Myome: Wie man die gutartigen Gebärmuttertumore erkennt und behandelt

Etwa jede vierte Deutsche hat sie: Myome, gutartige Wucherungen der Gebärmutter. Warum so viele Frauen von den Tumoren betroffen sind, was die Wechseljahre damit zu tun haben und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie hier.

Frau in Jeans und grauem Pullover fasst sich mit beiden Händen an ihren Unterleib

Nicht jede Frau mit Myomen leidet unter Schmerzen. Wenn die Wucherungen Beschwerden auslösen, treten diese aber meist zyklisch auf und können Menstruationskrämpfen ähneln.

Myome sind weltweit die häufigste Ursache für gynäkologische Eingriffe. Laut dem Bundesverband der Frauenärzte e.V. leidet jede vierte Frau in Deutschland unter den gutartigen Tumoren. Im internationalen Vergleich treten die Gebärmutterwucherungen sogar noch häufiger auf: Bis zu 70 Prozent der Frauen zwischen 35 und 55 Jahren sind davon betroffen.

Was sind Myome?

Myome sind gutartige Tumore in der Gebärmutter (Uterus), die sich als Geschwülste oder knotige Wucherungen aus Muskelzellen und Bindegewebe bilden. Myome wachsen an der Wand oder im Gewebe der Muskelschicht des Uterus, dem sogenannten Myometrium, und treten vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter auf. Da die Tumore hormonsensitiv sind und besonders auf weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen reagieren, sinkt die Gefahr der Erkrankung ab den Wechseljahren drastisch. Myome können einzeln auftreten, bilden sich aber meist in größerer Zahl. Die Wucherungen können über 20 Zentimeter groß werden und bei stark ausgeprägtem Wachstum sogar die Gebärmutter verformen.

Nur in etwa drei Prozent der Fälle stellen sich Myome als bösartige Tumore heraus. Die sogenannten Myosarkome sind eher selten und werden anders behandelt als gutartige Myome.

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Diese verschiedenen Arten von Myomen gibt es

Je nach Lage und Ausdehnung werden gutartige Gebärmuttertumore in unterschiedliche Typen unterteilt:

Intramurales Myom

Bei der am häufigsten auftretenden Myom-Art bilden sich die Wucherungen inmitten der Muskelschicht der Gebärmutter, dem sogenannten Myometrium. Intramurale Myome äußern sich meist durch lange, verstärkte Blutungen. Je nach Größe der Wucherung bleibt die Form der Gebärmutter erhalten oder es bilden sich kartoffelsackartige Ausbuchtungen. Dadurch können die angrenzenden Organe beeinträchtigt werden, etwa wenn das Myom auf die Blase oder den Darm drückt. Problematisch sind intramurale Myome auch bei Frauen mit Kinderwunsch, da sie die Fruchtbarkeit beeinflussen können.

Subseriöses Myom

Diese Myome bilden sich an der Außenseite der Gebärmutter unter dem Bauchfell. Da die Wucherungen sich nicht im Uterus befinden, haben sie im Normalfall weder Einfluss auf die Monatsblutung, noch die Fruchtbarkeit. Allerdings können subseriöse Myome je nach Größe auf die umliegenden Organe drücken und Schmerzen verursachen.

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Submuköses Myom

Mit fünf Prozent tritt diese Art von Myomen eher selten auf. Die Tumore bilden sich unter der Gebärmutterschleimhaut und äußern sich mit wehenartigen Schmerzen und starken, langanhaltenden Blutungen, die zu einer Blutanämie (Blutarmut) führen können. Submuskuläre Myome stören die Einnistung der Eizelle im Uterus und können so verhindern, dass die Frau schwanger wird.

Intraligamentäres Myom

Intraligamentäre Myome bilden sich in den Bindegewebsschichten seitlich der Gebärmutter oder an deren Bändern und drücken deshalb oftmals auf den Harnleiter. Ein Harnstau kann die unangenehme Folge sein.

Zervixmyom

Diese Myom-Art bildet sich direkt im Gebärmutterhals, der sogannten Zervix. Große Myome können bis in die Vagina hineinragen und dann auf die Harnröhre, Blase und Darm drücken.

Das sind die Ursachen für Myome

Die genauen Auslöser für die Bildung von Myomen sind noch nicht abschließend geklärt. Studien haben allerdings ergeben, dass die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron die Bildung von Myomen fördern. Da die Sexualhormone ab der Pubertät bis zur Menopause in großen Mengen im weiblichen Körper vorkommen, bilden sich die gutartigen Gebärmutterwucherungen vor allem in den fruchtbaren Jahren einer Frau. Die Gefahr, Myome zu bekommen, steigt ab dem 35. Lebensjahr stark an und endet mit den Wechseljahren. In der Menopause wachsen Myome normalerweise nicht weiter.

Zudem spielen erbliche Faktoren eine Rolle: Hatten bereits die Mutter oder Großmutter Myome, besteht auch bei der Tochter eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, selbst davon betroffen zu sein. Zudem kann Übergewicht das Risiko für die Tumorbildung im Uterus erhöhen. Auch die ethnische Herkunft beeinflusst die Entstehung der Wucherungen: Besonders häufig werden Myome bei schwarzen Frauen diagnostiziert.

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Myomen mit einer gesunden Lebensweise oder anderen Maßnahmen vorzubeugen ist übrigens nicht möglich. Bei Frauen, die sich regelmäßig von einem Gynäkologen untersuchen lassen, werden die Wucherungen allerdings meist schon im Anfangsstadium erkannt und können dann entsprechend behandelt werden.

Wie äußern sich Myome? Die häufigsten Symptome

Myom-Patientinnen leiden nicht immer an Beschwerden – gerade im Anfangsstadium bemerken viele Frauen die knotenartigen Wucherungen im Uterus gar nicht. Etwa 30 Prozent der Betroffenen klagen hingegen über Schmerzen. Diese treten meist zyklisch vor und während der Periode auf. Auch wenn Myome im Normalfall nicht gefährlich sind, können Sie deshalb die Lebensqualität beeinflussen. Frauen mit Myomen klagen oftmals über Druck oder Fremdkörpergefühl im Unterleib. Blutungen, Schmerzen im Bauch, Unterleib oder Rücken, die durch den Druck auf die Harnröhre, Blase, Darm oder Nervenbahnen ausgelöst werden, sind ebenfalls häufige Beschwerden. Wenn Myome während der Schwangerschaft auftreten, können sie vorzeitige Wehen auslösen – oder von vornherein verhindern, dass die Frau schwanger wird.

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Diagnose: So erkennt man Myome

Im Normalfall werden Myome im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung ertastet. Besteht der Verdacht, dass ein Tumor der Gebärmutter vorliegt, folgt darauf meist eine Ultraschalluntersuchung oder Magnetresonanztomografie (MRT), um die genaue Ausdehnung des Myoms zu erkennen. Auch bei einer Bauchspiegelung können Myome entdeckt und kleinere Wucherungen direkt entfernt werden.

Therapie: Wie sich Myome behandeln lassen

Lange Zeit galt die operative Entfernung als medizinischer Standard, um die gutartigen Gebärmuttertumore zu behandeln. Mittlerweile gibt es Alternativen, die je nach Lage und Größe des Myoms sowie dem Alter der Patientin individuell zum Einsatz kommen.

Ausschälung

Je nach Lage und Größe des Myoms kommen verschiedene Arten der operativen Entfernung infrage. Im Normalfall findet der Eingriff unter Vollnarkose statt und wird individuell durch die Scheide, eine Bauch- oder Gebärmutterspiegelung oder durch einen Bauchschnitt durchgeführt. Liegt das Myom unter der Gebärmutterschleimhaut, kann es beispielsweise durch eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) entfernt werden. Hat es sich an der Außenseite der Gebärmutter gebildet, ist eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) möglich. Der Vorteil einer operativen Entfernung ist, dass das abnormale Gewebe entnommen und untersucht werden kann.

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Gebärmutterentfernung

Während die vollständige die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung früher häufig durchgeführt wurde, greifen Gynäkologen auf diese Behandlung bei Myomen heute nur noch in Ausnahmefällen zurück. Da die Frau nach dem Eingriff keine Kinder mehr bekommen kann, wird er nur dann in Betracht gezogen, wenn besonders viele oder sehr große Myome vorliegen oder definitiv kein Kinderwunsch mehr besteht. Die Operation kann entweder über einen Bauchschnit, eine Bauchspiegelung oder von der Scheide aus erfolgen.

Medikamente

Die gezielte Behandlung mit den Wirkstoffen Gestagenen und GnRH-Analoga – den Gegenspielern zu Östrogen – kann dabei helfen, das Wachstum der Knoten in der Gebärmutter zu bremsen oder ganz zu stoppen. Da eine medikamentöse Therapie nur zu einer Verlangsamung des Wachstums führt, verordnen sie Frauenärzte meist, um die Zeit bis zu einer Operation oder dem Beginn der Menopause zu überbrücken. 

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Embolisation

Bei einer Embolisation wird die Blutzufuhr zu den Myomen abgeschnitten, indem über einen Katheter winzige Partikel eingeführt werden, welche die Blutgefäße verschließen. Auf diese Weise „verhungert“ das Myom und schrumpft schließlich. Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass es auch gesundes Gewebe absterben lässt und so die Fruchtbarkeit der Frau beeinträchtigt werden kann. 

Thermoablation

Ein noch relativ experimentelles Therapieverfahren ist das Veröden des Myomgewebes durch fokussierte Ultraschallwellen. Die Behandlung erfolgt in der MRT-Röhre, um die Wucherung im Uterus sichtbar zu machen und durch gezielte Ultraschallimpulse und die dadurch erzeugte Hitze zu zerstören. Anschließend baut der Körper die abgestorbenen Zellen selbstständig ab. Für eine Thermoablation müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen: Damit die Behandlung erfolgreich durchgeführt werden kann, dürfen beispielsweise nicht mehr als drei Myome in der Gebärmutter vorliegen und die Wucherungen nicht größer als zehn Zentimeter sein. Zudem kann es durch die gebündelten Ultraschallwellen zu Verbrennungen kommen – und es besteht die Gefahr, dass die gutartigen Tumore wieder nachwachsen.