazu eingesetzt, um den Alltag zu erleichtern und möglichst schmerzfrei zu gestalten. Zudem soll dadurch verhindert werden, dass sich Betroffene in eine typische Schonhaltung begeben, die zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führt. Der Physiotherapeut zeigt dem Patienten in der Therapiesitzung Übungen zur Verbesserung der Schulterbeweglichkeit, der Dehnung von Schulter und Schultergürtel sowie zur Kräftigung der Schultermuskulatur.

Fit & geschmeidig bleiben: 3 Yoga-Arten für Einsteiger

Extrakorporale Stoßwellentherapie

Wenn Physiotherapie und die Behandlung mit Medikamenten nur wenig Besserung bringen, empfehlen Ärzte häufig eine Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT). Dabei wird mit hochenergetischen Ultraschallwellen gearbeitet, die wasserhaltiges Gewebe ohne Energieverlust durchdringen können und bei festem Gewebe ihre Wirkung entfalten. Bekannt ist dieses Verfahren aus der Behandlung von Nieren- oder Gallensteinen, kommt in den letzten Jahren aber auch immer öfter bei Kalkdepots in der Schulter im Einsatz. Die Stoßwellentherapie fördert den Abtransport von Botenstoffen im Körper und beschleunigt dadurch den Heilungsprozess bei entzündlichen Erkrankungen in der Rotatorenmanschette. Einen wissenschaftlichen Nachweis für den Nutzen dieser Methode bei einer Kalkschulter gibt es noch nicht, Patienten bestätigen eine Schmerzlinderung und verbesserte Beweglichkeit nach der Therapie. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine ESWT bislang nicht, zudem ist die Methode schmerzhaft.

Röntgenreizbestrahlung

Eine weitere Alternative, wenn die medikamentöse und physiotherapeutische Behandlung keine Erfolge zeigt, ist die Behandlung mit Röntenstrahlung. In drei bis fünf Sitzungen wird die betroffene Schulter mit niedrig dosierter Radiotherapie für wenige Sekunden behandelt. Die Bestrahlung lindert die Entzündung in der Rotatorenmanschette. Zu Beginn dieses Prozesses kann es in den ersten Tagen nach der Behandlung zu einer Erstverschlimmerung kommen, anschließend stellt sich aber eine Besserung ein. Die Behandlungsmethode kommt ohne größere Nebenwirkungen aus, steht aufgrund der eingesetzten Röntgenstrahlung aber immer wieder in der Kritik. Die Strahlendosis ist jedoch so gering, dass bei einer kurzzeitigen Behandlung keine gesundheitlichen Auswirkungen zu befürchten sind. Allerdings werden die Kalkdepots durch die Röntgenreizbestrahlung meist nicht vollständig abgebaut.

Operative Kalkdepotentfernung per Schulterarthroskopie

Bei besonders hartnäckigen Kalziumphosphat-Depots oder wenn sämtliche konventionelle Therapieverfahren keine Besserung bringen, werden die Ablagerungen operativ entfernt. Bei der Schulterarthroskopie wird die betroffene Sehne der Länge nach aufgeschnitten und der Kalk anschließend abgesaugt. Wird diese Methode allerdings in einem frühen Stadium der Erkrankung angewendet, besteht das Risiko, dass sich Kalkkristalle ablösen und in den Schleimbeuteln festsetzen. Auch bei einer akuten Kalkschulter wird von einer Operation abgesehen, da die Gefahr einer Schulterversteifung besteht. Daher gilt die operative Entfernung der Kalkdepots als letzter Ausweg, wenn Betroffene bei vorherigen Therapien keine Besserung der Beschwerden feststellen konnten. Die OP kann in den meisten Fällen ambulant und als minimalinvasiver Eingriff durchgeführt werden.

Beschwerden vorbeugen: 5 Tipps für einen gesunden Rücken

Kann man einer Kalkschulter vorbeugen?

Leider nein. Aufgrund der bislang nicht vollständig erforschten Ursachen und der Tatsache, dass sich die Kalkdepots oftmals mit erheblicher zeitlicher Verzögerung nach Verletzungen im Schulterbereich entwickeln, ist eine Kalkschulter nicht vorhersehbar. Um einen akuten Krankheitsverlauf zu verhindern ist es jedoch wichtig, bei auftretenden Beschwerden frühzeitig einen Orthopäden aufzusuchen. Mit physiotherapeutischen Übungen können Sie die Beweglichkeit der Schulter weitgehend erhalten und den Heilungsprozess positiv beeinflussen. Und wer die Krankheit einmal überstanden hat, kann aufatmen: In derselben Schulter treten die Kalkeinlagerungen nach dem Heilungsprozess selten erneut auf.