Störende Narben korrigieren: Diese ästhetischen Behandlungen helfen

Unfälle oder Operationen hinterlassen Spuren auf unserer Haut: Sind die Narben erst einmal da, lassen sie sich nur schwer wieder beseitigen. Dermatologe Dr. med. Christian Merkel erklärt, mit welchen ästhetischen Methoden störendes Narbengewebe sich behandeln lässt.

Nahaufnahme des Unterbauchs einer Frau, über den quer oberhalb des Slips eine Kaiserschnittnarbe verläuft

Eine Kaiserschnittnarbe empfinden viele Frauen als störend. Spezielle Methoden der ästhetischen Medizin helfen dabei, das vernarbte Gewebe zu korrigieren.

Selbst Jahrzehnte nach ihrer Entstehung werden Narben von vielen Betroffenen noch als störend empfunden – egal, ob es sich dabei um die Relikte einer Alltagsverletzung, Geburt per Kaiserschnitt oder anderer Operationen handelt. Die moderne ästhetische Medizin bietet jedoch vielversprechende Methoden, um vernarbtes Hautgewebe zu korrigieren und unschön verformte Narben weniger sichtbar zu machen. Die schlechte Nachricht vorweg: Vollständig entfernen lassen sich Narben leider auch mit den innovativsten Verfahren nicht. Zumindest aber gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die betroffenen Hautpartien zu behandeln und selbst auffällige Narben deutlich zu reduzieren.

Wie Sie mit der richtigen Wundpflege der Entstehung von Narben bereits frühzeitig vorbeugen können und welche medizinischen Behandlungsmethoden zur Narbenkorrektur es gibt, weiß Dermatologe Dr. med. Christian Merkel vom Haut- und Laserzentrum an der Oper in München.

Pigmentflecken behandeln: Was wirklich gegen Altersflecken und Co. hilft

DONNA Online: Zwischen welchen Narbenarten wird aus medizinischer Sicht unterschieden – und wie entstehen sie?
Dr. med. Christian Merkel: Man unterscheidet zwischen drei Arten von Narben: Es gibt die atrophe Narbe, also eine eingefallene Narbe. Die zweite Variante ist die sogenannte hypertrophe Narbe, das heißt eine wulstige Narbe. Die dritte Möglichkeit ist eine Keloidnarbe. Dabei kommt es zu einer regelrechten Wucherung der Haut, die auch spontan entstehen kann. Narben entstehen aus unterschiedlichen Gründen, meistens durch Verletzungen oder Operationen. Dabei wird eine bestimmte Hautschicht, die sogenannte Basalmembran, durchbrochen und es kommt zur Entstehung einer Narbe.

Stichwort Wundpflege: Welche Faktoren stören den Heilungsprozess und führen dazu, dass eine Narbe deutlicher sichtbar bleibt?
Das sind die klassischen Faktoren: Beispielsweise wenn die Wunde nass wird, weshalb nach Operationen immer spezielle Duschpflaster empfohlen werden. Auch eine Infektion kann eine Narbe deutlich verschlechtern, deswegen sollte sie immer sauber gehalten und mit Desinfektionsspray eingesprüht werden. Zudem ist Sonneneinstrahlung nach einer Operation oder auf einer Verletzung nicht ratsam, denn dann kann diese Narbe hyperpigmentieren (Red. Anm.: Hyperpigmentierung = eine durch Melanin verursachte Braunfärbung der Haut).

Welche medizinischen Methoden gibt es, um der Bildung unschöner Narben vorzubeugen?
Bei dieser Thematik kommt es natürlich darauf an, wie die Narbe entsteht. Bei einer Operation gibt es bestimmte Operationstechniken, die der Mediziner anwenden kann, um die Narbenbildung zu verhindern. Zum Beispiel der Einsatz eines Lasers während der OP oder einer besonderen Nahttechnik, die dazu führt, dass die Narbe weniger sichtbar wird.

Bei welchen Auffälligkeiten sollte ich wegen einer Narbe zum Arzt gehen?
Wenn eine Narbe schmerzhaft ist, eine Gefühlsstörung innerhalb der Narbe entstanden ist oder die Narbe überschießend – also hypertroph oder keloid ist (Anm. d. Red.: also zur Wulstbildung neigt und sich über das sie umgebende Hautniveau erhebt) – dann sollte man einen Arzt aufsuchen.

Geschwollene Lymphknoten: Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Wie effektiv sind Cremes und Gels auf Silikonbasis aus der Apotheke oder Drogerie gegen Narben?
Die Anwendung eines Silikongels wird empfohlen, wenn die Narbe noch relativ frisch ist – also innerhalb der ersten sechs Monate nach der Entstehung. Dann kann die Verwendung eines Silikongels ein- oder zweimal täglich die Narbe deutlich verbessern, ohne dass weitere Maßnahmen nötig sind. Nach Ablauf dieser Zeitspanne bringt ein solches Präparat aber nichts mehr.

Welche kosmetischen Möglichkeiten gibt es zur Narbenkorrektur und wie funktionieren die Behandlungen?
Es besteht die Möglichkeit, die Narbe mit einer Cortison-Kristallsuspension zu unterspritzen, um sie wieder flacher zu bekommen. Darüber hinaus gibt es die Option, die Narbe zu lasern oder mit einem Microneedling zu behandeln, um durch diese kleinen Verletzungen die Kollagensynthese der Haut anzuregen und so zu bewirken, dass sich die Haut des Narbengewebes erneuert. Außerdem kann eine störende Narbe mit einem Laser behandelt und auf diese Weise flacher gemacht, also abgetragen werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Rötungen aus einer Narbe mit einem Lasersystem zu entfernen, wenn die Farbe nicht so schön ist. Auch Pigment aus einer Narbe, etwa eine bräunliche Verfärbung, kann man mit dem Laser behandeln.

Wie teuer sind die einzelnen Behandlungsmethoden – und werden die Kosten ggf. von der Krankenkasse übernommen?
Wenn die Narbe nicht nur kosmetisch, sondern auch funktionell störend ist, werden die Kosten von der Krankenkasse erstattet. Bei kosmetischen Beeinträchtigungen ist das dann eine Einzelfallentscheidung. Die Kosten sind von der jeweiligen Behandlungsmethode abhängig: Bei kleinen Einspritzungen in die Narbe können die Kosten bei 50 Euro beginnen. Bei komplizierten Laser-Treatments, die man in mehreren Sitzungen durchführen muss, kann es teilweise von Kosten in Höhe von insgesamt mehreren Hundert Euro kommen. 

Sind ästhetische Methoden zur Narbenkorrektur nur bei „jüngeren“ Narben sinnvoll oder lassen sich auch ältere Narben damit behandeln?
Prinzipiell lassen sich auch alte Narben behandeln. Besonders mit den Laser-Narbenkorrekturen kann man im Prinzip auch jahrzehntealte Narben gut behandeln.

Wann ist es sinnvoll, eine Narbe operativ korrigieren zu lassen?
Das ist eine Option, die ich bislang noch nicht angesprochen habe: Auch das kann man prinzipiell bei jeder Narbe überlegen. Wenn die Narbe hypertroph oder keloid, also überschießend geworden ist, kann es allerdings dazu kommen, dass durch die operative Narbenkorrektur die zweite Narbe, die dabei entsteht, schlechter wird als die erste. Daher ist eine ausführliche Aufklärung des Patienten notwendig.