Nährstoffe aus der Kapsel: Welche Vitaminpräparate & Co. lohnen sich wirklich?

Angereichert mit Vitaminen, Mineralien oder Superfoods versprechen Nahrungsergänzungsmittel einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Bringen die Pillen tatsächlich etwas oder sind sie reine Geldmacherei? DONNA Online zeigt, welche Präparate tatsächlich sinnvoll sind.

Ausschnitt einer Frau, die ein volles Wasserglas in der einen und drei verschiedene Pillen in der anderen Hand hält

Eine für Vitamin B, eine für Zink, eine für Folsäure – hier lesen, ob sich Nahrungsergänzungsmittel wirklich lohnen.

Eine Pille mit Zink am Morgen, eine Vitaminkapsel vor dem Mittagessen, Moringapulver am Abend: Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich großer Beliebtheit – nicht zuletzt seit dem Boom von Superfoods und Präparaten, die den Körper mit der geballten Wirkung von Chiasamen, Spirulina und Co. versorgen sollen. Doch benötigt man Nahrungsergänzungsmittel in Pulver- oder Pillenform tatsächlich, um fit zu bleiben, oder reicht eine ausgewogene, gesunde Ernährung aus, um Krankheiten vorzubeugen? Im Ratgeber von DONNA Online erfahren Sie, welche Vitamin- und Mineralstoffpräparate tatsächlich empfehlenswert sind.

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Die Grundsatzfrage: Braucht man Nahrungsergänzungsmittel überhaupt?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Ob es sinnvoll ist, dem Körper lebensnotwendige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu liefern, ist vom individuellen Gesundheitszustand abhängig. So kann es bei älteren Menschen, die sich aufgrund von körperlichen Beschwerden nicht mehr ausreichend bewegen, durchaus empfehlenswert sein, fehlende Nährstoffe als Tabletten, Pulver oder spezielle Vitamin-Drinks zuzuführen. Auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen ist es teilweise schwierig, alle benötigten Vitalstoffe allein über die Nahrung zu sich zu nehmen, zumal notwendige Medikamente möglicherweise noch ihren Teil zur Entstehung eines Nährstoffmangels beitragen.

Bei älteren und chronisch kranken Menschen sind Präparate mit Eiweiß, Zink und Selen sowie einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sinnvoll. Die ungesättigten Fette der Omega-n-Fettsäuren sind etwa bei Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ratsam, da sie Gefäßverkalkungen vorbeugen können. Einen individuellen Therapieplan sollte bei Patienten mit solchen ernstzunehmenden Krankheiten allerdings ein Mediziner erstellen.

Auch Vegetarier und Veganer sollten prüfen, ob die Einnahme von Nährstoffpräparaten für eine ausgewogene Ernährung sinnvoll sein könnte. Denn Menschen, die auf Fleisch, Fisch oder sämtliche tierischen Produkte verzichten und zum Beispiel aufgrund von Allergien oder Nahrungsunverträglichkeiten auf bestimmte Getreide, Nüsse oder Obst- und Gemüsesorten verzichten müssen, riskieren eine Unterversorgung mit essentiellen Nährstoffen wie Eisen oder bestimmten Vitaminen. Bevor Sie allerdings beginnen, in Eigenregie fröhlich Pillen zu schlucken, sollen Sie eine Arzt oder Ernährungsberater konsultieren. Denn auch Vitamine, Spurenelemente und andere lebensnotwendige Stoffe können überdosiert bzw. in zu großen Mengen eingenommen werden und gesundheitliche Beschwerden auslösen. Ein Experte dagegen macht sich unter anderem mithilfe eines Blutbildes zunächst ein Bild davon, welche Nährstoffe Ihrem Körper über die Nahrung nicht ausreichend zugeführt werden und erstellt anschließend einen detaillierten Plan, welche Nahrungsergänzungsmittel in welcher Dosierung Sinn machen.

Grundsätzlich gilt: Ein gesunder Erwachsener, der auf seinen Speiseplan eine ausgewogene Mischung von tierischen Produkten wie Milch, Käse, Ei, Fleisch und Fisch sowie Obst, Gemüse und Getreideerzeugnissen setzt, benötigt im Normalfall keine zusätzlichen Nährstoffpräparate.

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Wie sinnvoll sind spezielle Präparate in der Menopause?

Immer mehr Pharmaunternehmen bieten Nahrungsergänzungsmittel an, die gezielt gegen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Unruhezustände helfen sollen. Prinzipiell ist es auch in dieser hormonellen Umstellungsphase nicht notwendig, auf künstlich zugeführte Nährstoffe oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel mit hormonähnlichen Substanzen zurückzugreifen. Denn – nicht nur in der Menopause, sondern wie bei jedem gesunden Erwachsenen auch – befinden sich die wichtigen Vitalstoffe, die sich positiv auf den ins Wanken geratenen Hormonhaushalt auswirken, in natürlichen Nährstofflieferanten, die man im Zuge einer frischen, ausgewogenen Ernährung zu sich nimmt.

Wissenschaftler warnen sogar vor Spezialpräparaten für die Wechseljahre auf Basis sogenannter isolierter Isoflavone wie Rotklee und Soja: Die Effekte dieser Inhaltsstoffe auf den weiblichen Körper sind noch nicht ausreichend erforscht. Laut einer Studie des Verbrauchermagazins „Stiftung Warentest“ gibt es zudem keine eindeutigen Belege für die positive Wirkung der Präparate in den Wechseljahren. Wenn Sie sich also unsicher sind, ob der Kauf teurer Nahrungsergänzungsmitteln gegen Wechseljahresbeschwerden Sinn macht, sollten Sie sich mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen – und sparen im Zweifel jede Menge Geld. Entscheiden Sie sich für Soja-Isoflavone, sollten Sie die Einnahme auf maximal zehn Monate, bei Rotklee-Isoflavonen auf maximal drei Monate beschränken. Frauen in den Wechseljahren, bei denen eine Krebserkrankung an Brust oder Gebärmutter vorliegt, wird von der Einnahme derartiger Präparate mit hormonaktiven Pflanzenstoffen dringend abgeraten, da nach Einschätzung der Experten von „Stiftung Warentest“ keine sichere Wirkweise garantiert werden kann.

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Gegen pflanzliche Präparate gegen leichte Wechseljahresbeschwerden ist dagegen nichts einzuwenden – etwa auf Basis von Traubensilberkerze, die Stimmungsschwankungen und andere körperliche und psychische Anzeichen für die beginnende Menopause auf natürliche Weise lindert. Auch Nahrungsergänzungsmittel mit Mönchspfeffer sind gesundheitlich unbedenklich und helfen unter anderem dabei, lästige Hitzewallungen in den Griff zu bekommen.

Risiken einer Selbstmedikation mit Nahrungsergänzungsmitteln

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Wer sich mit der Einnahme von Vitamin- oder Mineralstoffpräparaten etwas Gutes tun und nicht das Gegenteil durch eine falsche Dosierung oder Medikation bewirken will, sollte vorab einen Termin beim Hausarzt machen. Ohne einen Gesundheitscheck und eine Expertenmeinung dazu, ob und welche Nährstoffe dem Körper fehlen, ist es kaum möglich, auf Anhieb das passende Präparat zu finden. Bei Verdacht auf Eisenmangel und Co. sollten Sie sich deshalb unbedingt an einen Gesundheitsexperten wenden. Schließlich können Mangelerscheinungen auch ein Hinweis auf andere, teilweise ernsthafte oder chronische Erkrankungen sein.

Darüber hinaus unterliegen nur offiziell als Medikamente gekennzeichnete Produkte dem deutschen Arzneimittelgesetz. Bei ernsthaften Beschwerden oder Krankheiten haben Nahrungsergänzungsmittel keine ausreichende Wirkung – oder können den gesundheitlichen Zustand sogar verschlechtern.

5 Nährstoffe, die als Kapseln oder Pulver Sinn machen

In einigen Fällen sind Nährstoffe, die in Form spezieller Nahrungsergänzungsprodukte eingenommen werden, tatsächlich sinnvoll. Sie haben keine gesundheitlichen Beschwerden, lassen sich regelmäßig vom Arzt durchchecken und sind sich bewusst, dass Vitaminpillen kein Ersatz für eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sind? Dann können diese fünf Nährstoffe eine gute Ergänzung für Sie sein:

1. Zink

Bei einem ärztlich nachgewiesenen Zinkmangel sind passende Mineralstoffpräparate lebensnotwendig. Bei allen anderen Menschen gilt: bitte nur in Maßen. Denn viele der in Drogerien oder Apotheken erhältlichen Zinkpräparate sind für gesunde Konsumenten zu hoch dosiert. Wenn eine Erkältung in Verzug ist oder Sie bereits einen Schnupfen haben, können Nahrungsergänzungsmittel mit dem Mineralstoff jedoch kurzzeitig bewirken, dass sich die dafür verantwortlichen Rhinoviren nicht weiter im Körper ausbreiten. Die Einnahme sollte dann allerdings zeitlich beschränkt bleiben und nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt stattfinden. Eine Ausnahme bilden Vegetarier und Veganer: Da Fleisch einer der Hauptlieferanten für Zink ist, kann es bei einem bewussten Verzicht darauf Sinn machen, das Spurenelement als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.

2. Probiotika

Nach der Einnahme von Antibiotika, beispielsweise nach einer Rachenentzündung oder Erkrankung der Nasennebenhöhlen, können sogenannte Probiotika (idealerweise in Kombination mit Präbiotika) zur Darmsanierung beitragen. Um Probiotika zu kaufen, müssen Sie inzwischen noch nicht einmal mehr in die Apotheke gehen: Wirksame und qualitativ hochwertige probiotische Kapseln und Pulver sind auch in Drogerien erhältlich.

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3. Biotin

Eine ausreichende Biotinzufuhr ist wichtig für einen geregelten Stoffwechsel: Der auch als Vitamin H bekannte Vitalstoff sorgt für gesunde Haut, Haare sowie Nägel und ist an zahlreichen Prozessen im Körper wie zum Beispiel der Funktion des Nervensystems beteiligt. Biotin ist zwar in Nüssen, Haferflocken, Sojabohnen, Spinat, Linsen und Champignons enthalten, geht durch eine falsche Lagerung der Lebensmittel jedoch oftmals verloren. Bei Haarausfall, brüchigen Nägeln oder Hautproblemen kann es daher helfen, eine Kur mit biotinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln zu machen. Eine längere Einnahme des Vitamins sollten Sie mit einem Arzt besprechen: Für über einen längeren Zeitraum anhaltende Beschwerden, etwa starken Haarausfall, können auch hormonelle Schwankungen oder Schilddrüsenerkrankungen verantwortlich sein.

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4. Folsäure

Während der Schwangerschaft oder bei bestehendem Kinderwunsch ist es sinnvoll, täglich Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Das B-Vitamin ist essentiell für die Produktion neuer Zellen und ermöglicht das gesunde Wachstum des Embryos. Der Wirkstoff trägt außerdem zur Blutbildung bei, fördert das Haarwachstum und sorgt für eine gesunde Kopfhaut.

5. Grüntee-Extrakt

Der Extrakt aus grünem Tee reduziert nachweislich die Zahl bösartiger Zellen bei lymphatischer Leukämie und wirkt sich auch dann positiv auf die Gesundheit aus, wenn keine Krebserkrankung vorliegt. Wer grünen Tee nicht mag, ist mit Kapseln daher gut beraten.

Wichtige Tipps zu Anwendung und Einnahme der Nährstoffpräparate

Wenn Sie bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie sich vor dem Kauf von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen, um das passende Präparat für Ihre Bedürfnisse zu finden. Und: Lesen Sie aufmerksam die Packungsbeilage und halten Sie sich an die empfohlene Dosierung. Ob das jeweilige Produkt besser vor, zu oder nach einer Mahlzeit, unzerkaut oder mit Flüssigkeit eingenommen werden sollte, können Sie ebenfalls im dazugehörigen Beipackzettel nachlesen. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollten Sie die empfohlene Verzehrmenge nicht überschreiten.

Informieren Sie sich zudem über mögliche Wechselwirkungen mit Genussmitteln wie Alkohol, Nikotin und Koffein sowie die Kombination mit anderen Arzneimitteln, um unangenehme Nebenwirkungen zu vermeiden.

Und was ist eigentlich mit Kapseln auf Basis potenzieller „Superfoods“? In der Regel schaden sie der Gesundheit nicht und sind meist nur ein cleveres Marketing-Werkzeug, um die bei einer gesunden Ernährung eigentlich überflüssigen Präparate erfolgreich an den Verbraucher zu bringen. Wenn Sie dennoch Fan von Power-Pillen mit Algenextrakten, Moringa, Chiasamenpulver und Co. sind und sich von den teils hohen Preisen nicht abschrecken lassen, ist gegen die Einnahme der Kapseln, Drinks oder Pulver nichts einzuwenden – sofern Sie sich an die empfohlene Dosierung halten.